31.07.2011 von Christian Ihle
Am 30. Juli 2001 wurde das Debütalbum der Strokes veröffentlicht.
A band like The Strokes only comes along once in a lifetime. You should be grateful that they’ve come along in yours. Auch abgesehen von persönlichen Vorlieben: es kann nur eine Platte des Jahrzehnts geben. “Is This It” war eine Sensation, ein Erdbeben.

1999, 2000 war die Euphorie des Britpop längst gewichen, in den USA regierte mit Nu-Metal eine der grässlichsten Musikrichtungen die sich der Herrgott bis heute ausgedacht hat und niemand schien der guten alten Tante Rock’n'Roll wieder Leben einhauchen zu können. Dann hörte – so erzählt es zumindest die Legende – Geoff Travis, der Chef von Rough Trade Records, die erste Minute eines Demobandes einer New Yorker Gruppe, die noch nichts veröffentlicht, bis dato nur eine handvoll Liveauftritte absolvierte hatte und war sofort so hingerissen, dass er zum Telefonhörer griff und die Band unter Vertrag nahm. Exakt jenes Demotape sollte unverändert dann als “The Modern Age EP” veröffentlicht werden und von nun an war nichts mehr wie zuvor.
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Kurios genug, da die Strokes ja nun wahrlich nichts neues machten, sondern vielmehr Lou Reeds Velvet Underground, Richard Hells “Blank Generation” und den Minimalismus der Ramones für eine neue Generation, eine neue Zeit übersetzten – und dennoch war der Weg in die Reduktion, in das absolut ornamentfreie eine Bombe. Beinahe jede relevante Gitarrenband der nächsten Jahre war in der einen oder anderen Weise nur denkbar, weil die Strokes mit “Modern Age” und dem Album “Is This It” das rulebook of rock neu schrieben und 2001 zum neuen 1977 machten.
Der NME – und das muss man ihm auch einmal anrechnen, so oft er wegen des Anwerfens der Hypemaschine auch kritisiert wird – hob die Strokes noch vor der Veröffentlichung des Debütalbums auf ihr Titelbild, ließ Pennie “London Calling” Smith die fünf New Yorker im last gang in town Style schwarz-weiß fotografieren und titelte: “The Strokes – Why New Yorks finest will change your life. Forever.” Und ja: die Strokes veränderten Leben.

Als am 30. Juli 2001 das Debüt in den Läden stand, war die Erwartung so groß wie bei keinem anderen Album seit vielen vielen Jahren. In England hielten ausgerechnet die Clowns von Slipknot das Album vom verdienten Platz 1 ab, … weiter lesen
27.07.2011 von Christian Ihle

Das amerikanische Netzmagazin Stereogum hat nach R.E.M., Radiohead und Björk nun auch die Strokes mit dem musikalischen Kompliment eines Tribute-Albums bedacht und das Ergebnis kostenlos ins Netz gestellt.
Gut zehn Jahre nach Veröffentlichung des Strokes-Debütalbums versammelt Stereogum 11 Künstler, die sich je eines Songs annehmen, darunter mit Peter Björn & John, Austra, Morning Benders oder Final Fantasys Owen Pallett zum Teil prominent besetzt. Während Austra eine schon bemerkenswert öde Coverversion des eher wenig beachteten “Alone, Together” fabrizieren, sind die Morning Benders, Wise Blood, Heems und vor allem Owen Pallett zu loben, wie sie ausgerechnet den bekanntesten Songs des Strokes-Debüts neue Aspekte abgewinnen.
Als Fazit bleibt über Albumlänge dennoch: sich an Perfektion zu wagen, zieht Scheitern unweigerlich nach sich.
Tracklisting:
01 Peter Bjorn And John – “Is This It”
02 Chelsea Wolfe – “The Modern Age”
03 Frankie Rose – “Soma”
04 Real Estate… weiter lesen
02.05.2011 von Christian Ihle
“Vor genau zehn Jahren (…) erschien das erste Langspielalbum der Gruppe The Strokes, das eine ganze Generation leicht beeinflussbarer junger Rockmusikfreunde zum Tragen von im Genitalbereich zu engen Röhrenjeanshosen verführte. (…)
Zehn Jahre sind eine lange Zeit! (…) The Strokes wurden keine Milliardäre, und ihre musikalischen Ideen reichten auch nur für eine LP, weswegen sie nach dieser – und nach einigen hervorragenden Konzerten – zwar noch zwei weitere Platten herausbrachten, die an Pink Floyd und Barry Manilow erinnerten, damit aber zu Recht der Vergessenheit anheim fielen und sich ihr karges Brot seither mit Auftritten in Oldieshows und bei samstäglichen Familienfesten auf Baumarktplätzen verdienen müssen. Da die männlichen Fans der Strokes durch das Tragen der zu engen Röhrenjeans mehrheitlich impotent geworden sind, ist von dieser Seite auch kein Hörer-Nachwuchs zu erwarten.
(…) Meistens zerdehnt er (Sänger Julian Casablancas, Anm.) beim Singen die Silben so lang, dass die beiden Gitarristen der Band ganze Sinfonien drunter weggespielt bekommen: zum Beispiel in der Single “Undercover Of Darkness” oder “Two Kinds Of Happiness”, wo die Gitarren außerdem noch abwechselnd an Gang Of Four und Eddie van Halen erinnern – eine Stilverbindung, die in der Popgeschichte ohne Vorbild ist, und im Grunde hatte man sie auch gar nicht vermisst. … weiter lesen
18.03.2011 von Christian Ihle
Die neue Platte der Strokes, “Angles”, ist ihr Second Coming. Leider aber das “Second Coming” der Stone Roses und nicht das von Jesus Christus.

Die Meister der minimalistischen Makellosigkeit kehren nach fünf langen Jahren zurück und nachdem das – dennoch heftig unterschätzte – “First Impressions Of Earth” ihren Unfehlbarkeitsnimbus zuvor zart beschädigte, vernichten ihn die Strokes mit “Angles” geradezu. Wohl bei keiner Band seit den Stone Roses war der Fall von erderschütterndem Debüt, generationsverändernder Kraft zu orientierungslos mäanderndem Rock größer.
Bye bye Jugend, ich werde jetzt erwachsen.
Mehr über die Strokes:
* Album des Jahrzehnts: The Strokes – Is This It
* Song des Jahres 2006: The Strokes – Heart In A Cage
* The Strokes feat. Regina Spektor
18.03.2010 von Christian Ihle
Die Zeit vergeht. 1000 Texte, Jahresbestenlisten, Dohertyessays, Besprechungen und Schmähkritiken hat das “Monarchie & Alltag” – Popblog nun schon veröffentlicht. Man dankt Lesern und Mitautoren, Schmähkritik-Verfassern und dankbaren Opfern!
Auf die nächsten Tausend, zur Feier des Tages die Schmähung einer Lieblingsband:
“The Libertines are what you get when you take the music out of Rock’n'Roll. A load of chancers who jumped on The Strokes’ bandwagon, but wrapped in a Union Jack – yet even the feeblest Strokes out-take shits over anything they did. A Rock’n'Roll band who don’t make any worthwile music aren’t a band; they are all about the antics and not the tunes. Plus, they paved the way for a swathe of English lightweight indie garbage.”
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18.11.2009 von Christian Ihle
A band like The Strokes only comes along once in a lifetime. You should be grateful that they’ve come along in yours. Auch abgesehen von persönlichen Vorlieben: es kann nur eine Platte des Jahrzehnts geben. “Is This It” war eine Sensation, ein Erdbeben.

1999, 2000 war die Euphorie des Britpop längst gewichen, in den USA regierte mit Nu-Metal eine der grässlichsten Musikrichtungen die sich der Herrgott bis heute ausgedacht hat und niemand schien der guten alten Tante Rock’n'Roll wieder Leben einhauchen zu können. Dann hörte – so erzählt es zumindest die Legende – Geoff Travis, der Chef von Rough Trade Records, die erste Minute eines Demobandes einer New Yorker Gruppe, die noch nichts veröffentlicht, bis dato nur eine handvoll Liveauftritte absolvierte hatte und war sofort so hingerissen, dass er zum Telefonhörer griff und die Band unter Vertrag nahm. Exakt jenes Demotape sollte unverändert dann als “The Modern Age EP” veröffentlicht werden und von nun an war nichts mehr wie zuvor.

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Kurios genug, da die Strokes ja nun wahrlich nichts neues machten, sondern vielmehr Lou Reeds Velvet Underground, Richard Hells “Blank Generation” und den Minimalismus der Ramones für eine neue Generation, eine neue Zeit übersetzten – und dennoch war der Weg in die Reduktion, in das absolut ornamentfreie eine Bombe. Beinahe jede relevante Gitarrenband der nächsten Jahre war in der einen oder anderen Weise nur denkbar, weil die Strokes mit “Modern Age” und dem Album “Is This It” das rulebook of rock neu schrieben und 2001 zum neuen 1977 machten.
Der NME – und das muss man ihm auch einmal anrechnen, so oft er wegen des Anwerfens der Hypemaschine auch kritisiert wird – hob die Strokes noch vor der Veröffentlichung des Debütalbums auf ihr Titelbild, ließ Pennie “London Calling” Smith die fünf New Yorker im last gang in town Style schwarz-weiß fotografieren und titelte: “The Strokes – Why New Yorks finest will change your life. Forever.” Und ja: die Strokes veränderten Leben.

Als am 27. August 2001 das Debüt in den Läden stand, war die Erwartung so groß wie bei keinem anderen Album seit vielen vielen Jahren. In England hielten ausgerechnet die Clowns von Slipknot das Album vom verdienten Platz 1 ab, … weiter lesen
28.01.2009 von Christian Ihle
Dieser Artikel aus dem britischen Guardian ist zwar schon etwas älter, aber Idee und Ausführung gut genug, ihn dennoch hier einmal ausfürlich zu zitieren.
Ever get the feeling you’ve been cheated? It’s meant to be a classic album, but all you can hear is a load of boring tripe… titelte der Guardian und bat Künstler, ihre liebste heilige Kuh zu schlachten: eine jener Platten, die normalerweise außerhalb jeder Diskussion stehen.
Dass sich mancher hier auf dünnes Eis begibt (Hallo, Luke Pritchard von den Kooks!), liegt in der Natur der Sache und erhöht den Lesespaß nur noch. Andere, wie der große Billy Childish, begründen dagegen völlig nachvollziehbar, warum ein “Meisterwerk” eben doch nicht mehr als ein aufgeblasenes Ereignis war. Einige schöne Stellen:
Billy Childish über The Beatles: “Sgt Pepper’s Lonely Hearts Club Band”
“Sgt Pepper signalled the death of rock’n'roll. Rock’n'roll is meant to be full of vitality and energy, and this album isn’t. It sounds like it took six months to shit out. The Beatles were the victims of their success. This is middle-of-the-road rock music for plumbers. Or people who drive round in Citroens – the sort of corporate hippies who ruined rock music. … weiter lesen
18.12.2008 von Christian Ihle
Kleine Freuden bereiten derzeit die Mitglieder der Strokes. Während mancherorts mehr oder minder sehnsüchtig auf ein neues Lebenszeichen der ehemaligen RocknRoll- und Lebensretter aus New York gewartet wird und bang der Blick zu Songwriter Julian Casablancas geht, ob es sich nur um die strokesimmanente Lazyness oder doch einen ausgewachsenen writer’s block handelt, wandeln die Bandmitglieder auf Solopfaden.

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24.07.2008 von Christian Ihle
Neulich erzählte mir ein Freund und New York-Experte mal wieder von neuen Nachrichten, die er bezüglich eines neuen Strokes-Albums aus dem Netz gefischt hat. Nichts Konkretes, nichts Handfestes. Übersehen hat er dabei aber, dass Albert Hammond Jr. längst wieder ins Studio gegangen war. Und jetzt, wo sein Album herausgekommen ist, bleibt auch keine Zeit für Strokes-Album Nummer vier, denn Albert Hammond Jr. will touren. So ausführlich wie möglich.
Mein New York-Freund findet Albert Hammond Jr.-Solo sei eine Mogelpackung. Strokes geteilt durch vier sozusagen.
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09.06.2008 von Christian Ihle
In unserem Schwesterblog Abenteuer & Freiheit befassen wir uns heute mit einer Strokes-B-Seite von 2003: ein Duett mit der New York Singer-Songwriterin mit russischen Wurzeln, Regina Spektor:
„Modern Girls and Old Fashion Men“ hat natürlich wieder den üblichen Strokes-Sound, der in der Produktion an die 60er und 70er erinnert, aber klingt dank der weiblichen Vocals von Regina Spektor, die mit Julian Casablancas den Song im Zwiegespräch bestreitet, doch überraschend ungewöhnlich. Auch das Gitarrenspiel entfernt sich von den üblichen Strokes-Referenzen und erinnert mehr an The Smiths oder – dieses Mal tatsächlich! – Television.
mehr – inklusive Donwload – hier