vonSigrid Deitelhoff 04.06.2018

Prinzenbad-Blog

Freibad-Wetter, gefühlte Wassertemperatur, Gespräche und Gedanken unter der Dusche – der Blog über Deutschlands berühmteste Badeanstalt.

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Gestern erschien im Tagesspiegel eine Glosse zum Prinzenbad. „Ein Schlag ins Wasser“ so der Titel. Der Autor Stephan Wiehler meckert dort über Abgaswolken auf der Liegewiese und den unfreundlichen Umgangston der Mitarbeiter schon am frühen Morgen um 9 Uhr. „Um die Willkommenskultur am Kiosk“ sei es auch nicht besser bestellt, kritisiert er.

Merkwürdig, Merkwürdig! Das sind nicht meine Erfahrungen mit dem Prinzenbad und auch nicht die Erfahrungen der anderen PrinzenbadlerInnen, die ich in der Zwischenzeit befragt habe. Okay, eine Glosse ist ein Kommentar, der sich durch eine gewisse Polemik auszeichnet, aber eine Polemik, die auch immer ein Augenzwinkern im Handgepäck hat. Beim Lesen der Tagesspiegel-Glosse ist davon jedoch so rein gar nichts zu spüren.

Ich bin in der Regel auch morgens um 9 Uhr im Prinzenbad (Übrigens, nur mal so nebenbei: 9 Uhr ist keine besonders frühe Zeit für das Schwimmen im Bad).
Mag sein, dass nicht alle Mitarbeiter*Innen immer nur gut gelaunt ihren Dienst tun, aber unfreundlich habe ich sie bisher noch nie erlebt. Ganz im Gegenteil… Ihnen ist es in jedem Fall zu verdanken, dass das Prinzenbad pünktlich die Sommer-Saison beginnen konnte, weil einige von ihnen sich zu Extra-Diensten bereit erklärt hatten.

Dass es in der Cafeteria keine Willkommenskultur geben soll, ist darüberhinaus vollkommen abwegig. Da würden mir mit Sicherheit sofort alle Stammgäste zustimmen.

Am Ende des Textes hält der Autor fest, dass ihn zumindest die Bademeister in Ruhe gelassen haben. Na klar, denke ich: Wenn er sich die ganze Zeit auf der Liegewiese aufhält, statt zu schwimmen. Kein Wunder! Die Bademeister*Innen haben Wichtigeres zu tun, nämlich die Schwimmbecken zu beobachten und ihrer Aufsichtspflicht nachzukommen.

Ich frage mich inzwischen, ob der Glossenschreiber mit seiner Familie in Wirklichkeit nicht vielleicht in einem ganz anderen Freibad der Stadt gelandet war?

Foto  oben:  ©Sigrid Deitelhoff

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https://blogs.taz.de/prinzenbad/2018/06/04/merkwuerdig-merkwuerdig/

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kommentare

  • Hallo Sigrid, schön, dass Du an dieser Stelle die pampige Glosse des Tagesspiegels aufgreifst. Ich habe mich beim Lesen komplett im falschen Film gefühlt. Das Pamphlet sagt mehr über den Autor als über das Prinzenbad aus. Journalist ist doch ein super Job: man steht mies gelaunt auf, ärgert sich dann über alles, was einem in den Weg kommt, schreibt subjektiv darüber und wird auch noch dafür bezahlt.

  • Leserbrief zur Glosse zum Prinzenbad „Ein Schlag ins Wasser“ vom 3.6.2018 von Stephan Wiehler

    Es ist die Heuchelei und Doppelmoral des liberalen Milieus, das bei jedem Anschein eines rassistischen Satzes Alarm schlägt, aber selbst keine Hemmungen zeigt, sich über – wie hier – „unangenehme Gäste“ zu mokieren.

    Ein öffentliches Bad dient der Daseinsfürsorge für alle und zeigt auch „Klassengegensätze“, die die Liberalen leugnen. Das zeigt sich auch in der Sprache, rau aber herzlich und immer direkt.

    Im Übrigen ist die Cafeteria im Prinzenbad eine der Besten in dieser Stadt, stets Selbstgemachtes im Angebot.

    Stephan Wiehler benimm Dich. Im Prinzenbad hast Du verschissen!

  • Auch, wenn es eine Glosse sein soll – ganz schön bitter. So habe ich, trotz fast täglicher Anwesenheit, die Mitarbeiter*innen (sei es Kasse, Kiosk, Bademeister*innen, Reingungskräfte, Security…) noch nie erlebt. Ganz im Gegenteil. Trotz Stress durch Massenaufkommen im Sommer stand und steht immer gute Atmosphäre und Aufmerksamkeit im Vordergrund. Habe da auch persönlich echt viel Entgegenkommen erlebt. Klar, kann nicht immer jedeR gut drauf sein und im Alltagsstress mag es auch mal abweisend wirken, aber alles in allem: Viel Respekt und großes Danke an alle Mitarbeiter*innen!!!
    (achja und: 9 uhr ist wirklich nicht früh für Freibäder im Sommer / bei Hochsommertemperaturen;))

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