13.02.2012 von Christian Ihle
Captive (Regie: Brillante Mendoza)

1. Der Film in einem Satz:
The Thin Red Line als Geiseldrama
2. Darum geht‘s:
Anfang 2001 werden Touristen auf den Philippinen von einer islamistischen Terror-Organisation entführt. Bis sie letztendlich befreit werden, ziehen mehr als 370 Tage ins Land.
Brillante Mendoza, das Enfant Terrible der philippinischen Kinoszene und zuletzt mit seinem Skandalfilm “Kinatay” in Cannes aufgefallen, erzählt diese Geschichte auf den ersten Blick überraschend einfach und direkt nach. Doch nach und nach wird die Umgebung selbst Hauptdarsteller, wirkt der Urwald, in den die Geiseln verschleppt werden, mindestens so unheimlich und gefährlich wie die Terroristen selbst.
Dafür bleiben leider aber die meisten Charaktere Leerstellen, Mit kaum einer Figur, egal ob Geisel oder Geiselnehmer, kann der Zuschauer eine Beziehung aufbauen, alle wirken austauschbar. Mendoza scheint mehr am generellen Beziehungsgeflecht zwischen Geisel und Entführer interessiert zu sein als an… weiter lesen
12.02.2012 von Christian Ihle
Iron Sky (Regie: Timo Vuorensola)
1. Der Film in einem Satz:
Stillgestanden, die Mond-Nazis kommen!
2. Darum geht‘s:
1945 gründeten die verbliebenen Nazis eine Kolonie “on the dark side of the moon”. Nachdem sie eine Mond-Expedition von US-Präsidentin Sarah Palin als Angriff verstanden haben, entsenden sie einen Expeditionstrupp auf die Erde. Die PR-Beraterin von Palin weiß natürlich, dass nichts so sehr eine Wiederwahl sichert, wie ein zünftiger Krieg – am besten noch gegen Nazis, waren die doch “die Einzigen, die wir Amerikaner jemals in einem fairen Kampf besiegt haben”.
Die Skandinavier haben ein Faible für kuriose Nazigeschichten, man denke nur an den Nazizombiehorrorfilm “Dead Snow”. Das Beste an “Iron Sky” ist tatsächlich auch die Absurdität der Grundgeschichte. Ansonsten ist er eigentlich schon zu gut gemacht, um noch den Trash-Connaisseur in uns anzusprechen. Die Lacher sind dann doch eher dünn gesät und die Zeichnung der… weiter lesen
10.02.2012 von Christian Ihle
In The Land Of Blood & Honey (Regie: Angelina Jolie)

1. Der Film in einem Satz:
Krieg ist schlimm.
2. Darum geht‘s:
Kurz vor Ausbruch des Balkankriegs verliebt sich das bosnische Mädel Ajla in den serbischen Polizisten Danijel. Als sie sich nach den ersten Kriegswirren ein halbes Jahr später wieder treffen, ist er Kommandant einer serbischen Einheit und sie Häftling in seinem Gefangenen-Camp.
Nach und nach entwickeln sie wieder zarte Bande zueinander und Danijel sperrt Ajla in ein Einzelzimmer, um sie zu beschützen – oder zu besitzen. Oder beides. Währenddessen sterben viele Menschen grausame Tode.
Für die Aussage “Krieg ist schlimm” hätte ich persönlich keine 127 Minuten Spielzeit benötigt. Man mag ja Angelina Jolie hoch anrechnen, dass sie für ihr Regiedebüt keine Eitelkeitsshow abzieht und sich an einem grausamen, deprimierenden Kriegsfilm versucht, aber auch für Miss Jolie gilt letzten Endes: gut… weiter lesen
09.02.2012 von Christian Ihle
This Many Boyfriends

This Many Boyfriends sind ohne Frage unsere größte Hoffnung für Indierock britischer Prägung (auch wenn der Bandname einem Beat-Happening-Song entlehnt ist). Auf ihrer fantastischen ersten EP haben sie bewiesen, dass sie sowohl musikalisch als auch textlich das Erbe der Smiths antreten wollen (kann eine Zeile mehr Morrissey sein als “I should be a communist / I tried / I failed / I’m far too decadent”?) und mit der letztjährigen seven inch “Young Lovers Go Pop!” gezeigt, dass sie auch Hits für die Indiedisco schreiben können. Das Debütalbum wird – passend! – von Ryan Jarman von den Cribs produziert, so dass wir guter Dinge sind, endlich wieder ein UK-Indie-Album zu hören, das durchgängig überzeugt!

Spector

Für den Sänger… weiter lesen
08.02.2012 von Christian Ihle

Normalerweise ist ja Sinn und Zweck dieser Rubrik, ausländischen Künstlern deutsche Acts vorzuspielen. Für Die Sterne machen wir eine Ausnahme – da Ende Januar das Album “Für Anfänger” erschienen ist, auf dem die Sterne eigene alte Songs noch einmal neu einspielen, wollten wir Die Sterne zu ihrer Meinung über fünf “Anfänger”-Bands fragen – wobei Anfänger hier von nochüberhauptnichtsveröffentlicht (Ecke Schönhauser, die neue Band des Herpes-Sängers) bis zu eigentlichschonetabliert (Ja, Panik) geht… Frank Spilkers Antworten:
Chuckamuck – Gestern traf ich Dan Treacy (2011)
Soundcloud-Link
Neulich habe ich auf Facebook ein frühes Interview mit Pink Floyd gepostet, wo die Repräsentanten der Band, Syd Barret und Roger Waters, einem reaktionären Musikjournalisten gegenübersitzen. Während dieser auf jede verbale Falle des Journalisten eingeht, meint man bei jenem zu erkennen, wie er sich vor laufender Kamera in die innere Emigration verabschiedet. Nur noch mal zur Erklärung: Pink… weiter lesen
07.02.2012 von Christian Ihle

1. Der Film in einem Satz:
“I drive”.
2. Darum geht‘s:
Der namenslose “Driver” ist Stuntman, Automechaniker – und Fluchtfahrzeugpilot. Obwohl emotional verschlossen, beginnt er Gefühle für seine Nachbarin zu entwickeln, die letzten Endes sogar so weit gehen, sich ihrem frisch aus der Haft entlassenen Ehemann bei einem Überfall als Fluchthelfer zur Verfügung zu stellen. Ist der Driver sonst kühl, präzise und emotionslos, ergeben sich prompt Verwicklungen als er zum ersten Mal einen Job aus Gefühlsgründen annimmt – und alles geht so sehr schief, dass Davonfahren diesmal keine Option mehr ist. Der Driver muss sich seinen Gegner stellen.

Die Nacherzählung des Plots mag fürchterlich platt klingen und kann auch nicht annähernd die Faszination wiedergeben, die von diesem außergewöhnlichen Film ausgeht. Der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn baut eine Stadt, die selbst… weiter lesen
06.02.2012 von Christian Ihle
Song des Monats:
Kavinsky – Nightcall

Das Wort “kongenial” wird ja gerne überstrapaziert, aber wann hat man zuletzt eine so passende Hochzeit von Soundtracksong und Filmbildern gesehen als in den Opening Credits von “Drive”? Genau wie sich der Film auf einem emotionalen Ground Zero bewegt, ist Kavinskys “Nightcall” pure Einsamkeit, eingefangen in den elektronischen Sounds der frühen 80er. Und doch: sowohl im Film wie im Song bleibt dieses kleine Glimmern an Hoffnung, an verbliebenen Gefühlen, das alles Eindimensionale verhindert.
Ebenfalls hörenswert:
Hospitality – Betty Wang

Auf ein Debütalbum von Hospitality musste man seit der ersten Erwähnung nun auch gut zwei Jahre warten. Am 31. Januar kam das erste Album in den USA auf Merge Records heraus.… weiter lesen
04.02.2012 von Christian Ihle
“Berlin sei die Stadt mit der meisten Energie der Welt, hat Nick Jones festgestellt, Gründer und Chef der Soho-House-Gruppe. Das ist nett, aber falsch. So was kann nur ein Zugereister sagen. Berlin schläft nie – aber besonders energiegeladen ist es nicht. Zürich zum Beispiel ist viel schneller, aktiver, hektischer als Berlin. Berlin ist wie ein immerwacher Punk, der dir ständig erzählt, was er morgen so alles vorhat.”
(Der Autor Philipp Tingler über Berlin in einer Reportage über das Soho House in Berlin im Business Punk Magazin)
… weiter lesen
03.02.2012 von Christian Ihle

Januar 2011 hatten wir die Cloud Nothings in unserer Jahresvorausschau – und kaum 12 Monate später erscheint bereits das zweite Album der amerikanischen Band, die im Grunde ein Ein-Mann-Projekt von Dylan Baldi aus Cleveland, Ohio ist:
1. Your three favourite Punk singles/songs?
** Dow Jones & The Industrials – Indeterminism
** Electric Eels – Agitated
** Dicks – Hate The Police

A record that will make you dance?
Thin Lizzy – Jailbreak
Your favourite song lyrics?
Television – See No Evil
Your favourite song by The Strokes?
Not sure I really know any aside from Last Nite
The best “new”… weiter lesen