Schwimmen auf dem Strich

Es ist voll auf den Bahnen mit Leinen. Ich weiche auf das Freiwasser aus. Die Bahnen ohne Leinen im Sportbecken. Kaum habe ich 50 Meter Kraul hinter mir und stehe am Beckenrand, als mich ein Mann genervt anspricht:

„Hier schwimme ich. Siehst Du das denn nicht, dass ich schon seit einer halben Stunde diesen schwarzen Strich unter mir besetzt halte.“ Ich schaue ihn irritiert an. „Der schwarze Strich gehört mir!“ Während er das sagt, schüttelt er nur noch mit dem Kopf über mich und setzt sein Schwimmtraining fort.

Nach einer Weile stehe ich erneut am Beckenrand. Während sich der genervte Mitschwimmer aus dem Pool schwingt, spricht er mich nochmals an:  „Wenn Du willst, kannst du jetzt meinen Strich übernehmen.“ Er lächelt mich an und verläßt das Sportbecken.

Tja, denke ich – bald bist Du kein Strich-Schwimmer mehr. Es sei denn, auf dem Boden des stahlgrauen Schwimmbeckens befinden sich zukünftig auch Bahnmarkierungen?

Foto oben: ©Sigrid Deitelhoff

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