vonChristian Ihle 23.02.2015

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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1. Der Film in einem Satz:


Besser als ein Film über Drum-Soli eines Jazz-Drummers je sein dürfte.


2. Darum geht‘s:


Der junge Andrew ist besessen von seinem Traum, einer der Greatest der Jazzgeschichte zu werden: Er trainiert sich die Hände blutig, um seinem Idol Charlie Parker nachzueifern.
Als Andrew in das renommierte Orchester seines Musikkonservatoriums aufgenommen wird, scheint sich sein Traum zu erfüllen – sein brutalstrenger Lehrer sieht in ihm Talent, geht aber über alle Grenzen, um wirklich sein ganzes Potential freizulegen. Andrew zerbricht an Stress und Angstzuständen…

Natürlich werden in „Whiplash“ First-World-Problems erster Kajüte verhandelt – hat der arme Junge zu viel Stress im Musikkonservatorium? Ja?
Aber davon mal abgesehen ist Damien Chazelle zweiter Film (der erste, „Guy and Madeline on a Park Bench“, war übrigens über einen Jazz-Trompeter, I see a pattern here…) stringent durchkomponiert und brillant gespielt. Insbesondere der ewige Nebendarsteller J.K. Simmons als fanatischer Jazzlehrer spielt so atemberaubend gut, dass alles andere als eine Oscarauszeichnung ein Affront gewesen wäre.


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Chazelle, selbst Jazz-Schlagzeuger, inszeniert „Whiplash“ (letztjähriger Gewinner des wichtigsten US-Indie-Filmfestivals in Sundance ) auch fern von allen Klischee-Jazz-Bildern in verrauchten Bars, in denen Musiker cool auf der Bühne improvisieren, sondern zeigt Jazz als brutal harte Arbeit, als ewiges Training, als Niederschlagen des eigenen (oder im Fall des Lehrers: des fremden) Schweinehundes.
Wenn man so will ist „Whiplash“ der „Rocky“ unter den Jazzfilmen. Das Musikkonservatorium ist die Boxhalle, die blutenden Hände dank durchgedrummter Nächte sind die Trainingsübungen vor dem Weltmeisterschaftskampf und der Schlußauftritt der große Showdown der Antagonisten – nur mit erheblich mehr beats per minute als im Ring…


3. Der beste Moment:


Der Moment, in dem Andrews Traum zerbricht. Eigentlich wissen wir, dass wir darauf zusteuern, aber als er hereinbricht, sind wir doch von der Plötzlichkeit schockiert.


4. Diese Menschen mögen diesen Film:


Man muss nicht Jazz lieben, um „Whiplash“ zu mögen.


* Regie: Danielle Chazelle
* imdb

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