30.09.2008 von
Während wir Erdbürger unseren Rekord für CO2-Emissionen im Jahr 2007 wiedereinmal gebrochen haben und damit selbst jenseits der schlimmsten Szenarios liegen (siehe Global Carbon Project), die in den IPCC-Simulationen angenommen wurden, wird in Frankfurt am Main der Flughafen ausgebaut. Fast alle Formen des Protests sind ins Leere gelaufen, vorbereitende Maßnahmen zum Bau der neuen Landebahn sind bereits abgeschlossen. Nur in einem kleinen Waldstück verharren Umweltaktivisten und halten die Bäume besetzt. Ich habe sie besucht und vom 1. bis zum 10. September täglich gebloggt.
Nach zehn Tagen im Camp nehme ich einiges nach Berlin mit. Wenn man alleine in ein solches Camp kommt, braucht man einige Tage, um mit den Menschen vor Ort warm zu werden. Diese Geduld sollte man mitbringen. Im Camp ist keine feste Gruppe die Neue aufnehmen kann, sondern neben einem kleinen festen Kern ein ständiges kommen und gehen. Es hängt sehr von den einzelnen… weiter lesen
14.09.2008 von
Quer-TV arbeitet an einem Dokumentarfilm über das Waldcamp gegen den Ausbau vom Frankfurter Flughafen. Der erste Teil dazu ist bereits online. Er zeigt das Camp und seine Akteure in der Anfangszeit des Waldcamps.
11.09.2008 von
Dienstagabend in den Frankfurter Naxos-Hallen: Eine kleine Delegation des Waldcamps besucht eine Veranstaltung über die Startbahn-West-Proteste. Wolf Wetzel liest aus seinem kürzlich erschienenen Buch „Tödliche Schüsse“. Danach stellt Thomas Carlé seinen Dokumentarfilm “Fesseln spürt wer sich bewegt” (BRD 1982/ 60 Minuten) vor. Das Kino ist fast voll. Man duzt sich und viele der Besucher waren selbst bei den Protesten dabei. Erinnerungen werden durch die szenische Lesung und den Film geweckt. Selbst ich erkenne einige Personen wieder: Schwarz-Weiß-Bilder zeigen Klaus den Geiger, der vor einigen Tagen im Camp war. Er spielte auch vor den Ausbaugegnern in den 80er Jahren.
Im Film sieht man die Aufnahmen, die eigentlich keiner sehen möchte: Friedliche Demonstranten mit klaren Forderungen (zum Beispiel soll der Ausgang des Volksbegehrens abgewartet werden) und auf der anderen Seite Ketten mit hunderten Polizisten, erst starr und stumm wie eine Mauer, dann Wasserwerfer, Pfefferspray, Prügel mit dem Schlagstock und schließlich… weiter lesen
11.09.2008 von
Nadja (Name geändert) ist eher unauffällig, relativ klein, hat glatte lange Haare und trägt konventionelle Kleidung. Sie ist 25 Jahre alt, lebt eigentlich in Bad Kreuznach und hat gerade ihr Studium (Internationaler Agrarhandel) abgeschlossen.
„Ich war Ende Juni das erste Mal zusammen mit einigen Freunden im Camp, das hat mich so fasziniert, dass ich wiedergekommen und schließlich länger geblieben bin.“ Für Nadja ist es das erste Camp dieser Art. „Ich kann durch das Camp politisch aktiv sein, etwas sinnvolles und für das Leben lernen.“
„Ich bin gegen den Flughafenausbau, weil diese Art zu wirtschaften sich klar über ökologische und soziale Interessen stellt.“ Gleichzeitig nutzt sie das Camp, um andere Aktivisten kennen zu lernen und sich so zu vernetzen. Wir sprechen länger über das Zusammenleben im Camp. „Im Waldcamp kann man frei und unabhängig ohne Vorschriften von oben leben. Konflikte kann man direkt durch Gespräche austragen – während andere nur darüber… weiter lesen
08.09.2008 von
Noch ein Nachtrag zum Sonntag: Gestern haben sich hier im Camp Vertreterinnen und Vertreter der Bürgerinitiativen getroffen. Sie haben berichtet, dass zumindest das Camp weiterhin offiziell als Mahnwache angemeldet ist. Einziger Streitpunkt mit der Stadt Kelsterbach ist die Hütte der Bürgerinitiative, hier wird in den nächsten Tagen weiterverhandelt.
Heute habe ich einige Fotos in der Gegend rund um das Camp gemacht. Jeden Tag fahren durch den Wald viele Ausflügler mit dem Fahrrad. Wenn sie nach rechts und links schauen, sehen sie viele markierte und beschriftete Bäume.
Was man auf den Fotos nicht sieht, sind die Fraport-Sicherheitskräfte, die zu viert den ganzen Tag mit dem Fahrrad durch den Wald fahren und mit Kameras bewaffnet sind. Sie haben mir erklärt, dass sie nicht fotografiert werden dürfen. Deshalb kein Foto von ihnen.
Etwas erschreckt wurden die Campbewohner von einem riesigen Truck, der gefällte Baumstämme transportieren kann. Nach einem… weiter lesen
07.09.2008 von
Sonntag im Waldcamp bedeutet viel Besuch: Viele Neugierige, die sich das Camp ansehen, zum sonntäglichen Küchenstand der Bürgerinitiativen gehen, sich beim Jonglieren probieren oder einen Vortrag hören wollen. Heute waren ungefähr einhundert Menschen vor Ort. Ein Teil der Camp-Bewohner nimmt noch an einem Kletterworkshop teil, die anderen bauen die Hütten weiter aus. Ich habe mit einigen Robin Wood-Kletterern eine Holzplattform in einer großen Eiche befestigt.
Was und wie wird im Waldcamp gegessen, und warum? Gestern beim Plenum wurde noch einmal darum gebeten, die Lebensmittel und das zubereitete Essen zu kennzeichnen mit „k“ für gekauft, „v“ für vegan und „f“ für „freegan“.

Die herkömmliche Aufteilung in Vegetarier und Fleichesser gilt hier nicht. Nicht mal das Wort Vegetarier ist bisher gefallen. Wie definieren sich die einzelnen Gruppen selbst?
Veganer verstehen sich als die „echten“ oder „strengen“ Vegetarier. Die Gründe, warum sich Menschen für eine vegane Lebensweise entschließen, sind vielfältig. Für eine… weiter lesen
06.09.2008 von
Der gestrige Abend klingt aus mit Klaus dem Geiger, einem leckeren Essen, Getränkeverkauf und (für mich) dem ersten Schluck Alkohol seit fünf Tagen. Dabei waren ca. 50 Camp-Bewohner. Alle lauschten Klaus. Er hat schon im Hüttendorf während der Startbahn-West-Proteste in den 80ern gesungen und gespielt. Manche hier kennen ihn auch von Protesten aus Gorleben.

Am Samstag passiert nicht viel, viele reisen ab, viele kommen neu an. Im Camp findet ein ordentliches Plenum mit Tagesordnung, Rednerlisten und Arbeitsgruppen statt. Später erweitern wir (die AG Bauen) die Küche mit weiteren regenfesten Planen. Parallel bietet Robin Wood einigen Camp-Bewohnern ein Klettertraining an. Schon vor einigen Tagen hatte ich mit Christof gesprochen, der im Vorstand für Robin Woods sitzt. Er stammt aus Bayreuth, wohnt in Berlin und ist immer mal wieder im Camp. “Letztes Mal, als ich hier war, haben wir am Robin Woods-Baumhaus gebaut. Nach einer Woche war es fertig.” Jetzt steht… weiter lesen
05.09.2008 von
Gestern und heute Vormittag wurden im Rahmen der der Aktionswoche außergewöhnliche Protestaktionen für den Frankfurter Flughafen vorbereitet. Dazu haben verschiedene Gruppen eigene Ideen ausgearbeitet. Eine Gruppe wollte unter dem Motto “Fraport setzt Beton auf Bäume – wir setzen Bäume auf Beton” im allgemeinen Aufenthaltsbereich des einen Terminals eine symbolische Baumpflanzaktion durchführen. Eine andere Gruppe wollte zwei als Kelsterbacher Bäume verkleidete zu Verkaufsschaltern von Fluglinien schicken, dort sollten die “Bäume” nach einem Ticket in die richtige Klimazone fragen. Eine weitere Gruppe wollte Blätter von Kelsterbacher Bäumen beschriften und an Passanten verschenken. Ich entschied mich dafür, im Terminal 2 zu warten, um dort Fotos von der Baumpflanzaktion zu machen. Vor Ort erlebte ich eine Überraschung: Presse war da, dazu ein massives Polizeiaufgebot, zahlreiche Fraport-Sicherheitskräfte und sogar Polizisten in Zivil. Wer nicht da war, waren die Aktionsgruppen. Zwei der Teams hatten erst gar keine Chance, überhaupt ins Gebäude zu kommen. Im Terminal Eins… weiter lesen
04.09.2008 von
Nachdem es gestern den ganzen Tag geregnet hat, saßen alle gemeinsam neben der Küche vor der Bühne, denn dieser Bereich ist mit einer großen LKW-Plane überspannt. Der Generator wird angeschaltet und die Bühne erstrahlt im Licht. Um uns herum nur Bäume und Regen. Sophia fängt an zu lesen und kaum jemand hört mehr die Flugzeuge, die einige 100 Meter entfernt von hier starten. Wir hören Gedichte von Enzensberger. Sophia weiß nicht, ob sie noch weiterlesen soll, das Publik
um schon: Sie mögen Enzensbergers Gedichte und Sophia. Danach folgt das Konzert. Peryton spielt Gitarre, singt und spricht. Er trifft die Stimmung und scheitert knapp und bewusst daran politisch korrekt zu sein
. Er unterstützt das Camp und steht hinter den Bewohnern. Unter seinem bürgerlichen Namen gibt er ALG-II-Empfängern Rechtshilfe.
Über die vorbereitenden Maßnahmen von Fraport hatte ich schon geschrieben. Vorgestern teilte Fraport per weiter lesen
03.09.2008 von
Die meisten Campbewohner kommen verstreut aus ganz Deutschland und nur ein Teil aus dem Großraum Frankfurt. Stefan zum Beispiel ist aus Groß Gerau, das liegt einige Kilometer südlich vom Flughafen. Er erzählt mit ruhiger Stimme, dass er seit Anfang an dabei ist, aber nur sporadisch im Camp wohnt.

Seiner Meinung nach konnte das Camp nur durch unabhängige Akteure spontan entstehen. Die Bürgerinitiativen seien in ihrer Struktur und ihren Entscheidungsprozessen zu langwierig und starr. Schon wegen des Startbahn-West-Mythos’ sei die Entscheidung für ein Camp für sie schwierig. Wahrscheinlich lässt sich so erklären, dass es so wenig Strukturen im Camp gibt – es gibt nicht mal einen Sprecher oder ein regelmäßiges Plenum, um gemeinsam Entscheidungen zu treffen. Stattdessen ergreifen immer wieder kleine Gruppen oder Einzelpersonen die Initiative. Wie Stefan. Heute besteht das Camp aus drei Gruppen: Unabhängige Besetzer, Aktivisten der Umweltschutzorganisation Robin Wood sowie einige Mitglieder von Bürgerinitiativen, die… weiter lesen