vonChristian Ihle 18.02.2016

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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L’Avenir / Things To Come (Regie: Mia Hansen-Løve)

Einer der schönsten Filme der Berlinale. Nicht nur sehr luftig, gesprächig und unterhaltsam inszeniert, sondern auch mit einer überraschend konsequenten Attitude erzählt. Mia Hansen-Løve zeigt uns die Geschichte einer Frau+50, die durch einige missliche Umstände (Mutter stirbt, Ehemann verlässt sie) eine neue, totale Freiheit findet – aber selbstständig und smart genug ist, diese auch für sich zu nutzen und zu akzeptieren.


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Wie schön ist es, mit Isabelle Huppert hier endlich mal eine Figur zu sehen, deren Seelenheil eben nicht davon abhängt, den nächsten Mann zu finden, sondern eine bürgerliche, leicht links lehnende Intellektuelle zu erleben, die im Spätsommer ihres Lebens auf sich allein gestellt ist und damit bestens zurecht kommt.
Mia Hansen-Løve gelingt mit „L’Avenir“ ein um Längen besserer Film als ihre jüngste Daft-Punk-Erzählung „Eden“, Isabelle Huppert spielt mit einer Leichtigkeit so präzise auf den Punkt, dass ein Darsteller-Preis auf der Berlinale fast zu erwarten ist. „L’Avenir“ ist dabei im besten Sinne sehr französisch, gelingt es doch dieses bürgerliche, leicht linke Intellektuellentum eloquent & flüssig umzusetzen, ohne dabei Bemühtheit, Angestrengtheit oder Schuld über den eigenen Status zu versprühen.


Midnight Special (Regie: Jeff Nichols)


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Ein seltsames Junge wird von einer sektenähnlichen Ranch entführt – wie wir später lernen: von seinem leiblichen Vater. In der Folge stürmt das FBI die Ranch, auf der die Familie gelebt hatte – denn der Junge hat offensichtlich außergewöhnliche Fähigkeiten. Mehr kann und sollte man nicht von der Geschichte erzählen, würde man sonst „Midnight Special“ seiner größten Stärke berauben.

Denn auf der Habenseite ist eindeutig zu verbuchen, wie Regisseur & Autor Jeff Nichols („Take Shelter“) die Zuschauer mit Informationen konfrontiert: wirklich schön mal wieder einen Film zu sehen, der dem Zuschauer nicht ständig erklärt, um was es geht & was er gerade sieht, sondern ihm mit zurückhaltend platzierten Informationsschippseln ermöglicht, sich nach und nach selbst ein Bild des Ganzen zu erschaffen.

Midnight Special wirkt beinahe wie eine Hommage an den naiven Familien-Sci-Fi-Film der End70er / Früh80er (also „Unheimliche Begegnung der dritten Art“, „E.T.“ und Kollegen), setzt sich aber leider zu sehr zwischen die Stühle: einerseits zu arg ein Familienfilm, andererseits bei den Verfolgungsjagden und dem Mystery-Geraune klar im Genre verhaftet – bis zu einem Ende, das auch James Cameron in „The Abyss“ nicht „größer“ hinbekommen hätte und den Zuschauer rätselnd, aber auch desinteressiert zurücklässt.

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