Liebe LeserInnen, ab Montag blogge ich an dieser Stelle von der internationalen “Sommer-Uni”, die in der kommunenartigen Lebensgemeinschaft “Tamera – Heilungsbiotop I” im portugiesischen Alentejo stattfindet. Hier gibt es selbst angelegte Seen in ansonsten trockener Umgebung. Obst und Gemüse werden selbst angebaut, die Ernährung ist vegan. Wie lebt es sich so, nach den Grundsätzen von 1968 in 2010? Sind Steinkreise wirkliche energetisch zu spüren? Kann man Frieden vermitteln lernen? Ab Montag hier – wer es jetzt schon wissen will, klickt hier: http://tamera.org/index.html (ich bin vorher noch schnell ‘ne Runde surfen in Peniche)
Der vorletzte Reisetag begann mit einem Besuch beim “Holy Land Trust” und dem “Palestinian News Network”, zwei NGOs, die sich um den Aubau einer gewaltfreien Zivilgesellschaft und um objektive Berichterstattung aus den besetzten Gebieten bemühen. Eine junge US-Journalistin, die New York vor acht Jahren verließ um das Unrecht in Israel/ Palästina zu dokumentieren, erklärte uns, mit welchen Schwierigkeiten Journalisten hier zu rechnen haben. Freies Geleit für freie Presse in der “einzigen Demokratie im Nahen Osten”? Falsch gedacht. Eher sind Journalisten Vogelfrei! Passend dazu die frische Rangliste der Pressefreiheit: Israel belegt im Umgang mit der Presse in den besetzten Gebieten den traurigen 149. Platz, zwischen Kongo und Aserbaidschan. Doch trotz geringster finanzieller Mittel ist es den Kollegen vom “PNN” eine menschliche Verpflichtung, in Palästina journalistisch Stellung zu halten, Unrecht zu dokumentieren und zu hoffen, die Welt zum Umdenken zu bewegen.
Nächster Programmpunkt war die Geburtskirche Jesu’ in Bethlehem. Wir durften uns… weiter lesen
In Beit Jala, einer Stadt bei Bethlehem besuchten wir die deutsche Schule Talitha Kumi (das biblische “Steh auf, Mädchen”), von der auch Sumaya Farhart-Nasar in ihrem Buch “Thymian und Steine” schreibt, und sprachen mit dem sympathischen Leiter Dr. Georg Dürr sowie drei SchülerInnen über das Leben als ChristIn im Heiligen Land unter Besatzung. Rund 40 Stunden Unterricht in der Woche, auf Deutsch, Arabisch und Englisch bereiten die rund 900 Kinder und Jugendliche auf das Deutsche Internationale Abitur vor.
Manch eine Familie verkauft ihr Gold, die letzte Sicherheit, die sie in diesen schwierigen Zeiten hat, um eine Abiturfeier im Freundes- und Familienkreis auszurichten. Für hilfsbereite LeserInnen dieses Blogs besteht die Möglichkeit, für die Schule zu spenden, denn nicht alle Eltern schaffen es regelmäßig, das Schul- oder Internatsgeld aufzubringen. Die Talitha Kumi aber ist auf Spenden angewiesen, verfolgt sie doch die Politik, keines ihrer Schäfchen aufgrund ausstehender Zahlungen auf die Straße… weiter lesen
Ein Deutscher, der bei einer UN-Behörde arbeitet und seit über 10 Jahren in Jerusalem wohnt, führte uns durch die Altstadt und erklärte uns, wie jüdische Siedler erfolgreich versuchen, Wohnraum im arabischen Viertel zu besetzten. Eine einfache Variante: sie mieten sich in einem Häuschen ein Zimmer, nehmen weitere zur Miete und übernehmen irgendwann das Haus. Oder erklären leerstehende Gebäude zu jüdischen Schulen. Um die Einsiedlung weiter voranzutreiben, wird jetzt ein System für Palästinenser eingeführt; sie müssen beim Verlassen Jerusalems in Richtung Ramallah (das ohne Checkpoint zehn Autominuten entfernt läge) bald auf einer Magnetkarte registrieren lassen, wieviel Zeit sie in Jerusalem, wieviel sie in Ramallah verbringen.

Da die Lebensbedingungen in den alten, unrestaurierten Häusern schlecht sind, haben viele Wohnungen in Ramallah. Dies war nie ein Problem, doch nun wird gemessen, wieviel Zeit wo verbracht wird. Zuviel Zeit in der “palästinensischen Hauptstadt” gelebt? Sorry, dann überlassen sie bitte… weiter lesen
Heute früh stand eine Rundfahrt rings um Jerusalem mit der engagierten Angela Godfrey-Goldstein vom Israeli Comitttee Against House Demolition an. Sie führte uns zunächst zu einem Aussichtspunkt, an dem die israelische Besiedlung Ost-Jerusalems, das ja dem zu schaffenden palästinensischen Staat zugeordnet werden soll, dramatisch sichtbar wurde.
Wie mittelalterliche Wehrfestungen trohnen die wunderbar begrünten Siedlungen inmitten der palästinensischen Wüstenei rings um den Osten Jerusalems.
Hier wird ansatzweise sichtbar, was die Zahlen besagen: dass Israel die Westbank de facto komplett besetzt. Unter palästinensischer Kontrolle stehen nur die größeren Städte, genannt “Zone A” – die rund 13% der Westbank ausmacht. Das restliche Territorium besteht aus “Zone B” und “Zone C”, erstere steht unter palästinensicher Verwaltung, aber unter israelischer militärischer Kontrolle, letztere ist Sperrgebiet für Palästinenser. Neben dem Aussichtspunkt, an dem uns die Zerteilung des Heiligen Landes deutlich wurde, steht übrigens eine große Werbetafel, die für das Wohnen in einer bald neu erbauten Siedlung… weiter lesen
Zur Schaffung eines realistischen Überblicks über dieses eigenwilige, zerteilte Stück Welt besuchten wir zunächst einen sympathischen Siedler in der rund 30 Jahre alten Siedlung Kfar Adumim. Die Wüste haben er und seine Kompatrioten wirklich schön grün hinbekommen, alles blüht und duftet inmitten der “Gated Community”, im Sicherheitsbereich in der judäischen Steinwüste vor sich hin.

Unser Siedlersprecher war echt freundlich, nicht religiös, nicht besonders ideologisch und rhetorisch flink wie eine Forelle im Gebirgsbächlein des syrischen Golan.
“Natürlich geben wir das Land zurück – sobald die Palästnenser einen eigenen Staat haben!” und “Die religiösen Siedler sind verrückt” und all so was – was das Land, auf dem seine Siedlung steht aber noch längst nicht zu israelischem Land macht, da es in den 67-Grenzen ganz klar als palästinensisches Gebiet ausgewiesen wurde…
Wir besuchten den Schrein von Moses in einem Kloster, das von Sufis betrieben wird. “Aufrecht beten!” ist… weiter lesen
Heute ging es über die römische Ausgrabungsstätte Sebastia, in deren Amphitheater heuer Elite-Soldaten in großer Zeremonie vereidigt werden, nach Jenin, im Norden. Je nach Lesweise ein im Widerstand ehemals sehr aktives Städchen bzw. ein brutales Ex-Terrornest.
Viele Attentäter-Wiederstandskämpfer kamen aus Jenin, was die israelische Armee 2002 dazu veranlasste, die Stadt und das angrenzende Flüchtlingslager zehn Tage lang zu belagern, zu Luft und zu Boden zu beschießen und Teile dem Erdboden gleich zu machen. Je nach Lesweise veranstaltete die IDF (Israeli Defense Force), die lokale Armee also, eine erfolgreiche Anti-Terror-Operation oder, wie es auch der Zuständige UNO-Beobachter zunächst, bevor politically korrigiert wurde, formulierte, ein Massaker. Oder, wenn das Wort stört, einfach High-Tech-Gemetzel.
Das Freedom Theatre, ein Theaterprojekt, an dem über 400 Kinder und Jugendliche teilnehmen, war Ziel unserer stundenlangen Fahrt vorbei an einigen Checkpoints, die so schlimm dann gar nicht waren. Nur unser palästinensische Fahrer musste immer seinen Pass zeigen,… weiter lesen
An der Bir Zeit Universität bei Ramallah fühlten wir uns gar nicht fremd, die Lehrkräfte streikten gerade, die engagierten Studenten waren trotzdem am Start. Der PR-Chef erklärte uns, wie rührend und einsatzbereit die Uni, die Profs und die Studenten trotz Besatzung und Schikanierungen versuchen, ihr Bestes zum Wohle aller zu erreichen. Ständig kommen Studenten in den Knast oder hängen an Checkpoints fest, schließlich kann man in Israel ohne Anklage sechs Monate lang ins Gefängis kommen, ein Gesetz aus britischer Mandatszeit, erfunden gegen die jüdischen Terroristen, welches die Israelis einfach beibehielten, stört vor allem den Prüfungsbetrieb.
Leider hatte der PR-Chef nicht zu viel Zeit, so dass ich nicht fragen konnte, ob die Hamas immer noch einen militanten Flügel an der Uni unterhält. Bei einem Besuch der Uni 2005 hatte ich die Möglichkeit, junge Männer mit dicken Bärten zu treffen, die alle bereit und vor allem vorbereitet waren, sich in die Luft… weiter lesen
Die erste Tour durch das wohlhabend und sauber erscheinende Ramallah beeindruckte die Reisegruppe. Keine Trümmer, kein Schutt, keine Fatah-, Hamas- oder Djihad-Flaggen und nur noch wenige verblichene Märtyrerposter an den Häuserwänden erinnern an die heiße Zeit der letzten Intifada. Als ersten Termin entschied sich die Gruppe spontan für einen Besuch an Arafats Grab, direkt bei der Autoniomiebehörde. Nie werde ich vergessen, wie die mit 73 Jahren Älteste unserer Runde mir am Grab zuflüsterte: “An diesem historischen Ort zustehen – Sie müssen verstehen, für meine Generation ist Arafat ein Held!”

Das Schöne ist, dass der oft ja gar nicht so positiv besetzte Begriff “Reisegruppe” auf unsere reisende Gemeinschaft nicht so richtig passt. Sie setzt sich nämlich aus lauter sympathischen Individualisten zusammen. Hier reisen keine Neckermänner (“Ich habe Hunger, wo ist der Strand, das stand so aber nicht im Prospekt…”), sondern engagierte, informierte Individualisten, die schon monatelang durch… weiter lesen
Die Einreise der taz-Leserreise-Teilnehmer “Reise in die Zivilgesellschaft Palästinas” verlief problemlos. Bis auf zwei Einreisen, nämlich die der mitreisenden taz-Journalistin und eines jungen Mannes, der wahrscheinlich nur die falsche Bartmode trug.
Die ausgesprochen freundliche Schikanierung meiner Person begann bereits um 8 Uhr morgens am Berliner Flughafen Schönefeld. Eine zierliche junge Frau strahlte mich an, fragte was ich denn in Israel wolle. Mein Fehler war wohl, aber was solls, besser man belügt die israelischen Sicherheitskräfte nicht, zu betonen, dass ich, wie auch aus meinen Unterlagen ersichtlich, nach Palästina wolle.
Ob ich Freunde dort hätte, was ich machen wollte, ob ich zuvor schon einmal im Heiligen Land weilte etc. Wie es denn komme, dass mein Pass voller arabischer Stempel sei? Aha! Journalistin, Palästina-affin, die nach der Palästina-Reise nicht nach Deutschland, sondern über Zypern in den Libanon will! Gefahr im Verzug! Darauf: die Abführung in einen Raum, in dem ich dann zweieinhalb… weiter lesen


