Orte, an denen man nicht leben möchte: z.B. Hebron
von Caretta van BangoIn Beit Jala, einer Stadt bei Bethlehem besuchten wir die deutsche Schule Talitha Kumi (das biblische “Steh auf, Mädchen”), von der auch Sumaya Farhart-Nasar in ihrem Buch “Thymian und Steine” schreibt, und sprachen mit dem sympathischen Leiter Dr. Georg Dürr sowie drei SchülerInnen über das Leben als ChristIn im Heiligen Land unter Besatzung. Rund 40 Stunden Unterricht in der Woche, auf Deutsch, Arabisch und Englisch bereiten die rund 900 Kinder und Jugendliche auf das Deutsche Internationale Abitur vor.
Manch eine Familie verkauft ihr Gold, die letzte Sicherheit, die sie in diesen schwierigen Zeiten hat, um eine Abiturfeier im Freundes- und Familienkreis auszurichten. Für hilfsbereite LeserInnen dieses Blogs besteht die Möglichkeit, für die Schule zu spenden, denn nicht alle Eltern schaffen es regelmäßig, das Schul- oder Internatsgeld aufzubringen. Die Talitha Kumi aber ist auf Spenden angewiesen, verfolgt sie doch die Politik, keines ihrer Schäfchen aufgrund ausstehender Zahlungen auf die Straße zu setzen. Doch direkte Partnerschaften werden nicht gern gesehen, mögen die Eltern auch noch so arm sein, in diesem Landstrich wo der Stolz oft das Letzte ist, was die Menschen noch haben, ist es, so berichtet der Direktor, “undenkbar”, dass ein “Pate” aus dem reichen Europa angereist kommt und die Erfolge seiner Spenden bzw. “seines” Kindes erfahren will. Besser anonym spenden – es kommt garantiert in die richtigen Hände.
Nach diesem herzerfrischenden Besuch fuhren wir nach Hebron, arabisch: Chalil, um das Grab des Abraham/ Ibrahim zu sehen und einen Einblick in das Leben in einer zum großen Teil von 500 jüdischen Siedlern besetzten palästinensischen Stadt zu bekommen. Nach diversen Checkpoints erreichten wir die von der arabischen Bevölkerung fast komplett verlassene, einst malerische Altstadt. Auch hier sind die engen Gänge mit Netzen überdacht, um Unrat- und Chlor, den die Siedler aus ihren Fenstern schmeißen, aufzufangen, wie uns unser christlicher lokaler Guide erklärte. Nach zwei Metalldetektorkontrollen
konnten wir das Grab Abrahams/ Ibrahims besuchen, hier, wo Dr. Baruch Goldstein 1992, jüdischer Siedler, 29 palästinensische Betende mit einem Maschienengewehr niederschoß und 90 verwundete. Wir kletterten über enge Treppen auf das Dach eines Wohnhauses und sahen am Horizont nicht nur monströse Siedlungen und die dazugehörigen Wachtürme, sondern auch jüdische Siedler, die Frauen in langen Röcken und mit Kopftüchern, Männer mit Kippas und Gewehren, die ihre biblische Heimstatt wieder zu erobern suchen. Unangenehmst, das Wohngefühl in Hebron; wir waren glücklich, diese Stadt unter Besatzung bald wieder in Richtung einer Glasbläserei verlassen zu können – dafür war Hebron nämlich früher berühmt: für wunderschönes, mundgeblasenes Glas.

Abends gab es lebhafte Diskussionen der Reiseteilnehmer untereinander, diesmal im wunderbar atmosphärischen Garten des Jerusalem Hotels. In diesem Haus ist (bis auf die Preisgestaltung) einfach alles so, wie man es sich im Orient wünscht bzw. vorstellt – und heutzutage am ehesten noch in den Boutique Hotels der Altstadt von Jerusalem und Damaskus zu finden vermag.
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“Besser anonym spenden – es kommt garantiert in die richtigen Hände.”
Nach diesem Motto verfahren auch Bundesregierung, EU und UN… und es ist ja auch noch nie vorgekommen, daß Hilfsgelder für Palästina in den Taschen korrupter Politiker verschwunden sind oder statt Schulbildung in Terror investiert wurde….
Kein Gebiet bekommt weltweit mehr Hilfsgelder, nach dem Wahlsieg der Hamas haben sich die Zahlungen nochmals verdoppelt – aber ist wäre eine Frechheit, nach dem Verbleib der Mittel zu fragen!?
Danke Jasna, für diesen und die anderen Reiseberichte. Wer wie ich mehrmals im Jahr in Jerusalem und vor allem Bethlehem ist, sieht, was passiert und darf sich ein Urteil erlauben. Augenzeugenschaft lässt sich nämlich gerade in dieser Region durch nichts ersetzen.
Danke auch für den Hinweis, Schulgelder für Familien zu übernehmen. Nach vielen Besuchen in Bethlehem u.a. auch immer wieder in Taltiha Kumi, weiss ich, wie dringend notwendig diese Form der familiären Unterstützung in Bethlehemgeworden íst, um die Ausbildung und Zukunft der Kinder und Jugendlichen nicht aufs Spiel zu setzen. Übrigens: eine gute Ausbildung ist das einzige, was die israelische Besatzung nicht nehmen kann, ausser, sie wird durch Abriegelung der Schulwege unmöglich gemacht oder erschwert (Checkpoints, Mauerbau, Straßensperren, etc.).
Die Erfahrung der letzten Jahrzehnte hat immer wieder gezeigt, wie schnell aller vermeindliche Besitz buchstäblich über Nacht weg ist. Stichtwort: Landraub, Mauer, Bewegungsfreiheit. Aber eine gute Bildung kann nicht einmal die israelische Besatzung nehmen. Und darum muss für die Ausbildung alles getan und sie unterstützt werden, wo Familien es nicht mehr schaffen.
Noch ein Wort zu dem klugsch….und besser wisserischen Kommentar des Vorredners. Er war vermutlich noch nie in Bethlehem und Palästina, weiss aber genau, was Sache ist. Solche Pauschalurteile und Besserwisereien dienen jedenfalls keinem, am Wenigsten den Betroffenen. Beim nächsten Mal besser erst Nachdenken! Danke!
Nun, es ist im Orient natürlich nicht einfach, Fakten von Märchen zu unterscheiden… Stichwort Landraub: es wird von “Freunden Palästinas” schlicht ausgeblendet, daß sowohl in osmanischen Zeiten als auch in der Mandatszeit für Juden völllig legal die Möglichkeit bestand, in Palästina Grund und Boden zu erwerben – wenn dieses Eigentum heute in Ostjerusalem oder der Westbank liegt, wem gehört es dann? Bis zu einer Friedensregelung die dies klärt, eindeutig den eingetragenen Besitzern. Die palästinensische Seite nennt das dann Landraub.
Ich gegbe gerne zu, ich halte mich eher auf der anderen Seite des Zaunes auf – kenne aber die Argumente beider Seiten. Und häufig stellt es sich heraus, daß die arabisch-palästinensische Seite völlig unglaubwürdig ist -nicht immer, aber es kommt vor. Antiisraelische Propaganda eben, nur leider wird sie -Stichwort Al Dura- von den Freunden Palästinas eben als Wahrheit verbreitet. Das ändert übrigens nichts daran, daß ich das Verhalten einiger Siedlergruppen verurteile…
Interessant, wie wombat Märchen zu Fakten erklärt.
Ein Blick in die einschlägigen Landbeseitzstatistiken für Palästina zeigt, wie die Besitzverhältnisse bis 1967 aussahen. Und ein Blick über die Mauer würde nicht schaden, um die Tatsachen zu erkennen.
Selbst Siedler geben das zu…
PS: wenn ich schon ein klugsch…. bin, was ist dies hier? http://spiritofentebbe.wordpress.com/2008/09/10/ghetto-westjordanland/
Die “die einschlägigen Landbeseitzstatistiken” ? Die ohne Zögern -wenn es der angeblich guten Sache dient- Unterschiede zwischen staatlicher Kontrolle über ein Territotium mit dem privaten oder gesellschaftlichen Besitz an Grund und Boden “verwechseln”!?
Solche Karten? http://spiritofentebbe.wordpress.com/2008/03/28/nachhilfe-fur-kartenspieler/
Dann bitte auch den Text mit den Erläuterungen zu den Bildern lesen…
Danke für den mitfühlenden Reisebericht. Toni Lapid, Justizmin. unter Sharon, hat das gesetzlose Treiben der Orthodoxen in Hebron als Schande für Israel bezeichnet. Die Siedler haben das Land zur Geisel genommen und halten die Regierung am Nasenring. Wombat (SpiritofEntebbe) -hier spricht die Lobby, die sich für Schulen in P. noch nie ineressiert hat : Die bekannten Parolen von PI : Zuviel Geld für Palästina. Deswegen bombardiert Isr. immer wieder mal die europäischen Investitionen in Palästina.– Wombat -weißt du eigentlich, wieviel Israel jährlich von USA kriegt ? 3 (drei) Milliarden Dollar. Das sind t ä g l i c h knapp 10 Mio . Davon kann man eine ganze Menge Streubomben kaufen !! – –Schönen Tag noch !!