Schmähkritik (587): RTL Fußballberichterstattung zur EM-Qualifikation

„Der Kölner Privatsender hat sich die Übertragungsrechte für diese Veranstaltung gesichert. Zuschauer wie Fernsehkritiker stellen sich aber kurz vor Mitternacht nur noch eine Frage: Handelt es sich hier um eine Verschwörung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkveranstalter, um deren Unersetzbarkeit zu dokumentieren? Sollte gar deutlich gemacht werden, dass es immer noch eine Möglichkeit geben kann, jedes journalistische Niveau zu unterbieten? Ansonsten lassen sich diese fünf Stunden des Zuschauers mit „Mein RTL“ kaum sinnvoll erklären. (…)

So flogen dem Zuschauer ratternd die Worte um die Ohren, die ihn an die Elogen auf Stalin im sozialistischen Realismus erinnern könnten, wenn sich unter den Zuschauern oder RTL-Redakteuren noch jemand an Stalin erinnern sollte. Der Formulierungskunst war im Rückblick auf Brasilien keine Grenze gesetzt. Der sozialistische Realismus überwand bekanntlich auch mit leichter Feder die Grenze zum Kitsch. „Im strömenden Regen von Recife“, wir erinnern uns dunkel an das Spiel, „sind die US-Boys von Löws Vorgänger Jürgen Klinsmann letztlich die Begossenen.“ Es fehlte noch des Pudels Kern. (…)

Angesichts dessen kam eine gewisse Nostalgie über die Übertragungen in ARD und ZDF auf. (…) Aber die Verschwörer sollten sich keine Illusionen machen. Den Fußball als Event zu betrachten, ist auch bei den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten schon längst zum schlechten Standard geworden. (…) Insofern sollte sich in Mainz und Hamburg die Schadenfreude über diese peinliche Veranstaltung gestern Abend in Grenzen halten.“


(Frank Lübberding in der FAZ über die RTL-Übertragung der EM-Qualifikationsspiele der deutschen Nationalmannschaft)

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