Posts Tagged ‘Ja Panik’

18.10.2011 von Christian Ihle
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Die Österreicher! Kreisky, Ja Panik und Stars For The Banned im Plattenregal

von Christian Ihle

Kreisky – Trouble

Vielleicht ist man als Deutscher auf dem österreichischen Auge blind, jedenfalls habe ich Kreisky trotz ihrer schon längeren Karriere erst in diesem Herbst wahrgenommen. Dann aber wie!
Musikalisch sind Kreisky erheblich sperriger als Indierock-Landeskollegen wie Killed By 9 V Batteries oder Naked Lunch und erinnern eher an Kristof Schreufs alte Großtaten zu Brüllen und Kolossale Jugend – Zeiten oder gleich an den bösen Onkel aus Manchester, Mark E. Smith und seinen The Fall. Kreisky räumen zudem mit dem Vorurteil auf, dass der sprichwörtliche österreichische Schmäh lakonisch-melancholische Züge hätte, denn auf diesem Album wird vielmehr mit aller Härte und in alle Richtungen geschmäht. Titel wie „Scheisse, Schauspieler!“ seien als Beweis herangezogen. In diesem Stück findet sich allerdings auch eine der schönsten Stellen der Platte: „Wo Musik ist, lass dich nieder, da ist meistens auch Bier!“. Ok, zugegeben, Lakonie können sie auch.

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11.10.2011 von Christian Ihle
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Es gilt nach wie vor, eine Welt zu zerstören. Ein Ja, Panik – Portrait.

von Christian Ihle

KOLLEKTIV-POP Die österreichische Band Ja, Panik arbeitet an der Repolitisierung von Indierock und setzt zum Sprung über die bisherige Nischenkultur an – es gilt nach wie vor, die Welt zu zerstören

VON CHRISTIAN IHLE

Von mir aus sollen sie Bomben hintragen zu der grauslichen Bagage
ich werde nicht daran denken, eine Träne zu zerdrücken
nicht für Angela und erst recht nicht für Nicolas…

…heißt es im Titelsong des aktuellen Albums “DMD KIU LIDT” von Ja, Panik, und man ist erstaunt, dass diese fünf so harmlos aussehenden Mittzwanziger Politik in den Indie-Rock zurückbringen. Auch wenn man ihrer Absage an Pazifismus nicht zustimmen mag, allein die Tatsache, dass sich überhaupt wieder eine Indieband mit mehr als den eigenen Befindlichkeiten befasst, ist schon bemerkenswert.

Zuletzt war in den 90ern dank des Diskurs-Pop der Hamburger Schule im deutschsprachigen Indierock auch politisch Stellung bezogen worden. Doch so einfach als deren Nachfolger sind Ja, Panik auch wieder nicht zu fassen, weichen sie doch beispielsweise vom recht vagen Ansatz der Hamburger-Schule-Überleber Tocotronic ab, die sich auf ihren letzten Platten immer mehr in einem romantisierten Zauberwald verloren haben, sondern sind vor allem im Titelstück ihrer neuesten Platte schmerzlich konkret.

Die Gruppe ist zunächst gemeinsam vom Burgenland nach Wien und dann nach Berlin gezogen. Die Band wohnt seit Beginn zusammen, veröffentlicht auf dem kleinen Berliner Independent-Label Staatsakt ihre Musik und sieht sich darüber hinaus auch als kollektives Projekt, wie Sänger und Songschreiber Andreas Spechtl erläutert: “Die Band soll eine Möglichkeit sein, den Mund aufzumachen, viele Leute zu erreichen – sonst könnte ich mich auch in mein Wohnzimmer setzen und dort alleine Gitarre spielen.”

Die Musik von Ja, Panik ist stark von der Gitarre getragen, aber im Vergleich zu ihren beiden früheren Alben sind die Songs auf “DMD KIU LIDT” abwechslungsreicher arrangiert. “Run From The Ones”, der Höhepunkt ihres neuen Albums, setzt auf Handclaps statt Schlagzeug und lebt von einer trockenen Funkyness, die tatsächlich an einen anderen österreichischen Popstar, Falco, denken lässt. Auf ihrer jüngst erschienenen Single „Nevermind“ glänzen sie mit einem minimalistischen Arrangement und auch an anderer Stelle des Albums ist immer deutlicher der Wille zu Reduktion und Repetition herauszuhören.

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Nachdem ihre zweite Platte “The Taste and the Money” die Österreicher auch in Deutschland bekannt gemacht hatte, wurde nun mit dem 2011er Album “DMD KIU LIDT” ein weiterer Schritt vollzogen: “Wir haben bei Konzerten gemerkt, dass wir aus der Indie-Nische heraus sind und unser Publikum nun von 18 bis 48 reicht.” An diesem Punkt stellt sich für Bands aber auch immer das Problem, wie weit ein – laut Spechtl – “antikommerzielles Projekt” sich den Verwertungszwängen des Musikbusiness unterwerfen muss, wenn der Anspruch kommt, eben nicht nur das eigene intellektuelle Ghetto zu bedienen, sondern seine Botschaften auch außerhalb des vertrauten Kreises an die Hörer zu bringen.

Es ist interessant zu sehen, wie Ja, Panik auch in ihren Stücken diesen Widerspruch thematisieren. Wie sie einerseits Kommunikationsplattform für ihre Slogans sein wollen, wie sie das umstrittene linksradikale Manifest von “Der kommende Aufstand” wieder und wieder in ihre Texte einweben, aber im gleichen Moment auch darüber singen, dass das Politische im Pop keinen Platz habe.

Deutlich wird diese Gleichzeitigkeit aus Mitteilungsdrang und dem Hinterfragen der Möglichkeiten im anfangs zitierten Song, der das aggressivste, politischste Statement der Bandgeschichte ist, sich aber wenige Zeilen später zu einem Abgesang auf die Möglichkeit, Politik in der Popkultur zu transportieren, wandelt: “Nur, dass ich finde, es wär an der Zeit, aufzuhören / Das bisschen Klingbim, das bisschen Lalala für so wichtig zu halten / Gilt es doch nach wie vor, eine Welt zu zerstören.”

Andreas Spechtl ist ein wandelnder Widerspruch, will er doch einerseits immer mehr sein als ein Sänger, der nur Popsongs schreibt. Andererseits sagt er, dass jede künstlerisch-politische Regung lediglich ein Ersatz für tatsächliches Aufbegehren sei: “Kunst kann dir höchstens das Gefühl … weiter lesen

01.10.2011 von Christian Ihle
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Reeperbahnfestival 2011: Tell Me Something I Don’t Know

von Christian Ihle

Als schönen Abschluß der Festivalsaison hat sich in der Zwischenzeit das Reeperbahnfestival in Hamburg etabliert. Dabei handelt es sich im Gegensatz zu den klassischen Sommerfestivals von Immergut über Haldern zu Hurricane und Berlinfestival um eine Indoor-Veranstaltung – man nutzt also vorhande Clubs und Spielstätten statt große Bühnen aufzubauen. Folge ist eine heimelige Atmosphäre auch bei kleineren Bands, was einen enormen Vorteil zu den großen Festivalbühnen und den immer recht unverdient traurigen Auftritten am Frühnachmittag vor ein paar hand voll Unentwegter bedeutet.

Im Gegensatz zu dem einen oder anderen Vorjahr wurde der Zeitplan so aufgestellt, dass kaum Überfüllungen zu beklagen waren, man also tatsächlich all die geplanten Bands sehen konnte, auch wenn wir beim allerersten Act, Pelle Carlberg, doch ein – für die Hafenstadt Hamburg vielleicht nicht unpassendes – Sardinendosenfeeling inklusive bekamen. Carlberg trat allein und nur mit Gitarre auf, was den Songs aber sogar nützt. Das manchmal allzu Süssliche bei voller Bandformation wird so zugunsten eines verhuschten Früh – Belle & Sebastian – Auftritts zurückgedrängt.

Etwas kräftiger instrumentiert und in Dreimannformation, aber ebenfalls dem immer leicht twee-igen … weiter lesen

06.06.2011 von Christian Ihle
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Wer sind eigentlich… Ja, Panik?

von Christian Ihle

Auch in der neuen Ausgabe des Business Punk Magazins hat das Popblog wieder die Aufgabe übernommen, dem durchschnittlichen Business Punk – Leser eine ihm unbekannte Band nahe zu bringen.

Wer die letzten Woche im hiesigen Popblog verfolgt hat, kann kaum überraschen, dass wir uns dieses Mal Ja, Panik ausgesucht haben. Dass wir in einem Wirtschaftsmagazin und Financial Times – Ableger Lobeshymnen über ein Album ausbreiten, das den Titel “Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit” trägt, ist entweder ein Zeichen, dass der Kapitalismus sich wie gehabt alle Subkulturen ohne Ansehen einverleibt, oder einfach nur hübsche Ironie:

“Ein Album namens „DMD KIU LIDT“?
Ein hübsches Rätsel für Indiestreber.
Die kryptische Buchstabenfolge sei die
Abkürzung für „Die Manifestation des Kapita-
lismus in unserem Leben ist die Traurigkeit“,
ließ die österreichische Band Ja, Panik kurz
vor der Veröffentlichung ihres vierten Albums
durchsickern. Zuletzt gab es so viel intellek-
tuelle Spielerei im deutschsprachigen Pop
vielleicht bei den Textinterpretationen zu se-
ligen Blumfeld-Zeiten oder den Referenzjag-
den bei Tocotronic. Damit das Kopferl nicht zu
schwer wird, springt Ja-Panik-Songschreiber
Andreas Spechtl zur Auflockerung bei seinen
Texten zwischen Deutsch und Englisch – das
erinnert an die fremdsprachigen Einspreng-
sel von Falco. Dass Spechtl dazu noch den
Wiener Schmäh in den Genen hat und im
Menschenhass dem großen österreichischen
Landsmann Thomas Bernhard nahesteht,
tut ein Übriges, „DMD KIU LIDT“ bei allem
Anspruch federleicht wirken zu lassen. Alles
kulminiert im titelgebenden Schlussstück der
Platte, das geschlagene 14 Minuten dauert
und dabei behände von Misanthropie zu
Drogenreferenzen, von Kapitalismuskritik zu
Liebesverwirrungen und von Party-Smalltalk
zu Bombendrohungen gegen Angela Merkel
und Nicolas Sarkozy (die „grausliche Baga-
ge“) wechselt. Ein Lied als Statement, wie
man es seit Jahren nicht mehr gehört hat.
Monumental.”
Christian Ihle

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05.05.2011 von Christian Ihle
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Interview mit Ja, Panik (2): “Das Konzept Rockband ist ein Auffangbecken für machoide, kleingeistige, trottelige, schwanzfixierte Idioten”

von Christian Ihle

Das größte musikalische Ereignis des Jahres kommt aus Österreich und wohnt in Berlin. Die Band Ja, Panik hat mit ihrem neuen Album “DMD KIU LIDT” in eingeschlägigen Kreisen bereits seit einiger Zeit die Gespräche beherrscht, wie man das bei einem deutschsprachigen Album zuletzt vielleicht zu Blumfelds “Old Nobody” – Zeiten beobachten konnte. Am gestrigen Abend spielten Ja, Panik unter dem Namen “The Troubles” im Berliner King Kong Club einen kleinen Geheimgig – und zum ersten Mal überhaupt alle Songs des neuen Albums. Hier ein Mitschnitt von “Run From The Ones That Say I Love You”:

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Im ersten Teil unseres Interviews vergangene Woche (“Es sind schon unschuldigere Menschen als Merkel und Sarkozy getötet worden.”) hatten wir vor allem über das monumentale Titelstück des neuen Albums “DMD KIU LIDT”, das Konzept Heimat und Interviews mit rechtsnationalen Magazinen gesprochen. Sänger/Songwriter Andreas Specht und Bassist Stefan Pabst in dieser Woche über die “Erblinie der deutschsprachigen Musik”, Situationismus und die inflationäre Dummdreistigkeit im Musikgeschäft:

Popblog: Fändet ihr es vermessen, wenn man „DMD KIU LIDT“ hinsichtlich der möglichen Wirkung für deutschsprachige Musik auf eine Stufe mit den Mitt90er-Sachen von Blumfeld und Tocotronic stellt?

Andreas Spechtl (Sänger & Songwriter von Ja, Panik): Findest du die Sachen so relevant? Scherben und Fehlfarben sind nicht weniger relevant für ihre Zeit

Für mich ist die „Erblinie“ der deutschsprachigen Musik auch „Keine Macht für Niemand“ der Ton Steine Scherben, „Monarchie & Alltag“ von Fehlfarben und „L’Etat Et Moi“ von Blumfeld. Tocotronic dann durch die Idee, den Diskurs in einen Slogan zu packen – wo Distelmeyer die riesigen Schachtelsätze hatte, hat von Lowtzow eben den einen Satz, den einen Slogan geschrieben und damit auch eine größere Masse erreichen können. Deshalb denke ich schon, dass Blumfeld und Tocotronic in den 90ern enorm einflussreich waren, Leuchtfeuer für die deutsche Musik und sich viele – im Guten wie im Schlechten – daran orientiert haben.

Spechtl: Uns fehlt der Abstand, wir würden das nie so sagen. Das ist natürlich ein Kompliment, und freut einen.

Du hattest die späten Tocotronic mal in einem Fragebogen für das Popblog als „staubig“ bezeichnet.

Spechtl: Tocotronic hat mich eben mal so arg berührt und war wirklich wichtig für mich. Und gegen diese Konkurrenz muss jede neue Platte ankommen. Keiner will heutzutage mehr eine „Digital Ist Besser“ hören, die gab’s und das ist gut so. Das würde ihnen auch keiner mehr abnehmen.

Stefan Pabst (Bassist von Ja, Panik): Wenn man Tocotronic an dem misst, was es sonst gibt, dann ist es schön zu sehen, dass sie Nummer 1 in den Albumcharts sind. Sie sind nach wie vor eine der besten Bands.

Spechtl: Was mir immer noch Begeisterung abverlangt ist ihre Karriere. Die ist beispielhaft, integer. An einer neuen Tocotronic-Platte schätze ich in der Zwischenzeit mehr, dass die Band nie ihr Gesicht verloren hat als die Platte selbst.

Im einem Interview in der österreichischen Talkshow von Stermann & Grissemann stöhnst du über Eure Vorbands als „deutsche Nudelaugen“. Wen hattest du da im Kopf?

Spechtl: Es gibt wahnsinnig viele schlimme Jungsbands, mit denen man auftreten muss. Leider Gottes gibt es mehr Idioten als sympathische Leute und gerade das Konzept Rockband ist anscheinend ein Auffangbecken für machoide, kleingeistige, trottelige, schwanzfixierte Idioten. Das ist traurig, aber eben vielleicht auch ein Grund, warum Ja Panik so sind wie sie sind. Man ist ja auch selbst gerne Fan von einer Band und dem ganzen Rocknroll-Ding, mag das so wahnsinnig gern und ärgert sich deshalb jedes Mal wieder, was manche Leute daraus machen. Es gibt eine inflationäre Dummdreistigkeit in der Musikszene.

Du schreibst auch eine Kolumne für die Internetseite des österreichischen Radiosenders fm4. Dein erster Text hat mich stark an Situationismus und Guy Debords „Gesellschaft des Spektakels“ erinnert. Sind das Einflüsse? … weiter lesen

28.04.2011 von Christian Ihle
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Interview mit Ja, Panik: “Es sind schon unschuldigere Menschen als Merkel und Sarkozy getötet worden”

von Christian Ihle

Das größte musikalische Ereignis des Jahres kommt aus Österreich und wohnt in Berlin. Die Band Ja, Panik hat mit ihrem neuen Album “DMD KIU LIDT” in eingeschlägigen Kreisen bereits seit einiger Zeit die Gespräche beherrscht, wie man das bei einem deutschsprachigen Album zuletzt vielleicht zu Blumfelds “Old Nobody” – Zeiten beobachten konnte.

ja panik

Letzte Woche ist das Album nun veröffentlicht worden und wir haben uns mit Andreas Spechtl und Stefan Pabst zum Interview getroffen um über Bombenandrohungen, Drogenaufforderungen, Situationismus, Rassismus und, ja, auch die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben, die die Traurigkeit ist, zu sprechen. Heute Teil 1 des Interviews:

Popblog: Ihr seid von Wien nach Berlin gezogen, was man auch an der einen oder anderen Stelle in den Texten eurer neuen Platte merkt. Hatte Berlin darüber hinaus einen Einfluss auf das Songwriting?

Andreas Spechtl (Sänger & Songwriter von Ja, Panik): Wir sind noch nicht richtig angekommen gewesen in Berlin als wir die Platte geschrieben haben. Ich finde, man hört der Platte viel mehr ein hermetisches Sichzurückziehen, ein arges „wir kommen zu Fünft in eine neue Stadt und ziehen uns erstmal in uns selbst zurück“ an.

Stefan Pabst: Die Umstände des Umzugs hatten mehr Einfluss als die Stadt selbst.

Spechtl: Zum Entstehungszeitpunkt der Platte sassen wir nächtelang zu fünft in der Wohnung und haben nur daran gearbeitet hat. Es ist als hätten wir uns völlig abgeschottet in eine Holzhütte im Wald zurückgezogen. Wir hatten in Berlin noch keine sozialen Verpflichtungen, keiner hat angerufen, wir waren ganz für uns, zu fünft.

Wie funktioniert das Songwriting bei Euch überhaupt? Andreas, Du schreibst die Texte allein, wird die Musik zusammen entworfen?

Spechtl: Ich schreibe schon grob den Song, aber der wird dann noch arg verändert. Du kannst es Dir so vorstellen: ich schreibe den Song, habe die Akkorde und die Melodie, wir nehmen ein Demo auf. Dann wird zu fünft zusammen daran gearbeitet: wir sitzen im Wohnzimmer am Computer und jeder trägt etwas bei. Es ist auch nicht so dass der Schlagzeuger sich das Schlagzeug ausdenkt und der Bassist sein Bassding, sondern eine gemeinsame Arbeit an allen Parts. Gerade auf dieser Platte gab es bei jedem Schlag, bei jedem Ton Diskussionen.

Ja, Panik – Trouble by Nein, Gelassenheit

Wie ist euer Status in Österreich was Bekanntheit oder Verkaufszahlen angeht im Vergleich zu Deutschland? Bekommt ihr mehr Beachtung, weil dann doch wieder so ein „das sind unsere Jungs“- Gedanke zum Tragen kommt?

Spechtl: Man hat Respekt vor uns, aber innerhalb Österreichs gibt es viel größere Bands als uns – die man aber in Deutschland eher nicht kennt, wie 3 Feet Smaller.
Aber es gibt auch ein paar gute Sachen aus Österreich – Clara Luzia zum Beispiel. Bei ihr kommen auch mehr Leute zum Konzert als bei uns.

Wir haben schon die Aufmerksamkeit aus Deutschland gebraucht, um in Österreich angemessen rezipiert zu werden, damit wir österreichische Aufmerksamkeit bekommen. In der Zwischenzeit ist es ambivalent: für die einen sind wir Staatsfeinde, Nestbeschmutzer und Verräter, weil wir ausgezogen sind nach Berlin, was uns manche immer noch übel nehmen.

Interessiert euch das Konzept Heimat? Sehr ihr euch als österreichische Band? Oder ist das für Euch ein widersinniges Konstrukt?

Pabst: Mit der Bezeichnung „österreichische Band“ kann ich gar nichts anfangen. Es ist sicher kein identitätsstiftendes Merkmal, dass wir Österreicher sind.

Bei Thomas Bernhard gibt es eine Stelle, in der er schreibt

„In Österreich musst du entweder erzkatholisch oder nationalsozialistisch sein. Alles andere wird nicht geduldet, alles andere wird vernichtet“

Gibt es dann – wie bei Bernhard zum Beispiel oft – das Gegenteilige, also einen Heimathass? Eine Abkehr von Österreich? Dagegen zu sein, für was Österreich – oder auch Deutschland im gleichen Maße – steht?

Spechtl: Ich finde das grundsätzlich schwierig, denn im Umkehrschluss ist man dann genau das, was man eben nicht sein will. Das ist ein ziemlich faschistischer Gedanke, womit Du ganz schnell wieder im Jahr 1940 bist, in dem es heißt „die Österreicher sind so, die Deutschen sind so, die Türken sind so und die Juden sind so“… Die Grenze verläuft für mich nicht bei Passau. Ich will nicht über Österreicher schimpfen, ich schimpfe über ganz bestimmte Personen. Sonst ist es im Kern erneut eine rassistische Denke.

Ihr hattet für die letzte Platte einem Internetmagazin namens „Die Blaue Narzisse“, das sich als zumindest rechtskonservativ herausgestellt hat, ein Interview gegeben.

Spechtl: Das war wirklich eine schlimme Geschichte. Das Label hat eine Interviewanfrage von einer „Schülerzeitung“ … weiter lesen

15.04.2011 von Christian Ihle
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Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit.

von Christian Ihle

Heute heißt es Post-Its in To Dos umwandeln, in den Plattenladen gehen und das Album mit dem Song des Jahres (“DMD KIU LIDT”) zu kaufen.


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02.03.2011 von Christian Ihle
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15 Fakten über das neue Ja, Panik – Album

von Christian Ihle

Das letzte Ja-Panik-Werk “The Angst & The Money“, war unser Album des Jahres.
Gestern lag die Promo der im April erscheinenden neuen Platte der Wahlberliner und Stammösterreicher um Sänger und Texter Andreas Spechtl im Briefkasten – schnell, frisch und wild nun 15 Fakten nach dem ersten Hördurchgang!

1. “This is no adventure, not even a trip. This is DMD KIU LIDT”: Das Nachfolgealbum zu “The Taste & The Money” und “The Angst & The Money” heißt “DMD KIU LIDT” und, nein, wir wissen auch nicht warum, nur dass wir das Album englisch aussprechen sollen (Di-Em-Di-Quiu-Lit). Nach dem ersten Hördurchgang und vor allem dem Irrsinn der letzten 20 Minuten hätten wir durchaus auch “The Wahnsinn & The Money” als Titel für akzeptabel befunden.

2. “Sorry for my bad english, but my german is even worse”: Entgegen anders lautender Gerüchte singt Andreas Spechtl weiterhin deutsch und englisch – “DMD KIU LIDT” ist also keineswegs nur englischsprachig, auch wenn alle Songtitel englisch sind und durchaus der Weg vom fremdsprachigen Einsprengsel zur vollständigen Bilingualität beschritten wurde.

3. “DMD KIU LIDT” ist mehr “Pardon” und “Blue Eyes” als “Alles hin, hin, hin” oder “Thomas sagt”. Das Tempo wird gedrosselt, der Klang vielschichtiger, offener. Andreas Spechtl hat immer noch keine Angst, affektiert zu klingen. Weniger als je zuvor.

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4. Das New York Dolls – Piano aus “The Angst & The Money” wurde eingemottet. “The Horror” auf “DMD KIU LIDT” bleibt in der gleichen Stadt, geht zehn Jahre zurück und setzt sich neben Velvet Underground. … weiter lesen

04.11.2010 von Christian Ihle
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Album des Monats Oktober – Platz 1: Christiane Rösinger – Songs Of L. & Hate

von Christian Ihle

Es ist ein schlecht gehütetes Geheimnis: Ja, Panik sind derzeit die beste deutschsprachige Band der Welt. Nach ihrem phänomenalen „The Angst & The Money“ – Album vom letzten Jahr ist es schön, in der japanikfreien Zeit ein halbes neues Album der Österreicher vermelden zu können, hat doch Panik-Mastermind Andreas Spechtl die neue Platte der Grande Dame des deutschen Indiepop, Christiane Rösinger (Britta, Lassie Singers), instrumentiert und die Musik geschrieben, während Rösinger sich ganz auf ihre Texte konzentrieren konnte.

Rösinger

So klingt „Songs of L. and Hate“ tatsächlich wie eine Kreuzung aus Ja, Panik – Demotapes und Rösingers Britta-Zeit. Dabei tritt das Frenetische von Spechtls Hauptband in den Hintergrund und werden seine Lieder zu closing time – Stücken in verrauchten Bars, die immer wieder das Songwritertum der späten 60er, frühen 70er zitieren – wie überhaupt die ganze Platte vor Referenzen nur so überquillt. Der Albumtitel bezieht sich auf das epochale Leonard-Cohen-Album „Songs Of Love & Hate“ (1971), das Cover stellt originalgetreu Bob Dylans „Bringing It All Back Home“ – mit Spechtl im roten Ganzkörperanzug! – nach (1965) und Rösinger textet erfolgreich „These Days“ von Nico (1967) in unsere Sprache um.

Dass sie sich entschieden hat, im Vergleich zum Cohen-Albumtitel ausgerechnet das „Love“ zu kürzen, ist kein Zufall. Hass und Desillusion sind die Treibstoffe des Albums, Liebe dagegen nur soweit wie sie unweigerlich zu Enttäuschungen führen wird.
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03.11.2010 von Christian Ihle
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Schmähkritik (371): Andreas Spechtl von Ja, Panik über seine deutschen Vorbands

von Christian Ihle

Zwar schon ein wenig älter aber vielleicht hierzulande noch nicht ausreichend bekannt: der wunderbare Auftritt des Sängers von Ja, Panik beim österreichischen Kabarettisten-Duo Stermann & Grissemann. Zudem feiern wir ja die Christiane-Rösinger-Andreas-Spechtl-Woche, so dass man die folgenden 9 Minuten jedem guten Gewissens ans Herz legen kann:

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“Ich würds gern so handhaben wie die Beatles. Platten ohne zu spielen. (…) Touren ist schon das Nervigste am Ganzen. Ich würd mal sagen, ohne den ganzen Wahnsinn mit Alkohol & Co gehts ja nicht so. Und dann hat man noch so Vorbands, so deutsche Nudelaugen…”

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