Fesseln spürt, wer sich bewegt (Tag 10/10)
vonDienstagabend in den Frankfurter Naxos-Hallen: Eine kleine Delegation des Waldcamps besucht eine Veranstaltung über die Startbahn-West-Proteste. Wolf Wetzel liest aus seinem kürzlich erschienenen Buch „Tödliche Schüsse“. Danach stellt Thomas Carlé seinen Dokumentarfilm “Fesseln spürt wer sich bewegt” (BRD 1982/ 60 Minuten) vor. Das Kino ist fast voll. Man duzt sich und viele der Besucher waren selbst bei den Protesten dabei. Erinnerungen werden durch die szenische Lesung und den Film geweckt. Selbst ich erkenne einige Personen wieder: Schwarz-Weiß-Bilder zeigen Klaus den Geiger, der vor einigen Tagen im Camp war. Er spielte auch vor den Ausbaugegnern in den 80er Jahren.
Im Film sieht man die Aufnahmen, die eigentlich keiner sehen möchte: Friedliche Demonstranten mit klaren Forderungen (zum Beispiel soll der Ausgang des Volksbegehrens abgewartet werden) und auf der anderen Seite Ketten mit hunderten Polizisten, erst starr und stumm wie eine Mauer, dann Wasserwerfer, Pfefferspray, Prügel mit dem Schlagstock und schließlich die Räumung des Hüttendorfs.
„Das war die Strategie der Polizei“, erklärt Thomas Carlé. Sie habe darin bestanden, durch besonders aggressives Vorgehen den Konsens der Bewegung zum friedlichen Protest zu brechen und somit die Gruppe zu spalten. Das führte dazu, dass Teile der Bewegung sich radikalisierten.
Hatte nicht auch Herr Bouffier im Blick auf das jetzige Camp vor bürgerkriegsähnlichen Zuständen gewarnt? Ein Spaltungsversuch nach dem alten Muster?
Selbst an diesem Abend fragt laut Veranstalter die Polizei an, wer für die Vorführung und Lesung verantwortlich sei. Während der Filmbesprechung vor den Hallen fährt ganz unauffällig ein Polizeiwagen auf den Hinterhof der Naxos-Hallen.
Ich nehme ein interessantes Fazit von Thomas Carlé mit: Er sagt im Rückblick auf die Geschehnisse in den 80er Jahren: „Wenn der Protest ein Stadium erreicht, bei dem man hinter einem Polizisten keinen Menschen mehr sieht, hat man selbst verloren.“ Dann hat man sich instrumentalisieren lassen und sieht seinen Gegner nicht mehr so, wie man erwartet selbst gesehen zu werden, nämlich in erster Linie als Mensch.
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Hi Ingo,
zur Filmveranstaltung: Fesseln spürt, wer sich bewegt
“…Selbst ich erkenne einige Personen wieder: Schwarz-Weiß-Bilder zeigen Klaus den Geiger, der vor einigen Tagen im Camp war. Er spielte auch vor den Ausbaugegnern in den 80er Jahren…”
Das Video “Klaus der Geiger im WaldbesetzerInnen-Camp@Kelsterbach” bei Youtube:
http://de.youtube.com/watch?v=XtaGWMAig7Q
Gruß Willfried (Quer-TV)