vonChristian Ihle 22.02.2018

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Man muss sich Steven Soderbergh wohl wie das Girlfriend vorstellen, das einem nie einfach nur so ein Mixtape aufgenommen hat, sondern immer auch gleich eine Challenge damit verbinden wollte: nur Songs mit Filmreferenzen, nur Lieder über die Farbe Blau etc.

So agiert auch Soderbergh: nachdem er Hollywood durchgespielt hat und zurückgetreten ist, die goldene TV-Ära mitgeprägt hat (The Knick) und nun wieder ins Kino zurückgekehrt ist, sucht er nach Herausforderungen, um die herum er seine Filme konzipiert: Ein Actionfilm mit einer Stuntfrau (Haywire)? Ein Drama mit einem Pornostar (The Girlfriend Experience)? Ein schwarz-weiß Film der 40er (The Good German)? Ein Laienfilm ohne Drehbuch (Bubble)?

Es war also nur eine Frage der Zeit, bis Soderbergh auf die Idee kommt, einen Film nur mit iPhone (und sich als eigenen Kameramann) zu drehen. In „Unsane“, das die Geschichte einer anscheinend zu Unrecht in eine Heilanstalt eingewiesenen Frau erzählt, verwendet er auch diese Einschränkung zu seinem Vorteil. Er erweckt damit das Gefühl von billigen 70ies Psycho-Thrillern, die aufgrund ihrer geringen Budgets immer die eine Ecke einfallsreicher sein mussten, um die Zuschauer zu fesseln. Auch „Unsane“ entfaltet so seine Wirkung: klaustrophobisch, nah dran, spannend und dank Claire Foy mit einer wirklich guten Performance in der zentralen Rolle, ohne die „Unsane“ wohl kaum diese Wucht entwickeln würde.

Handwerklich ist kurioserweise der Film nicht auf technischer Ebene, sondern hinsichtlich seines Drehbuchs zu kritisieren – ohne die Überraschung zu verderben, sei doch so viel gesagt, dass der Twist in Richtung Horror-Terrain völlig auf einem einzigen, extrem unwahrscheinlichen, nie begründeten Zufall beruht, was doch ärgerlich lässiges Arbeiten im Drehbuchdepartment bedeutet.

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