Posts Tagged ‘Crystal Castles’

17.06.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats Mai / Platz 3: Crystal Castles – Crystal Castles

von Christian Ihle

CC2

Wann immer man positives über Crystal Castles schreibt, kommen Kollegen aus den 8-Bit-Löchern gekrochen und werfen der Band unverfrorenen Plagiarismus vor. Ob sich Songwriter (oder besser: Soundtüftler) Ethan Castles darüber Gedanken macht, ist bei seinem recht enigmatischem Wesen schwer einzuschätzen.
Album Nummer Zwei sollte jedenfalls deutlich weniger Angriffsfläche in dieser Hinsicht bieten, haben doch die Crystal Castles ihre Soundpalette auf erstaunliche Weise erweitert. Während Album Nummer 1 generell gefiept und gekracht hat, wo es nur ging – und gerade in zwei, drei Songs eine andere Lautstärke und einen anderen Stil andeutete – steht das zweite Album nun generell auf verschiedenen Pfeilern. Zwar ist “Fainting Spells” als Albumopener klassisches CC-Gekreische, aber bereits der Folgesong “Celestica” trifft einen ziemlich unerwartet. Etwas an Miss Kittins “Rippin Kittin” erinnernd und so auch wieder an den Electroclash der frühen Nullerjahre anknüpfend, sind es Wellen von Sound die über den Hörer schwappen, während Alice fast verständliche Lyrics, ja, singt!

Alice Castles

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23.04.2010 von Christian Ihle
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Crystal Castles live in concert: Violent Dreams.

von Christian Ihle

Alice Castles 1

Berlin, 22. April 2010, Ritter Butzke.

Muss man auch erst einmal schaffen: mit quietschig-krachig-bunter Popmusik, bei der kein einziges Wort zu verstehen ist, derart zu polarisieren. Auf der einen Seite die Zyniker, die mit verschränkten Armen weit hinten stehen, sich das Spektakel Alice Castles anschauen und natürlich alles schon einmal so gehört und gesehen haben. Die das Abkupfern in der Musik erkennen und die Falschheit der Performance unterstellen. Andererseits die Jünger in der ersten Reihe, die mit fassungsloser Faszination Alice bei ihrer Einmannperformance zusehen.

Alice Castles 2

Zwar mag Ethan Castles die Songs „schreiben“ oder ein Schlagzeuger irgendwo im dunklen Nichts auf der Bühne zu verorten sein, eine Liveperformance im Stroboskopfeuer bietet nur Alice – und das obwohl sie der eigentlich überflüssigste Part wäre: ihre Vocals sind schon auf den Alben kaum zu verstehen, live könnte man ihr auch das Mikrofon wegnehmen und im Soundwall wäre kaum ein Unterschied zu merken.
Und doch ist es ihre Präsenz, dieses unglaubliche Charisma und der Wille, sich – und hier wirklich buchstäblich – in diese Songs zu werfen, die Crystal Castles derzeit zum besten Live Performance Act weltweit machen.

Alice Castles 4

In diese kohlschwarzen Augen zu sehen, während sie auf dem Gitter steht, während sie über die Hände der Zuschauer rollt, während sie unverständliches Kauderwelsch in ihr Mikrofon schreit – es ist nicht in Worte zu fassen, was natürlich die Idee, ein Review über ein Crystal Castles – Konzert zu schreiben, von vornherein zum Scheitern verurteilt. In diesen Augen und ihrer Performance findet sich eine Faszination des Kaputten, dieses Paradox von dystopischer Schönheit – vergleichbar vielleicht mit den ersten Szenen aus Blade Runner, wenn wir in eine Welt des Verfalls und der Unmenschlichkeit geführt werden und uns trotz der Leere und Hoffnungslosigkeit, die diese Bilder bereits vermitteln, nicht des erhebenden Gefühls von „Schönheit“ erwehren können.

Alice Castles 5

Auch die alte Frage der realness, der credibility von Crystal Castles kann man mit einem Rückgriff auf die Vergangenheit beantworten: wie bei den Sex Pistols und Johnny Rotten kann man natürlich problemlos aus sicherer Distanz Songs und Auftreten als fake und gesteuert abheften.

Alice Castles 6

Geht man aber wirklich in der Masse auf, erfasst einen die Aggression und Energie, die in dieser Direktheit von Performance steckt. Crystal Castles gelingt dann nämlich etwas ganz erstaunliches, zumindest bei mir: sie können mir all die Theorie, das Denken über Musik komplett aus dem Kopf blasen und nur noch über kinetische Energie und pure Wucht funktionieren – und das alles ohne Drugs und Trunkenheit.

Alice Castles 4

Angesichts der beinah messianischen Verehrung, die Alice Glass aus den ersten Reihen widerfährt, und ihrer Fähigkeit, wenn schon nicht über Wasser, so doch über nasse, schwitzende Körper zu laufen, möchte ich mir gerne einen Platz beim Abendmahl reservieren.

Alice Castles 3

(Text & Fotos: Christian Ihle)
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19.08.2009 von Christian Ihle
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Oya-Festival, Tag 4: Our Most Brilliant Friends

von Christian Ihle

alice

Der Tag beginnt nicht gut: strömender Regen und ein soundtechnisch katastrophales Konzert meines liebsten britischen Folk-Pop-Duos Slow Club. Man kann den Langmut der beiden Briten eigentlich nur bewundern, dass sie das Soundchaos ertrugen und nicht sofort wieder von der Bühne gingen. Von nicht funktionierenden Monitorboxen über trommelfellzerreissende Feedbackschleifen zu einer viel zu lauten, gleichzeitig spielenden Nebenband war es für Slow Club eine Unmöglichkeit, ihre delikaten Folksongs angemessen zu präsentieren. Doch wie sie mit der Situation umgingen, nötigt Respekt ab: der Sound geht nicht? Dann gehen wir doch ins Publikum, spielen akustisch und singen ohne Mikrofon, während der Tontechniker im Hintergrund versucht, das Chaos zu ordnen! Die Nebenbühne ist so laut, dass unsere Akustiksongs selbst aus zwei Metern Entfernung nicht mehr zu hören sind? Na, dann spielen wir eben unsere Punk-Spector-Songs! Auf eine seltsame Art also doch ein gelungener Auftritt.

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30.12.2008 von Christian Ihle
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Die zehn besten Songs 2008

von Christian Ihle

10. Mystery Jets feat. Laura Marling: Young Love

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Der Indie-Pop-Song des Jahres aus England. Die Eel-Pie-Jungs ließen diesmal alle Indie-Progrock-Tendezen daheim und entschieden sich für puren Pop. Der Song wäre schon für sich genommen der große Höhepunkt ihres zweiten Albums gewesen (das leider nicht ganz dieses Niveau halten konnte), doch dann kommt nach 2:05 Minuten die mit unserer Album-des-Jahres-Krone ausgezeichnete Laura Marling um die Ecke und verzaubert, in jeder Hinsicht.

Charts: UK: 34

9. Be Your Own PET: Becky
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27.12.2008 von Christian Ihle
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Die zehn besten Alben 2008

von Christian Ihle

10. Santogold: “Santogold” (Indiepedia)
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Santogold war 2008 überall. Von Jay-Z zu N.E.R.D. und Julian Casablancas riss sich jeder um die New Yorkerin. Überall war sie auch auf ihrem Album unterwegs. Santi White streifte so viele Genres auf ihrem Debüt, dass man lediglich den Black Metal Knaller vermissen wollte. Aber auch so bekamen wir von M.I.A.-Stuff („Creator“) zu Indierock („Lights Out“), Pop-Punk („You’ll Find A Way“) und Hip-Hop-Reggae („Shove It“) alles was wir wollten – und mehr. Höhepunkt war natürlich der Besuch in den 80ern via „L.E.S. Artistes“, das auch nach gut 15 Monaten nichts von seiner Wucht und Würde verloren hat.
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25.12.2008 von Christian Ihle
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Alben des Jahres 2008: Januar – Juni

von Christian Ihle

Was das Popblog im Laufe der Monate empfehlenswert fand…

Januar 2008

Platz 1: Pascow – Nächster Halt Gefliester Boden

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02.09.2008 von Christian Ihle
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Gig Guide September 2008: Welche 5 Bands man in diesem Monat auf der Bühne sehen muss.

von Christian Ihle

1. Legende zu Besuch:
The Charlatans
(MySpace)

Für die meisten hierzulande ist “the only one I know” das einzige Lied, das sie von der Band um Tim Burgess kennen. Für manch anderen aber überlebensgroßer Heldenstoff. Was man ihnen lassen muss: sie sind die einzige Madchester Band, die aus dieser Zeit tatsächlich überlebt hat – auch wenn man damals nur (bestenfalls) die Nummer drei hinter den Stone Roses & Happy Mondays waren.
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30.06.2008 von Christian Ihle
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Album des Monats Mai / Platz 1: Crystal Castles – Crystal Castles

von Christian Ihle

Es war zu Beginn dieses Jahrzehnts als ein Stil elektronischer Musik wieder heiß wurde, der letztmals 20 Jahre zuvor aktuell war. Der Früh-80er-Electro-Sound, der immer noch mit Songstrukturen arbeitete, die Lieder aber monoton aufbaute und dabei in erster Linie eine eisige Distanziertheit verbreitete, fand um das Jahr 2000 in den Szenen von New York bis Berlin seine Wiederkehr. Die Band der Stunde war das New Yorker Duo Fischerspooner, das zunächst vom Münchener DJ Hell und seinen Gigolo Records unter Vertrag genommen wurde bis sie für eine absonderliche hohe Summe bei Ministry Of Sound unterschrieben. Legendäre Liveauftritte, eine der besten Singles dieses Jahrzehnts (das Monster „Emerge“) und dann – nichts. Fischerspooner verschwand und mit ihnen der Electroclash genannte Stil, der geradezu verlacht wurde, als die New Yorker einige Jahre später ihr unterschätztes zweites Album auf den Markt brachten.

Crystal Castles
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