vonChristian Ihle 24.05.2017

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Manchmal reicht ein einziger Song, um zur mythenumrankten Legende zu werden: bei Pete Perrett war es „Another Girl, Another Planet“ seiner Band The Only Ones, das 1978 den britischen Punk näher an die New Yorker Punk-Ur-Väter Television brachte als irgendjemand sonst davor oder danach.

Perretts heroinschwangere Hymne „Another Girl, Another Planet“ darf auch mit Fug und Recht als heimlicher Blueprint für all jene Libertines-Songs gelten, die sich nicht im wilden Nachvornestürzen erschöpfen, sondern vorher noch eine verträumte Runde Torkelei auf dem Weg mitnehmen. Nicht umsonst sind die Libertines gegen Ende ihrer ersten Phase auch mit Perrett auf der Bühne gestanden und hatte Doherty Perretts Söhne sogar kurzfristig in eine seiner unzähligen frühen Babyshambles-Inkarnationen berufen.

Nach drei Alben mit den Only Ones verschwand Perrett außer ein paar seltenen Sichtungen von der Bühne der Öffentlichkeit und veröffentlicht nun tatsächlich 37 Jahre (!) nach dem letzten Only Ones – Album seine erste Soloplatte. Als wäre das noch nicht Wunder genug, ist die erste Single auch ein selbstgewisser, zurückgelehnter Hit, der nicht nach dem Rufen eines verirrten Wanderers aus der Welt der Drogen klingt, sondern in verblüffend brillanter Art sich vor „Sweet Jane“ der Velvet Underground verbeugt und a propos of nothing auch noch ein Kim Kardashian – Namedropping („just like everybody else / I’m in love with Kim Kardashian“) unterbekommt. Dass Perrett nun wieder an Lou Reed erinnert, schließt den Kreis: Jahre vor dem ersten Only Ones – Album nahm Perrett in den frühen 70ern einige Demos auf, die der legendäre britische Musikjournalist Nick Kent damals für verschollene Velvet Underground Werke gehalten hatte.
„How The West Was Won“ ist die unwahrscheinlichste und überzeugendste Rückkehr einer verloren geglaubten Stimme seit langer, langer Zeit:

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