15.02.2012 von Christian Ihle
Die eiserne Lady (Regie: Phyllida Lloyd)

1. Der Film in einem Satz:
Aufstieg und Alter der Margaret Thatcher.
2. Darum geht‘s:
Die in der Zwischenzeit schwer vom Alter geplagte ehemalige britische Prime Ministerin Margaret Thatcher rekapituliert ihr Leben und führt demente Diskussionen mit ihrem verstorbenen Ehemann.
Eingebettet in die Rahmenhandlung einer kaum noch allein lebensfähigen und zunehmend verwirrten Margaret Thatcher (eine zwar überzeugende, sich aber doch vor allem in der Imitation beweisende Meryl Streep) wirft “The Iron Lady” einen Blick zurück auf wichtige Stationen ihrer Karriere. Dabei wird Thatchers Weg nach oben immer auch als einer der Emanzipation gezeigt. Die Geschichte einer Frau, die sich gegen missgünstige Männerzirkel durchsetzen muss, dann aber mit all ihrer Härte zur ewigen Prime Ministerin wurde. Die fragwürdigen Entscheidungen Thatchers in der Innenpolitik werden dabei eher ausgespart und nur angedeutet, lediglich der Falkland-Krieg wird einer tiefergehenden skeptischen Würdigung unterzogen –… weiter lesen
13.02.2012 von Christian Ihle
Captive (Regie: Brillante Mendoza)

1. Der Film in einem Satz:
The Thin Red Line als Geiseldrama
2. Darum geht‘s:
Anfang 2001 werden Touristen auf den Philippinen von einer islamistischen Terror-Organisation entführt. Bis sie letztendlich befreit werden, ziehen mehr als 370 Tage ins Land.
Brillante Mendoza, das Enfant Terrible der philippinischen Kinoszene und zuletzt mit seinem Skandalfilm “Kinatay” in Cannes aufgefallen, erzählt diese Geschichte auf den ersten Blick überraschend einfach und direkt nach. Doch nach und nach wird die Umgebung selbst Hauptdarsteller, wirkt der Urwald, in den die Geiseln verschleppt werden, mindestens so unheimlich und gefährlich wie die Terroristen selbst.
Dafür bleiben leider aber die meisten Charaktere Leerstellen, Mit kaum einer Figur, egal ob Geisel oder Geiselnehmer, kann der Zuschauer eine Beziehung aufbauen, alle wirken austauschbar. Mendoza scheint mehr am generellen Beziehungsgeflecht zwischen Geisel und Entführer interessiert zu sein als an… weiter lesen
12.02.2012 von Christian Ihle
Iron Sky (Regie: Timo Vuorensola)
1. Der Film in einem Satz:
Stillgestanden, die Mond-Nazis kommen!
2. Darum geht‘s:
1945 gründeten die verbliebenen Nazis eine Kolonie “on the dark side of the moon”. Nachdem sie eine Mond-Expedition von US-Präsidentin Sarah Palin als Angriff verstanden haben, entsenden sie einen Expeditionstrupp auf die Erde. Die PR-Beraterin von Palin weiß natürlich, dass nichts so sehr eine Wiederwahl sichert, wie ein zünftiger Krieg – am besten noch gegen Nazis, waren die doch “die Einzigen, die wir Amerikaner jemals in einem fairen Kampf besiegt haben”.
Die Skandinavier haben ein Faible für kuriose Nazigeschichten, man denke nur an den Nazizombiehorrorfilm “Dead Snow”. Das Beste an “Iron Sky” ist tatsächlich auch die Absurdität der Grundgeschichte. Ansonsten ist er eigentlich schon zu gut gemacht, um noch den Trash-Connaisseur in uns anzusprechen. Die Lacher sind dann doch eher dünn gesät und die Zeichnung der… weiter lesen
07.02.2012 von Christian Ihle

1. Der Film in einem Satz:
“I drive”.
2. Darum geht‘s:
Der namenslose “Driver” ist Stuntman, Automechaniker – und Fluchtfahrzeugpilot. Obwohl emotional verschlossen, beginnt er Gefühle für seine Nachbarin zu entwickeln, die letzten Endes sogar so weit gehen, sich ihrem frisch aus der Haft entlassenen Ehemann bei einem Überfall als Fluchthelfer zur Verfügung zu stellen. Ist der Driver sonst kühl, präzise und emotionslos, ergeben sich prompt Verwicklungen als er zum ersten Mal einen Job aus Gefühlsgründen annimmt – und alles geht so sehr schief, dass Davonfahren diesmal keine Option mehr ist. Der Driver muss sich seinen Gegner stellen.

Die Nacherzählung des Plots mag fürchterlich platt klingen und kann auch nicht annähernd die Faszination wiedergeben, die von diesem außergewöhnlichen Film ausgeht. Der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn baut eine Stadt, die selbst… weiter lesen
19.01.2012 von Christian Ihle
Quentin Tarantino ist nicht nur Regisseur, sondern vor allem auch Filmfan. Das ist einer der Gründe, warum Filmempfehlungen von Tarantino immer zu den interessantesten der Filmindustrie gehören. Ein zweiter Aspekt ist seine scheuklappenfreie Herangehensweise: aufgewachsen mit b-Movies, Nouvelle Vague, asiatischem Kino und dem New Hollywood der 70er kann sich Tarantino für Action wie Arthouse gleichermaßen begeistern.
Seine 2011er Top-Ten-Liste ist allerdings tatsächlich in Teilen verblüffend. Wer hätte erwartet, dass Tarantino tatsächlich die beiden allseits verrissenen grünen Superheldenfilme Green Lantern & Green Hornet zumindest lobend erwähnt? Ansonsten finden sich Altmeister (Woody Allen), Brüder im Geiste (Kevin Smith), Superhelden (X-Men) und, ja, b-Movies neuerer Machart (Attack The Block, Planet Der Affen) wild durchmischt in Quentins Filmwelt wieder. Während man bei seinem Hass-Filmen durchaus das eine oder andere mal zustimmen kann, wundert doch die Nennung von Francoise Ozons “Das Schmückstück” und des allseits gefeierten Feministen-Western “Meek’s Cutoff”.
Die Top… weiter lesen
05.01.2012 von Christian Ihle

1. Der Film in einem Satz:
Holmes, Sherlock Holmes.
Die Steampunk-Edition.
2. Darum geht‘s:
Och! Na, um sinistre Machenschaften des Herrn Moriarty, die der clevere Sherlock und sein tapferer Watson aufklären wollen. Moriarty instrumentalisiert dabei die europäischen Anarchisten der Vorweltkriegszeit für leider erschreckend profane Ziele, wie sich später herausstellt. Alles in Allem reicht zu wissen: Moriarty böse und verschlagen, Holmes kämpft dagegen an. Der Rest ist viel Krach und Bums und Schlag.
Erstaunlicherweise ist der zweite Sherlock Holmes des britischen Regisseurs Guy Ritchie aber erstaunlich unterhaltsam geworden – was man weder über den ersten Teil noch die letzten James-Bond-Filme sagen konnte. Ritchie ist sich der Lächerlichkeit seiner Geschichte immer bewusst, kann aber hier dank seines selbstverliebten Inszenierungsstils, der wie schon in seinen frühesten Indieproduktionen gerne immer noch einen cleveren Dreh auf den nächsten cleveren Dreh setzt (Zeitlupe!… weiter lesen
17.12.2011 von Christian Ihle
Wir hatten schon einmal beklagt, dass die deutsche Regielegende Werner Herzog hierzulande immer noch zu wenig Aufmerksamkeit widerfährt, andererseits aber in Cineastenkreisen in Amerika hochgeschätzt ist. So sieht der berühmteste US-FIlmkritiker Roger Ebert Herzog als einen der größten lebenden Regisseure an (und Herzog hat kürzlich einen Film dem schwer erkrankten Roger Ebert gewidmet).
Nun hat Ebert im Internet sechs verschiedene, frei gestreamte Herzog-Dokumentationen zusammengestellt, die man hier findet.
Bonusvideo:
Werner Herzog gets shot by LA sniper during interview:
07.12.2011 von Christian Ihle

1. Der Film in einem Satz:
Ich schmecke nichts, was du nicht schmeckst.
Ich rieche nichts, was du nicht riechst…
2. Darum geht‘s:
Es beginnt harmlos: Menschen überkommt aus dem Nichts eine tiefe Traurigkeit. Verschwindet die Traurigkeit nach ein paar Stunden, verabschiedet sich mit ihr auch der Geruchssinn. Wie eine Pandemie breitet sich das Phänomen aus bis keine Nase auf der Welt mehr ihrem ursprünglichen Verwendungszweck folgt. Ist dieser Schock überstanden, verabschiedet sich als nächstes der Geschmackssinn, wenig später dann auch die Fähigkeit zu hören…
Erzählt wird dieses Ende der Sinne mittels der Liebesgeschichte eines Kochs (Ewan McGregor, der wie immer Ewan McGregor spielt) und einer Biologin (Eva Green), die sich kurz vor Einsetzen des Phänomens verlieben und während ihrer Liebe einen Sinn nach dem nächsten verlieren.
“Perfect Sense” ist ein seltsamer, ungewöhnlicher Film, benutzt er doch Bilder des Weltenendes um von der Überlebensfähigkeit der Liebe zu… weiter lesen
17.11.2011 von Christian Ihle

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1. Der Film in einem Satz:
Harold & Maude meets Hallam Foe unter der Regie von Wes Anderson.
2. Darum geht‘s:
Der 15jährige Oliver Tate ist ein Sonderling, der selbst in seiner an Neurosen reichen Familie noch hervorsticht. Er führt Buch über das Sexualleben der Eltern, entwirft Schlachtpläne, um seine Unschuld zu verlieren, schleppt sein dazu erwähltes Opfer in Carl-Dreyer-Filme und schenkt ihr Nietzsche-Bücher. Die Eltern sind derweil beinah der Katatonie verfallen und dass im Nebenhaus die Jugendaffäre (Paddy Considine) der Mutter einzieht, führt zu weiterer Beunruhigung…

Regisseur Richard Ayoade wurde durch seine Rolle als Computer-Geek in IT Crowd bekannt und präsentiert mit “Submarine” seinen ersten eigenen Kinofilm – der ihm fabelhaft gelungen ist. Ein wunderbares Drehbuch, eine hervorragende Besetzung sowie ein eigens dafür geschriebener Soundtrack von Alex Turner (Arctic Monkeys) tun ihr Übriges. Viel besser war Wes Anderson damals bei “Rushmore” auch nicht!
3.… weiter lesen
16.11.2011 von Christian Ihle

1. Der Film in einem Satz:
Oligarchopoly: komme Putin in die Quere, gehe ins Gefängnis, begib dich direkt dorthin.
2. Darum geht‘s:
Der Milliardär Mikhail Chodorkowski ist Besitzer der russischen Ölfirma Yukos und der reichste Unter-40-Jährige der Welt. Doch als in Russland Putin an die Macht gelangt, wird Chodorkowski verhaftet und in ein sibirisches Gefängnis gesteckt. Die Vorwürfe lauten auf … weiter lesen