vonChristian Ihle 12.02.2018

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Serien:

McMafia

Eine slicke Thrillerserie aus der Welt der Hochfinanz und des kriminellen Untergrunds, geschrieben von Hossein Amini, der unter anderem auch das Drehbuch zu „Drive“ (siehe unten) verfasst hat. Die ersten Folgen von „McMafia“ sind trotz des ziemlich bescheuerten Titels vielversprechend und erinnern zuweilen an ein modernes Update zu „The Night Manager“.

The Marvelous Mrs. Maisel

Relativ überraschend konnte Amazon im letzten Monat mit dieser Original-Serie um eine amerikanische Hausfrau, die Stand Up Komikerin werden will, den Golden Globe für beste Comedy-Serie und für beste Hauptdarstellerin gewinnen.

Filme:

Absolute Giganten

Bevor Sebastian Schipper mit „Victoria“ den besten deutschen Film seit vielen Jahren drehte, war er schon einmal für eine kleine Kinosensation veratwortlich: den wunderbar wehmütigen „Absolute Giganten“. Schippers Debütfilm ist ein für den deutschen Film wirklich seltener Fall: ein kleiner Low-Budget-Streifen, der cool, selbstsicher und zeitlos ist. Wohl wenige deutsche Filme sind über die Jahre so stark gewachsen und haben sich in die kollektive Erinnerung aller, die den Film gesehen haben, eingegraben. Das T-Shirt des viel zu früh verstorbenen Frank Giering (hier in seiner größten Rolle), das denkwürdige Kicker-Match und natürlich der unsterbliche Satz:

„Weißt du, was ich manchmal denke? Es müsste immer Musik da sein. Bei allem was du machst. Und wenn’s so richtig Scheiße ist, dann ist wenigstens noch die Musik da. Und an der Stelle, wo es am allerschönsten ist, da müsste die Platte springen und du hörst immer nur diesen einen Moment.“

The VVitch

Einer der bemerkenswertesten Horror-Filme der letzten Jahre – und auch einer der polarisierendsten. Denn das Multiplex-Publikum war auf The VVitch nicht vorbereitet: einen formal gnadenlos strengen Film, der die Mühen einer Puritaner-Familie im New England des 17. Jahrhunderts zeigt und nach und nach den Wahnsinn (oder die Hexerei?) in den Schoß der Familie kriechen lässt. Als hätte der Werner Herzog aus der „Kaspar Hauser“-Zeit einen Horrorfilm zu Lygeti-Soundtrack gedeht.

Fitzcarraldo

A propos Werner Herzog, natürlich kommt diese Rubrik auch in diesem Monat nicht ohne Herzog-Tipp aus. Neu auf Amazon Prime ist in diesem Monat nämlich Herzogs definierender Film: sein Karrierehöhepunkt, der nicht nur filmisch alles überragt, sondern auch die Essenz des Herzog’schen Werks zusammenfasst. Völliger Wahnsinn vor und hinter der Kamera, ein Film, der Herzogs Idee der „ekstatischen Wahrheit“ trifft wie kein anderer.
Wer zu „Fitzcarraldo“ kein Hintergrundwissen hat, dem sein unbedingt empfohlen, im Anschluss die ebenfalls auf Prime verfügbare Doku „Burden Of Dreams“ über die Dreharbeiten zu schauen.

Werner Herzog Fitzcarraldo

The Salesman

Der letztjährige Oscargewinner für besten fremdsprachigen Film ist nach „Nader & Simin“ (ebenfalls Oscargewinner, 2011) bereits der zweite große Höhepunkt in der Karriere des iranischen Regisseurs von Asghar Farhadi.

Playgirl

Ein verschollenes Kleinod ist Will Trempers Berlinfilm von 1966. Trempers „Playgirl“ gehört ebenso genannt, wenn man über die heimischen Versuche, die Nouvelle Vague nach Deutschland zu übersetzen, reden will.
Und nicht immer nur May Spils (ebenfalls toller, spritziger) „Zur Sache Schätzchen“, der zwei Jahre später gedreht wurde. Wunderbar, dass Amazon Prime einen Film wie „Playgirl“ ausgegraben hat. Wer sich hier nicht in Eva Renzi verliebt, dem ist auch nicht mehr zu helfen.

Kill Your Friends

John Nivens Popvariante von „American Psycho“ wurde von Owen Harris vielleicht eine Spur zu brav verfilmt, ist aber dennoch ein unterhaltsamer Ritt durch die Perversionen der Musikindustrie. Besonders schön ist Moritz Bleibtreus kurzer Aufritt als deutscher Scheissmusikproduzent:

Was hat uns bloß so ruiniert

Marie Kreutzers Film ist tatsächlich nach dem Song der Sterne benannt, leider aber trotz der tollen österreichischen Besetzung mit Pia Hierzegger und Manuel Rubey in seinem Hipster-Liebesreigen nicht ganz so überzeugend wie erhofft. Dietrich Brüggemann hat dieses Genre mit „Drei Zimmer/Küche/Bad“ vor einigen Jahren besser bearbeitet.

Drive

Einer der größten Filme dieses Jahrzehnts, eine stilistische Meisterleistung, die Look, Attitude, Soundtrack und Schauspielleistungen zusammenbringt wie kein anderer Film dieser Jahre. Der Däne Niclas Winding Refn war schon immer ein großer Stilist, hier findet er aber in Ryan Goslings wortkargem Driver endlich auch die Figur, durch die diese Bilder zu leben beginnen.

Der Elefantenmensch

Neben „Straight Story“ wohl der ungewöhnlichste David-Lynch-Film, weil eben, nun ja, der konventionellste. Nichtsdestotrotz ist „Der Elefantenmensch“ unbedingt sehenswert, weil er an Lynch Seiten zeigt, die bei all seiner surrealen Weirdness oft nicht genug geschätzt werden: sein Elefantenmensch ist ein zu Herzen gehendes Lob des Humanismus.

Kap der Angst

Klar, ein Martin Scorsese macht nicht einfach so ein Remake, sondern schon etwas besonderes aus einer alten Vorlage. In seiner 1991er „Cape Fear“-Version (das Original ist von 1962) dreht Scorsese die Thriller-Schraube in Richtung Horror und erreicht vor allem dank der biblischen Performance von Robert DeNiro die nötige Intensität.

Auch neu im Katalog & sehenswert:

Das weisse Band

Tanz der Teufel

Apocalypse Now

Der Schakal

Das finstere Tal

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