10.06.2010 von Christian Ihle
Nachdem wir ja bereits ausführlich auf das Trauerspiel der offiziellen deutschen WM-Songs der letzten Jahrzehnte zurückgeblickt hatten, wollen wir uns den inoffiziellen WM-Liedern zuwenden und stellen fest: auch nicht besser, zumindest hierzulande.
Ein besonders grausames Beispiel bieten die Altmetaller von Bonfire, die tatsächlich die deutsche Nationalhymne in einer Rockversion aufgenommen haben – Jimi Hendrix würde sich im eigenen Grabe anzünden, hätte er seine brennende Gitarre dabei:

(klicken auf eigene Gefahr!)
Das einzig ähnlich desaströse Erzeugnis zur Weltmeisterschaft kommt von einer Rockband eines fränkischen Gasthofs:

.
Dass es auch anders geht, beweisen wieder einmal die Engländer. Da kommt eine kleine, völlig unbekannte Band und spielt wunderbarsten Pavement-Alt.Country auf, legt ein amateurhaft-charmantes Video darunter und textet auf einem Niveau, von dem Sportfreunde bis Revolverheld nur träumen können.
Dabei gelingt es ihnen, schön Selbstironie mit trotzdem nicht gänzlich versiegender Hoffnung zu paaren (“One all to Germany / We know they’re going… weiter lesen
09.06.2010 von Christian Ihle
Teil 1 unseres Fußball-WM-Song-Rückblicks findet sich hier: 1974 & 1978.
Teil 2 unseres Fußball-WM-Song-Rückblicks findet sich hier: 1982 & 1986.
Es ist eine Schande: Nicht einmal die Engländer nehmen nun einen offiziellen WM-Song auf – dabei hätten die noch den wenigsten Grund sich zu schämen! Ob “World In Motion” (1990), “Three Lions” (1996) oder “Jerusalem” (2000) – im Gegensatz zu den deutschen Katastrophen konnten die Briten immerhin ab und an einen wirklich guten Song zum Turnier veröffentlichen.
WM 1990: “Wir sind schon auf dem Brenner” – Udo Jürgens
In Deutschland wurde die Tradition bereits 1998 abgeschafft – die ersten vier WM-Songs haben wir schon ausgiebig beleuchtet und treffen im Jahr 1990 einen alten Bekannten wieder: Udo Jürgens!

.
Bereits 1978 durfte Jürgens mit … weiter lesen
15.03.2010 von Christian Ihle
“What is Hamann? What has he got? He smokes, he drinks, he uses pot! But he will shine, he’ll close our ranks! He’ll be like Rommel in his tank! So, now go out and FOLLOW THE KRAUT!”
…singt Trainer Rafa Benitez im Film “15 Minutes That Shook The World“, in dem die Geschichte der Halbzeitansprache bei jenem Champions League Finale FC Liverpool – AC Milan erzählt wird, als Liverpool einen 0:3 Halbzeitrückstand gegen einen in der ersten Hälfte Zauberfußball spielenden AC Mailand noch drehen konnte, was zurecht als das wohl größte Endspiel der Fußballgeschichte gilt.

.
Eine surreale Geschichte erzählen Drehbuchautor David Kirby und Regisseur Illy in ihrem Spielfilm zu Ehren des Champions-League-Triumphs von 2005 und konnten mit Jamie Carragher und Steven Gerrard sogar die beiden bedeutendsten Liverpool-Spieler als Akteure gewinnen. Auch Didi Hamann spielt sich selbst und wird mit seinen deutschen Tugenden der entscheidende Akteur für die Aufholjagd. Eine bemerkenswerte Selbstironie legen dabei alle Teilnehmer an den Tag, denn welcher Fußballspieler ließe sich hierzulande in einem Film, in dem er selbst mitspielt, mit der Zeile “He smokes, he drinks, he uses pot!” besingen? (Mario Basler jetzt mal ausgenommen!) … weiter lesen
19.11.2009 von Christian Ihle
Wir schreiben das Jahr 1988 und die letzte große Mannschaft des FC Liverpool (was Meisterschaften angeht) nimmt zur Feier des britischen Pokalfinales einen Song auf. Soweit nichts besonderes, aber wenn man sich anhört (und ansieht!) welchen Song die Liverpooler unter Führung ihres Mittelfeldtausendsassas John Barnes hier eingesungen haben, dann geht einem schon der Hut vor Respekt (und Belustigung) hoch.
Die Liverpool-Mannschaft versucht sich an einem astreinen Rapsong, der schön an Run DMC und Konsorten erinnert. Thematik des Songs, absurder geht es kaum: die beiden verbliebenen Liverpooler Eingeborenen (Steve McMahon und John Aldrige) mokieren sich darüber, dass die anderen Mitspieler nicht aus Liverpool selbst stammen und so für sie unangenehme Dialekte sprechen. Nebenbei wird noch schön die Konkurrenz gedisst (“Liverpool FC is hard as hell / United, Tottenham, Arsenal / Watch my lips, and I will spell / ‘Cause they don’t just play, but they can rap as well”)… weiter lesen
22.10.2009 von Christian Ihle
Teil 1 unseres Fußball-WM-Song-Rückblicks findet sich hier: 1974 & 1978
1982: Olé España

.
Nachdem man sich mit Udo Jürgens als Sänger des deutschen WM-Songs 1978 ein Kuckucksei ins Nest gelegt hatte, besann man sich für die Weltmeisterschaft 1982 in Spanien wieder auf deutsche Barden. Der angebliche Traum aller Schwiegermütter, Michael Schanze, durfte seinen Lockenkopf prominent ins Bild halten. Seine Qualifizierung, mit der deutschen Nationalmannschaft einen Song aufnehmen zu dürfen, mag weniger seiner mittelmäßig verlaufenen Karriere als Schlagersänger (1970 Platz 16 als größter Erfolgmit “Ich hab dich lieb“) zu verdanken sein als dass er offensichtlich problemlos mit untalentierten Sangesnervensägen auf der Bühne stehen kann wie er jahrelang bei “Kinderquatsch mit Michael” beweisen konnte.
… weiter lesen
15.10.2009 von Christian Ihle
Nachdem die Qualifikation nach Punkten zwar deutlich, aber doch eher mit den Brüdern Ach & Krach in der Stammelf geschafft wurde, ergeht die Hoffnung, dass der DFB nach längerer Abstinenz doch mal wieder seine Fußballer in ein Aufnahmestudio prügelt, um nachfolgenden Generationen ähnlichen Spaß zu bereiten wie das Beckenbauer bis Matthäus in den 70ern und 80ern taten.
Ein kleiner Rückblick auf bisherige Höhepunkte des deutschen Fußballsongwirkens:
1974: Fußball ist unser Leben

.
Zwar mag das von Jack White (nein, nicht DER Jack White!) geschriebene “Fußball ist unser Leben” geradezu übersimpel sein, doch bleibt im Rückblick zu konstatieren: besser als beim ersten Fußball-WM-Song sollte die Nationalmannschaft nie mehr werden. Das hier hat – nur logisch für eine Mannschaft, deren tragende Säulen Beckenbauer, Müller und Maier vom FC Bayern München kamen – Bierzeltcharakter, ist mitsing- und besauftauglich.
Zusätzliche Punkte gibt es für die jungen Gesichter der nun alten Herren Uli Hoeness und Jupp Henckes (0:42 bis 0:45 z.B.) und die vielen Fußballer, die ihre Haare schön haben.
1978: Buenos días, Argentina … weiter lesen
13.10.2009 von Christian Ihle
Dem Himmel sei Dank, dass Hape Kerkeling ja nun angedeutet hat, Horst Schlämmer aus dem Verkehr ziehen zu wollen. Eine frühe Variante der schlämmerschen Verkleidung konnte man schon vor einigen Jahren an Kerkeling beobachten, als er in einem Coup für “Darüber lacht die Welt” als neuer Trainer des Grazer AK vorgestellt wurde. Klaus Augenthaler, bis dato Grazer AK – Trainer, spielt die Rolle des bisherigen Coaches, der für Kerkelings litauischen Wundertrainers Abschied nimmt, tadellos mit. Die Spieler waren allerdings nicht eingeweiht, was zu schön absurden Szenen auf dem Trainingsplatz führt. Darunter leiden muss insbesondere Rekordtransfer Igor Pamic (“er hat schnelle Auto, aber Fuß ist langsam”), der zuvor auch in der Bundesliga schon mehr schlecht als recht sein Glück versuchte:
11.08.2009 von Christian Ihle
Am kommenden Mittwoch tritt die deutsche Fußballnationalmannschaft gegen Aserbaidschan in der WM-Qualifikation an. Trainer des Teams ist der zigfache deutsche Nationalspieler und ehemalige Teamchef der deutschen Mannschaft Berti Vogts.
Grund genug sich an zwei Höhepunkte der Vogt’schen Entertainment Laufbahn zu erinnern. Vielen wird ja sein an Absurdität kaum zu überbietender Einsatz (“Gib dem Kaninchen eine Möhre extra. Es hat uns das Leben gerettet. Tschüss.”) als Schauspieler im Tatort noch in Erinnerung sein:
…aber nicht minder kurios ist sein Auftritt bei DISCO mit Ilja Richter, dem aber heftig der Schalk im Nacken sitzen musste, als er ihr gemeinsames Sangesstück mit “Ich hörte, Du singst wunderbar!” eröffnet (die “gesungene” Vogts-Replik: “Na selbstverständlich / als Spitzensportler / na klar!”):
… weiter lesen
28.05.2009 von Christian Ihle
Es ist anzunehmen, dass im Hause Gallagher gestern abend durchaus der eine oder andere Zufriedenheitswhiskey eingeschenkt wurde:
23.05.2009 von Christian Ihle
Wer ist der amtierende Fußballweltmeister? Die Niederlande!
Nicht auf den Schlips getreten fühlen, lieber Luca Toni, aber neben eurem Sieg bei diesem kleinen Turnier in Deutschland gibt es ja auch noch den “Unofficial Football World Champion”, der die Idee der Titelkämpfe aus dem Boxen in die Welt des Fußballs überträgt. Ist ja auch wahr: alle vier Jahre einmal einen Schnappschuß der momentanen Leistungsstärke aufzunehmen und dann Italien rätselhafterweise gewinnen zu lassen, ist glücklich, aber nicht fair. Deshalb dachte sich der britische Journalist Paul Brown was kluge Köpfe schon immer wussten: Weltmeisterschaft ist immer und überall!
So entwickelte er das Titelkampfsystem aus dem Boxen für den Fußball. Wir erinnern uns – im Boxen gibt es keine Turniere (auch wenn es sehr schade ist, dass die wunderbare Idee, Graciano Rocchigiani, den Tiger, Sven Ottke und Henry Maske mal einen Turniersieger ausboxen zu lassen, nie umgesetzt wurde), sondern Titelkämpfe. Der Gewinner des Titelkampfes ist neuer Weltmeister bis er sich wieder der nächsten Herausforderung stellen muss, um dort um seinen Titel zu bestätigen. … weiter lesen