vonChristian Ihle 14.09.2018

Monarchie & Alltag

Neue Bands und wichtige Filme: „As long as the music’s loud enough, we won’t hear the world falling apart“.

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Lafote

Seit gut drei Jahren warte ich schon auf das Debütalbum der Hamburger Band Lafote. „Zündschnur“ war damals ein Hit, der keiner war: Eine perfekte Mischung aus den frühen Blumfeld und Fehlfarben-Attitude. Auch auf dem überraschend guten Sterne-Tribute war Lafotes „Wahr ist was wahr ist“-Cover – trotz der enorm prominenten Besetzungsliste – einer der bemerkenswertesten Beiträge.

Pip Blom

Eine niederländische Courtney Barnett hätte ich auch nicht unbedingt erwartet, aber hier bitte: Pip Blom. Auf der letzten UK-Tour der Breeders spielte die Amsterdamerin im Vorprogramm und hat gerade auf der Insel die „Tastemaker“ bereits überzeugt: auf Heavy Rotation bei BBC6 und eine Live Session für Huw Stephens BBC One – Programm stehen bereits auf der Habenseite.

Linn Koch-Emmery

Die Schwedin Linn Koch-Emmery vereint in einem beeindruckenden Song wie „Wires“ new order’sche Melancholie mit einem Sharon van Etten – Indierock, der mehr an Wall-Of-Sound-Gitarren als an Americana-Country geschult ist.

Karies

Die Stuttgarter Post-Punk-Band Karies entwickeln sich zu Spezialisten im Drummer-wechsel-Dich-Spiel: wenn ich richtig mit gezählt habe, ist Nervens Kevin Kuhn nun zum dritten Mal ein- oder ausgestiegen. Nevermind, das neue, dieser Tage erscheinende Album ist eine ziemliche Überraschung: die Schroffheit der frühen Releases ist verschwunden und an ihre Stelle ist eine stromlinienförmigere Getriebenheit getreten. So erinnern die neuen Karies-Songs an Früh-80er-Post-Punk (denk „Computerstaat“ von Abwärts) ohne aber sich musikalisch im Retrokreis zu verlieren.

Wolf Mountains

A propos Kevin Kuhn. Der vielbeschäftigte Rocknrollgott am Nerven-Drumkit steigt natürlich nicht aus einer Nebenband aus ohne eine andere in Petto zu haben (nicht umsonst heißt es ja „Kevin Kuhn hat viel zu tun“). Das letzte Wolf Mountains – Album ist durchgehend hervorragender, trockener Garagenrock, so langhaarig wie melodiös.

Anna Burch

Die Detroiter Singer-Songwriterin Anna Burch bewegt sich zwischen Angel Olsen, Conor Oberst und The Lemonheads – und war Support auf Ezra Furmans letzter US-Tour. „2 Cool 2 Care“ ist als Hit dann schon wieder so cool, dass wir uns nicht nicht drum kümmern könnten!

Parcels

Die australische Band Parcels siedelte nach Berlin um und weckten früh die Aufmerksamkeit von Daft Punk. Hört man die gemeinsam mit den beiden Franzosen geschriebene – und auch von Daft Punk selbst produzierte – Single „Overnight“ nimmt das wenig Wunder: ein „Lucky“ ohne Nerv-Faktor.

Boy Azooga

„Face Behind Her Cigarette“ ist dann sozusagen die englische Antwort auf die Parcels: die britische Band Boy Azooga hat mit ihrer Single einen unwiderstehlich funky Indie-Track im Programm, der allein schon alle Aufmerksamkeit rechtfertigt.

Princess Chelsea

A propos Zigarettensongs: da kann auch Princess Chelsea mitreden. Ihr „Cigarette Duett“, veröffentlicht 2011, hat in der Zwischenzeit sagenhafte 42 Millionen Plays auf YouTube und beweist erneut: Zigaretten sorgen für Ansteckungsgefahr.

Chris Imler

Das Urgestein der Berliner Indieszene Chris Imler kehrt nach seinem Oum Shatt – Projekt wieder auf Solopfade zurück und veröffentlicht im Herbst sein zweites eigenes Album auf Staatsakt. Leider ist mein Albumfavorit mit dem wunderbaren Titel „Who Stops Clapping First Will Be Shot“ noch nicht im Internetz zu finden, aber prinzipiell ist auch das zweite Imler-Solo-Album nah an seinem Debüt „Nervös“: wie es sich für einen Drummer gehört, spielt die Percussion eine Hauptrolle.

Gewalt

Gewalt ist die kompromissloseste deutsche Noise-Band. Die Gruppe um Gitarristin Helen und Sänger Patrick Wagner verweigert sich dem Albumprinzip, veröffentlicht stattdessen eine fantastische Single nach der nächsten, gibt die besten Interviews des Landes und ist als Konzert so sehr Performancekunst wie Musikgig. Pflichtprogramm, selbstredend.

Das Paradies

Die „Keine Bewegung“-Sampler haben sich ja als Compilation-Trüffelschweine für neue Bands erwiesen und folgerichtig war auch Das Paradies auf dem jüngsten „Keine Bewegung“ vertreten. Florian Sievers Ein-Mann-Projekt erinnert an eine Mischung aus ClickClickDecker und Die Höchste Eisenbahn.

Dives

Die Wiener Band Dives spielt 90ies Indie-Rock, der zwischen Breeders und Post-Punk aus der Kleenex/LiLiPuT-Ecke schwankt. Die erste EP ist auf dem tollen österreichischen Label Siluh Records erschienen und wurde von Mile Me Deafs Wolfgang Möstl produziert.

Flut

Noch mal Österreich: als Flut vor eineinhalb Jahren ihre Debüt-EP veröffentlichten, ließ mich der Hit „Linz bei Nacht“ fast etwas ratlos zurückließ. Ist das noch eine NDW-Wiedergeburt oder schon ihre Pervertierung mit Stadion-Rock-Attitude? Auf der neuen Platte bewegen sich Flut nun deutlich von diesen 80ies-Vorbildern weg und schreiben mit „Schlechte Manieren“ zeitlosen Songwriter-Pop.

RAN

Und noch mehr Alpenrepublik gewünscht? Na gut! RAN ist die neue Band von Laura Landergott – vormals in Ja, Panik und Mile Me Deaf. Ihre Debüt-EP veröffentlichten RAN Ende letzten Jahres auf dem 8mm Musik – Label. Der herausragende Track ist „Hunt Like Lions“, das eine Band wie Savages in Richtung Wave-Countrypunk weiterdenkt.

Laura Carbone

Kurz nach Veröffentlichung ihres zweiten Albums „Empty Sea“ – Mazzy Star via gothy Dum Dum Girls – kehrt Laura Carbone mit einer Single in Zusammenarbeit mit den Indiepoppern von The Pains Of Being Pure At Heat zurück, die überraschenderweise aber mehr Countrytwang als Indiepop-Wall-Of-Sound liefert!

The Magic Gang

Die frühe Single „No Fun“ der Band aus Brighton war eine wunderbare Scheibe 90ies-Alternative, wie ihn Weezer zu ihrer guten Zeit noch geschrieben hatten. Das Debütalbum selbst packt nicht ganz so viel Punch wie die ersten Singles, aber live sollten The Magic Gang dennoch einen Besuch wert sein.

Goat Girl

Ähnlich verhält es sich mit Goat Girl, deren erste Veröffentlichungen wie „Country Sleaze“ mich sehr begeistert hatten: The Gun Club von einer britischen Frauenpunkband? Wo muss ich unterschreiben? Das diesjährige Debütalbum konnte die Erwartungshaltung, dass hier neben Shame und Idles die nächste dreckig-clevere britische Punkband heranwachsen würde, leider nicht ganz halten. Dennoch: wer sein Bühnen-Handwerk um die Brixtoner Windmill herum gelernt hat und damit neben Fat White Family und Shame aufgewachsen ist, sollte live auf jeden Fall spannend sein.

SIND

Einer der smartesten Videoclips im letzten Jahr kam von der jungen deutschen Band SIND. Einige schöne Textstellen („dein neues Tattoo / bitte sag mir, dass da nicht Carpe Diem steht“) und ein catchy Refrain sind Pluspunkte, aber das große Ding ist eigentlich das dazugehörige Video, das unbedingt auf einem Smartphone angesehen werden sollte – being a millenial in a youtubenutshell

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https://blogs.taz.de/popblog/2018/09/14/reeperbahnfestival-vorschau-vol-1-18-bands-die-du-auschecken-solltest/

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