Die besten neuen Filme & Serien auf Amazon im Oktober

Neue Serien:

Weinberg (Link)

Bereits vor dem überall gefeierten Krimi-Drama über Neukölln „4 Blocks“ (läuft übrigens ab 28.11. endlich bei ZDFneo im FreeTV) hatte der kleine Pay-Sender TNTserie eine wenig beachtete, aber nichtsdestotrotz weit überdurchschittliche Thrillerserie eigenproduziert. „Weinberg“ taucht in eine rheinische Kleinstadt ein, in der die Weinkönigin ermordet wurde. Erzählerisch sagt das natürlich „deutsches Twin Peaks“ und erstaunlicherweise kann die visuelle Umsetzung tatsächlich mit internationalen Standards mithalten. Muss mir auch mal einer erklären, warum die kleinen Eigenproduktionen von TNTserie es schaffen, so großartig auszusehen und konsequent erzählt werden, wenn die großen Sender daran immer wieder auf ganzer Linie scheitern.

Mr Robot – Staffel 3 (Link)

Mr Robot ist eine der großen Serien der letzten Jahre. Staffel 1 wurde (zurecht) überschwänglich gelobt (u.a. von uns hier), Staffel 2 entschied sich dann für einige ziemlich mutige Storytelling-Entscheidungen (und hatte eine WTF?-Folge für die Ewigkeit, in der ALF (ja, der ALF) eine Hauptrolle spielte). Hoffen wir, dass Staffel 3 das hohe Niveau halten kann, denn dem Eskapismus von Serien wie „Game Of Thrones“ setzt „Mr Robot“ die umbarmherzig komplexe Realität der Jetztzeit entgegen. Eine hochintelligente Thriller-Serie über Kapitalismus, den Widerstand und die neue vernetzte Welt featuring Bitcoins.

Neue Filme:

Gegen die Wand (Link)

Wohl immer noch der beste deutsche Film seit der Jahrtausendwende. Fatih Akins großes, wildes Meisterwerk. „Gegen die Wand“ gewann auch auf der Berlinale den Hauptpreis – einer der seltenen Momente, wenn ein Berlinale-Gewinner wirklich etwas wagte und nicht nur preaching to the converted war. Jury-Mitglied Frances McDormand nannte „Gegen die Wand“ damals „Zelluloid gewordenen Rocknroll“ und dem gibt es nichts hinzuzufügen, außer dass „Gegen die Wand hier im Popblog zum zweitbesten Film der Dekade gewählt wurde.

Hail, Caesar! (Link) und
O Brother, Where Art Thou? (Link)

Zwei Filme der Coen-Brothers sind neu im Programm. „Hail, Caesar!“ ist ein recht frischer Film über das Hollywood der 30er/40er mit fantastischem Set Design (besonders bemerkenswert: Scarlett Johanssons Auftritt als Meerjungfrau und Channing Tatums Musicalnummer). ausführliche Kritik hier

Noch besser ist aber „O Brother, Where Art Thou?“ eine wunderbar verrückte Odyssee durch das amerikanische Hinterland mit George Clooney, das damals ein großes Bluegrass-Revival verursachte. Zurecht, ist „Man Of Constant Sorrow“ doch auch ein Hit ohnegleichen:

Idioten (Link)

Selbst in der polarisierenden Filmographie von Lars von Trier darf „Idioten“ als extrem gelten: einer der ersten Dogma-Filme (die von von Trier mitgegründete Filmbewegung, die auf jede Künstlichkeit wie Beleuchtung, Soundtrack etc verzichtete), der aber dafür thematisch voll auf die 12 ging und so wohl nur aus einem skandinavischen Land stammen konnte. Eine Geschichte über eine Kommune, die sich als, nun ja, „Idioten“ ausgibt und so die Gesellschaft verstört. Auch wenn die realen Sexszenen im Lichte der von Trier – Historie heutzutage wohl noch zweifelhafter erscheinen, darf man bei „Idioten“ auch das Ende nicht vergessen, das durchaus sich selbst zur Diskussion stellt.

Burden Of Dreams (Link)

„Burden Of Dreams“ ist eine berüchtigte Dokumentation von Les Blank über Werner Herzogs größten und verrücktesten Film „Fitzcarraldo“, dessen Produktion sich dank widrigster Umstände (Dreh im Dschungel, zeitliche Konflikte mit dem dann gestrichenen Mick Jagger (!), Krankheit & Austausch des Hauptdarstellers) über beinahe vier Jahre hinzog. In gewisser Weise ist „Burden Of Dreams“ die Bebilderung der Herzog-Tagebücher „Die Eroberung des Nutzlosen“, aus der diese schöne Stelle zu Beginn der „Fitzcarraldo“-Produktion stammt:

Bonustrack:
Auf Amazon Prime gibt es auch Les Blanks Kurzfilm „Werner Herzog Eats His Shoe“ zu sehen, der über einen Abend mit Werner Herzog ist, während dem er einen Schuh aß. Fragt nicht.

Königin Der Wüste (Link)

A propos Werner Herzog: einer seiner jüngsten Spielfilme ist ebenfalls neu im Programm. „Königin der Wüste“ ist allerdings bis auf einige bizarre Szenen so unherzogig wie nur denkbar, das heißt also ein relativ geradlininger, eher durchschnittlicher Mainstream-Abenteuerfilm um Gertrude Bell, die weibliche Entsprechung zu Lawrence of Arabia – der auch im Film vorkommt und tatsächlich von Robert Pattison gespielt wird. Nicole Kidman und James Franco ergänzen die verblüffend gute Besetzung für eine Herzog-Produktion.

Sid & Nancy (Link)

Gut acht Jahre nach dem Tod von Sid Vicious und Nancy Sprungen drehte der dem Punkmovement immer verbundene Alex Cox (führte auch Regie bei „Repo Man“ mit den Circle Jerks und „Walker“ mit Joe Strummer) diesen Spielfilm über die wilde Beziehung von Sid und Nancy. Eine junge Courtney Love ist übrigens in einer speziell für sie geschriebenen kleinen Rolle in „Sid & Nancy“ in ihrem Filmdebüt zu sehen. Iggy Pop spielt ebenfalls mit.

James Bond: Spectre (Link)

Komischerweise gilt „Spectre“ als Enttäuschung der Daniel-Craig-Bond-Ära, aber ich halte „Spectre“ für kaum schwächer als den hochgelobten Vorgänger „Skyfall“ – und für einen Rückfall in den Bond der späten 60er (was ausdrücklich positiv gemeint ist): fantastische Sets, ein Gegenspieler in Überlebensgröße (Christoph Waltz) und eine Eleganz, die den anderen Daniel-Craig-Bond-Filmen abging. Hier ist Bond wieder Bond und hört auf, Bourne sein zu wollen.
(ausführliche Kritik hier)

Amores Perros (Link)

Der Debütfilm des nun zweifachen Oscar-Regie-Gewinners Alejandro Gonzales Innaritu (für „Birdman“ & „The Revenant“) steht seinen vielgerühmten aktuellen Filmen kaum nach. Eine vertrackte, über mehrere Plotlines erzählte Geschichte, die am Ende meisterhaft zusammenfließt und Gael García Bernal in die Filmwelt einführte. Sehenswert. Allerdings harter Stoff für Hundeliebhaber.

Pi (Link)

Und noch ein Debütfilm eines heute zur Hollywood-Royalty gehörenden Regisseurs: „Pi“ von Darren Aronofsky. Aronofsky hat sich (neben ein paar Ausrutschern wie „The Fountain“ und „Noah“) bis heute eine verstörende Qualität (siehe „Black Swan“ und erst kürzlich „Mother!“) bewahrt, die sich bereits in diesem surreal-abstrakten Debüt zeigt. „Pi“ ist arthouse durch und durch, aber ohne Frage faszinierend.

Allied (Link)

Kein großer Wurf, aber durchaus ordentliches, „großes Kino“ ist „Allied“ mit Brad Pitt (eher so semigut) und Maron Cotillard (sehr gut). Die ganz große Zeit von Regisseur Robert Zemeckis mag vorbei sein – er führte Regie sowohl bei „Zurück in die Zukunft“ als auch „Forrest Gump“ – aber „Allied“ ist ein kompetenter Spionage-turns-Paranoia-Thriller, angesiedelt im zweiten Weltkrieg. Bonus: ein Nazimassaker.

Neue Musikfilme:

Janis: Little Girl Blue (Link)

Dokumentation über Janis Joplin von Amy J. Berg, die auch die zwei gefeierten Dokus „Deliver Us From Evil“ und „West Of Memphis“ gedreht hat.

Dirt Road to Psychedelia: Austin Texas During the 1960s (Link)

Eine Doku über die Entwicklung von Folk-Musik zu Psych-Garage-Rock im texanischen Austin. Bemerkenswert aus heutiger Sicht sind hier vor allem die 13th Floor Elevators.

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