Archive for the ‘Das Netz, der Pop und Du’ Category

22.07.2010 von Christian Ihle
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Die Zukunft der Musikkritik VIII: We will never again agree on anything as we agreed on Elvis

von Christian Ihle

Mehr als der Facebook-Daumen

Blogs können für die Musikkritik das werden, was Punk für den Pop war: die Aufhebung der Schranken zwischen LeserInnen und SchreiberInnen.

Lester Bangs

Das seit gut zweieinhalb Jahren von mir betriebene Popblog “Monarchie und Alltag” auf taz.de lässt mich zwischen allen Stühlen Platz nehmen: zu meiner Rechten die etablierten Feuilletons und Musikmagazine, auf der anderen Seite privat betriebene Blogs. Zwar wird das taz-Popblog gänzlich autark, also ohne Rückkoppelung mit der Redaktion betrieben, andererseits ist die Außenwirkung wohl doch in erster Linie “taz” und nicht “blog”.

Daraus ergibt sich aber die schöne Möglichkeit, jenseits der Frontlinien Blog versus Presse-Establishment Position zu beziehen und die Grenzen auf der Konfliktlinie Online gegen Print deutlicher zu ziehen. Denn häufiger Fehler aller kulturpessimistischen Analysen über die Blogkultur ist die irreführende Annahme, es gäbe nur den einen Typus des Bloggers oder Blogs.

Was schon für Printredaktionen absurd wäre (oder wer setzt etwa gleiche Erwartungen in ein Süddeutsche-Feuilleton und den “Kultur”-Teil der Bild-Zeitung?), ist aufgrund der nicht vorhandenen Einstiegsschranken in das Bloggertum gänzlich abwegig. So viele Blogs wie Menschen!

Gerade hier bietet sich auch die Chance, den von Sonja Eismann in einer früheren Folge der Debatte zur Zukunft der Musikkritik postulierten Vorwurf zu entkräften, dass Popkritik hauptsächlich aus einer männlichen, weißen, heterosexuellen Perspektive geschrieben würde. Blogs können für die Musikkritik das werden, was Punk für den Pop war: die Aufhebung der Schranken zwischen LeserInnen und SchreiberInnen sowie der Bruch mit allen diktierten Geschmackskriterien.

Das tägliche Klick-und-Häppchentexttraining

Ein viel klareres Unterscheidungskriterium als das zwischen Bloggern und Redakteuren bieten die benutzten Medien an. Allein aufgrund des täglichen Klick-und-Häppchentexttrainings im Netz scheint es im Onlinebereich erheblich schwieriger zu sein, für lange Texte über Bands Leser zu finden. Während bei den Printmedien gute von Schrottpublikationen schon dadurch unterscheidbar sind, ob sie sich in ausreichender Tiefe mit einem Thema beschäftigen, diktiert das Netz Maximallängen. Außerdem ist im Internet durch die direkte Einbindung von Streams oder Downloads die sofortige Überprüfung der gerade gelesenen Kritik – zumindest scheinbar – möglich. Wobei nicht übersehen werden darf: Gerade das kursorische Anhören verhindert, dass komplexere Sounds überhaupt wahrgenommen werden. Ein Klick, ein Don’t-like – im Gegensatz zur ausgiebigen Beschäftigung mit Musik früherer Tage.

We will never again agree on anything as we agreed on Elvis

Der Musikkritik fällt es auf diese Weise im Onlinebereich immer schwerer, Allgemeingültigkeit zu erreichen, die über bloßes Abefeiern des nächsten großen Dings hinausgeht. “We will never again agree on anything as we agreed on Elvis”, schrieb Lester Bangs bereits 1977 und meinte damals noch, dass die Zeiten der alle Schranken übertretenden Künstler vorbei seien – heute liefern sich gerade Musikblogs einen grotesken Wettbewerb, die jeweils neueste Hypeband zu finden und abzufeiern, bis die Künstler schon bei der Veröffentlichung ihres Debütalbums nur noch eine Nachricht von gestern sind. … weiter lesen

06.03.2008 von Christian Ihle & Horst Motor
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Das Radio 1.5: ByteFM

von Christian Ihle & Horst Motor

Keine Frage, das Breitband-Internet räumt in der Medienwelt ordentlich auf. Den einen oder anderen Verlust mag man bedauern, das Verschwinden der Schallplatten und Singles gar beweinen, aber den endgültigen Todesstoß für das konventionelle Radio, das die größten Hits der 70er, 80er und 90er spielt, crazy Anmoderationen im Dutzend bietet und vielen sonst dem Prekariat anheimfallende „Comedians” eine Anstellung bietet, kann man nur bejubeln.

Auf zwei Wegen schickt sich das neue Netz an, das Radio zu verdrängen. Während die eine Variante namens LastFM hier bereits kritisch diskutiert wurde, wachsen die Webradios klassischer Bauart (also mit Programmplan und Moderationen, gar Diskussionen) dank der verbesserten Soundqualität zu einer sehr angenehmen Alternative heran.

Einer der jüngsten Emporkömmlinge stammt aus Hamburg und nennt sich ByteFM.

Nicht nur überzeugt das klare und schlanke Design, das eine intuitive Benutzerführung aufweisen kann, von der das heillos überfrachtete LastFM nicht einmal zu träumen wagt, sondern auch der Wille, über eine reine Abspielstation hinaus wieder Qualität und Qualitätskontrolle in das Netz zu transportieren.
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20.12.2007 von Christian Ihle & Horst Motor
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Okkervil River Do A Radiohead

von Christian Ihle & Horst Motor

Das wünscht man sich doch eigentlich von jeder Band: während langer Tourneen wird die Zeit nicht mit Drogenquatsch vertan, sondern nachts schön musiziert und dabei ganz lagerfeuerlike zusammen die liebsten obskuren Lieder gesungen. Bei der Americana-Band Okkervil River muss es offensichtlich genau so von statten gehen, nur dass die netten Amerikaner um Will Sheff auch noch alles aufnehmen, in guter Qualität in mp3s verwandeln und auf Ihrer Homepage dem geneigten Hörer kostenlos zum Download zur Verfügung stellen.
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13.11.2007 von Christian Ihle & Horst Motor
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The worst christmas ever. Not!

von Christian Ihle & Horst Motor

Jaja, die Weihnachtszeit naht. Erste Glöcklein klingeln, Lichtlein scheinen und Englein kommen vorüber geflogen. Bevor Last Christmas wieder auf Dauerrotation läuft und auch den Letzten in den Wahnsinn treibt, wollen wir aber auf ein originelleres Weihnachtskonzept hinweisen: Folkpopsongwriter Sufjan Stevens, der bereits das letzte Krippenfest mit einer sehr hübsch gestalteten 5-CD-Box voller Weihnachtslieder verschönerte, lässt sich auch 2007 wieder Festliches einfallen.
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26.10.2007 von Christian Ihle & Horst Motor
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Love Music Hate Racism

von Christian Ihle & Horst Motor

In der aktuellen Ausgabe des britischen NME findet sich eine CD, die in Zusammenarbeit mit der antifaschistischen, antirassistischen Londoner Initiative Love Music Hate Racism zusammengestellt wurde.
Neben der dem Heft beiliegenden CD steht der zweite Teil des Doppelalbums – ebenfalls kostenlos – im Internet zum Download bereit.

Grund der Aktion ist auf den verstärkten Zulauf rechtsextremer Parteien in England aufmerksam zu machen. Bei den Wahlen im Mai 2006 wurden 7 % der Stimmen für das rechtsextreme Spektrum abgegeben und die British National Party (BNP) ging nun dazu über, eine kostenlose CD mit fragwürdigen bis fremdenfeindlichen Texten vor Schulen zu verteilen.
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24.10.2007 von Christian Ihle
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Radiohead: Die Relevanz erstreckt sich auf den Marketingsektor.

von Christian Ihle

Am Ende des Regenbogens findet sich ein Töpfchen Gold, sagt die Legende. Radiohead beweisen dank geschicktem Marketing mit “In Rainbows” wie wahr dieser Satz auch für das Musikbusiness 2007 sein kann.

Dank einer Reihe unumstrittener Albummeisterwerke (von The Bends bis Amnesiac) erreichten Radiohead eine sakrosankte Stellung in der heutigen Musikszene. Sänger Thom Yorke gerierte sich dabei immer als Vorkämpfer für eine bessere Welt, als ein thinking man’s Bono, gegen das eigentlich auch nichts einzuwenden ist.
Doch das grundsätzliche Radiohead-Problem lag darin, dass sie nie bereit waren den gleichen Weg zu gehen, den sie predigten – zumindest nicht bis zum Ende. Jede Radiohead-Aktion, die ihr politisches Gewissen offen legen sollte, hatte immer den Ruch eines Marketing-Gimmicks. Als ein schlagendes Beispiel soll nur Radioheads „Zelttour“ durch England genannt werden, bei der peinlich genau darauf geachtet wurde, dass keine „großen“, bösen Firmen ihre Produkte verkaufen, sondern alle Lizenzen an mit Naomi-Klein-Unbedenklichkeits-Siegel versehene Unternehmen ging. Prinzipiell eine lobenswerte Sache, wird sie aber doch völlig entwertet, wenn Radiohead sich auf der anderen Seite nicht scheuen, für eine horrende Summe den Headlining-Slot bei Rock im Park zu übernehmen, dem durchkommerzialisiertesten Festival auf deutschem Boden.
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26.09.2007 von Christian Ihle & Horst Motor
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Der letzte Schrei online, fast wörtlich!

von Christian Ihle & Horst Motor

Da glaubt man, alles ausprobiert zu haben, was das Internet so hergibt – von MySpace bis LastFM keinen Online-Puff ausgelassen, eine Open ID und einen Gravatar besorgt, damit man auch überall erkannt wird, Fotos auf flickr, öffentliche Bookmarks auf del.icio.us und schließlich den kompletten Liefstream auf Jaiku. Dann kommen plötzlich ein paar Verrückte und programmieren in zwei Tagen soundbadge.net, und man stellt fest: Wie konnte ich nur ohne auskommen?

Objektiv völlig sinnbefreit und genau das, was der musikaffine Online-Nerd unbedingt braucht: Einen eigenen Sound, als Badge zu tragen wie die altbekannten Indie-Buttons. Nur eben online, wie man das in der virtuellen Welt mit seinen Avataren bildmäßig ja schon lange tut. Eine Zeile HTML reicht aus, und schon hat der Blog, die Seite, die virtuelle Heimat eine Soundbadge.

Zwischen drei Stilrichtungen kann der geneigte User dabei wählen und natürlich haben die Programmierer zum Hippsten des Hippsten gegriffen: Hip-Hop, Electro und, ehm ja, Country…
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15.08.2007 von Christian Ihle & Horst Motor
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Ein neues Tief für Online- Journalismus: Spiegel Online schlägt zu

von Christian Ihle & Horst Motor

SpiegelOnline kann so schöne Seiten haben: es ist immer recht aktuell, man kann den einen oder anderen vernünftig recherchierten Artikel vorab im Internet lesen, die Themenauswahl weist eine deutlich breitere Aufstellung auf als die Printausgabe es zu leisten vermag, Jan Wigger schreibt seine Platten-Kritiken…

…aber für alles Gute und Schöne muss man auch viel Unsinn ertragen, der in Teilen so weit reicht, dass die Online-Ausgabe des Spiegel beginnt, die Reputation der Printausgabe zu beschädigen.

Muss man wirklich einem SpiegelOnline-Redakteur zuschauen, wie er in Second Life unterwegs ist und dort verzweifelt-belustigt Cyber-Sex sucht? Braucht man die chauvinistischen Oberlehrerkommentare aus Bastian Sicks Zwiebelfisch tatsächlich? Ist die breitere Themenauswahl wirklich ein Segen?

Das Spiegel Online Panorama

Denn, ehrlich: was SpiegelOnline im “Panorama”-Teil abfrühstückt, sind die üblichen Luftblasen, die PR-Agenturen von Schauspielern und Sängern produzieren. Willfährig abgeschrieben, ohne Recherche oder Hinterfragen macht sich Spiegel Online zum Handlanger und Multiplikator von Nichtmeldungen. Noch schlimmer: der einmal in der Woche behandelte und dann gerne als “Junkie-Rocker” (könnte die Bildzeitung nicht besser!) betitelte Pete Doherty findet sich mit Berichten wieder, die unabhängig von Wahrheitsgehalt oder Glaubwürdigkeit 1:1 aus den britischen Revolverblättern Daily Mirror oder Sun abgeschrieben sind. Über die ubiquitäre Paris-Hilton-Berichterstattung wird sich an einer Stelle mokiert, ohne aber – wie von Stefan Niggemeier in der FAS schön aufgezählt – sich zu scheuen, 28 Artikel allein im Monat Juni über die Dame zu veröffentlichen. … weiter lesen

01.05.2007 von Christian Ihle & Horst Motor
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Last.fm: „Ich kann im Fortschritt keinen Fortschritt sehen“

von Christian Ihle & Horst Motor

Die musikinteressierte Hörerschaft weiß es schon lange: Das konventionelle Radio hat versagt. Halbwegs Interessantes ist im Hörfunk, wenn überhaupt, nur noch zweimal pro Woche zwischen 23 und 2 Uhr morgens zu erwarten. Ein vollkommen unzulänglicher Zeitraum, um all den interessanten Veröffentlichungen des weiten Musikspektrums gerecht zu werden. Alternativen müssen also her, und es gibt sie.

Das System Last.fm

In der vorletzten Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erklärte die diesjährige Bachmannpreis Gewinnerin Kathrin Passig das Internetradio Last.fm. Dabei ist es ihr gelungen, die Komplexität der Anwendung soweit runterzubrechen, dass auch die weniger internetaffinen Leser nach der Lektüre des Artikels verstanden haben dürften, was das nun eigentlich genau ist, dieses Last.fm. Für alle, die damit noch nichts anzufangen wissen, sei es hier noch einmal zusammengefasst:
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