http://blogs.taz.de/popblog/wp-content/blogs.dir/1/files/2018/09/Pixabay_steel_CC0.jpg

vonChristian Ihle 04.05.2018

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

Mehr über diesen Blog

„La Jetée“ ist ein halbstündiger Experimentalfilm von 1962 – und Vorlage zu Terry Gilliams Science-Fiction-Meisterwerk „12 Monkeys“ mit Bruce Willis und Brad Pitt. Chris Markers Meditation über das Wesen der Erinnerung spielt in einer Zeit nach dem dritten Weltkrieg und zeigt den Versuch, mit Zeitreisen vergangene Sünden richtig zu stellen.

Dabei überschreitet „La Jetée“ beinah die Grenzen dessen, was Film eigentlich ist und verweigert sich dem Bewegtbild: „La Jetée“ besteht ausschließlich aus Standbildern und einem eindrucksvollen Off-Kommentar. Wenn für eine einzige Sekunde in diesen 28 Minuten Spielzeit sich doch eine Bewegung in ein Bild einschleicht, hat selbst ein Augenzwinkern eine emotionale Wucht, wie es keine tausend choreographierte Szenen haben könnten.

„La Jetée“ ist die Krone des Experimentalfilms: ein Konzept so konsequent zu Ende gedacht, dass es das Kino transzendiert und doch am Besten in ihm funktioniert: gerade das große Dunkel des Kinosaals ermöglicht erst die notwendige Geduld, die für „La Jetée“s Bilder-Folge nötig ist, die kein Museum oder Internetblick erlauben würde. Zugleich ist „La Jetée“ aber nicht Experiment um des Experiments willen, sondern findet in den „Snapshots“, den Standbildern, eine visuelle Metapher für das Wesen der Erinnerung.
Und doch ist „La Jetée“ kein Film, der nur über seine eigenwillige Form fasziniert, sondern hat eine bemerkenswerte emotionale Wucht und einen vertrackten Plot, der das Paradox einer Zeitreise zuspitzt und in einem erschütternden Twist zu einem schlüssigen Ende führt.

Arte zeigt „La Jetée“ (deutsch: „Am Rande des Rollfelds“) Sonntag abend in einer seltenen TV-Ausstrahlung. Direkt davor läuft Terry Gilliams „12 Monkeys“, der „La Jetée“s Idee und Geschichte in einen Spielfilm überführt und das Experimentale hinter sich lässt, aber Plot und emotionalen Kern erfolgreich in einen Hollywood-Film überträgt und damit einer der bemerkenswertesten Science-Fiction-Filme der letzten 25 Jahre wurde.

* Arte
* Sonntag, 6. Mai
* 12 Monkeys: 21.45 Uhr
* La Jetée: 23.50 Uhr

Anzeige

Wenn dir der Artikel gefallen hat, dann teile ihn über Facebook oder Twitter. Falls du was zu sagen hast, freuen wir uns über Kommentare

https://blogs.taz.de/popblog/2018/05/04/la-jetee-am-rande-des-rollfelds-von-chris-marker/

aktuell auf taz.de

kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.