Archive for the ‘Plattenkritiken’ Category

05.04.2011 von Christian Ihle
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Album des Monats März – Chuckamuck: Wild For Adventure

von Christian Ihle

Süßer Vogel Jugend! Warum fliegst du so selten hierzulande? Warum klingen hier all die jungen Bands, die einen Plattenvertrag bekommen, nicht wie die jungen unfertigen Garagengenies, die sie sein sollten, sondern nach machtgeilen, glattgebügelten Karrieristen?
Wer singt hierzulande Lieder über Schokolade und Mädchen? Wo sind die seltsamen Burschen, die Satzzeichen vergessen und sich stattdessen hinstellen und „Ist es das“ sagen?

Mädchen aus Hamburg und Mädchen aus Verona
Mädchen aus Paris und aus Barcelona
Mädchen aus Bremen und aus Wien
Wir sind Chuckamuck und wir kommen aus Berlin!

Chuckamuck – Caroline by Christian76

Aber nun genug des Jammerns, denn Chuckamuck sind alles, was wir lange nur mit dem Fernglas sehen konnten. Eine Hand voll wilder junger Burschen aus Berlin, die fröhlich vor sich hinschrammeln, über ihre Teenage Kicks wie Schokoriegel, Zigaretten und Mädchen singen als hätte man gerade „Teenagerliebe“ der Ärzte aufgelegt, während… weiter lesen

18.03.2011 von Christian Ihle
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“Angles” – das Second Coming der Strokes

von Christian Ihle

Die neue Platte der Strokes, “Angles”, ist ihr Second Coming. Leider aber das “Second Coming” der Stone Roses und nicht das von Jesus Christus.

angles

Die Meister der minimalistischen Makellosigkeit kehren nach fünf langen Jahren zurück und nachdem das – dennoch heftig unterschätzte – “First Impressions Of Earth” ihren Unfehlbarkeitsnimbus zuvor zart beschädigte, vernichten ihn die Strokes mit “Angles” geradezu. Wohl bei keiner Band seit den Stone Roses war der Fall von erderschütterndem Debüt, generationsverändernder Kraft zu orientierungslos mäanderndem Rock größer.
Bye bye Jugend, ich werde jetzt erwachsen.

Mehr über die Strokes:
* Album des Jahrzehnts: The Strokes – Is This It
* Song des Jahres 2006: The Strokes – Heart In A Cage
* The Strokes feat. Regina Spektor

02.03.2011 von Christian Ihle
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15 Fakten über das neue Ja, Panik – Album

von Christian Ihle

Das letzte Ja-Panik-Werk “The Angst & The Money“, war unser Album des Jahres.
Gestern lag die Promo der im April erscheinenden neuen Platte der Wahlberliner und Stammösterreicher um Sänger und Texter Andreas Spechtl im Briefkasten – schnell, frisch und wild nun 15 Fakten nach dem ersten Hördurchgang!

1. “This is no adventure, not even a trip. This is DMD KIU LIDT”: Das Nachfolgealbum zu “The Taste & The Money” und “The Angst & The Money” heißt “DMD KIU LIDT” und, nein, wir wissen auch nicht warum, nur dass wir das Album englisch aussprechen sollen (Di-Em-Di-Quiu-Lit). Nach dem ersten Hördurchgang und vor allem dem Irrsinn der letzten 20 Minuten hätten wir durchaus auch “The Wahnsinn & The Money” als Titel für akzeptabel befunden.

2. “Sorry for my bad english, but my german is even worse”: Entgegen anders lautender Gerüchte singt Andreas Spechtl weiterhin deutsch und englisch – “DMD KIU LIDT” ist also keineswegs nur englischsprachig, auch wenn alle Songtitel englisch sind und durchaus der Weg vom fremdsprachigen Einsprengsel zur vollständigen Bilingualität beschritten wurde.

3. “DMD KIU LIDT” ist mehr “Pardon” und “Blue Eyes” als “Alles hin, hin, hin” oder “Thomas sagt”. Das Tempo wird gedrosselt, der Klang vielschichtiger, offener. Andreas Spechtl hat immer noch keine Angst, affektiert zu klingen. Weniger als je zuvor.

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4. Das New York Dolls – Piano aus “The Angst & The Money” wurde eingemottet. “The Horror” auf “DMD KIU LIDT” bleibt in der gleichen Stadt, geht zehn Jahre zurück und setzt sich neben Velvet Underground. … weiter lesen

23.12.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats November – Platz 1: Girls – Broken Dreams EP

von Christian Ihle

girls broken

Es mag viel erstaunliches an den Girls, der Zweimannband aus San Francisco, geben, aber letzten Endes überrascht doch immer am meisten, dass die scheinbare Simplizität von Songs und Lyrics nicht etwa dazu führt, dass man sich schnell verliebt, aber wieder überdrüssig wird, sondern dass Girls das Gegenteil eines Onenightstands sind. Wie schon beim Debütalbum gilt für die recht überraschend erschienene EP wieder: neben den sofort als Hits zu identifizierenden Songs wachsen die ursprünglich nur als Füllermaterial angesehenen Lieder mit jedem Abspielen weiter, so dass wir erneut ein in sich geschlossenes, verdammt gutes und – das ist eben das überraschende – Woche um Woche besser werdendes (Mini-)Album bekommen haben.

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Wer bisher nur die drei großen Girls-Songs „Lust For Life“, „Hellhole Ratrace“ (unsere Songs des Jahres 2009) sowie „Morning Light“ kennt, wird vom recht kontemplativen Sound vielleicht überrascht sein. Wer allerdings die b-Seiten der erwähnten Singles bereits gehört hat, weiß, wo diese EP herkommt. Durchgehend ruhige Stücke, mal wie bei „Heartbreaker“ zart countryfiziert wie ihre Cover-Version des Skeeter-Davis-Klassikers „End Of The World“ („Morning Light“ b-Seite), mal wie beim wundervollen „Thee Oh So Protective One“ mit versteckten Doo-Wop- und Brill-Building-Einflüssen, die man auch auf dem Burt-Bacharach-zitierenden „Life In San Francisco“ („Lust For Life“ b-Seite) schon vernehmen … weiter lesen

22.12.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats November – Platz 2: Blue Angel Lounge – Narcotica

von Christian Ihle

Schon das ursprünglich selbstveröffentlichte Debüt der blutjungen Burschen aus dem Westen Deutschlands sorgte für einiges Erstaunen – wie oft finden wir auch hierzulande Bands, die sich am dronig-psychedelischen Ende von Velvet Underground abarbeiten und dabei nicht auf die Schnauze fallen?

Mit „Narcotica“, ihrem zweiten Album, machen Blue Angel Lounge nun einen Sprung wie man ihn zuletzt bei The Horrors verfolgen konnte. Einen Sprung um ein Jahrzehnt, einen Sprung aus dem Epigonentum in ein neues, vielschichtigeres Ich, mit beiden Beinen auf einem dicht geknüpften Referenzteppich landend. 1967 ist nicht mehr die alles beherrschende Jahreszahl bei Blue Angel Lounge, sondern ebenso die ausgehenden 70er Jahre – jene dronig-psychedelische Wärme der Velvet Underground wird nun mit der klirrenden Kälte von Post-Punk-Einflüssen verbunden.

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Dass Anton Newcombe, Mastermind von Brian Jonestown Massacre, helfende … weiter lesen

13.12.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats November – Platz 3: Let’s Wrestle – In The Court Of The Wrestling Let’s

von Christian Ihle

Die zweitbeste verspätete Veröffentlichung des Jahres, meine Damen & Herren! Bereits im Sommer 2009 waren wir vom Album der britischen Lo-Fi-Schrammler Let’s Wrestle so begeistert, dass wir es zur Platte des Monats (Originalreview siehe weiter unten) machten – und ein halbes Jahr später auf Platz 6 unserer Endjahrescharts führten.
Keinen Deut schlechter ist seitdem das Originalalbum geworden, das immer noch wunderbar verschrobene Lyrics mit brüchigem Gesang über wobbeliges Gitarrengeschrammel singt – und es dennoch Song um Song schafft, dabei eine Eingängigkeit zu produzieren, die nicht mehr los lässt.

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Auch wenn es lange gedauert hat bis sich eine deutsche Plattenfirma Let’s Wrestle erbarmt hat, muss man dennoch ein großes Kompliment an das Full Time Hobby – Label hinterherschieben: sozusagen als Verspätungsentschuldigung gibt es im Gegensatz zur britischen Originalveröffentlichung als zweite CD die Sammlung aller vor dem Debüt veröffentlichten Singles und EPs. Eat this, Deutsche Bahn! … weiter lesen

11.11.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats Oktober – Platz 2: Jens Friebe – Abändern

von Christian Ihle

Jens Friebe mag immer noch auf einem genuinen Indielabel veröffentlichen, hervorragend vernetzt ist er allemal. Zunächst als Autor für das Kölner Musikmagazin Intro tätig, konnte er seinen Plattenvertrag bei Alfred Hilsbergs ZickZack-Label der Legende nach durch persönliche Fürsprache Jochen Distelmeyers und dessen Weitergabe eines Demotapes an Hilsberg ergattern.

Friebes älterer Bruder Holm ist Mitglied der in Berlin und im Internet äußerst umtriebigen “Zentralen Intelligenz Agentur” (unter anderem Betreiber des Blogs “Riesenmaschine”), in deren Dunstkreis auch Jens Friebe immer mal wieder auftaucht. Auch Jens Friebe ist in der Zwischenzeit dank einer Sammlung von taz-Kolumnen zum Buchautor (“52 Wochenenden”) geworden, zudem als “fester Aushilfsschlagzeuger” bei der Berliner Band Britta.

friebe abändern

Bei soviel Nebentätigkeiten nimmt es nicht Wunder, dass die Abstände zwischen seinen Soloalben immer länger werden. Seit seinem letzten musikalischen Lebenszeichen unter eigenem Namen sind jetzt auch schon geschlagene drei Jahre vergangen. Lass mich Dein ,Plus Eins’ sein, Baby, tonight! singt Jens Friebe auf seinem nunmehr vierten … weiter lesen

04.11.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats Oktober – Platz 1: Christiane Rösinger – Songs Of L. & Hate

von Christian Ihle

Es ist ein schlecht gehütetes Geheimnis: Ja, Panik sind derzeit die beste deutschsprachige Band der Welt. Nach ihrem phänomenalen „The Angst & The Money“ – Album vom letzten Jahr ist es schön, in der japanikfreien Zeit ein halbes neues Album der Österreicher vermelden zu können, hat doch Panik-Mastermind Andreas Spechtl die neue Platte der Grande Dame des deutschen Indiepop, Christiane Rösinger (Britta, Lassie Singers), instrumentiert und die Musik geschrieben, während Rösinger sich ganz auf ihre Texte konzentrieren konnte.

Rösinger

So klingt „Songs of L. and Hate“ tatsächlich wie eine Kreuzung aus Ja, Panik – Demotapes und Rösingers Britta-Zeit. Dabei tritt das Frenetische von Spechtls Hauptband in den Hintergrund und werden seine Lieder zu closing time – Stücken in verrauchten Bars, die immer wieder das Songwritertum der späten 60er, frühen 70er zitieren – wie überhaupt die ganze Platte vor Referenzen nur so überquillt. Der Albumtitel bezieht sich auf das epochale Leonard-Cohen-Album „Songs Of Love & Hate“ (1971), das Cover stellt originalgetreu Bob Dylans „Bringing It All Back Home“ – mit Spechtl im roten Ganzkörperanzug! – nach (1965) und Rösinger textet erfolgreich „These Days“ von Nico (1967) in unsere Sprache um.

Dass sie sich entschieden hat, im Vergleich zum Cohen-Albumtitel ausgerechnet das „Love“ zu kürzen, ist kein Zufall. Hass und Desillusion sind die Treibstoffe des Albums, Liebe dagegen nur soweit wie sie unweigerlich zu Enttäuschungen führen wird.
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09.08.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats Juli / Platz 1: Sleigh Bells – Treats

von Christian Ihle

Im Sommer des Lo-Fi krönt sich eine Band zu Königen, von denen man es nicht unbedingt erwartet hatte. Wo The Drums ordentlich abliefern ohne ganz zu begeistern, Best Coast etwas hinter den Erwartungen bleiben und die Smith Westerns IMMER NOCH NICHT in Deutschland veröffentlicht wurden, schleichen sich Sleigh Bells von hinten an und fetzen ein Album auf den Tisch, das den Mund offen stehen lässt.
Wieder zeigt sich: Einfachkeit rult.

Die Zweipersonenband erinnert … weiter lesen

29.07.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats Juli / Platz 2: Dan Sartain – Dan Sartain lives

von Christian Ihle

sartain

Selten hat ein Cover-Artwork so wenig zur darin steckenden Platte gepasst! Bei Album Nummer 1 präsentierte sich Dan Sartain noch mit einem Galgenstrick um den Hals, was durchaus mit dem ins Nichts blickenden, rauhen Garagenrock gut korrespondierte. Die countryesque zweite Platte zeigte ihn mit zum Kopfschuß angesetzter Pistole. Umso verwunderlicher, dass nun die Rückkehr zu den Rockwurzeln mit einem Hochglanzfoto verbunden wird.

Dabei ist der legitime Nachfahre der White-Trash-Ikone Hasil Adkins wieder in der Garage angelangt: Eine flache Produktion, schnelle, trockene Riffs, kein Vertuen, deutlich weniger Johnny-Cash-Songwriting als noch beim Vorgängerwerk. Die wenigen Ausflüge in andere Genres, wie der Gary-Glitter-Glamrock-Stampfer “Voo-Doo”, gelingen weit weniger gut als im klassischen Sartain-Soundgewand auftretende Garagenknaller der Marke “Walk Among The Cobras”, dessen “Pt. 4″ auch wieder auf das Debütalbum zurückverweist, auf dem die Cobra-Teile 1-3 erschienen waren. Ganz im Jürgen-Wegmann-Style erweist sich hier Sartain als… weiter lesen