Das Soloalbum von Ja, Panik – Sänger Andreas Spechtl: Sleep

„Sleep“ heißt das Nebenprojekt und Debütsoloalbum von Ja, Panik – Sänger Andreas Spechtl.
Nach einem ersten, angemessen verstörenden Teaser wusste man wirklich nicht, was auf einen zukommen würde: unhörbare Soundexperimente, gekreuzt mit Field Recordings aus Burgenland, Bombay und Berlin? Aber weit gefehlt, entgegen des Zirpens und Krchns zu dem sich Spechtl noch im Teaser auf dem Boden wälzt, ist „Sleep“ ein erstaunlich rundes Album geworden, das sich zwar weit von den bisherigen Platten seiner Band entfernt, aber doch durchaus an ähnliche Referenzpunkte anknüpft – diese aber entweder anders interpretiert oder neue Schwerpunkte setzt.


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Ein gutes Beispiel ist Albumopener „Sister Sleep“, ein, nun ja sagen wir’s, sleeper hit in its own right: zunächst eher produktionstechnisch faszinierend, gräbt sich Schwester Schlaf mit jedem Hördurchgang tiefer ins Gedächtnis. Und wenn die Hauptband Ja, Panik schon immer stark von Velvet Underground beeinflusst war, dann ist in „Sister Sleep“ eben nicht Onkel Lou der Anknüpfungspunkt, sondern vielmehr John Cales Viola. Diesen Sound loopt Spechtl wie sonst nur Owen Pallett und erhebt ihn so zum Leitelement des ganzen Liedes.


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An anderer Stelle („Hauntology“) denkt man unweigerlich an einen weiteren aus Ja, Panik- Zeiten bekannten Einfluß wie The Clash, aber eben nicht an Gassenhauer wie „London Calling“, sondern an Strummer & Co. in ihrer größten Experimentierphase, den Funk-goes-Dub-Experimenten auf dem Karrierekiller „Sandinista!“.
Spechtl knüpft so an Vertrautes an, dreht und wendet es so lang, bis es knapp am Rand zum puren Sound-Experiment liegt, nur um dann eben doch wieder die Melodien zu schreiben, die es – im besten Sinne – in einem Pop-Kontext belassen, den eingestreuten Field Recordings, Einflüssen von Minimal Music oder afrikanischen Inspirationen zum Trotz.

„Sleep“ arbeitet dabei vor allem als Album in Gänze und nicht als Songsammlung, was angesichts der disparaten Zusammenstellung der Lieder gar nicht hoch genug einzuschätzen ist. Für das Ende dieser Reise durch eine Nacht hat Spechtl dann das siebenminütige „Jinja Nights“ aufgehoben, das am ehesten auch auf eine reguläre Ja, Panik – Platte gepasst hätte und sich gemeinsam mit „Antananarivo“ und „The Evening Sun“ in eine Reihe der bestdenkbaren Konzertabschlußlieder stellt:

I can feel the sun is soon to rise.

Angefangen haben Ja, Panik als gute, wenngleich gar nicht so ungewöhnliche Indierockband. Mit dem Jahrzehntalbum „DMD KIU LIDT“ haben sie sich aus diesen Sphären verabschiedet, nur um im letzten Jahr mit dem Pop-Politik-Album „Libertatia“ erneut eine radikale Richtungsänderung vorzunehmen. Wenn Spechtl nun also weiter austestet, wieviele Abzweigungen er nehmen kann, ist auch nach dem Soloprojekt „Sleep“ nur festzustellen: das ist alles immer noch einfach zu traumwandlerisch gut, als dass man seinem hakenschlagenden Weg nicht folgen möchte.

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