Posts Tagged ‘David Lynch’

26.04.2012 von Christian Ihle
blogavatar

Die besten Filme der Dekade: Platz 10 – 1

von Christian Ihle

Nachdem alle in hektischer Aufregung ihre Jahrzehntcharts zusammenstellten, zog sich das Popblog in ein einsames Programmkino zurück und tüftelte einige Monate an seiner definitiven “Die besten 50 Filme der letzten zehn Jahre” – Liste. Ausgiebiges Debattieren und Abstimmen später ist die “besten Filme des Jahrzehnt”- Liste nun vollständig.


(Die bisherigen Folgen Platz 50 – 35, Platz 34 – 21 und Platz 20-11 verbergen sich hinter den jeweiligen Links)


Der Countdown kann beginnen:

10. Oldboy (Regie: Chan-Wook Park, Südkorea, 2003)


oldboy


“Oldboy” war ein Ungetüm. Auf den ersten Blick war der koreanische Cannes-Sieger nur ein Genrefilm, ein Vengeancemovie, ein Rachestreifen. Doch als uns Chan-Wook Park nach 40 Minuten mit der Auflösung des “wer?” zum ersten Mal den Boden unter den Füßen weggezogen hatte, dämmerte uns, dass wir hier keinem Film, sondern einem Ereignis beiwohnen – in dem (selten genug!) nach einem “warum?” gefragt wird. Und der koreanische Meisterregisseur, vielleicht der talentierteste Bilder-Arrangeur seiner Generation, hat auch in den kommenden eineinhalb Stunden seiner Geschichte von shakespear’schen Ausmaßen nicht nachgelassen, uns zu überraschen, zu überwältigen und – wie die Hauptfigur selbst – sprachlos zurückzulassen, weil uns das offene Ende, nach allen möglichen Brutalitäten zuvor, aus dem Kino hinauslächelte und wir nicht wussten, ob wir gerade tatsächlich das letzte verbliebene Tabu gut heißen sollten. (CI)



9. 28 Days Later… (Regie: Danny Boyle, UK 2002)


28 days later


Das letzte Jahrzehnt läutete in mehrfacher Hinsicht das furiose Comeback des britischen Regisseurs Danny Boyle ein, der mit “The Beach” nach Hollywood ausgezogen war, nur um dann mit der … weiter lesen

01.06.2011 von Christian Ihle
blogavatar

Don’t Mention The War (24): David Lynch über Rammstein

von Christian Ihle

Bekanntermaßen hatte David Lynch in seinem End-90er-Film “Lost Highway” die damals in den USA noch gänzlich unbekannten Rammstein an prominenter Stelle im Soundtrack platziert und so deren phänomenalen Erfolg in Amerika vorbereitet.

YouTube Preview Image
.

Rückblickend über den damaligen Rammstein-Einsatz vom britischen NME befragt, scheint Rammstein auch noch einen weiteren Zweck für Lynch beim Filmdreh erfüllt zu haben:

“It was great! People worked twice as fast!”

David Lynch hat im Übrigen dieses Jahr eine erstaunliche Single veröffentlicht. Auf der b-Seite “I Know” findet man düsteren Bar-Blues, den man aus seinen Filmsoundtracks kennt, doch a-Seite “Good Day Today” ist ein erstklassiger Dance-Track, der eigentlich wirklich nicht von einem 65-jährigen Filmregisseur produziert sein dürfte. Hats off:

YouTube Preview Image
.

P.S.:

David Lynch: “With Angelo Badalamenti there’s an album called “Thought Gang” we’re working on since the 90s.”

NME: “Ah, what kind of album will that be?”

David Lynch: “One with low sales.”

weiter lesen

28.10.2010 von Christian Ihle
blogavatar

Die besten Filme der Dekade: Platz 10 – 1

von Christian Ihle

Nachdem alle in hektischer Aufregung ihre Jahrzehntcharts zusammenstellten, zog sich das Popblog in ein einsames Programmkino zurück und tüftelte einige Monate an seiner definitiven “Die besten 50 Filme der letzten zehn Jahre” – Liste. Ausgiebiges Debattieren und Abstimmen später ist die “besten Filme des Jahrzehnt”- Liste nun vollständig.


(Die bisherigen Folgen Platz 50 – 35, Platz 34 – 21 und Platz 20-11 verbergen sich hinter den jeweiligen Links)


Der Countdown kann beginnen:

10. Oldboy (Regie: Chan-Wook Park, Südkorea, 2003)

oldboy

“Oldboy” war ein Ungetüm. Auf den ersten Blick war der koreanische Cannes-Sieger nur ein Genrefilm, ein Vengeancemovie, ein Rachestreifen. Doch als uns Chan-Wook Park nach 40 Minuten mit der Auflösung des “wer?” zum ersten Mal den Boden unter den Füßen weggezogen hatte, dämmerte uns, dass wir hier keinem Film, sondern einem Ereignis beiwohnen – in dem (selten genug!) nach einem “warum?” gefragt wird. Und der koreanische Meisterregisseur, vielleicht der talentierteste Bilder-Arrangeur seiner Generation, hat auch in den kommenden eineinhalb Stunden seiner Geschichte von shakespear’schen Ausmaßen nicht nachgelassen, uns zu überraschen, zu überwältigen und – wie die Hauptfigur selbst – sprachlos zurückzulassen, weil uns das offene Ende, nach allen möglichen Brutalitäten zuvor, aus dem Kino hinauslächelte und wir nicht wussten, ob wir gerade tatsächlich das letzte verbliebene Tabu gut heißen sollten.


YouTube Preview Image

Dass Park dazu zweimal eine Neudefinition von Poetik in Kampfszenen lieferte, ist dabei nur eine Randnotiz im Vergleich zur Größe der Geschichte. (CI)

9. 28 Days Later… (Regie: Danny Boyle, UK 2002)

28 days later

Das letzte Jahrzehnt läutete in mehrfacher Hinsicht das furiose Comeback des britischen Regisseurs Danny Boyle ein, der mit “The Beach” nach Hollywood ausgezogen war, nur um dann mit der … weiter lesen

29.12.2009 von Christian Ihle
blogavatar

David Lynchs The Angriest Dog In The World

von Christian Ihle

Da ich gerade das recht zu empfehlende Buch “Lynch on Lynch” lese, das mehr oder minder ein einziges 294-seitiges Interview mit dem Regiegroßmeister ist, bin ich wieder an seinen Comicstrip erinnert worden, den er einige Jahre lang für den L.A. Reader geschrieben hatte.

Mit einem normalen Comicstrip gibt sich Lynch natürlich nicht zufrieden: generell ist jedes Bild des Comics immer identisch und zeigt einen sehr, sehr wütenden Hund. Lediglich die Texte ändern sich – kryptisch bleibt es dennoch:

anger3
(Größer? Klick)
… weiter lesen

26.06.2009 von Christian Ihle
blogavatar

Im Plattenregal im Mai (1): Jarvis Cocker, Artery

von Christian Ihle

Jarvis Cocker – Further Complications

jarvis

Jarvis ist auf Krawall gebürstet. Und macht jetzt Grunge. Gibt dafür seinen Stil und seine Unfehlbarkeit auf. Behaupten die Gegner von „Further Complications“. Und das sind nicht wenige.
… weiter lesen

13.05.2009 von Christian Ihle
blogavatar

David Lynch meets Dirty Dancing

von Christian Ihle

Neben all dem unfassbaren Quatsch, mit dem YouTube zugemüllt wird, entsteht durch die Mash-Up-Kultur manchmal auch was genuin überraschendes, überzeugendes.

So auch hier und mag die Grundidee auch noch so absurd klingen: wie würde eigentlich “Dirty Dancing” aussehen, wenn der Regisseur David Lynch gewesen wäre?

Aus dem Originalfilmmaterial wird ein neuer Dirty-Dancing-Trailer geschnitten. Dabei werden aus dem ursprünglichen Film sowohl typische Lynch-Kamerafahrten heangezogen als auch, natürlich, die Musik als gestaltendes Element eingesetzt. Noch ein paar Verfremdungen, einige Schauspieler rückwärts sprechen lassen und schon hat man aus einem der abgeschmacktesten 80er-Jahre-Streifen einen tief beunruhigenden Eineinhalbminüter geschaffen, der – man möge es mir verzeihen – mehr Drang erzeugt, den Film auch tatsächlich anzusehen, als es dem Meister selbst bei “Inland Empire” gelungen ist:

YouTube Preview Image
… weiter lesen

17.04.2009 von Christian Ihle
blogavatar

Twin Peaks meets Japan

von Christian Ihle

Man wäre ja auch gerne dabei gewesen, als Veltins Werbeagentur ihre Idee gepitcht hat, Bruce Willis für ihre neue Fernsehwerbung zu verpflichten. Wie hat man sich das vorzustellen?

Agenturmann 1: “Für eure neue Bierwerbung nehmen wir mal so richtig Geld in die Hand und holen Bruce Willis aus Hollywood!”
Veltins: “Geile Idee!”
Agenturmann 2: “Genau! Und jetzt das Beste: dann nimmt ihm Rudi Assauer einfach das Bier weg!!!”

YouTube Preview Image

Wahrscheinlich amüsieren sich Amerikaner, sollten sie davon wissen, derzeit darüber wie Bolle, also wollen wir nur liebevoll lächelnd statt hämisch feixend nach Japan blicken.

Als dort Anfang der 90er die epochale Fernsehserie Twin Peaks von David Lynch zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, machte man sich die Mühe, mittels eigens gedrehter Szenen einen Dosenkaffee zu bewerben. Kenner der Szene wissen: FBI Agent Dale B. Cooper liebt “damn fine coffee” und trinkt bei jeder Gelegenheit in der Serie demzufolge auch einen frisch gemachten:

YouTube Preview Image

Mehr als skurril mutet es da natürlich an, ausgerechnet ihn als Testimonial für ein (wohl Nescafé ähnliches?) Dosenkaffeegetränk heranzuziehen. Dass zur besseren Vermittlung der Werbebotschaft an das japanische Publikum nicht nur unmotiviert weitere Twin Peaks Figuren auftauchen (hallo, Log Lady!), sondern gleich auch noch ein japanischer Cop mitspielt und man in Twin Peaks nun eine verschwundene Japanerin sucht, zeugt von Detailverliebtheit und Konsequenz:

YouTube Preview Image
… weiter lesen

02.03.2009 von Christian Ihle
blogavatar

David Lynch meets Twitter

von Christian Ihle

Jaja, man kennt das ja. Von den Reichen, Schönen und Guten werden gerne Fake-Twitter-Accounts angelegt, um sich in deren Glanze zu sonnen. Da es kaum ein “Profil” gibt, das ausgefüllt werden muss, ist es für Heerscharen von Kindsköpfen nicht allzu schwer, sich als Suhrkamp-Verlag oder hessischer Ministerpräsident in spe auszugeben.

Kein Wunder, dass die Gemeinde zunächst rätselte, ob die David-Lynch-Twitter-Page denn tatsächlich von ihm wäre. Doch Alter schützt vor Twitter nicht – Mr Lynch nahm kurzerhand per YouTube-Botschaft in gewohnt bizarrer Weise dazu Stellung:

YouTube Preview Image
… weiter lesen

11.03.2008 von Christian Ihle & Horst Motor
blogavatar

Welcome To Twin Peaks, Population 51.204

von Christian Ihle & Horst Motor

Douglastannen, Kirschkuchen, verdammt guter Kaffee und die schönste Wasserleiche der Weltgeschichte: Welcome To Twin Peaks, Population 51.204

Der 10. September 1991 ist ein historisches Datum in der deutschen Fernsehgeschichte: die Erstausstrahlung von Twin Peaks auf RTLplus. Nicht nur markiert Twin Peaks einen der ersten Gehversuche der damals noch recht herumflegelnden Privatsender in dem Reich des Seriösen, sondern auch den ersten Medienhype um eine noch nicht gestartete Serie, der sogar so weit ging, dass Sat1 den Mörder der zentralen Figur Laura Palmer veröffentlichte, um RTL zu schaden.
Aus einer relativ normalen Krimi-Exposition bildet sich über 31 Episoden der von David Lynch erfundenen Serie eine immer seltsamer werdende Welt heraus, die bis zum heutigen Tag in Film & Fernsehen oft nachgeahmt, doch leider nie mehr erreicht wurde.
… weiter lesen

24.04.2007 von Christian Ihle & Horst Motor
blogavatar

Inland Empire (Regie: David Lynch)

von Christian Ihle & Horst Motor

Kinostart: 26. April 2007

Spätestens seit „Lost Highway“ haben wir es uns abgewöhnt, David Lynchs Gedankengänge verstehen zu wollen. Man könnte eine ganze Bibliothek mit Interpretationen zu seinen Filmen füllen. Endlose Kneipendiskussionen über die Ausgänge seiner Geschichten führen – am Ende dieser langen Nächte, wenn jeder logische Gedanke vom vielen Bier vernebelt ist, kommt man der Aussage seiner Werke vielleicht noch am nächsten. Es geht hier nämlich nicht um Logik oder Kontinuität. David Lynch ist zurück.
Die Handlung seines Mystery-Dramas Inland Empire ist schnell erzählt. Die Schauspielerin Nikki Grace (Laura Dern, die Lula aus „Wild at Heart“) soll die Hauptrolle in einem Kinofilm über eine verhängnisvolle Affäre mit einem Südstaaten-Gentleman spielen. Bald findet sie heraus, dass es sich bei dem Film um ein unautorisiertes Hollywood-Remake handelt, welches zudem schon einmal gedreht wurde. Die Dreharbeiten konnten jedoch nie abgeschlossen werden, da die beiden Hauptdarsteller auf mysteriöse Weise ermordet wurden. … weiter lesen