Wasserentwöhnung

Kaum im Wasser meldet sich meine innere Stimme, die mich auffordert, nach der eben überstandenen Erkältung nicht zu übertreiben und nur ein halbes Trainingsprogramm zu schwimmen. Okay, ich höre auf meine innere Stimme und verlasse nach 20 Minuten das Becken.

Auf dem Weg zur Dusche werde ich von einem Stammgast darauf angesprochen, dass ich aber nur SEHR KURZ im Becken gewesen sei. Ich erklärte die Lage, erzähle von meiner inneren Stimme, werde gelobt, dass ich so vernünftig bin. Treffe nach diesem Plausch einen weiteren Prinzenbadler, der mich anspricht. Ich erkläre wieder die Lage, erzähle von meiner inneren Stimme, werde gelobt, dass ich so vernünftig bin. Treffe anschließend weitere Stammgäste, denen ich die Lage auf ihre Frage hin erkläre … und beginne allmählich zu frieren. Der Wind pfeift um die Becken. Als ich endlich unter der Dusche stehe, meldete sich meine innere Stimme mit dem Hinweis, dass es wohl einfacher gewesen wäre, länger zu schwimmen anstatt auf dem Weg zur Dusche Fragen zu beantworten.

Unter der Dusche stehend, denke ich darüber nach, welche erstaunlichen Auswirkungen eine einwöchige Wasserentwöhnung hat. Kennt ihr das auch, dass schon nach einer kurzen Schwimm-Pause alles viel langsamer vonstatten geht?

Es ist so, als sei das Rushhour-Tempo herunter gedimmt und die Routine-Handgriffe komplexer geworden… Wo waren noch die Schwimmklamotten? Sie lagen doch sonst immer im Badezimmer und die Schwimmtasche hat sich in der Zwischenzeit in Luft aufgelöst. Nein, die Schwimmbrille hatte ich nie und nimmer in den Wäschekorb gelegt. Die Fahrrad-Strecke zum Prinzenbad ist viel länger als sonst – und Hui, anstrengend! Meine Güte, das Duschen dauert aber lang. Und warum habe ich die Socken nicht wie sonst in die Schuhe gesteckt? Wo sind die Strümpfe überhaupt? Wenn das so weitergeht, ist niemand von den Stammgästen zum gemeinsamen Frühstück mehr in der Cafeteria…

Foto oben: ©Sigrid Deitelhoff

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