Alben des Jahres 2014

1. Ja, Panik – Libertatia


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Nach „DMD KIU LIDT“ war klar: wenn Ja, Panik nach diesem Jahrzehntalbum und vor allem diesem letzten Song zurückkehren würden, können sie nicht mehr einfach so weiter machen, zu sehr hatten sie mit DMD etwas endgültig ausformuliert. Die Band schrumpfte um zwei Mitglieder, die Gitarren verschwanden gleich mit und auf einmal hatte man eine neues Ja, Panik vor sich, das die alten Qualitäten noch verstärkte und dabei neue in die Gleichung mit aufnahm. Als man im zweiten Summer Of Love 1982 von einer besseren Welt durch Pop träumte, als von Heaven 17 über Human League bis ABC politischer Pop das Gebot der Stunde war, wollte man im Grunde genau solche Lieder schreiben, die Ja, Panik auf „Libertatia“ gelungen sind. Das Titelstück, Dance The ECB, Au Revoir und Antananarivo sind politische Ansagen, wie sie deutlicher nicht sein könnten. Die Faust auf dem Dancefloor wird gestreckt, der Umsturz tanzend eingefordert. Emma Goldmans Bonmot „If I can’t dance, it’s not my revolution!“ war nie besser in Lieder übersetzt worden als auf „Libertatia“.


2. Die Nerven – Fun


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Die Nerven sind die beste Liveband des Landes. Punkt. Und wie es ihnen gelingt, die Intensität ihrer Liveshows, die manchmal gar beängstigend wirkt, auf ihre Platten zu übertragen, ist verblüffend. War Vorgänger „Fundamental“ ein Faustschlag, so gelingt es den Stuttgartern auf der neuen Platte zugänglicher zu klingen, ohne dabei Kompromisse eingehen zu müssen. Noisegitarren der Sonic-Youth-Schule treffen auf Post-Punk-Attitude.


3. Trümmer – Trümmer


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Die mit einigen Vorschußlorbeeren an den Start gegangenen Trümmer waren letzten Endes dann auch tatsächlich die bemerkenswertesten Newcomer des Jahres. Es ist die wilde Naivität der Jugend, die aus den Trümmer-Songs spricht. Der Glaube, dass es gilt, eine Welt zu verändern. Weil die Band um Paul Pötsch unverschämt eingängige Indierocksongs mit dem Anspruch verbindet, auf die Barrikaden zu gehen, könnte Trümmer zu einer prägenden Band für eine Generation werden.


4. Parquet Courts – Sunbathing Animal


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Die beste Band Amerikas. Unangepasst, kompromisslos und derzeit praktisch in einer eigenen Liga spielend. Man kann natürlich auf die New Yorker Vorgängerbands verweisen, und ja, selbstredend steckt auch hier die Velvet-Underground-DNA in den Songs der Parquet Courts, aber Andrew Savage & Co bleiben hier nicht stehen, sondern binden Post-Punk-Gitarren genauso ein wie den freien Anklang an Country und Americana der Minutemen oder die Dekonstruktion von Melodien aus den besten Pavement-Zeiten.


5. Amazing Snakeheads – Amphetamine Ballads


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Die gemeinste, fieseste Platte des Jahres. Auf der ersten Hälfte bläst uns wilder in-die-Fresse-Punkrock der Marke Gun Club um, doch auf Seite 2 kommt auf einmal ein Saxophon (!) zum Einsatz, das Tempo wird merklich reduziert und man glaubt den verschollenen Soundtrack zu David Lynchs Rockabilly-Fantasie „Wild At Heart“ zu hören. Psychotischer war 2014 nirgends als auf den passend betitelten „Amphetamine Ballads“ der Amazing Snakeheads. Eine Band zum Fürchten, eine Band zum Lieben.


6. Parkay Quarts – Content Nausea


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Parquet Courts, Parkay Quarts – egal unter welchem Namen Andrew Savage in diesem Jahr Platten veröffentlichte, sie waren brillant. Nur ein halbes Jahr nach dem regulären Album (siehe Platz 4) warfen Savage & Co. mit „Content Nausea“ eine ebenso gute zweite Platte auf den Markt, die stilistisch noch breiter gefächert war. Vom Gang Of Four – Sound zur Eröffnung („Everyday it starts“) über den besten Lou-Reed-Song, den Lou Reed nie geschrieben hat („Pretty Machines“) zum mächtigen Pavement-Gedenktrack „Uncast Shadow Of A Southern Myth“ als Rauswerfer.


7. Die Heiterkeit – Monterey


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Wie gelassen und selbstsicher Stella Sommer auf „Monterey“ singt! Weg sind die Twee-Pop-Anfänge der ersten EP, an ihre Stelle sind Valium-Chansons getreten, die gar keine Not sehen, mit Tempo oder Effekthascherei auf sich aufmerksam zu machen. So sind Die Heiterkeit innerhalb von zwei Alben zu einer Band geworden, die völlig für sich steht und kaum irgendeinen Vergleich zulässt.


8. La Roux – Trouble In Paradise


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Fünf Jahre war sie weg, Elly Jackson aka La Roux. Und kommt zurück als wären fünf verdammte Jahre im Pop nicht eine Ewigkeit! Wenn ihr brillantes Debütalbum 1981 und Human League war, dann ist „Trouble In Paradies“ die Mitte der 80er und ein Hallo an den Yacht Rock dieser Jahre – aber ohne Ironieumweg, ohne zum bloßen Hipsterzitat zu verkommen! Das beste Popalbum des Jahres. Jetzt bitte nicht wieder fünf Jahre Pause, Elly!


9. Jens Friebe – Nackte Angst zieh dich an, wir gehen aus


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Der beste Albumtitel des Jahres – und die beste Friebe-Platte seit „Kennedy“ und „Lawinenhund“. Ein kämpferisches Album, das dennoch seinen Witz nie verliert. Exemplarisch sei auf „Sei einfach nicht du selbst“ verwiesen, das auf clevere Art den „wird man doch mal sagen dürfen“-Kameraden den Scheitel zieht:

„Sie macht ihr Ding, sie macht ihr Ding
doch ihr Ding ist die Entrechtung der werktätig Beschäftigten

Er glaubt an seine Sache, Er glaubt an seine Sache
doch seine Sache ist der Hass auf alles Schwache.

Gib mir ein Versprechen und versprich mir dass du es hälst:
sei einfach nicht du selbst!“



10. Fat White Family – Champagne Holocaust


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Die britische Gitarrenszene ist in einem traurigen Zustand. Doch fünf Assis aus Südlondon bringen alles mit, um in den kommenden Jahre die wichtigste Band der Insel zu werden. Dreckig, schmutzig, kompromisslos. Die Fat White Family nimmt auf keine Sensibilitäten Rücksicht, aber gibt so den Ausgegrenzten eine Stimme. Dazu sind sie die beste Liveband Englands – und alle bisherigen Aufnahmen geben trotz eines guten Albums wie eben „Champagne Holocaust“ nicht einmal annähernd (!) wieder, was diese Band für ein Potential hat und welchen Irrwitz sie auf der Bühne bieten.
Eine Band wie die Zahnlücke, die man nie haben wollte, aber irgendwie trotzdem geil aussieht!


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11. The Wytches – Anabell Dream Reader
12. Baxter Dury – It’s A Pleasure
13. Andrew Jihad Jackson – Christmas Island
14. Human Abfall – Tanztee von unten
15. Snoffeltoffs – Hokus Pokus
16. Damon Albarn – Everyday Robots
17. Jamie T – Carry On The Grudge
18. The Vacant Lots – Departure
19. Karies – Seid umschlungen Millionen
20. Iceage – Plowing Into The Fields Of Love


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21. Conor Oberst – Upside Down Mountain
22. Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen – Alle Ampeln auf Gelb
23. DYN – DYN
24. Jenana – One Word: Words
25. Metronomy – Love Letters
26. The Notwist – CLose To The Glass
27. Wanda – Amore
28. Sun Kil Moon – Benji
29. Champs – Down Like Gold
30. Der Nino aus Wien – Bäume


http://www.dailymotion.com/video/x27yw1n


31. Bonnie ‚Prince‘ Billy – Singer’s Grave A Sea Of Tongues
32. Marianne Faithfull – Give My Love To London
33. Camera – Remember I Was Carbon Dioxide
34. Kreisky – Blick auf die Alpen
35. Dean Wareham – Dean Wareham
36. Hookworms – The Hum
37. King Creosote – From Scotland With Love
38. History Of Apple Pie – Feel Something
39. Julian Casablancas & The Voidz – Tyranny
40. Stanley Brinks & The Wave Pictures – Gin


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41. The Rentals – Lost In Alphaville
42. Perfume Genius – Too Bright
43. Erdmöbel – Geschenk
44. Blue Angel Lounge – A Sea Of Trees
45. Warm Graves – Ships Will Come
46. Manic Street Preachers – Futurology
47. Kommando Elefant – Lass uns Realität
48. The Anna Thompsons – The Anna Thompsons
49. Slow Club – Complete Surrender
50. East India Youth – Total Strife Forever



Vorjahresgewinner:
* 2013: Waxahatchee – Cerulean Salt
* 2012: This Many Boyfriends – This Many Boyfriends
* 2011: Ja, Panik – DMD KIU LIDT
* 2010: The Smith Westerns – The Smith Westerns
* 2009: Ja, Panik – The Angst & The Money
* 2008: Laura Marling – Alas I Can’t Swim
* 2007: The Good, The Bad & The Queen – The Good, The Bad & The Queen
* 2006: Love Is All – 9 Times The Same Song


und 2013?





1. Waxahatchee – Cerulean Salt
2. Gabriel Bruce – Love In Arms
3. Chuckamuck – Jiles
4. Parquet Courts – Light Up Gold
5. Foxygen – We Are The 21st Century Ambassadors Of Peace & Magic
6. Messer – Die Unsichtbaren
7. The Julie Ruin – Run Fast
8. Nick Cave & The Bad Seeds – Push The Sky Away
9. FIDLAR – FIDLAR
10. Babyshambles – Sequel To The Prequel

mit Text? hier



und 2012?





1. This Many Boyfriends – This Many Boyfriends
2. Die Nerven – Fluidum
3. Pond – Birds, Wives, Denim
4. Howler – America Give Up
5. Toy – Toy
6. Mystery Jets – Radlands
7. Chromatics – Kill For Love
8. Crocodiles – Endless Flowers
9. Die Heiterkeit – Herz Aus Gold
10. Django Django – Django Django

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und 2011?






1. Ja, Panik – DMD KIU LIDT
2. WU LYF – Go Tell Fire To The Mountain
3. Chuckamuck – Wild For Adventure
4. Girls – Father, Son, Holy Ghost
5. The Smith Westerns – Dye It Blonde
6. Finn. – I Wish I Was Someone Else
7. Locas In Love – Lemming
8. Black Lips – Arabia Mountain
9. The Rapture – In The Grace Of Your Love
10. Josh T Pearson – Last Of The Country Gentlemen

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und 2010?






1. The Smith Westerns: The Smith Westerns
2. Girls: Broken Dreams Club EP
3. Manic Street Preachers: Postcards From A Young Man
4. 1000 Robota: UFO
5. Sleigh Bells: Treats
6. LCD Soundsystem: This Is Happening
7. Wave Pictures: Susan Rode The Cyclone
8. Laura Marling: I Speak Because I Can
9. Television Personalities: A Memory Is Better Than Nothing
10. Christiane Rösinger: Songs Of L. & Hate


und 2009?






1. Ja, Panik – The Angst & The Money
2. The Horrors – Primary Colours
3. Girls – Album
4. Pet Shop Boys – Yes
5. Emmy The Great – First Love
6. The Wave Pictures – If You Leave It Alone
7. Manic Street Preachers – Journal For Plague Lovers
8. Let’s Wrestle – In The Court Of The Wrestling Let’s
9. La Roux – La Roux
10. Peter Doherty – Grace/Wastelands

und 2008?






1. Laura Marling – Alas I Can’t Swim
2. Glasvegas – Glasvegas
3. No Age – Nouns
4. Crystal Castles – Crystal Castles
5. Vampire Weekend – Vampire Weekend
6. Love Is All – A Hundred Things To Keep Me Up At Night
7. 1000 Robota – Er Nicht Du Nicht Sie Nicht
8. Johnny Flynn & The Sussex Wit – A Larum
9. Hot Chip – Made In The Dark
10. Santogold – Santogold

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und 2007?






1. The Good, The Bad & The Queen – The Good, The Bad & The Queen
2. Die Türen – P-O-P-O
3. LCD Soundsystem – Sound Of Silver
4. Babyshambles – Shotters Nation
5. Tocotronic – Kapitulation
6. The White Stripes – Icky Thump
7. Jamie T – Panic Prevention
8. The Cribs – Men’s Needs, Women’s Needs, Whatever
9. Friska Viljor – Bravo!
10. The Rakes – Ten New Messages

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Kommentare (6)

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  5. Auf welchem Format letztendlich das Album erschienen ist, ist für die Betrachtung hier eigentlich egal. Es geht mehr um die Idee einer zusammenhängenden Liedfolge, die vom Künstler eben so gewollt ist. Die genannten Alben sollte es alle auf Vinyl und CD geben und auch auf Spotify auffindbar sein.
    Tipp: Spotify-Best-Of-Playlists zum Jahr folgen in den nächsten Tagen sowieso noch…

  6. Sorry, blöde Frage: Meinst du mit Platten Platten, also Schallplatten? Die sollen ja bekanntlich wieder in Mode sein. Außer bei mir.

    Gibt es alle gecharteten Alben plattformunabhängig oder nur auf den großen Plastikscheiben, sodass das Lesen der Charts mir nicht wirklich etwas bringen würde?

    Thx für Feedback, wenn.