02.09.2009 von Christian Ihle
OSS 117 – Lost In Rio

Als der erste Teil von OSS 117 vor zwei Jahren auf dem FantasyFilmFest lief, waren die Erwartungen nicht groß, war man doch wirklich nicht auf eine französische Variante des ausgelutschten Genres „Agentenfilmparodie“ gespannt, insbesondere weil man den Franzosen zwar vieles hoch anrechnen kann, was sie im letzten halben Jahrhundert für die Filmgeschichte getan haben, aber sicherlich nicht ihre Komödien, die oft in unerträglicher Weise albern sind und einen Otto-Film im Vergleich dazu als philosophischen Leckerbissen erscheinen lassen.

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26.08.2009 von Christian Ihle
Thirst (Durst)

Park Chan-Wook ist spätestens mit Oldboy sowie dem Abschluß seiner “Rache-Trilogie”, Lady Vengeance, zum aufsehenerregendsten Regisseur Asiens geworden.
Kein Wunder, dass die Erwartungen an einen Film, den Park als Lieblingsprojekt bezeichnet und an dem er seit zehn Jahren arbeitete, in den Himmel schießen. Natürlich kann ein Regisseur mit der handwerklichen Brillanz Parks keinen schlechten Film abliefern, dazu sind viel zu viele Bilder, kleine Ideen und Anekdoten, die er in Thirst verpackt, zu bestechend. Aber dennoch leidet Thirst wie bereits der bezaubernde Vorgänger “I’m A Cyborg But That’s OK” an einem ähnlichen Grundproblem: bei aller visuellen Stärke, bei all den guten kleinen Szenen bekommt Park dennoch das Drehbuch nicht so in den Griff, dass er die Geschichte stringend erzählen könnte.

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24.08.2009 von Christian Ihle
The House Of The Devil

Jedes Jahr werden wir wieder auf dem Fantasy Film Fest von einem Streifen überrascht, durchgeschüttelt und begeistert aus dem Kino geworfen, von dem wir das gar nicht erwartet hätten. Die Geschichte von “The House Of The Devil” klang auch zu sehr klischeequatschig, als dass wir ernsthaft einen annähernd perfekten Horrorfilm erwartet hätten: junge Studentin nimmt während einer Mondfinsternis einen Babysitterjob bei einer seltsamen Familie (“they are not weird, they are mental!” wie ihre Freundin einmal ganz zutreffend feststellt) in einem Haus im Wald an und entdeckt dann, dass es überhaupt kein Baby zum Aufpassen gibt in diesem Haus im Wald bei Mondfinsternis…

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23.08.2009 von Christian Ihle
Moon

Es mag an den überzogenen Erwartungen liegen, die man an den Debütfilm von Duncan Jones (und Sohnemann von David Bowie, um das gleich mal im ersten Satz abzuhaken) richtete, dass die Meditation über das Menschsein letzen Endes doch leicht enttäuschte.
Sam Rockwell spielt in einer Ein-Mann-Show den Astronauten-Mechaniker Sam Bell, der auf dem Mond dafür verantwortlich ist, dass alle Maschinchen laufen, damit wir hier auf der Erde all die Energie haben, die wir brauchen. Drei lange einsame Jahre läuft sein Vertrag und allein mit seinem Computer Gerty (im Original von Kevin Spacey gesprochen und so etwas wie HAL zum Knuddeln und Liebhaben) pflegt er in der Raumstation die Einrichtungen. Immer seltsamere Halluzinationen führen zu einem Unfall und danach ist Sam Bell nicht mehr allein…
(Tip: will man den Film auf jeden Fall anschauen, eventuell auf den Trailer verzichten – der erzählt etwas zuviel…):

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21.08.2009 von Christian Ihle
Bronson

Bronson ist ein seltsames Biest. Die Biographie des berüchtigsten Gefängnisinsassen Großbritanniens gibt sich brutal nah und künstlich zugleich. Bronson selbst ist in gewisser Weise natürlich eine faszinierende Figur und seine Odysee von Gefängnis zu Gefängnis, von Gewaltausbruch zu Gewaltausbruch auch auf eine Art erzählt, die dieser Faszination mit der ursprünglichen Gewalt, dem Animalischen Rechnung trägt – zugleich aber greift der Film immer wieder zu Überstilisierungen, die die gezeigte Gewalt auf seltsame Art entwerten.

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20.08.2009 von Christian Ihle
Carriers
Mit „Carriers“ traf das Fantasy Film Fest eine mutige Entscheidung für einen Eröffnungsfilm. Weder handelt es sich bei dem Debütfilm der spanischen Brüder Alex und David Pastor um eine jener in Horrornerd-Kreisen rätselhafterweise so beliebten albernen (im Gegensatz zu: lustigen) Körperzerteilverfilmungen, noch um einen spannenden Thriller oder gar einen Horrorschocker. „Carriers“ ist mehr ein Arthouse-Film, der im und mit dem Horrorgenre spielt. Eine Gruppe von vier Jugendlichen fährt durch ein verlassenes, von einer rätselhaften Seuche entvölkertes Land. Eine handvoll Überlebender und mehr Infizierte kreuzen ihren Weg. Interessanterweise entscheidet sich „Carriers“ dafür, die Infizierten nicht etwa zu Zombies werden zu lassen, sondern umgeht das erwartete Klischee und lässt Infizierte eben einfach: sterben. Traurig, aber wahr.
Sehr downbeat, immer auf dem Weg nach unten als langer, ruhiger Fluß. Sicherlich gibt es die eine oder andere Schreckszene, aber wirkliche Spannung kommt nicht auf.

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15.09.2008 von Christian Ihle
Martyrs (F, Pascal Laugier)
Blut, Blut, Blut. Woher kommt nur die neue Faszination der Franzosen mit Blut? Von „High Tension“ über „Inside“ zu „Martyrs“ wird derart wild auf die Zwölf gegangen, das man schon ein nationales Trauma vermuten muss. „Martyrs“ erzählt die Geschichte eines missbrauchten, entführten Mädchens, das sich als Erwachsene an ihrer (vermuteten) Entführerfamilie rächt. So weit könnte es ein einfaches Vengeance-Movie sein – aber „Martyrs“ läuft gegen so viele Rezeptionsgewohnheiten sturm, dass trotz der etwas fehlplatzierten Hochglanzoptik mit genügend Erwartungen gebrochen wird, um den Film durchgängig zu einer Herausforderung zu machen. Der stärkste Bruch geschieht ungefähr in der Hälfte des Films, wenn mehr oder minder aus dem Nichts Blickwinkel wie Hauptprotagonist gewechselt wird und das Vengeance-Movie zum Torture-Porn wird – dabei gleichermaßen die wahre Vorgeschichte erhellt als auch zu ihrem Ende führt. Es sei jedoch – Hochglanz hin, Hochglanz her – gewarnt: spätestens die Kompletthäutung gegen Ende sieht etwas unappetitlich aus. (8/10)
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12.09.2008 von Christian Ihle
How To Get Rid Of The Others (DK, Anders Rønnow Klarlund)
Der schwarze Humor der Skandinavier findet jedes Jahr wieder ein Heim auf dem Fantasy Filmfest. „How To Get Rid Of The Others“ (mit Sören Pilmark aus von Triers „Geister”) ist eine bitterböse politische Farce über Sozialismus, den Wohlfahrtsstaat, faschistoide Regierungen und die Überbevölkerung. Dänemark, in naher Zukunft: die Regierung beschließt, den Prozentsatz an Sozialschmarotzern aus der Bevölkerung zu tilgen, der nicht nachweisen kann, etwas für die Gesellschaft zu leisten. Da wird die besoffene Oma genauso exekutiert wie der linke Künstler oder der nihilistische Punk.
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05.09.2008 von Christian Ihle
Downloading Nancy (USA, Johan Renck)
Mit „Downloading Nancy“ finden wir einen der umstrittensten Beiträge des letzten Sundance-Festivals auch auf dem Fantasy Filmfest wieder. Im Gegensatz zu den normalerweise „problematischen” FFF-Filmen polarisiert Downloading Nancy keineswegs aufgrund übertriebener Gewaltdarstellungen, sondern wegen der Grundfrage, die hinter allem steht.
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29.08.2008 von Christian Ihle
Eden Lake (UK, James Watkins)
Nachdem man sich in den letzten Jahren immer entschlossen hatte, lustige Blutspritzereien zum Festivalauftakt zu servieren, ist Eden Lake dagegen ein knochentrockener Thriller, der Humor nicht mal erkennen würde, wenn ihm Mario Barth einen Frauenwitz erzählt. Und das ist natürlich auch gut so, denn diese „Deliverance” goes „Kids“-Variante rührt an ein Thema, das schwer verdaulich ist: Gewalt gegen Jugendliche und Gewalt durch Jugendliche.
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