Filmtagebuch: „Hardcore Henry“ (Regie: Ilya Naishuller)

Ich habe selten einen Film gesehen, der auf so eine Art gleichzeitig unerträglich wie faszinierend war. Natürlich ist „Hardcore Henry“ zynisch, homophob und misogyn, aber womöglich auch eine Parabel auf das Leben im heutigen Russland. Selling Point ist so oder so natürlich nicht das „was“ (so richtig verstanden habe ich diese Geschichte um Cyborg-Menschen und humanoide Avatare im Dauerkapf nämlich nicht), sondern das „wie“. Und das „wie“ ist ein höllisch arger Actionfilm aus der Ego-Shooter-Perspektive, also von erster bis letzter Minute in subjektiver Kamera gedreht. Das ist vor allem zu Beginn schwer zu ertragen, aber entweder haben sich meine Sehgewohnheiten nach einer guten halben Stunde dem Film angepasst oder die zweite Hälfte des Films dreht einfach so sehr alle Regler ins Blutrot, dass ich gar nicht mehr anders konnte, als fasziniert diesem Autounfall zuzuschauen. Visuell ist „Hardcore Henry“ gerade in seiner zweiten Hälfte erheblich gewitzter als man das zunächst vermuten würde. Eine Musicalnummer mit ständig das Bewusstsein verlierenden humanoiden Avataren (inklusive einem Punk-Avatar mit Iro & „Straight To Hell“- Lederjacke) als Exihibit A. Beweisstück B dann eine komplett absurde, aber mitreissende Endkampfsequenz zu „Don’t Stop Me Now“ von Queen auf dem Dach eines Hochhauses hat mir „Hardcore Henry“ dann endgültig verkauft. Keine Ahnung, ob man guten Gewissens diesen Mayhem-Overkill mit teil absurden Humoreinsprengseln ernsthaft irgendjemandem empfehlen kann, eine Erfahrung ist „Hardcore Henry“ aber ohne Zweifel.

Erhältlich auf DVD und als Stream inkludiert bei Amazon Prime

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