Schwimmen im High-Grade Steel (1)

Schwimmen im High-Grade Steel – Nein, kein extravaganter Schwimmstil, sondern eine neue kleine Serie zum Thema „Becken ohne Kacheln“ oder anders formuliert „Schwimmen in der Stahlwanne“

Es gibt Neuigkeiten zum Thema „Kachel- versus Edelstahlbecken“. Ab September steht ja die Sanierung des Sportbeckens an. Statt der Fliesen soll das Becken in Edelstahl ausgekleidet werden.

Inzwischen wird im Prinzenbad unter den Stammgästen hin und her diskutiert. Und man sollte es kaum für möglich halten, aber die Wellen schlagen angesichts des Themas nicht nur im Becken, sondern auch in der Cafeteria hoch und hinterlassen tiefe Wasserschluchten zwischen den Badegästen.

Einige der PrinzenbadlerInnen begrüßen dieses Sanierungsvorhaben mit den Argumenten: Niedrigere Instandhaltungskosten durch Frostsicherheit; dadurch pünktlicher Saisonstart; endlich wird Geld in eine Prinzenbad-Sanierung investiert etc.

Die GegnerInnen des Stahlbeckens argumentieren mit sicherheitsrelevanten Problemen, wie z.B. eine eingeschränkte Wasseraufsicht wegen der Lichtbrechung bei Edelstahlbecken. Als wichtiges Argument wird auch immer wieder der Denkmalschutz von den Befürwortern der „Kachelzähler“ angeführt (siehe u.a. die entsprechenden Kommentare zum Blogbeitrag vom 13.6.17). Last but not least wird das magische Blau des Wassers genannt, dass beim Bahnenziehen im gekachelten Sportbecken an Ozeane, Himmel und Weite erinnert.

Die Berliner Bäderbetriebe greifen nun auf ihrer Website unter der Überschrift „Denkmalschutz fürs Prinzenbad?“mittels „Fragen und Antworten“ diese Bedenken und Argumente auf und versuchen sie zu beantworten bzw. zu entkräften.

Hier nun einige Fragen und Antworten der BBB zum Thema Beckensanierung:

„Um die anstehende Sanierung des Sportbeckens (ehemals Mehrzweckbeckens) und die Auskleidung in Edelstahl statt Fliesen wird weiter diskutiert. In diesem Zusammenhang steht auch ein möglicher Denkmalschutz für das Prinzenbad in Rede. Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Steht das Bad bereits unter Schutz?

Denkmalschutz für das Sommerbad Kreuzberg (Prinzenbad) besteht nicht. So beliebt das Bad und so kultig es auch ist – baulich und architektonisch ist es eine Anlage, wie sie in ähnlicher Form in Deutschland hundertfach errichtet worden ist. Das gilt auch für die Becken das Bades, die nach Norm- und Einheitsmaßen geplant und in gleicher Form tausendfach in Deutschland errichtet worden sind.

Wo sind zuletzt Edelstahlbecken errichtet worden?

In Berlin sind zuletzt das Schwimm- und das Sprungbecken des wegen seiner baulichen Einzigartigkeit denkmalgeschützten Sommerbads Olympiastadion in Edelstahl ausgekleidet worden.

Bestehen Bedenken, in einem Edelstahlbecken könnten die Aufsichtskräfte wegen der Lichtreflexe die Badenden nicht sehen?

Diese Bedenken teilen die Berliner Bäder-Betriebe nicht. Edelstahlbecken werden in Deutschland seit fast 50 Jahren errichtet. In Berlin sind seit den 1980er Jahren die Becken des Sommerbad am Insulaner in Edelstahl ausgekleidet. Edelstahlbecken gibt es – mitunter seit vielen Jahren – in folgenden Bädern:

· Sommerbad Pankow

· Sommerbad Hindenburgdamm (Spucki)

· Sommerbad am Insulaner

· Sommerbad im Kombibad Seestraße

· Sommerbad im Kombibad Gropiusstadt

· Kindersommerbad Monbijou

· Sommerbad Staaken-West

· Sommerbad Wilmersdorf (Familien- und Erlebnisbecken)

· Sommerbad Kreuzberg (Kinderplanschbecken)

Auch einige Hallenbäder verfügen über Edelstahlbecken zum Beispiel:

· Paracelsusbad

· Kleine Schwimmhalle Wuhlheide

· Schwimmhalle Ernst-Thälmann-Park

Sicherheitsrelevante Probleme bei Edelstahlbecken sind nicht bekannt. Die Brechung des Sonnenlichts auf der Wasseroberfläche geschieht unabhängig davon, aus welchem Material das Schwimmbecken besteht. Auch bei natürlichen Seen bricht sich das Licht der Sonne auf der Wasseroberfläche. Sobald Bewegung im Wasser ist (zum Beispiel durch Schwimmerinnen und Schwimmer) ist die Lichtbrechung und eine daraus resultierende Spiegelung auf der Wasseroberfläche durchbrochen. Eine Wasseraufsicht ist uneingeschränkt möglich.

Werden weitere Becken mit Edelstahl versehen?

Mittel- und langfristig und geplant, alle Schwimmbecken der Berliner Sommerbäder mit Edelstahl auszukleiden, also auch im Sommerbad Kreuzberg (Prinzenbad). Eine Auskleidung in Edelstahl bringt wesentliche Vorteile:

· das Material ist frostsicher (im Frühjahr müssen nicht mehr aufwändig Frostschäden an gesprungenen oder losen Fliesen beseitigt werde. Das spart auf lange Sicht Instandhaltungskosten und sichert einen pünktlichen Saisonbeginn. Denn Fliesenlegearbeiten unter freiem Himmel sind nur bei frostfreier Witterung möglich. Im Frühjahr –April – ist Frost durchaus möglich und behindert so die Fliesenlegearbeiten.)

· das Material ist leichter zu reinigen (es können weniger Reinigungsmittel und chemische Zusätze verwendet werden)

· die Edelstahl-Becken kommen ohne Fugen aus (in Fliesenfugen können sich mikrobiologisch nicht unbedenkliche Organismen einnisten, die durch einen höheren Einsatz von Chlor bekämpft werden müssen).“

Die hier aufgeführten Infos zum Thema habe ich der Website der ©Berliner Bäderbetriebe entnommen.

 

Foto oben: ©Sigrid Deitelhoff

1 Kommentar

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  1. Immer noch keine Antwort der Berliner Bäder Betriebe – wie kann ein Umbau als wirtschaftlich sinnvoll oder gar kostensparend erklärt werden, wenn es für keinen Berliner (und damit auch keinen Miteigentümer der öffentlichen Bäder) transparent wird wie die Kosten sich überhaupt in der Realität zusammensetzen? Für den Laien erscheint es zunächst eher so, als ob auf z.B. 35 Jahre gerechnet überhaupt kein finanzieller Progress zustande kommt. Es sieht eher so aus, als ob mehr als die doppelten bisherigen Kosten stattfinden
    (eine einfache Rechnung – 1,4 Millionen für den Einbau eines 50m Edelstahlbeckens gegenüber 15-20000 Euro pro Jahr und Bad Instandhaltungskosten der blauen Fließenbecken. [= 612000 auf 35 Jahre gerechnet für mehr als ein Becken])

    Die BBB bemühen alle möglichen Argumente – aber all das ist völliger Unsinn bis Volksverdummung und Protektionismus, wenn keine wirklich transparenten Fakten = echte Zahlen = auf den Tisch kommen. Wer kann eine ungewollte unschöne Edelstahlverkleidung inkl. reduzierter Öffnungszeiten unterstützen, wenn nicht einmal die wirtschaftlichen Aspekte eindeutig sind?

    Es wird Zeit, dass hier dem Bürger gegenüber endlich mal Tacheles gesprochen wird, alles andere ist doch einem Beamtenstaat nur zu ähnlich.

    Wie immer haben die Berliner Bäder Betriebe (BBB) natürlich höchst großzügig auf eine Kommentarfunktion auf ihrer Webseite verzichtet. Danke. (eine offizielle facebook-Seite der BBB gibt es nicht)
    https://www.berlinerbaeder.de/aktuelles/detail/denkmalschutz-fuers-prinzenbad/