Der britische Schrammel-Indie liegt genauso danieder wie der Noelrock, der Post-Oasis-Britpop. Mando Diao kann auch kein Mensch mehr ernst nehmen seit sie dem Mod-Sound abgeschworen und sich einem wenig bemerkenswerten Mittelstraßenrock verschrieben haben. Wo nimmt also die anglophile Indiedisco ihre Floorfiller her?
Wenn Sie in die korrekte Richtung schaut, dann direkt aus Furth im Wald und von den Brüdern Marschel, die seit Jahren am kompetentesten hierzulande das „Weller-Gallagher-Mandodiao“-Bermudadreieck bearbeiten. Dabei klingen sie tatsächlich frischer und jünger als das Liam Gallagher selbst mit seiner neuen Band Beady Eye gelungen ist – man hätte dem ehemaligen Oasis-Frontmann solche straighten Nummern wie “Aphrodite” oder “Heartbeater” gewünscht, die Atomic hier als Doppelsalve gleich zu Beginn des Albums abfeuern, bevor sie hin und wieder ihre Kinks-Leidenschaft durchschimmern lassen. So seltsam es klingen mag: die beste Modrock- und Britpop-Platte kommt in diesem… weiter lesen
Im Grunde standen The Drums immer recht allein da – qua Vorlieben und gerade aufkommender Szene wurden sie zwar in die Lo-Fi-Schublade gesteckt, aber die sonst typischen Merkmale (die Soundwand von Jesus & The Mary Chain, die Melodieseligkeit der Ronettes, die Kettensägen-produktion der Ramones) fand man auf dem Drums-Debüt überhaupt nicht wieder. The Drums paarten Beach Boys – Anklänge mit einem skeletaren Soundgewand, das sich vor allem bei Beat Happening anlehnte. French Films sind nun so ziemlich die erste Band, die sich tatsächlich bei näherer Betrachtung ebenfalls in die Drums-Ecke stellen dürfen. Ein Händchen für Melodien, dazu geradlinig strukturierte Songs – allerdings mit etwas mehr Wucht, nicht gar so fragil. Zwar fehlt der French Films – Platte der eine oder andere Überhit der Drums, dafür wirkt das Album als Ganzes aber besser als das leider doch eher enttäuschende zweite Drumswerk. Wer also letzten Sommer fröhlich pfeifend die Summertime EP aus dem Plattenladen nach Hause trug, sollte 2011 lieber zum French Films-Debüt als zum Drums-Zweitwerk greifen.
Angefangen beim Electroclash über den Post-Punk hin zur Synthie-Pop-Wiederkehr der Marke La Roux hat das 80er-Revival hat schon viele Ecken abgegrast. Selbst Goth ist wieder trendy, ist Zola Jesus doch einer der wenigen Acts, auf den sich sowohl die kleinen Indie-Blogger als auch die Platzhirsche Pitchfork und der NME einigen können. Vielleicht war es da nur eine Frage der Zeit bis jemand die drei Punkte Indierock, Goth-Einflüsse und Post-Punk zusammenzählt und mit dem Ergebnis New Model Army im Studio steht!
Da New Model Army zu den größten Bands gehören, … weiter lesen
Vielleicht ist man als Deutscher auf dem österreichischen Auge blind, jedenfalls habe ich Kreisky trotz ihrer schon längeren Karriere erst in diesem Herbst wahrgenommen. Dann aber wie!
Musikalisch sind Kreisky erheblich sperriger als Indierock-Landeskollegen wie Killed By 9 V Batteries oder Naked Lunch und erinnern eher an Kristof Schreufs alte Großtaten zu Brüllen und Kolossale Jugend – Zeiten oder gleich an den bösen Onkel aus Manchester, Mark E. Smith und seinen The Fall. Kreisky räumen zudem mit dem Vorurteil auf, dass der sprichwörtliche österreichische Schmäh lakonisch-melancholische Züge hätte, denn auf diesem Album wird vielmehr mit aller Härte und in alle Richtungen geschmäht. Titel wie „Scheisse, Schauspieler!“ seien als Beweis herangezogen. In diesem Stück findet sich allerdings auch eine der schönsten Stellen der Platte: „Wo Musik ist, lass dich nieder, da ist meistens auch Bier!“. Ok, zugegeben, Lakonie können sie auch.
Um dem sich immer schneller drehenden Musikbusiness gerecht zu werden, haben wir eine neue Kategorie im Popblog, die die Albumreviews ergänzt. In “Tune! Songs you should know about.” stellen wir eine handvoll neuer Songs von aktuellen Alben und kommenden Künstlern vor und graben jeweils auch einen Klassiker aus, den man gerne wieder aus der Vinylschrank ziehen darf:
SONG DER WOCHE
The Rapture – How Deep Is Your Love
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Wer? Wenn es neben James Murphy und seinem LCD Soundsystem eine Band gibt, die wir dafür verantwortlich machen können, dass Punk und Disco, Funk und Aggresivität eine Hochzeit im letzten Jahrzehnt eingegangen sind, dann The Rapture, deren “House Of Jealous Lovers” eine der Singles der letzten 10 Jahre war. Nicht unbedingt mit einer calvinistischen Arbeitsethik ausgestattet, haben The Rapture jetzt gerade mal ihr drittes Album (sowie eine herausragende Debüt-EP mit “Out Of The Tracks And Onto The Races”) in zehn Jahren geschrieben, das aber wie die beiden Vorgänger erneut durchweg überzeugen kann.
Nichts auf dem hervorragenden Album schlägt aber diese erste Single, die ohne Zweifel einer der allerbesten Songs des Jahres ist. Eine phänomenale Rückkehr.
Mehr? Das neue Album von The Rapture “In The Grace Of Your Love” erscheint am 2. September 2011
Scott Matthew – Felicity
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Wer? Einer der vielen bärtig-fragilen Singer/Songwriter – aber ohne Zweifel einer der besten. Immer noch ist etwas rätselhaft, warum Matthew noch nicht die Bekanntheit eines … weiter lesen
Boy Division sending out a message in a bottle – Hamburgs bestgekleidete Coverband ist zurück! Boy Division stellen nach ihrer vor zwei Jahren veröffentlichten Pet Sounds EP (auf der nur Songs über Tiere gecovert wurden) nun mit „Message In A Bottle“ ein weiteres Meisterwerk der Konzeptkunst vor.
Der alte Police-Klassiker wird dem Genöle von Sting entrissen und nun im unverkennbaren Boy Division – Soundgewand präsentiert: alle Regler auf 11, Mega- statt Mikrofon und an Stelle eines Schlagzeugs wird mit zwei Klöppeln auf alte Eimer eingedroschen als gäbe es kein Morgen mehr.
Neben dem Hauptsong finden sich auf der 3-Inch-CD noch Remixe von illustren Kollegen aus der Hansestadt wie Tocotronics Rick McPhail, H.Gicht, Misses Next Match und Chefproduzent Tobias Levin.
Der eigentliche Clou aber liegt in der Verpackung, haben die Boys doch ihre kleine CD in eine Plastikflasche gezwängt. Dass der Aufdruck auf der Flasche dabei „ABSOLUT BOYDIVSION“ lautet und einer bekannten Getränkemarke nachempfunden ist, dürfte niemanden überraschen, der die Hamburger Jungs je auf der Bühne gesehen hat, sind ihre Liveauftritte doch mehr Performance-Kunst mit Schnaps als herkömmliche Gigs.
(Streng limitiert und von der Band handgearbeitet ist Boy Divisions „Message In A Bottle“ nun beim Label Fidel Bastro und in einigen Independent Plattenläden für 7 Euro erhältlich.)
—————— Various Artists – Rave On Buddy Holly
Tribute-Alben sind oft eine nette Idee mit wenig Substanz, eine … weiter lesen
WU LYF “Go Tell Fire to the Mountain” (LYF Recordings)
Von Anfang an machte die britische Band WU LYF überregional auf nicht alltägliche Weise von sich reden: Zuerst verbreiteten sie ein Foto auf dem eine Gruppe junger Typen zu sehen ist, die alle mit weißen Tüchern vermummt sind und eingehüllt in dichte Rauchschwaden auf einem Parkplatz stehen.
Niemand wusste, wer hinter der Band steckte oder aus wie vielen Musikern sie überhaupt bestand – aber selbst mit diesem ersten Bild vermittelten WU LYF sofort, um was es ihnen geht: Um Attitude, um Gang-Mentalität, darum, mehr zu sein, als ein paar Jungs, die gern Gitarre spielen.
Geschickt jonglierten WU LYF (“World Unite / Lucifer Youth Foundation”) stehen, auch nach ihrem unvermuteten Auftauchen mit den Konzepten “Rätsel” und “Exklusivität”, was sie zum interessanten
Gegenentwurf zur sonst herrschenden Ubiquität von Musik und Künstlerinformationen macht. Das erste Demo wurde auf wenig Stück limitiert und den Plattenlabel-Talentsuchern für horrende 50 Pfund verkauft. Fans der ersten Stunde konnten Mitglied in der sogenannten Lucifer Youth Foundation werden und dadurch exklusiven Zugang zu ihren Konzerten erhalten, die ausschließlich in einem Atelier im nordenglischen Manchester stattfanden.
Erst nach und nach lichtete sich der Nebel, einzelne Songs fanden ihren Weg auf YouTube und ließen erstaunte Fans zurück. Wann hatte man zuletzt eine junge Band gesehen, die plattenlabelunabhängig mit einem so fertigen Entwurf vor die Öffentlichkeit trat und dabei die besten Musikvideos des Jahres und die originellste Musik seit langem
präsentierte?
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Auch jetzt, ein Jahr nach dem ersten Lebenszeichen, die Gruppe außerhalb Manchesters aufgetreten ist und die Bandmitglieder mit Gesicht und Namen bekannt sind, bleibt immer noch wie bemerkenswert anders WU LYF arbeiten.
Ihre Pressemitteilungen sind keine öden Promozettel, sondern genau durchdachte, mitunter pathetische Pamphlete eines Willens zu mehr Individualität.
Ihre Songs sind immer noch schwer zu greifen. Versuche, sich … weiter lesen
Auch wenn in Albumname (My ____ Is Pink) und Covergestaltung (eh, pink) Einfachkeit leitendes Element ist, lässt das keine Rückschlüsse auf die Kompositionen von Colourmusic zu, die sich an die komplexen Strukturen von Battles (weniger) und HEALTH (mehr) anlehnen. Uns erwarten demnach heftige Gitarrenriffs, noisiges Feedback und vor allem PERCUSSSSSSSION!
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Und – ebenfalls an HEALTH erinnernd – eine eigentlich zu sanfte Stimme, die über all dem komplex struturierten Lärm zu schweben scheint. Im Gegensatz zu ihren Kollegen denken Colourmusic aber innerhalb dieser Struktur immer auch in Richtung Pop, exemplarisch bei den Gary-Glitter-Gedenk-„Hey!“s aus „Tog“ oder dem R&B-Refrain der Black Keys Güte in „You For Leaving“. Kracht, wackelt, macht Pop.
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Cage The Elephant: “Thank You, Happy Birthday”
Hierzulande bewegen sich Cage The Elephant noch ziemlich unter dem Radar, wohingegen weltweit bereits 500.000 Einheiten ihres Debütalbums verkauft wurden, was dieser Tage… weiter lesen
Es reicht ein Blick auf den bärtigen, bärtigen Josh T Pearson, um die Worte „years in the wilderness“ zu begreifen. Einst mit der unterschätzten US-Indie-Rock-Band „Lift To Experience“ für eine kurze Zeit möglicher Retter amerikanischen Rocks, verschwand Pearson für Jahre im Nirgendwo, nur um auf der hervorragenden 8mm-Musik-Compilation mit dem live aufgenommenen Song „THE CLASH“ ein derart fulminantes Lebenszeichen von sich zu geben, dass es einem die Sprache verschlug.
Wieder ein paar Jährchen später kehrt Pearson nun endlich mit einem Album zurück. „Last Of The Country Gentlemen“ erinnert dabei weder an seine alte Band noch an jene 8mm-Aufnahme, sondern ist ein Meisterwerk des kathartischen Countryfolk. Ruhig ist kein Ausdruck! Pearson, eine Akustik-Gitarre und Texte, von einer Heftigkeit und Offenheit, die einen erschaudern lassen. Sollte jemand ein zweites Sequel zum Alten Testament schreiben wollen, bitte unbedingt Josh T Pearson mit einbeziehen.
Musikalisch ist „Last Of The Country Gentlemen“ zudem ein Geschenk für alle, denen Will Oldham in den letzten Jahren doch zu viele Bongo-Trommeln und Streicherquartette im Bart gefunden hat. Erschreckend gut. … weiter lesen
Dass der Sänger der britischen Band The Horrors einen nuancierten Musikgeschmack besitzt und die Rundumbegeisterung eines wahren Nerds aufbringen kann, war schon bei den ersten beiden Alben seiner Band nicht zu überhören. Das Debüt plünderte obskure Garagenrock – Höhepunkte der 60er charmant und behände, Album Nummer zwei mischte dann noch Krautrock der Marke Neu! und britischen Post-Punk von Joy Division bis Teardrop Explodes bei.
Nicht ausgelastet damit, eine der besten britischen Bands derzeit anzuführen, hat sich Faris Badwan während der Aufnahmen zu Horrors-Album Nummer Drei noch ein Nebenprojekt zugelegt, das sich weder als selbstgefälliges Egoding noch als Spaßnummer erweist.
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Im Gegenteil: schlüssig kann man im „Cat’s Eyes“ – Projekt, das Badwan mit der kanadischen Sängerin Rachel Zeffira gegründet hat, Einflüsse heraushören, die im Soundgefüge seiner Hauptband bereits vorhanden waren, aber im Horrors-Kosmos eben keinen allzu großen Platz einnehmen können. War im Horrors-Song… weiter lesen
Süßer Vogel Jugend! Warum fliegst du so selten hierzulande? Warum klingen hier all die jungen Bands, die einen Plattenvertrag bekommen, nicht wie die jungen unfertigen Garagengenies, die sie sein sollten, sondern nach machtgeilen, glattgebügelten Karrieristen?
Wer singt hierzulande Lieder über Schokolade und Mädchen? Wo sind die seltsamen Burschen, die Satzzeichen vergessen und sich stattdessen hinstellen und „Ist es das“ sagen?
Mädchen aus Hamburg und Mädchen aus Verona
Mädchen aus Paris und aus Barcelona
Mädchen aus Bremen und aus Wien
Wir sind Chuckamuck und wir kommen aus Berlin!
Aber nun genug des Jammerns, denn Chuckamuck sind alles, was wir lange nur mit dem Fernglas sehen konnten. Eine Hand voll wilder junger Burschen aus Berlin, die fröhlich vor sich hinschrammeln, über ihre Teenage Kicks wie Schokoriegel, Zigaretten und Mädchen singen als hätte man gerade „Teenagerliebe“ der Ärzte aufgelegt, während… weiter lesen