Vielleicht muss man Respekt vor Gottschalk haben, dass er tatsächlich in seinem für einen Berufsjugendlichen beinah biblischen Alter noch einmal etwas Neues versucht (und im Grunde etwas Neues, an dem er – zu späterer Stunde – schon einmal fürchterlich gescheitert ist). Seine tägliche Talkshow (?) auf einem traditionell undankbaren Quotenplatz zu bestreiten und aus dem heimeligen Wettendass-Nest in die rauhe Tageswirklichkeit zu wechseln, das ist fraglos mutig. Deshalb wollen wir auch gar nicht den Quotenmesser heranziehen, um Gottschalk abzuurteilen, aber was beispielsweise die gestrige Sendung geboten hat, war dermaßen unter aller Kanone, dass ein Offener Kanal sich schämen würde, eine so unausgegorene Show auf den Bildschirm zu lassen.

Kardinalfehler der Sendung ist die Idee, sie aus zwei zentralen Elementen zu bestücken, die eben genau nicht Gottschalks Sache sind. Zunächst kommt eine Art Stand-Up-Comedy, die in all… weiter lesen
Posts Tagged ‘Alice Schwarzer’
“Sie sind jetzt seit fast einem Jahr im Amt. Seither warte nicht nur ich auf Taten und Zeichen von Ihnen, die die Lage der Familien verbessern und die Gleichberechtigung der Frauen weiter bringen könnten. (…) Wir warteten bisher allerdings vergebens. Die einzig aufregende Nachricht aus Ihrem Amt war Ihr Namenswechsel von Köhler auf Schröder.
Dafür haben Sie nun dem Spiegel ein aufschlussreiches Interview gegeben. Ein Interview, bei dem man nicht so recht weiß, ob man nun weinen oder lachen soll. Eines jedenfalls ist spätestens jetzt klar: Was immer die Motive der Kanzlerin gewesen sein mögen, ausgerechnet Sie zur Frauen- und Familienministerin zu ernennen – die Kompetenz und Empathie für Frauen kann es nicht gewesen sein.
(…)
Als erstes nehmen Sie sich den „frühen Feminismus“ vor. Da haben Sie als Jahrgang 1977 zwar die Gnade der späten Geburt, aber nicht das Recht, Stammtisch-Parolen zu reproduzieren. Stammtisch-Parolen aus den 1970er Jahren wohlgemerkt. Denn die Stammtische 2010 sind längst weiter, viel weiter als Sie. Der „frühe Feminismus“ habe „übersehen, dass Partnerschaft und Kinder Glück spenden“, für ihn sei … weiter lesen
“Ich kann dich nicht ernst nehmen. Du redest viel von Ehre und Respekt, aber du redest davon, wie der Blinde von der Farbe. (…) Dein Leben war, abgesehen von ein paar Ausrutschern, immer eines auf dem Sofa. Du bist als Anis Mohamed Youssef Ferchichi im kleinbürgerlichen Berlin-Tempelhof aufgewachsen und hast das Gymnasium kurz vor dem Abi geschmissen. Es folgten Drogen, Heim und eine Lehre als Anstreicher (mit Bestnote abgeschlossen). Nicht so aufregend, klar.
Da bist du auf den Trichter mit dem Gangsta-Rap gekommen. Aber der Punkt ist: Du siehst nur so aus. Du spielst nur. (…) Du aber tust dir nur selber leid und bist von Mutters Rockzipfel nie weggekommen. Ganz wie die verunsicherten Jungs und Mädels, denen du deinen 80.000-Euro-Stundenlohn beim Konzert verdankst.
Jetzt gehst du also Mainstream in Berliner Salons, trägst steingraue Edeljackets … weiter lesen