Filmtagebuch: Vermißt / Missing von Costa-Gavras

Costa-Gavras 1982er Wahre-Tatsachen-Film über Gräueltaten während des chilenischen Militärputsches von 1973. Wie schon in Costa-Gavras hervorragendem „Z – Anatomie eines politischen Mordes“ ist auch „Vermißt“ eine kühle Untersuchung, die dennoch ihre Wut nicht verbirgt: der junge, idealistische, linksnaive Journalist Charles Horman verschwindet in den Wirren des Pinochet-Putsches, während die US-Botschaft die drei Affen gibt.

Entscheidender Kniff für die Dramaturgie des damaligen Cannes-Gewinners (den Oscar verlor er gegen „Gandhi“) ist die Einführung von Hormans Vater (gespielt von Jack Lemon), der nach Chile reist, um seinen Sohn zu finden/befreien. Dadurch sehen wir den Putsch aus den Augen eines Strammkonservativen: zunächst also mit einer Mischung aus Egalheit über südamerikanische Zustände und einem gewissen Verständnis für die „notwendige Verteidigung“ des amerikanischen „Way of Lifes“.
Nachdem er aber mehrfach von der amerikanischen Botschaft und der chilenischen Militärjunta in Vertuschungsabsicht am Nasenring durch die Putschmanege geführt wird, dank seiner geschäftlichen Beziehungen aber dennoch immer mehr zur Wahrheit durchdringt und die berüchtigte Stadion-Internierung ebenso zu Gesicht bekommt wie Leichenberge von Antiputschisten, erkennt auch der New Yorker Geschäftsmann die Verbrechen gegen die Freiheit, gegen die Menschlichkeit und die Verwicklung Amerikas darin.
Ein Film, der leider auch heute noch nichts von seiner Dringlichkeit verloren hat. Besonders beeindruckend: die Überforderung der amerikanischen rich kids auf Politurlaub während der Militärputsch beginnt sowie die Gnadenlosigkeit der Junta, die im weiteren Verlauf zu sehen ist. #FreeDeniz

* Regie: Costa-Gavras
* imdb

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