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vonChristian Ihle 06.03.2018

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Da ich im Review zur leider nicht sonderlich gelungenen Hollywood-Verfilmung von „Ghost In The Shell“ kurz auf die Whitewashing-Debatte einging und mein Unverständnis darob äußerte, sei noch einmal eine ausführliche Betrachtung dieser Thematik nachgeschoben. Da sich dieses Thema nicht ohne Kenntnis des Filminhalts diskutieren lässt: Spoilerwarnung.

Ich finde, man kann den Film durchaus als Metakommetar zur Whitewashing-Diskussion lesen, eventuell sogar als offenes Eingeständnis eines Problems.

Auf der ersten Ebene bleibt einmal festzuhalten, dass der „Ghost“ (= das menschliche Gehirn) asiatischen Ursprungs ist, die „Shell“ (= der künstliche Körper) aber kaukasisch wird. Das wiederum war aber zum Zeitpunkt des Whitewashing-Aufschreis, also bei Castingankündigung & Trailer, noch gar nicht bekannt.

In der Folge führt der Film gleich auf zweifacher Ebene eine Wertung ein: auf der einen Seite ist Wesenskern von „Ghost In The Shell“, dass der Ghost-Bestandteil das Entscheidende, die Shell aber nur nachgelagert ist. In dieser Hinsicht benennt der Film also die asiatische Seite als die wichtige und die kaukasische als nachrangig.

Zum zweiten – und hier sehe ich dann einen Meta-Kommentar – ist ja eine offensichtlich von westlichen Einflüssen geprägte und von einem westlichen CEO geführte, hyperkapitalistische Firma der eigentliche Bösewicht des Films. Anders formuliert ist die Grundstruktur von „Ghost In The Shell“: Der Westen entführt japanische Dissidenten, entkernt sie, steckt sie dann in eine kaukasische Hülle (was, und hier wird’s Meta, „Ghost In The Shell“ als amerikanische Hollywood-Produktion mit der Besetzung von Johansson auch nachvollzieht) und versucht sie von subversiven Elementen zu Kampfbienen umzubauen. Dass der Film dieses Vorgehen nun nicht gerade begrüßt, sondern als den zentralen Sündenfall aufbaut, ist, wie ich denke, nicht nur zwischen den Zeilen zu lesen.

In dieser Hinsicht steckt also sogar eine Kritik am eigenen System oder meinetwegen an den Zwängen, die das System scheinbar den Handelnden auferlegt, in dieser „Ghost In The Shell“-Verfilmung. Deshalb greift für mich hier eine Whitewashing-Diskussion, die sich nur darauf kapriziert, dass eine westliche Schauspielerin die Hauptrolle in der Verfilmung eines japanischen Manga übernimmt, einfach zu kurz und macht sich nicht die Mühe, die Implikationen der Geschichte zu verstehen.

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