vonChristian Ihle 31.03.2017

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Selten begegnet einem ein Album, das sich einerseits völlig verweigert, unklassifizierbar, beinah unbeschreibbar erscheint, und trotzdem in jeder Sekunde mit einer Dringlichkeit klar macht, dass hier etwas Besonderes, Außergewöhnliches geschehen ist. Das erste und einzige Album von Lift To Experience steht in dieser Reihe der störrischen Meisterwerke.

Ursprünglich ist „Texas Jerusalem Crossroads“ 1999 erschienen, doch zu wenig Geld, zu schlechte Produktion, fehlende Distribution und zuviele Streitigkeiten versenkten das Werk sofort wieder. Jetzt, fast 20 Jahre später, erscheint eine von der Band neu abgemischte Version ihres einzigen Albums.

„Texas Jerusalem Crossroads“ ist ein 93-minütiger-Koloss, der beständig zwischen laut und leise, zwischen flehend, schreiend und engelsgleich singend schwankt:

„This is the story of three Texas boys busy mindin‘ their own business
When the Angel of the Lord appeared unto them“

Lift To Experience arbeiten nicht in regulären Songstrukturen, sind aber weder Freaks aus Prinzip noch experimentelle Kellernerds, sondern texanische Cowboys, die sich weigern, irgendetwas unterhalb der Existenz an sich und des Lebens überhaupt zu verhandeln. Musikalisch bedienen sie sich Country-Traditionen ebenso wie Noise-Rock-Lärms, Shoegaze-Schwuschsss und Swans-Krachs – und darüber singt Josh T Pearson mal wie ein Chorjunge, mal wie ein mit Whiskey genährter Derwisch.

Wenn der liebe Herrgott also gut zweitausend Jahre nach dem Release seines Debütromans doch noch mal einen Soundtrack zur Offenbarung des Johannes aufnehmen will, führt an Josh T Pearsons Lift To Experience kein Weg vorbei.

Mehr zu Josh T Pearson:
* Josh T. Pearson – Sweetheart I Ain’t Your Christ
* Josh T. Pearson – Last Of The Country Gentlemen

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