Serientipp: „Fleabag“ von Phoebe Waller-Bridge

Sehr große Empfehlung. Ich bin wirklich überrascht, *wie* gut Fleabag ist und wie weit es darüber hinausreicht, was man eigentlich von einer Comedyserie über ein Mädel im hippen Teil von London erwartet. „Girls UK“, it ain’t.

„Fleabag“ ist dabei gute Comedy im Sinn von „The Office“ und „Curb Your Enthusiasm“: „Curb“ weil es die social awkwardness wie Larry David überdreht, aber auf eine nachvollziehbarere Ebene bringt und die gesellschaftlich ständig aneckende Figur des gutsituierten „Caucasian“ in Hollywood auf eine 30jährige sichdurchlondonkämpfende Frau im alltäglichen Hipsterprekariat überträgt. „The Office“, weil in den besten britischen Serien mit dem Humor eben immer auch die Härte des Lebens einhergeht und der in jedem sitzende Wunsch nach Bestätigung und Zuneigung auch der unangenehmsten Figur noch Menschlichkeit (& Traurigkeit) verleiht. „Fleabag“ beginnt LOLfunny, wird dann bestürzend und ist dabei in Themen- und Wortwahl nah am Transgressiven. Phoebe Waller-Bridge (alleinige Autorin & Hauptdarstellerin) verbindet Härte und Verstörung mit irre lustigen Momenten genauso wie mit tieftraurigen Schocks.
Darüberhinaus ist „Fleabag“ auch noch auf der erzählerischen Ebene unglaublich clever gemacht, setzt winzige Szenen ein, die zunächst nicht erklärt werden, sich im Fortgang der Folgen wie kleine Puzzleteile zusammensetzen, auf einen dunklen Subtext deuten und erst am Ende der Staffel einen übergeordneten Sinn ergeben – und Fleabag dadurch zu einer zweiten Ebene verhelfen, die ich in der ersten Folge nicht einmal erahnt hätte.

* Streamt auf Amazon Prime

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*