20.04.2009 von Christian Ihle
Da der gute Pete vor einigen Wochen etwas Frühjahrsputz im Songschatzkästchen machte und ältere Lieder als Soloalbum veröffentlichte, wollen wir nicht nachstehen und bringen einen ursprünglich im letzten Jahr für die “Persona Non Grata” geschriebenen Text über Dohertys “Books Of Albion”:
Einen öffentlicheren Star als Peter Doherty hat die Welt nicht zu bieten. Seit seinen frühesten Ruhmestagen mit den Libertines lebt Doherty mit und in der Öffentlichkeit. Da scheint es nur logisch, wenn er nun seine Tagebücher in gebundener Form veröffentlicht – bei anderen Stars passiert derartiges gewöhnlich erst posthum, aber Doherty schert sich nicht darum, auch weil Narzissmus ein kaum weg zu diskutierender Charakterzug des Herrn mit dem Hut sein dürfte.

Im Endeffekt ist es ja auch egal: wer so oft mit so viel Schnappschüssen, bewegten Bildern oder dank drastischer Augenzeugenberichte durch die Hölle der Sun und des Daily Mirror gewankt ist, den kann auch die Veröffentlichung der eigenen Gedanken nicht mehr schrecken.
Es geht Doherty auch bei den wunderbar prätentiös betitelten „Books Of Albion“ wieder um den Mythos – und dessen gleichzeitige Dekonstruktion. … weiter lesen
26.01.2009 von Christian Ihle
Heinz Strunk veröffentlicht dieser Tage “Fleckenteufel”, das dritte Buch und nur wenige Wochen, nachdem “Die Zunge Europas” das Licht der Welt erblickt hat. Wie viel Kalkül dahinter steckt, ist schwer abzuschätzen. Heinz Strunk will eben, das hat er früher schon gesagt, endlich mal “richtig abmelken”. Ein legitimes Ziel, vor allem bei einem solchen unverwechselbaren Humor. Die Romanfiguren Strunks sind verzweifelte Charaktere mit dem Hang zu schwerer Melancholie und einem beißenden Spott. Sie sind neidgeplagte Figürchen, die an der Welt kranken. Eine unsichtbare Grenze trennt sie von den Reichen und Schönen, den Glücklichen und Zufriedenen. Das besondere an Heinz Strunks Protagonisten: sie nehmen sich selbst nicht aus der Schusslinie. Gerade deshalb verdient Strunk mehr Beachtung, als ihm momentan zuteil wird. Welche Rolle spielt da schon ein öder Marketing-Trick…?
Popblog: “Fleckenteufel” und “Feuchtgebiete” werden gern in Verbindung gebracht. Nervt dich das?
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07.11.2008 von Christian Ihle
Punks und Touristen teilen sich das Problem der Unmöglichkeit: wo im Punk gemeinhin Regeln aufgestellt werden, wie man Regeln zu brechen habe, ist der Tourist am liebsten an Orten, an denen es keine Touristen gibt. Der jüngst erschienene Indie-Travel-Guide versucht zumindest letzterem Abhilfe zu schaffen.
Die Idee ist natürlich auch großartig: endlich einen Reiseführer herauszubringen, der weder eine Rundreise aus Kirchen und Museen darstellt, noch einen lonelyplanetgleich den Backpackerzufluchten und Hippiefängen zuführt oder dem trendigen „must see“-Abhaken der seligen Zeitschrift Max entspricht.

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17.09.2008 von Christian Ihle
(Autor Boris Fust / Piper Verlag, München / 220 Seiten)
Schon der Titel macht die Zerrissenheit des Buches deutlich: einerseits wird tief in die Referenzkiste gegriffen und mit Rainer Werner Fassbinder (oder doch Michael Girke?) einer der ganz Großen des deutschen Kulturbetriebs der letzten Jahrzehnte zitiert, andererseits aber mit der Subline „Der Praktikantenroman“ die Ich-schenk-ihm-mal-ein-Buch-
weil-ich-sonst-nicht-weiß-was-der-so-mag-Käuferschicht angesprochen.

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10.09.2007 von Christian Ihle & Horst Motor
Der Name des amerikanischen Autors Chuck Palahniuk wird wohl für immer mit seinem Debütwerk verbunden bleiben: Fight Club. Der Roman von 1996 und seine spätere Verfilmung durch David Fincher mit Brad Pitt traf einen Nerv der Zeit: die Orientierungslosigkeit des Menschen (und des Mannes im speziellen) sowie der Versuch, diese zu bewältigen, indem im Schmerz das Heil gesucht wird. Irgendetwas fühlen – und wenn es der Schmerz ist, ist bei Palahniuk besser als gar nichts zu fühlen. Auch in seinen anderen Romanen beschäftigt sich Palahniuk mit dem unweigerlichen Ende der postmodernen Gesellschaft in zumeist drastischen, harten Bildern. Die Apokalypse ist die Welle, auf der Palahniuk reitet. … weiter lesen
20.04.2007 von Christian Ihle & Horst Motor
Muss man mit sich im Reinen sein, um Nagels Roman zu lesen? Diese Frage stellt sich zwangsläufig, denn dieses Buch zu lesen heißt, sich massiven Identitätsproblemen auszusetzen, einer prekären Existenz durch den psychischen Spagat zwischen Euphorie und dem Gefühl absoluten Scheiterns zu folgen.
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