vonChristian Ihle 26.05.2017

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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„Fritz Lang“ ist ein sehr seltsames Biopic, das schon wieder so neben der Kappe ist, dass ich vor dem Projekt etwas Respekt bekomme. Den Vorwurf einer platten Heldenverehrung dem größten deutschsprachigen Regisseur gegenüber kann man „Fritz Lang – Der Andere in uns“ sicher nicht machen.

Regisseur Maugg versucht anhand der Sinnkrise Fritz Langs beim Wechsel von Stumm- zu Tonfilm und seinem ersten Ton-Projekt „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ das Leben von Lang zu erklären.
Für sein „M“-Projekt beginnt Lang in die (wahre) Geschichte des Serienmörders Peter Kürten („Der Vampir von Düsseldorf“) einzutauchen. So tief, dass er Bestandteil der polizeilichen Arbeit wird und letzten Endes gar zu einer Art verständigem Beichtvater Kürtens im Gefängnis.

Dazwischen schneidet Maugg sowohl Originalszenen aus „M“ als auch Flashbacks aus Langs früherem Leben. Die Rückblenden beziehen sich hauptsächlich auf Langs Kriegserfahrungen und den nie aufgeklärten Tod seiner ersten Frau – wobei Maugg hier meines Erachtens durch die spekulative Parallelität Langs zu Kürten etwas arg suggeriert, dass nicht nur ein Selbstmord statt Unfall (offizielle Todesursache), sondern gar Mord die Todesursache gewesen sein könnte. Auch wenn man diese Flashbacks als eine Art Fieberwahn eines umtosten Geistes noch akzeptieren will, wirken sie atmosphärisch deplatziert.
Eine noch schlechtere Idee war es allerdings, Szenen aus „M“ zu verwenden, weil im Vergleich zu diesem monumentalen Meisterwerk – „M“ ist für mich der beste deutsche Film der Geschichte – Mauggs Biopic eben so klar verliert, dass man nicht umhin kommt, sich ständig zu denken: die zwei Stunden hätte ich mit einer neuerlichen Sichtung von „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ aber besser verbringen können.

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