A Year In Pictures: Die Filme des Jahres 2014

Außerhalb der eigentlichen Wertung:
True Detective (Creator: Nic Pizzolatto / Regie: Cary Fukunaga)


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Im Grunde ist die HBO-Serie „True Detective“ ein achtstündiger Film, denn im Gegensatz zu den meisten anderen Serien war die erste Staffel aus einer Feder und alle Folgen von ein und demselben Regisseur gedreht. Gerade in der Mitte dieser Staffel erreicht „True Detective“ Höhen, wie sie das Fernsehen vielleicht seit Twin Peaks nicht mehr erklommen hat. Stilistisch brillant, willfährig wirr, mit vertrackter, anfangs schwer durchdringlicher Story und zwei atemberaubenden Leads: Woody Harrelson und vor allem Matthew McConaughey, der hier eine Fernsehfigur für die Ewigkeit schafft. Sein nuschelnder, saufender, philosophierender Zyniker Rusty Cohle schleudert uns Zuschauern Sätze entgegen, die man so im populären Fernsehen noch nie gehört hat:

“I consider myself a realist, but in philosophical terms, I’m what’s called a pessimist.
I think human consciousness was a tragic misstep in evolution. We became too self-aware. Nature created an aspect of nature separate from itself. We are creatures that should not exist by natural law. We are things that labour under the illusion of having a self – a secretion of sensory experience and feeling, programmed with total assurance that we are each somebody, when in fact everybody’s nobody.
I think the honourable thing for our species to do is to deny our programming, stop reproducing, walk hand in hand into extinction, one last midnight, brothers and sisters opting out of a raw deal.”



1. Boyhood (Regie: Richard Linklater)


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„Boyhood“ war der Moment, in dem sich eine ganze Karriere in einem Film kristallierte. Alle Themen, die Linklater seit 25 Jahren nun umtreiben – die Coming-Of-Age-Phase, die Frage nach der Ewigkeit/Flüchtigkeit von Liebe und wie der Alltag sie bedroht, die existentialistischen Philosophie-Exkurse – sie finden sich in Boyhoods drei Stunden wieder. Zudem ist „Boyhood“ der seltene Fall eines Konzeptfilms, in dem das Konzept so dermaßen den Inhalt verstärkt: die Idee, den Film über viele viele Jahre mit den gleichen Schauspielern zu drehen und so ein echtes „Coming Of Age“ zu erzeugen, hätte auch schief gehen können. Aber wie der junge Ellar Coltrane sich entwickelt, wie Patricia Arquette von sexy It Girl zu Mutterglucke und Ethan Hawke vom wilden Rebellen zum verbrauchten Lebensverschwender wird – das hätte keine Maske so schminken können. Ein Film, wie es ihn nur selten gibt.


2. Nymphomaniac Vol. 1 (Regie: Lars von Trier)


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Neben „Boyhood“ der andere große Wahnsinnsfilm des Jahres. Wahnsinn im Ansatz, Wahnsinn in der Ausführung. Das aber wirklich unfassbarste an Nymphomaniacs ersten Teil ist, wie lustig Lars von Trier sein kann, wie unterhaltsam, kurzweilig. Wer den üblichen Depri-Trier erwartet hatte, der musste sich mit dem eher okayen Vol. 2 trösten, aber Vol. 1 war von Trier ohne Bremse, ein Anschlag auf die Sinne, wild, zügellos. In der wirklich großen Karriere von Lars von Trier vielleicht sogar sein bester Film überhaupt.


3. Blue Ruin (Regie: Jeremy Saulnier)


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Der tighteste Thriller des Jahres. No Budget, No Nonsense. Ohne Sympathieträger, dafür mit einer fürchterlichen Konsequenz in der Inszenierung. Hier kann alles nur schrecklich enden und trotzdem ist die Spannungsschraube bis Anschlag gedreht. So ungefähr haben die besten Krimis des New Hollywood in den 70ern ausgesehen – und gewirkt. Von Jeremy Saulnier, der „Blue Ruin“ über Kickstarter finanziert hat, wird man noch viel hören.


4. Good Vibrations (Regie: Lisa Barros D’Sa, Glenn Leyburn)


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Der beste Spielfilm über Musik seit langem! Die Geschichte von Terry Hooley, Gründer des Good-Vibrations-Plattenlabels aus Belfast, das „Teenage Kicks“ der Undertones entdeckte. Es sind so viele wunderbare Momente in diesem Film, die genau den Punkt einfangen, an dem Musik einen überwältigt. Selten wurden diese life changing moments so toll bebildert (und be-soundtrackt) wie hier. Ob das auf der ersten Tour durch Nordirland ist, wenn sich der Punkvirus vom ersten Pogenden in geschickten Jumpcuts zum wilden Pit überspringt oder die Stelle, in der John Peel im Radio zum ersten Mal „Teenage Kicks“ spielt – wer selbst sich einmal in Musik (und im Besonderen in Punkrock) verliebt hat, dem werden diese Szenen aus dem Herzen sprechen.


5. Wolf Of Wall Street (Regie: Martin Scorsese)


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Lange hat ein Martin Scorsese – Film nicht mehr so viel Spaß gemacht wie der „Wolf Of Wall Street“, in dem Scorsese seines Alters ungeachtet dermaßen Tempo gibt und keinerlei Grenzen bei Sex & Drogen zieht, dass es eine Freude ist, einen großen Regisseur bei einem so wilden Ritt zuzusehen. Die McConnaissance, die mit „Dallas Buyers Club“ und „True Detective“ ihre Vollendung fand, deutete sich übrigens auch hier in Matthew McConaugheys Miniauftritt bereits an:





6. Metalhead (Regie: Ragnar Bragason)


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Komisch, dass man sich immer gleich in der Verpflichtung sieht, bei einem Film wie „Metalhead“ als erstes zu schreiben: völlig unironisch!
Denn „Metalhead“ erzählt vom Aufwachsen in der Weite/Leere des isländischen Landes und wie Metal zu einem, vielleicht dem einzigen Anker im Leben einer jungen Frau wird, die mit Rebellion versucht, den frühen Tod ihres Bruders zu kompensieren. Großartige Bilder und eine Aufrichtigkeit, die man selten in Filmen findet, machen „Metalhead“ zu einem wirklich bemerkenswerten Film, für den man wirklich keine Iron Maiden lieben muss, um Gefallen an „Metalhead“ zu finden.


7. Kings Of Summer (Regie: Jordan Vogt-Roberts)


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Wäre „Boyhood“ nicht so ein Meisterwerk, „Kings Of Summer“ dürfte sich mit dem Titel bestes Coming-Of-Age-Movie des Jahres schmücken. In der klassischen Tradition des amerikanischen Indiefilms erzählt „Kings Of Summer“ von diesem einen Sommer, in dem ein paar Jungs gegen alle Widrigkeiten zu sich selbst finden. Wer „Stand By Me“ mochte, wird viel Vergnügen mit „Kings Of Summer“ haben.


8. Mauern der Gewalt (Regie: David Mackenzie)


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Intensives, beeindruckend gespieltes Gefängnisdrama, das es hierzulande leider nur zu einem DVD-Release geschafft hat. Völlig zu Unrecht, denn erneut zeigt David McKenzie (Hallam Foe, Perfect Sense), dass er einer der talentiertesten Regisseure der Insel ist. Hätte den gleichen Ruhm wie „Ein Prophet“ verdient!


9. Guardians Of The Galaxy (Regie: James Gunn)


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Der Blockbuster des Jahres. Und selten waren sich wohl Kritik und Publikum so einig. Ein durch und durch gelungener, amüsanter Film, der auf jeder Ebene Vergnügen bereitet, einen tollen Soundtrack hat und, ja, in all dem computeranimierten Irrsinn sogar Charaktere, die uns interessieren – der überraschendste aller Special Effects! Man kann nur den Hut ziehen, wie man aus dieser absurden Vorlage (ein sprechender Baum („I AM GROOT!“), ein zynischer Waschbär und ein an Hybris leidender menschlicher Space-Bandit mischen das Weltall auf!) einen so unterhaltsamen Film machen konnte.


10. ’71 (Regie: Yann Demange)


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Nur auf der Berlinale gelaufener Film über die „Troubles“, den Nordirlandkonflikt, mit einer Intensität, die in diesem Jahr ihres gleichen gesucht hat. Nach einem eher klassischen Soldaten/Bürgerkriegs-Filmbeginn entwickelt sich „’71“ zu einem klaustrophobischen Thriller, werden die Gassen, durch die die Charaktere sich hetzen, immer enger, rückt die Kamera immer dichter auf. Dann das Finale in einem Mietshaus, in dem die Bildsprache sich der klassischen 70’s-Slasher-Filme bedient – und was anderes ist ein Krieg auch als ein einziger großer Slasher?


11. Here Comes The Devil (Regie: Adrián García Bogliano)


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Der beste Horrorfilm des Jahres. Okkulter 70ies-Horror aus dem Lehrbuch!


12. Under The Skin (Regie: Jonathan Glazer)


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Der beste WTF!?-Film des Jahres. Scarlett Johansson im Lo-Fi-Lo-Budget-Sci-Fi-Arthouse-Wunder.


13. Auge um Auge – Out of the Furnace (Regie: Scott Cooper)


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Working Class in Amerika und ihr Untergang. Eine Redneckgeschickte von shakespeare’schem Ausmaß.


14. Sag nicht wer du bist (Regie: Xavier Dolan)


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Trotz allem „Mommy“-Lobs der bessere, wenngleich „kleinere“ Xavier Dolan Film in diesem Jahr. Ein Thriller und eine weirde Liebesgeschichte vor dem Kontext von ländlicher Homophobie und Selbsthass.


15. Höhere Gewalt (Regie: Ruben Östlund)


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Bittere Auseinandernehmen des Prinzips Beziehung / Liebe. Dabei irre komisch.


16. 12 Years A Slave (Regie: Steve McQueen)
17. American Hustle (Regie: David O. Russell)
18. Ganz weit hinten (Regie: Nat Faxon, Jim Rash)
19. Her (Regie: Spike Jonze)
20. We Are The Best (Regie: Lukas Moodysson)


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21. The Signal
22. Mommy
23. Im Keller
24. Miss Violence
25. Grand Budapest Hotel
26. Mud
27. The Sacrament
28. Enemy
29. Nymphomaniac Vol. 2
30. 20.000 Days On Earth


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31. Love Steaks
32. Nordvest
33. All Is Lost
34. Godzilla
35. Who Am I
36. Maps To The Stars
37. Short Term 12
38. Frank
39. Joe
40. The Body


Die Vorjahressieger:

2013: Upstream Colour (USA, Regie: Shane Carruth)

2012: Drive (USA, Regie: Nicolas Winding Refn)

2011: Submarine (UK, Regie: Richard Aoyade)

2010: Bad Lieutenant: Port Of Call – New Orleans (USA, Regie: Werner Herzog)

2009: Inglorious Basterds (USA, Regie: Quentin Tarantino)

2008: No Country For Old Men (USA, Regie: Joel & Ethan Coen)

2007: Ex Drummer (Belgien, Regie: Koen Mortier)

2006: Match Point (USA, Regie: Woody Allen)

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