17.05.2013 von Christian Ihle

Wenn eine frisch gehypte Band laut herausschreit, dass der allgegenwärtige Kommunikationsterror endlich verstummen soll, mag man das für hoffnungslos retro halten. Beim flüchtigen Anhören der Songs wird man den Verdacht auch nicht gleich wieder los.
Doch man täte Savages, einer jungen britischen Frauenband, unrecht, wenn man ihre Forderung nach Handy-Verzicht auf Konzerten und ihre Weigerung, ausgiebige Fragen zu ihrer von Bands der Postpunk-Ära (1978–1981) geprägten Musik zu beantworten, miteinander in Zusammenhang brächte. Denn Fortschrittsgegner und Bewahrer einer „guten alten Zeit“ sind Savages nicht. Dem Quartett um die Sängerin Jehnny Beth geht es um mehr, als nur mit ihren Botschaften Gehör zu finden.
Deutlich wird das, wenn man sich näher mit der britischen Band befasst. Auf ihrem Debütalbum „Silence Yourself“ ist ein Manifest enthalten, das auch als Spoken-Word-Intro einen Videoclip einleitete: „If the world would shut up even for… weiter lesen
08.05.2013 von Christian Ihle
Dagobert – Dagobert

Wer: Ein Schweizer Schlawiner, der schmierigen Schlagersound in Indieherzen transportieren will.
Bisherige Glanzleistung: Die Vorabveröffentlichung “Morgens um halb vier”, dank der wir Dagobert auch schon in unserer Believe-The-Hype-Jahresvorausschau portraitiert hatten.

Jetzt: Wer bei “Morgens um halb vier” noch dachte “ein wenig dick aufgetragen, aber halt eine Ballade” kann sich jetzt schön die Schmalzlocken hinter die Ohren stecken und aufpassen: das war noch gar nichts im Vergleich zu den für das Debütalbum aufgenomenen Songs. Es ist ja offensichtlich eine bewusste Entscheidung von Dagobert, sich in die Schlagernähe zu begeben, deshalb mag ich auch nicht von einem “Problem” sprechen, dass es in Deutschland kaum eine Crooner- oder Chanson-Geschichte gibt, so dass die wenigen Diamanten unter der dichten Schlagerpatina kaum zu erkennen sind. Wer wie Dagobert sich aber so offen bei Versatzstücken… weiter lesen
24.04.2013 von Christian Ihle
Christopher Owens – Lysandre Akustik Album
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Wer: Der Songwriter der vielleicht besten Band der letzten paar Jahre. Die San-Francisco-Lo-Fi-Rocker Girls hatten uns mit jedem ihrer drei Alben begeistert und so unter anderem Platz 2, Platz 3 und Platz 4 in unseren Albumcharts abgeräumt sowie zwei Songs des Jahres geschrieben.
Bisherige Glanzleistung: Ewiger Höhepunkt dabei “Hellhole Ratrace”, für die Ewigkeit gemachtes Epos in Spiritualized-Höhen:

Jetzt: Girls bestanden aus Christopher Owens (Songwriter & Sänger) und Chet “JR” White (Produzent & Arrangeur) sowie etlichen, immer wieder wechselnden, zusätzlichen Musikern. Nach einer bitteren Trennung der beiden Girls-Masterminds veröffentlichte Owens Ende letzten Jahres ein heiß erwartetes Soloalbum, das aber ganz drastisch ans Tageslicht brachte, wieviel Einfluß der unscheinbare JR White auf… weiter lesen
18.04.2013 von Christian Ihle
Yeah Yeah Yeahs

Wer: Band um Karen O, die interessanteste Frontfrau des letzten Jahrzehnts, die zwar in den Tagen des Garagepunk-Revivals um Strokes & Stripes auf die Bühne marschierten, aber immer einen deutlich stärkeren Art- und Post-Punk-Ansatz hatten.
Bisherige Glanzleistung: Immer noch jene erste, selbstbetitelte 5-Track-EP von 2002. Was für ein irres Brett das damals war. Art Star (“I got a dealer in Tokyo. I got a rep in Paris. I got a agent in Cologne. Shit, I got a gallery in New York.”), Miles Away, Bang, Mystery Girl. Ja, Karen O war tatsächlich the girl who tamed the tiger.
the girl hit hard like a barracuda baby!

Jetzt: So sehr ich die angesprochene Debüt-EP auch neben der Strokes “Hard To Explain”/”New York City Cops”-Single für… weiter lesen
04.04.2013 von Christian Ihle
Black Rebel Motorcycle Club – Specter At The Feast

Wer: Einst neben Strokes & Stripes Speerspitze der Garagenpunk-Revolution der frühen Nullerjahre, veröffentlichen Black Rebel Motorcycle Club regelmäßig Album um Album, die sich zumeist auch nicht allzu fürchterlich unterscheiden.
Bisherige Glanzleistung: Natürlich jene Debütsingle “Whatever Happened To My Rock’n'Roll“, die das Führer-war-alles-besser-Lamentieren mit einer solchen Aggressivität auf den Punkt brachte, dass niemand BRMC im Geilheit-des-Rocknroll-Abfeiern-Genre das Wasser reichen kann. Außer natürlich Thomas Gottschalk:

…und Thomas Gottschalk:

Jetzt:
“Specter At The Feast” ist Black Rebel Motorcycle Club im bekannten more of the same – Modus. Egal das wievielte Album die Amerikaner hier schon veröffentlichen, es bleibt bei brodelndem Shoegaze-Rocknroll, der in seinen guten Momenten über eine bestechende… weiter lesen
20.03.2013 von Christian Ihle

Es war durchaus eine ziemliche Überraschung, als die Strokes nach dem für ihre Verhältnisse doch mit mäßiger Begeisterung aufgenommenem letzten Album “Angles” vor sieben Wochen mehr oder minder aus dem Nichts den ersten Song einer in Bälde erscheinenden Platte namens “Comedown Machine” auf soundcloud veröffentlichten:
One Way Trigger Soundcloud Link
Noch größer war die Überraschung bzw. Irritation als das Lied erst einmal durchs Netz gehallt war: kein Strokes-by-Numbers, kein altersmilder Last Nite – Abklatsch wie noch der erste Song des vorherigen Albums (“Undercover Of Darkness”), sondern ein wilder, flirrender und unruhiger Track, der am ehesten noch an die Talking Heads der frühen 80er erinnerte, an die Cars, ja, meinetwegen in der Melodielinie dann halt auch an a-ha’s “Take On Me”. Aber wer ein wenig Geduld walten ließ und sich auf mehrere Hördurchgänge einlassen konnte, der… weiter lesen
06.03.2013 von Christian Ihle
Fidlar – FIDLAR

Wenn das Tracklisting eines Albums mit “Cheap Beers” beginnt, über “Wake Bake Skate” weitergeht und letztlich mit “Cocaine” endet sowie in einem seiner größten Hits den Refrain mit der Zeile “I feel like a crackhead” schmückt, dann bedeutet das: wir stehen knietief im adoleszenten Punksumpf!
Fidlar (was, natürlich, ein Akronym für das schöne Life-Fast-Die-Young-Mantra “Fuck it Dog, life’s a risk” ist) könnten nun die stumpfesten Brüder unter der Sonne sein, die je auf einem Skateboard eine Gitarre in der Hand gehalten haben, aber au contraire! Diese Gruppe Misfits aus Los Angeles versteckt hinter ihrer Sex & Drugs & Drugs & Drugs & Drugs & Rock & Roll – Attitude ein cleveres Songwriting, das sich aus verblüffend vielen Quellen speist. Mitnichten ist das einfach 1-2-3-4-Punk, der hier runtergeholzt wird als gäbe es nur drei Akkorde, ein Hallelujah und… weiter lesen
05.12.2012 von Christian Ihle
1. This Many Boyfriends – Tina Weymouth

Soundcloud-Link hier
Wenn es am besten Indiepop-Album des Jahres etwas zu bekritteln galt: die meisten Songs von This Many Boyfriends waren uns durch EPs und Singles schon bekannt. Aber “Tina Weymouth”, der Albumopener über die Bassistin der Talking Heads, war neu – und was für eine Art ein Album zu eröffnen. Die Zeile “You love pop songs about love more than being in love in the first place” scheint auf den ersten Blick eine schrankenlose Affirmation des Nerdtums zu sein, doch bei genauerem Hinhören fällt auf, dass es sich eher um eine wehmütige Absage dem Eskapismus gegenüber handelt. Das Leben, es ist hier.
2. Palma Violets – Best Of Friends
Der heißeste Tipp aus… weiter lesen
30.10.2012 von Christian Ihle
1. Peace – California Daze

Die junge britische Band Peace ist neben den Savages (siehe unsere Songs des Monats Juni) und Palma Violets (siehe unsere nächsten Songs des Monats…) die spannendste neue Gitarrengruppe des Königreichs. Wo die einen Siouxsie & The Banshees und die anderen den Libertines huldigen, präsentieren Peace auf ihrer “Delicious”-EP einen erstaunlichen Genre-Mix. Auf dem zehnminütigen Binary Finary – Cover “1998″ erwecken sie die gute alte Madchesterzeit zu neuem Leben, wohingegen “California Daze” exakt so klingt wie es der Name verspricht: psychedelischer Sonnenbrennpop, der Big Star und Teenage Fanclub genauso ins Gedächtnis ruft wie die zweite Hälfte von “Abbey Road” der Beatles. Meine anfängliche Skepsis der Band gegenüber hat sich in sonniges Wohlgefallen aufgelöst. Das, meine Lieben, ist ein Hit.
2. Toy – Motoring

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26.09.2012 von Christian Ihle
1. Bonnie Prince Billy – I See A Darkness

Es ist wohl an der Zeit festzustellen: “I See A Darkness” von Will Oldham ist eines der herausragenden Lieder der letzten Dekade. War die ursprüngliche Variante noch ein überaus fragil hingehauchtes Todesliedchen, so ist aus dieser Vorlage in der Folge robuster, melancholischer Country (die Johnny Cash – Coverversion) ebenso entstanden wie Electropop (via Acid Pauli) und nun eben eine seltsam beschwingte Eigencoverversion von Oldham auf seiner neuen EP “Now Here’s My Plan”. Ein schöner Service: man kann nun zu jeder Tageszeit ganz nach aktueller Stimmungsschwankung zu einer Version von “I See A Darkness” greifen. Ein Soundtrack der Bipolarität.
2. Chromatics – These Streets Will Never Be The Same

“Kill For Love”,… weiter lesen