taz logo klein
logo taz.de logo tazblogs
09.02.2010

Climategate und die Achse des Blöden (11): Henryk Broder und der Witz

von Heiko Werning

In seinem intellektuellen Kreuzzug gegen die Islamkritikkritiker auf Perlentaucher und Welt online schrieb Thierry Chervel:

Henryk Broder ist ein Riese! Ganz allein ist er in der Mehrheit gegenüber all den kleinen Feuilletons. Die tapfere kleinere Minderheit aus Freitag, taz, Zeit, Süddeutsche, FAZ und FAS hat in den letzten Wochen ihren ganzen Mut zusammengenommen, um hinter dem anarchistischen Witz Broders den dunkel schimmernden “Fundamentalismus der Aufklärung” bloßzulegen. Broder, schriebThomas Assheuer in der Zeit, “gibt sich stets Mühe, lustig zu schreiben, aber er meint es bitterernst”. Das ist der Unterschied: Seine Gegner sind nicht mal lustig.

Kann man so sehen. Oder so sehen:

Die Titanic kommentiert Broders neustes Tätigkeitsfeld als Klimaskeptiker in der (überhaupt sehr schönen) aktuellen Februar-Ausgabe (und online hier) so:

Mensch, Henryk M. Broder,

da stellen Sie im Grunde nun schon die personifizierte Bestätigung für die Erderwärmungstheorie dar, bei all der heißen Luft, die Sie notorisch produzieren, aber es reicht Ihnen immer noch nicht. Was ist los? Will denn kein muslimischer Sack Couscous mehr umfallen? Oder warum müssen Sie sich nun auch noch am Klima vergreifen? So faselten Sie, diesmal im Rheinischen Merkur, bar jeder auch nur groben Ahnung der klimatologischen Zusammenhänge von einem »epidemischen Wahnsinn, der sich als Vernunft geriert«, und meinten damit jede auch noch so schüchterne Überlegung, ob man aus der einen oder anderen Erkenntnis der Klimaforschung möglicherweise irgendwann mal Konsequenzen für Wirtschaft und Politik ziehen müßte. Aber was interessieren Ergebnisse jahrzehntelanger Forschung, wo Sie uns doch glasklar vorrechnen: »Das anthropogene, also von Menschen verursachte CO2, macht ein bis drei Prozent des gesamten freigesetzten CO2 auf der Erde aus. Wir könnten also den Flugverkehr komplett einstellen, alle Autos, Rolltreppen und Aufzüge stillegen, auf den Gebrauch von Bügeleisen, Waffeleisen und Schuhputzautomaten verzichten – und hätten noch immer 97 bis 99 Prozent CO2 in der Atmosphäre.« Abgesehen davon, hihi, daß nicht mal wir Ihnen eine Atmosphäre mit 97 % CO2 wünschen würden, obschon die damit garantierte Aussicht auf Ruhe vor Ihnen sehr verlockend ist, wollen wir es mal zur Erklärung mit einer Analogie versuchen: Selbst in Ihrem Körper werden wohl so fünf Liter Blut fließen. Nehmen wir mal an, ein paar Milliliter davon bilden – Sie kennen das ja: Übergewicht, Sesselfurzerei, Cholerikertum – eines Tages ein kleines Gerinnsel, das dann in Ihrem Kreislauf herumschwimmt. Dieses sozusagen anthropogene Blut würde dann nicht einmal 0,1 % ausmachen, aber trotzdem könnte es zu schlimmen Verheerungen in, sagen wir, Ihrem Oberstüberl führen.
Ach? Schon passiert?
Dachte sich bereits:

Titanic

Und Broders hauptberufliche Islamkritisiererei auf titanic-magazin.de so:

Islamkritik im Aufwind
Nach den jüngsten bekannt gewordenen Kindesmißbrauchsfällen durch katholische Geistliche wird die Kritik am Islam immer lauter. “Es ist doch kein Wunder”, so Henryk M. Broder auf Spiegel online, “daß katholische Mönche so reagieren angesichts des Drucks durch die immer aggressivere Islamisierung Westeuropas, die die christlichen Werte geradezu aus dem Land, äh, bläst.”

03.02.2010

Empfehlung heute: Aktueller Dinosaurier-Stoff

von Heiko Werning

Kaum jemand kann sich der Faszination entziehen, die von Dinosauriern ausgeht. Eltern kleinerer Kinder können das auf keinen Fall, ob sie wollen oder nicht.

Aber wie steht es denn nun eigentlich um unseren Kenntnisstand über die verblichenen Riesenreptilien? Eine wirklich sehr schöne, gut lesbare und vor allem top-aktuelle Zusammenfassung haben wir in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift DRACO zusammengestellt: Dinosaurier - die Rückkehr der Urzeitriesen. Darin informieren Wissenschaftler über den aktuellen Stand der Forschung. Und so erfahren Sie, warum Vögel nicht nur die direkten Nachfahren der Dinosaurier, sondern zudem auch noch Reptilien sind (was ist nur aus den guten alten Reptilien geworden?). Und natürlich wird auch der Stand der Diskussion um das Rätsel des Aussterbens der Riesen aufgezeigt.

In weiteren Artikeln blickt man hinter die Kulissen der Dinoshow “Im Reich der Giganten”, die derzeit durch Deutschland tourt, erfährt, wie Fossilien in 3D-Kinoqualität wieder lebendig werden und wie das sehr schöne Kinderbuch “Das abenteuerliche Leben der Dinosaurier” von Markus Passlick und Thea Roß entstanden ist. Das in Sachen Dinos wohl spektakulärste Fundland weltweit ist Argentinien - bis Mitte des Jahres ist im Bonner Museum Koenig eine aufwändige Sonderausstellung dazu zu bestaunen. Im DRACO-Heft erfahren Sie die Hintergründe zum “Geburtsland der Dinosaurier”. Die deutschen Dinofährten sind ebenso Thema, wie es einen hübschen kleinen Dino-Reiseführer zu deutschen Attraktionen gibt, von Museen über Fundstellen bis zu Dino-Parks. Und ich selbst habe einen Artikel über das Saurierland im Südwesten der USA rund um den Dinosaur National Park beigesteuert.

Das Heft müsste für 9,80 € noch bis etwa Ende Februar im Bahnhofsbuchhandel erhältlich sein, sowie per Bestellung direkt beim Verlag.

01.02.2010

Climategate und die Achse des Blöden (10): Jakob Hein über Broders Brücke der Intoleranz

von jhein

MODERATOR
Guten Abend, meine Damen und Herren! Schreckliche Szenen spielten sich heute ab beim Einsturz der Brücke der Intoleranz, das große Jahrhundertbauwerk über die Alpen. Hunderte Tote mussten geborgen werden, Tausende haben beim Einsturz der Brücke ihr Dach über dem Kopf verloren. Unser Reporter vor Ort ist Jürgen Trömmdorf. Guten Abend, Jürgen.

REPORTER
Guten Abend.

MODERATOR
Jürgen, was können Sie uns über das Ausmaß der Katastrophe derzeit berichten?

REPORTER
Nun, Matthias, die Lage ist noch sehr unübersichtlich und die verschiedenen Rettungskräfte sind sehr zurückhaltend, was genaue Auskünfte betrifft, aber es ist in jedem Fall klar, dass wir es hier mit einer riesigen Katastrophe zu tun haben.

MODERATOR
Liegen denn schon genauere Erkenntnisse über den Hergang des Unglücks vor?

REPORTER
Die erst vor zwei Tagen eingeweihte Brücke, die sich von Augsburg bis nach Klagenfurt erstreckte, ist offensichtlich ziemlich kurz nach ihrer Eröffnung eingestürzt. Auf ihr befanden sich Tausende von Fahrzeugen, die eine Jungfernfahrt auf diesem Jahrtausendbauwerk machen wollten, und darunter unzählige Behausungen.

MODERATOR
Nun hatten ja Experten schon seit langem vor genau dieser Gefahr gewarnt. Wie konnte es trotzdem dazu kommen?

REPORTER
Ja, das ist ein Problem, das vermutlich in den kommenden Monaten der Untersuchung und Aufarbeitung eine Rolle spielen wird. Statiker, Architekten und Ingenieure standen dem Projekt ja von Anfang an skeptisch gegenüber, aber das war für Henryk Broder offensichtlich gerade eine Motivation, dieses Vorhaben weiter voranzutreiben.

MODERATOR
Von Henryk Broder ist in den letzten Tagen ziemlich viel gesprochen worden. Wie konnte es dazu kommen, dass er mit der Konstruktion eines solchen Bauwerks beauftragt wurde, obwohl er doch keinerlei Sachkenntnis besitzt?

REPORTER
Broder ist ja ein bekannter Skeptiker, ein mutiger In-Frage-Steller des Etablierten. Und so hat er eben auch all die Experten Lügen strafen wollen, die seit Jahr und Tag behaupteten, eine Brücke über die Alpen wäre technisch nicht machbar.

MODERATOR
Nun, ganz ist ihm das ja nicht gelungen.

REPORTER
Broder selbst bestreitet das auf seiner Website und verlangt, zunächst das Ende der Untersuchungen abzuwarten. Womöglich, so Broder, könnten auch seine zahlreichen Gegner im Zuge ihrer Weltverschwörung gegen ihn einen Akt der Sabotage an seiner Brücke der Intoleranz verübt haben.

MODERATOR
Nachdem es Broder zunächst ja gelungen war, ziemlich viele Anhänger hinter seine speziellen Thesen zur Klimaerwärmung und zur multikulturellen Gesellschaft zu bringen – die Brücke war ja nach seinem bevorzugten Lösungsansatz für die Integrationsfrage benannt -, dürfte jetzt der Zuspruch für ihn schwinden?

REPORTER
Das ist sehr gut möglich. Aus Kreisen der Staatsanwaltschaft habe ich auch gehört, dass auch seine Kette „Steuerberatung ohne Konventionen“ sowie sein Krankenhauskonzern „Therapie ohne Medizin“ mit den umstrittenen Operationssälen ohne Chirurgen genauer unter die Lupe genommen werden sollen.

MODERATOR
Das heißt, Broders größter Triumph könnte sich am Ende zu seiner größten Niederlage entwickeln?

REPORTER
Das ist im Moment nicht auszuschließen, wobei er dafür jetzt schon vorsorglich die monopolisierte Meinungsmache der Medien als Ursache ausgemacht hat.

MODERATOR
Jürgen Trömmdorf, vielen Dank für Ihre Einschätzung!

REPORTER
Vielen Dank!

30.01.2010

TATORT: Vergessene Erinnerung

von Heiko Werning

Also, am Sonntag gibt es wahrhaftig keinen Grund, des TATORTs wegen die Reformbühne Heim & Welt (Berlin, Kaffee Burger, Torstr. 60, U Rosa-Luxemburg-Platz) zu schwänzen. Da begrüßen Jakob Hein, Ahne, Uli Hannemann, Falko Hennig, Jürgen Witte und ich als Gäste Hinark Husen vom Frühschoppen und den obercharmanten Liedermacher Martingo. Und den Videorekorder muss man meiner Meinung nach nicht programmieren, denn anders als der geschätzte Kollege Christian Buss in der sonntaz finde ich “Vergessene Erinnerung” ganz furchtbar. Aufgeschrieben habe ich das einmal mehr für den empfehlenswerten Tatort-Fundus.

Kommissar Zufall wird befördert

Dramatischer Einstieg in der niedersächsischen Provinz: Charlotte Lindholm verursacht bei einer nächtlichen Fahrt durch das deutsch-niederländische Grenzgebiet einen Autounfall, als plötzlich zwei Menschen vor ihr auf der Straße auftauchen. Sie ist sich sicher, dass mindestens eine der Personen dabei zu Schaden gekommen ist, leidet aber an einem partiellen Gedächtnisverlust, und ihre Retter wissen nichts von einem anderen Unfallopfer. Und nicht nur das - ein ganzer Tag scheint ihr zu fehlen. Was ist geschehen in dieser Nacht? Charlotte nimmt die Ermittlungen im nahe gelegenen Dorf auf und stößt schnell auf vielerlei Ungereimtheiten …
Es ist natürlich undankbar, wenn einem praktisch zeitgleich drei TATORT-Filme zur Besprechung vorgelegt werden, von denen der eine (die Stuttgarter “Altlasten”) durchaus zum gehobenen Segment gehört und der andere (Frankfurt: “Weil sie böse sind”) eine der spektakulärsten und gelungensten Folgen seit Langem darstellt.
Da hat Nr. 3 es schon mal schwer. Und wenn dieser Dritte nun auch noch ein Lindholm-TATORT ist, muss er sich auch noch an dem für diesen Nordableger der Reihe außergewöhnlich hoch gelobten “Es wird Trauer sein und Schmerz” messen lassen, seinem direkten Vorgänger. Dass der Rezensent beim Sehen des Films zudem auch noch vergrippt war, sei nur erwähnt, um deutlich darauf hinzuweisen, dass die “Vergessenen Erinnerungen” bei ihm einfach unter keinem guten Stern standen und er ihn womöglich ungerechtfertigt hart rannimmt. Aber ich fürchte, auch unter günstigeren Bedingungen hätte allein die erste Viertelstunde gereicht, eine gehörige Portion Übellaunigkeit zu provozieren, die der Film gegen Ende auch noch mühelos zu steigern vermag.

Denn bereits das Ausgangsszenario lässt sicher manchen TATORT-Freund bedenklich mit den Zähnen knirschen. Charlotte Lindholm fährt nach einem Lehrgang nächtens Richtung Heimat und durch den Wald, als plötzlich zwei Gestalten, ein Mann und ein Kind, im Scheinwerferlicht auftauchen. Im Bemühen auszuweichen, setzt sie ihren Wagen vor einen Baum, torkelt anschließend auf die Straße, wo sie den Mann blutüberströmt und leblos liegen sieht, und fällt neben ihm in Ohnmacht. Als sie später wieder wach wird, fehlt ihr eine genaue Erinnerung sowohl an den Unfall selbst, vor allem aber den ganzen Tag nach dem Unfall. Und die Leiche ist ebenfalls verschwunden.
Auf der Suche nach der verlorenen Erinnerung fährt Lindholm in das Dorf Volsum an der Unglücksstelle, wo alle sie seltsam anstarren, da sie einer an selbiger Stelle acht Jahre zuvor verunglückten Frau wie aus dem Gesicht geschnitten scheint. Natürlich spürt Lindholm gleich, dass irgendwas faul ist und ihr fehlender Tag irgendein Geheimnis bergen muss, und macht sich - obschon noch krankgeschrieben - auf eigene Faust an die Ermittlungen.
Bereits hier muss man schon tief durchatmen, denn die Konstellation hat alles, was man eigentlich nicht mehr sehen mag: Eine starke persönliche Verstrickung der Ermittlerin in den Fall, schon wieder eine, wenn auch partielle, Amnesie (wir erinnern uns zuletzt an “Wir sind die Guten” vom BR), Zufälle, dass es nur so kracht (im wahrsten Sinne des Wortes, denn ein Wildschwein, das es merkwürdigerweise auf die LKA-Beamtin abgesehen hat, wird im letzten Moment von einer zufällig daneben stehenden Jägersfrau erschossen), die auf eigene Faust allein ermittelnde Heldin (die sich natürlich gegen den Rat der Ärzte selbst entlassen hat) und ein typisches niedersächsisches Lindholm-Dorf. Puh. Hinzu kommt, dass uns Lindholms Erinnerungsfragmente in besonders enervierenden Rückblendeblitzen präsentiert werden. Auch die Konstellation mit Mitbewohner Martin Felser, der Charlotte aus dem Krankenhaus abholt und Söhnchen David betreut, ist nicht das einzige Deja-vu-Erlebnis, das der Zuschauer hat.
Denn im Dorf sind sie dann alle wieder da: der Dorfpolizist, die alle irgendwie miteinander verbandelten Verdächtigen, das dunkle Geheimnis aus der Vergangenheit, in das Charlotte zu allem Überfluss irgendwie auch noch involviert zu sein scheint, der sonderliche Junge, die Streitigkeiten um Land, eine in der Luft liegende Verschwörung, die Ablehnung der Fremden aus der Stadt. Das plätschert nun alles die erste Hälfte des Films so vor sich hin, und man fragt sich stets etwas, ob man versehentlich doch eine Wiederholung erwischt hat, so bekannt kommen einem die sich erwartbar ausbreitenden Dorfermittlungen vor, einschließlich des später natürlich doch wieder nachreisenden Martin.

Man kann dem Film nicht vorwerfen, dass er dann allerdings nicht doch einige überraschende Wendungen nehmen würde. Man muss ihm aber vorwerfen, dass auch diese vollkommen uninspiriert und an den Haaren herbeigezogen daherkommen. Plötzlich also transformiert sich der Dorfkrimi in ein internationales Schwerverbrecher- und Wirtschafts-Drama, aber auch das hatten wir bei Lindholm schon, und auch das wirkte schon mal motivierter.
Was genau geschieht, soll hier nicht verraten werden, um wenigstens diese Überraschungen zu erhalten, denn sonst bliebe vom Film praktisch gar nichts übrig. Mit einem Mal ist nun also wieder 00Lindholm im Einsatz, aber die Geschichte plätschert immer noch an einem vorüber, ohne zu interessieren: zu abwegig konstruiert der Plot, zu routiniert die Darstellung, zu lieblos alles nach Schema F zusammengerührt. Die Personen bleiben uninteressante, austauschbare Abziehbilder, die völlig Überfrachtung der Handlung erlaubt es ohnehin nicht, auf irgendeinen Aspekt näher einzugehen, und nebenbei muss dann auch noch Charlottes Familienleben eingebaut werden
Gegen Ende gelingt dem Film dann aber doch noch Verblüffendes, womit man wirklich nicht mehr gerechnet hätte: Er wird nämlich nach einer neuerlichen Wendung nochmals schlechter. Und so erleben wir einen Showdown und eine Auflösung, die mit hanebüchen noch recht freundlich beschrieben ist. Dass beides dann auch noch schematisch bis zur Schmerzgrenze (Rettung in letzter Sekunde) und später ordentlich verkitscht daherkommt, ist da schon gleichgültig.
Sandkörner im Krimi-Getriebe
Bliebe nur zu hoffen, dass sich zumindest in der Grundkonstellation Charlotte-Sohn-Martin allmählich mal was tut, denn wenn das diesen durch und durch verkorksten Fall nun auch nicht viel besser gemacht hätte, könnte man dann immerhin schon mal ein Sandkorn im Krimi-Getriebe vermeiden. Das hätte uns die ebenfalls nun schon redundante Schlussszene und wenigstens ein paar der unglaubwürdigen Konstruktionen in der Handlung ersparen können. Es wären schon noch genug absurde Zufälle übrig geblieben.

29.01.2010

Termine

von Heiko Werning

Ich bin zu hören & zu sehen:

Regulär:

Jeden Donnerstag bei den Brauseboys, 21 Uhr, La Luz, Oudenarder Str. 16-20, Berlin-Wedding

Jeden Sonntag bei der Reformbühne Heim & Welt, 20.15 Uhr, Kaffee Burger, Torstr. 60, Berlin-Mitte

::

2.2.2010, Dienstag: Gast bei LSD - Liebe statt Drogen, 21.30 h, Schokoladen, Berlin-Mitte

5.2.2010, Freitag: Vortrag bei der Terrariengemeinschaft Berlin:  “Großleguane und Anolis: Puerto Rico und die British Virgin Islands”. - Restaurant “Kegel-König”, Brandenburgische Str. 71, Berlin-Wilmersdorf

7.2.2010, Sonntag: Im Radio bei Radio Voodoo, Gast zum Thema “Tatort”, mit Robert Weber, Karsten Krampitz u. a., 13-15 Uhr, im Livestream oder in Berlin auf 99,1

10.2.2010, Mittwoch: Gast bei den Surfpoeten. 21 Uhr, Klub der Republik, Berlin-Prenzlauer Berg

13.2.2010, Samstag: Kantinenlesen, mit Dan Richter, Robert Naumann, Paul Bokowski & Volker Surmann. 20 Uhr, Alte Kantine, Kulturbrauerei, Berlin-Prenzlauer Berg

15.2.2010, Montag: Buchpremiere “Heimat, Heimweh, Heimsuchung“, herausgegeben von Karsten Krampitz und mir; mit Manfred Maurenbrecher, Jakob Hein, Ahne, Bov Bjerg u. a. 20 Uhr, Kaffee Burger, Torstr. 60, Berlin-Mitte

19.2.2010, Freitag: Mit den Brauseboys in unserer Lieblingsbrauerei Eschenbräu, 21 Uhr, Wedding

23.2.2010, Dienstag: Gast bei den Brutusmördern, 20 Uhr, Literaturcafé Periplaneta, Bornholmer Str. 81 a, Berlin-Prenzlauer Berg (eigentlich aber Wedding)

05.03.2010, Freitag: Reptilienvortrag von mir in Wilhelmshaven: falls das jemand der Gastgeber liest - ich wäre sehr an Thema und Ort interessiert.

11.03.2010, Freitag: “Zwischen Atacama und Patagonien: Reptilien und Amphibien in Chile”. - 20 Uhr, Restaurant Dietiker, Alte Gasse 1 in 5034 Suhr, Schweiz

12.03.2010, Samstag: “Von Anolis bis Cyclura - karibische Beobachtungen auf Puerto Rico und den Virgin Islands”; irgendwo in der Schweiz, womöglich in Baal

19.03.2010, Freitag: Vorstellung von “Heimat, Heimweh, Heimsuchung“, herausgegeben von Karsten Krampitz und mir, mit dabei außer mir u.a.: Krampitz, Markus Liske, Anselm Neft.  20 Uhr, Asisi-Panometer (!), Richard-Lehmann-Str. 114, Leipzig

20.03.2010, Samstag: Mit den Brauseboys und dem Laptoporchester Berlin zu Gast bei der jungle world auf der Leipziger Buchmesse. - 19 Uhr, superkronik, Leipzig

21.03.2010, Sonntag: Solo-Lesung aus dem neuen Buch “Mein wunderbarer Wedding“, Leipziger Buchmesse, 10.30 Uhr, Berliner Zimmer, Halle 5 D 321

27.03.2010, Samstag: Mit den Brauseboys in Celle, ca. Niedersachsen, Kunst & Bühne, 20 Uhr

28.03.2010, Sonntag: Mit Nils Heinrich im “Literarischen Wohnzimmer“, 20 Uhr, Merlin, Augustenstr. 72, Stuttgart

29.03.2010, Montag: Mit  Nils Heinrich im “Literarischen Wohnzimmer“, 20 Uhr, Stadtbibliothek, Berliner Platz 12, Heilbronn

03.04.2010, Samstag: Brauseboys - der 7. Geburtstag. 20 Uhr, La Luz, Osramhöfe, Wedding

08.04.2010, Donnerstag: Solo beim “Leuchtenden Pfad”, Caricatura, Galerie für komische Kunst, Kassel

10.04.2010, Samstag: Kantinenlesen, mit Dan Richter, Spider, Micha Ebeling & Volker Surmann. 20 Uhr, Alte Kantine, Kulturbrauerei, Berlin-Prenzlauer Berg

28.-30.5.2010: Symposium zum 100-jährigen Bestehen des Aquariums im Zoo Leipzig; Vortrag von mir zu Nasenfröschen, wahrscheinlich am Samstag, Aquarium Zoo Leipzig

04.-06.06.2010: Leguantagung 2010 in Hamburg, von mir Eröffnungsvortrag am Freitag, 20 Uhr, über den Südwesten der USA

12.06.2010, Samstag: Vortrag bei der IG Terraristik in Berlin-Hellersdorf:  “Großleguane und Anolis: Puerto Rico und die British Virgin Islands”. - Bowling Hellersdorf, Feldberger Ring 5, 20 Uhr. Um 18 Uhr nehme ich dort die Sachkundeprüfung für Terraristik und die Zusatzprüfung “Gefährliche Tiere” ab.

24.01.2010

Climategate und die Achse des Blöden (9): Jakob Hein über die Diskussionskultur von Broder & Co.

von jhein

Die neue Unsachlichkeit

Angesichts des Tons, der von Henryk Broder und seinen Freunden immer wieder in die Debatten gebracht wird, fällt es vielen oft nicht leicht, sachlich zu bleiben. Dabei muss man vor diesen konservativen Revolutionären mindestens dreimal den Hut ziehen.
Einerseits schaffen sie es eben durch unsachliche, populistische, persönlich beleidigende, gehässige und sich mindestens am Rande des diskursiven Konsens bewegende Äußerungen den Ton der Debatten über die Religionsfreiheit für den Islam und die Klimafrage zu bestimmen. Gern werden Hitler- oder Holocaust-Vergleiche bemüht. Das wirkt frisch und unverkrampft, mutig stemmen sich die Achsenkräfte des Guten auch gegen political correctness. Ja! Endlich tut mal jemand etwas gegen diese verdammte political correctness! Man muss doch endlich mal wieder Neger, asozial und Titten sagen dürfen!
Zwei Dinge übersehen die Herrschaften dabei geflissentlich und mit ihnen die begeisterte Öffentlichkeit: Erstens ist das, was heute political correctness heißt, Teil einer sprachliche Bewegung, die sich kontinuierlich vollzieht. So heißt wichsen heute kaum noch „Schuhe putzen“ und Rechner ist heute nicht nur als Bezeichnung für einen rechnenden Menschen zu verstehe. Teil der Entwicklung ist es, dass Sprache auch veränderte Grundhaltungen, die Entwicklung des gesellschaftlichen Verständnisses bestimmter Phänomene abbildet. Dabei schießen die Vorschläge mitunter über das Ziel hinaus, letztendlich findet sich aber ein neuer Konsens. So werden es die Anti-PC-Ritter sicher in Ordnung finden, dass man niemanden mehr als Untermenschen oder Saujuden bezeichnen darf. Und so gibt es eben heute auch Begriffschöpfungen wie „Migrationshintergrund“. Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass die Menschen, die man zu beschreiben versucht, nicht selten in Deutschland geboren, wiewohl sie noch zu wenig hier zuhause sind und insofern „Ausländer“ ein lächerlich falscher Begriff für das Phänomen ist, insbesondere angesichts der Deutschen, die man aus den ehemaligen Sowjetrepubliken hierher geholt hat und die auch noch nicht ganz in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind.
Wir werden sehen, was die deutsche Sprache mit dem „Migrationshintergrund“ macht, aber einfach dagegen zu sein, ist so, als würde man sich gegen die Jahreszeiten aussprechen, nur weil einem das Wetter an einem Herbsttag nicht passt (und wem ginge das nicht einmal so). Fakt ist doch, dass gerade auch die Broder-Guten sich für eine antidiskriminierende Gesellschaft einsetzen, und die hat sich gerade auch durch Veränderungen in der Sprache immer weiter entwickelt.
Das zweite Problem des „erfrischend Unsachlichen“ besteht darin, dass die Entwicklung des „Sachlichen“ ihre Gründe hatte. Die Regeln gesellschaftlicher Auseinandersetzungen, die man auch mit Diskussionskultur bezeichnen kann, haben sich aus bestimmten Gründen entwickelt. Es ist sinnvoll, persönliche Beleidigungen und Probleme auszuklammern, weil die selten zu einer Versachlichung der Debatte beitragen. Es ist besser, recherchierte Fakten aufzuführen, die dann auch falsifiziert werden können, statt Fakten zu produzieren und zurechtzubiegen. Wenn es einen fachlichen Konsens gibt, dann ist es sinnvoll diesen prinzipiell zu akzeptieren, schließlich wird auch ein mittelmäßiger Elektriker einen Lichtschalter besser montieren als ein begnadeter Publizist.
Darüber hinaus ist es für eine fruchtbare Diskussion auch förderlich, die Themen und Ebenen auseinander zu halten. Der Islam und das Weltklima haben nichts miteinander zu tun, das Wetter von heute kaum etwas mit dem Klima und wenn ich gerade an den Händen friere, dann sagt das nicht einmal etwas über das Wetter. Doch durch das Zusammenführen der verschiedenen Themen und Ebenen lassen sich natürlich mehr Funken schlagen! Sicher verkauft mir der Libanese von gegenüber deswegen keine Handschuhe, weil er der Klimalüge aufgesessen ist und nun auf die Klimaerwärmung wartet. So muss ich frieren wegen der Allgegenwart des Islamismus. Was zu beweisen war!
Die Einhaltung von Regeln ist anstrengend. Jeder, der schon einmal in einer Canasta-Runde mit seinem Mitspieler geheime Absprachen getroffen hat, wird verstehen, was ich meine. Die Mehrzahl der Zuschauer von Boxkämpfen wünscht sich, dass der Favorit doch endlich auch mal einen Schlag unter die Gürtellinie platzieren solle und kein Fußballfan besteht auf die Löschung eines unrechtmäßigen Elfmeter-Tors seiner Mannschaft. Daher wirkt die Nicht-Einhaltung von Regeln neu und revolutionär. Dabei wird aber leider übersehen, dass die Debatten damit auch sinnloser werden. Wenn ich mutig und frech die Debatte nicht mehr an nachprüfbare Fakten und einen bestimmten Konsens anknüpfe, dann kann ich zwar schöne Kapriolen aufführen, trage aber nichts dazu bei, die Diskussion tatsächlich voranzubringen. Es ist so, als würde man in der Diskussion darüber, ob sich die Erde um die Sonne dreht oder umgekehrt, plötzlich behaupten, die Erde drehe sich um den Mond. Man kann dann interessante Meinungen produzieren und Beobachtungen anfügen, die eine Mehrzahl astronomisch Ungebildeter sofort plausibel fände, aber im Sinne der Aufklärung wäre die Diskussion dadurch sinnlos. Aber herrlich unkonventionell!
Doch wie gesagt, Hut ab vor den Achse-Höhlen-Bewohnern! Ihre politischen Gegner treten allzu häufig in ihre Fallgruben der Unsachlichkeit, leisten sich an deren morastigem Boden Schlammschlachten und verzichten damit darauf, die eigentliche politische Debatte voranzubringen.
Denn das ist der dritte und vermutlich größte politische Trick, den diese tiefschwarzen Konterrevolutionäre sich beigebracht haben, trefflich kopiert von den US-amerikanischen Republikanern der Neunziger- und Nuller-Jahre: Den gesellschaftlichen Status quo, die Meinung der Mehrheit, das, was ohnehin gerade passiert, so zu vertreten, als wäre es neu, toll und gegen den Strich gebürstet. Denn das war jahrzehntelang natürlich auch normal in den Diskussionen: Das man hauptsächlich darüber sprach, was man in Zukunft wie anders machen kann.
Broder und seine Achsenhaare stellen sich nun aber hin und sagen: Man wird doch mal auch eine gaaanz andere Position vertreten dürfen: den Status quo! Das ist den meisten Menschen, die sich ganz wohl fühlen in ihrem Status quo, sehr recht, kommt ihnen tatsächlich sehr entgegen. Dazu aber – und diese Pose haben sie sich von den eigentlich verhassten 68ern abgeschaut – machen sie ein Brimborium, als würden sie etwas ganz Unbequemes sagen, als wären sie geknebelte Underdogs, mit Maulkorb versehen, die nirgendwo einmal diese ungeliebte Meinung kundtun dürften.
In der Klimadebatte vertreten sie den Standpunkt, dass es keine Erderwärmung gibt oder geben wird und dass die Menschheit ruhig so weitermachen kann. Genau das ist es, was ohnehin geschieht und was ohne die Debatte passiert wäre. Nun aber verkauft man es als Revoluzzertum, mit einem dicken Auto über die Autobahn in seine kohlenstrombeheizte Villa zu fahren.
In der Kulturdebatte vertreten sie den Standpunkt der christlich-jüdischen Leitkultur und der forcierten Anpassung der eingewanderten Deutschen bei Strafe ihrer Nicht-Integration. Ist denn die Nicht-Integration von Menschen mit Migrationshintergrund nicht genau das, worüber wir bei Rütli und dergleichen reden? Die Eltern waren noch froh, wirtschaftlich abgesichert im Gastland leben und überleben zu können, viele ihrer Kinder sehen sich mit einigem Recht als unterprivilegiert und machen sich auf, dieser Rolle gerecht zu werden. Doch wo in Deutschland gibt es islamische Politiker, Meinungsmacher, Wirtschaftsbosse oder auch nur Nachrichtensprecher? Zu Recht gibt es eine Debatte darüber, wie man diese Menschen verstärkt integrieren kann und wie man dabei eben auch über die Grenzen des christlich-abendländischen Selbstverständnisses hinausgehen könnte, auch wenn besonders seit dem September 2001 viele Ängste vor dem Islam bestehen. Die Achsenkräfte aber verkaufen es als ihre mutige das-wird-man-doch-wohl-noch-sagen-dürfen-Meinung, die Religionsfreiheit nicht auf den Islam auszuweiten und Integrationsgrenzen aufrechtzuerhalten. Was dafür aktuell zu tun ist? Nichts, außer vielleicht die Debatten über das Problem zu stoppen.
Passend zu dieser Pose ist es, überall und immer zu betonen, wie unterdrückt und gegen den Mainstream ihre Meinung ist. Sie sagen es im Radio, sie schreiben es in der Zeitung, sie sagen es im Fernsehen und schreiben es natürlich immer wieder im Internet: Ihre Meinung sei ja so wahnsinnig unterdrückt. Mal ganz unabhängig von ihrer Meinung ist es unglaublich, wie gut und geradezu allgegenwärtig sie ihre Meinung verbreiten. Wie gesagt, mal ganz abgesehen davon, dass ihre eigentliche Meinung ist, dass alles so bleiben soll, wie es ist, außer, dass ihre politischen Gegner nicht mehr ihre Meinung äußern dürfen, also eigentlich eine eher langweilige Position. Und solange sich noch einer findet, der etwas anderes sagt oder schreibt, können sie wieder aufschreien über ihre Unterdrückung, über die Allmacht des Gutmenschentums und die Dummheit all derer, die nicht ihrer Meinung sind.
Das Problem besteht nur darin, dass die gesellschaftlichen Diskussionen, die von diesen Menschen gekapert werden, weitgehend manövrierunfähig werden und zu sinken drohen. Leider versinken aber nicht gleichzeitig damit die Probleme, welche die Diskussion hervorgerufen haben.

PS:
“Der Publizist Henryk M. Broder bekommt eine Sendung in der ARD. «Entweder Broder – Die Deutschland-Safari» solle 2010 fünfmal am späten Sonntagabend nach der Kultursendung «Titel, Thesen, Temperamente» gesendet werden, bestätigte ARD-Chefredakteur Thomas Baumann der «Süddeutschen Zeitung» (Samstagausgabe).
Der 63-jährige Broder wird in der neuen Sendung, die vom Hessischen Rundfunk kommt, mit dem Islamwissenschaftler Hamed Abdel-Samad auf eine Reise durch die Bundesrepublik gehen. Im Stil eines Roadmovies sollen sie sich dabei in jeder Folge einer neuen Fragestellung widmen. Den Sendeplatz am Sonntagabend nutzt die ARD seit längerem als Experimentierfeld für neue Formate.

Was zu beweisen war.

23.01.2010

Ein Herz für den Wedding

von Heiko Werning

Wer sich nach all den irren Feuilletondebatten über Islam und Islamkritik und Islamisierung und Immigration und Integration mal wieder etwas erden und einen Hauch der Realität erleben möchte, der besuche uns doch mal im Wedding, wo man sich das alles live und in Farbe (hellgrau, dunkelgrau, mittelgrau) anschauen und anhören kann. Das reinigt das verquaste Intellektuellenköpfchen.

Und wer nicht kommen kann, der kann sich aber die wunderbare Zeitschrift “Der Wedding” anschauen. Axel Völcker, Julia Boeck und ihrem Team ist es gelungen, aus dem angeblich tristesten aller Berliner Bezirke (”eines der härtesten Krisengebiete des Landes” - Der Spiegel) ein Magazin zu extrahieren, dessen Optik ebenso Avantgarde wie sein Inhalt längst einen großen Schritt weiter in der neuen Realität eines neuen Deutschlands ist, indem multikulturelle Gesellschaften keine naive Ideologie mehr sind, sondern lebenswirkliche Selbstverständlichkeit, und das alles mit viel Empathie, Humor und einem Willen zum Journalismus, der so vielen Großzeitschriften und -zeitungen schon lange abhanden gekommen ist. Und deshalb ist “Der Wedding” auch weit über den Wedding und Berlin heraus von Interesse.

Recht neu dazu gestartet wurde ein gleichnamiges Blog, das die viel zu lange Wartezeit zwischen den einzelnen Ausgaben der Zeitschrift ein bisschen zu füllen verspricht, und das deshalb gleich Einzug in meine Blogroll rechts findet.

Dass die Brauseboys dem allen freundschaftlich wie schriftstellerisch verbunden sind, versteht sich ja hoffentlich von selbst. Und dass ich selbst dafür schreibe, ebenfalls.

Die aktuelle, zweite Ausgabe behandelt das Thema “Verwandtschaft” und sollte auch bundesweit über z. B. Bahnhofsbuchhandlungen zu beziehen sein, besser aber man unterstützt die jungen Zeitschriftenmacher und bestellt direkt bei ihnen.

Und hier die Presseerklärung dazu:

Orte wie den Berliner Bezirk Wedding gibt es vermutlich in jeder deutschen Großstadt. Es sind Stadträume, die in kaum einem Reiseführer stehen, die unaufgeregt, selbstverständlich, improvisiert und dabei auch ein bisschen seltsam sind.
Von diesen Orten erzählt »Der Wedding« und erkennt die Vielfalt im Detail. So interessieren uns die kleinen Geschichten, die alltäglichen Dinge, die unmittelbar vor der Haustür passieren und nicht auf den großen Bühnen dieser Welt. Thematisierte die erste Magazinausgabe mit »Komm’se rin!« noch den Wedding von innen, schauen wir nun weit über die Grenzen des Bezirks hinaus.
Derzeit ist »Der Wedding« das einzige Magazin für Alltagskultur in Deutschland. In der zweiten Ausgabe dreht sich alles um das Thema Verwandtschaft. Axel Völcker und Julia Boeck haben dazu gemeinsam mit 30 Schriftstellern, Journalisten und Fotografen spannende Geschichten recherchiert und fotografiert, die aufwendig gestaltet wurden.
So können Sie bei »Der Wedding« mehr über den Familienzusammenhalt bei Sinti- und Romafamilien erfahren oder sich mit uns die Frage stellen, ob es das traditionelle deutsche Abendbrot als Familientreffpunkt noch gibt. Schauen Sie in die Charlottenburger Wohnung der 97-Jährigen Elisabeth Hildebrandt, die ganz behutsam von ihrer Enkelin dokumentiert wurde, oder lesen Sie, wie Berliner Lesebühnenautoren in ihrer Jugend Westpakete ein- und auspackten.

Uncle Sallys Magazin 08/02/2008
„Der Wedding ist das nächste große Ding - Gedöns wird ganz locker ignoriert. Dafür aber richtig hingeguckt.“

Berliner Morgenpost 14/02/2008
„Dabei enthält das Magazin Geschichten, die nicht nur typisch für den Wedding sind.“

Die Welt 16/02/2008
„Es sind Texte, die man so in keinem anderen Magazin finden wird.“

Lodown Magazine 03/2008
„This mag is a pretty nice surprise“

030 01/06/2008
»Komm‘se rin!« Heißt es groß auf dem Cover, und wer die Erstausgabe des Kulturmagazins »Der Wedding« in der Hand hält, der weiß, dass diese Aufforderung mehr als ernst gemeint ist.“

Tagesspiegel 11/01/2009
„Statt Fotostrecken edler Pariser Modeschauen setzen sie etwa auf eine Fotoserie mit Innenansichten türkischer Kulturvereine.“

taz 04/03/09
„Die Bilder in der Fotostrecke über die hiesige »restmoderne« Nachkriegsarchitektur kommen mitunter wie ein authentischer Schlag in die Fresse daher.“

Deutschlandradio 29/03/09
„Die Macher vom Wedding gehen dahin, wo‘s weh tut, verzichten aber bei ihren Reportagen auf jene ironische Brechung, die für den Hauptstädter sonst zum guten Ton gehört. Eine bewusste Distanzierung zum oberflächlichen Hochglanzmagazin.“

PAGE 06/2009
„Zeitgemäß und jenseits überstylter Hochglanzästhetik wird der Alltag des Prekariats im Wedding plastisch dokumentiert… Stadtteile, in denen sich das Leben zwischen Gelsenkirchener Barock, türkischen Gemüseläden und Wettbüros abspielt, gebe es überall in Deutschland…“

FREITAG 16/05/09
„Kreiste die erste Magazinausgabe „Komm´se rin!“ überwiegend um den Mikrokosmos Wedding, schauen die Macher nun über die Grenzen des Bezirks hinaus.“

22.01.2010

Gideon Böss!

von Heiko Werning

unter der Überschrift „McDonalds und die Montagsautos der Evolution“ zeigen Sie sich für die „Welt“ als „großer Fan“ des Bulettenkonzerns, denn: „McDonalds funktioniert ja vor allem in offenen Gesellschaften, in denen die Enge des ‘alle überwachen alle’ bzw. des ‘hier kennt jeder jeden’ aufgebrochen ist.“ Wovon die Filialen in z. B. Peking, Moskau und Riad beredt Zeugnis ablegen. Dennoch gibt es einen großen Wermutstropfen: „Leider zieht das große M aber alle Bevölkerungsschichten an. Also auch den Bodensatz der Gesellschaft, der nichts mit sich anzufangen weiß und in früheren Zeiten mit Begeisterung für Kaiser oder Führer fiel.“ Was Ihnen das Essen pappig macht, denn: „Da stehen sie dann an der Kasse, bestellen für 5 Euro Hamburger und zeigen ihren Freunden, die am Tisch warten, lachend den Hitlergruß, den diese erwidern. Nicht weil sie Nazis sind, sondern weil sie auf eine sehr reine und allumfassende Art dumm sind.“ Und nicht nur das: „Leute mit solchen charakterlichen Talenten müssen heute oft von Sozialhilfe leben, was wirklich ein Skandal ist. In Diktaturen könnten sie als Denunzianten, Foltermeister oder einfach nur fanatische Mitläufer Karriere machen.“ Was aber auch wirklich ein Skandal ist: „Warum wenden sich die weihnachtlichen Predigten und die Ansprachen des Bundespräsidenten eigentlich immer gegen Banker? Warum gehen sie nicht mal auf diese Bodensätzler der Gesellschaft ein, die man in jeder Hinsicht als asozial bezeichnen kann?
Ich darf mal kurz zusammenfassen: Leute, die sich gegenseitig den Hitlergruß zeigen, sind selbstverständlich keine Nazis, sondern Hartz-IV-Empfänger, vor denen Kaiser und Führer uns früher bewahrt hätten. Da das leider aber heute nicht mehr der Fall ist, dürfen die einfach so in Ihrer bevorzugten Imbissbude herumlungern, obwohl sie doch viel lieber fanatische Mitläufer wären, die es in unserer offenen McDonalds-Gesellschaft aber ja gar nicht gibt. Und statt diesem asozialen, dummen Plebs wenigstens ordentlich heimzuleuchten, werden stattdessen die rechtschaffenen Leistungsträger, die Banker, verunglimpft.
Aber wissen Sie, Gideon Böss, wie ich fanatische Denunzianten und Mitläufer des Großkapitals bezeichnen würden, also Leute mit charakterlichen Talenten wie den Ihrigen? Als in jeder Hinsicht und allumfassend sogar? Jetzt raten Sie mal!
Der Foltermeister des:
Reptilienfonds

19.01.2010

Climategate und die Achse des Blöden (8): Thierry Chervel sieht rot

von Heiko Werning

Au weia, bei Thierry Chervel vom Perlentaucher sind jetzt alle Sicherungen durchgebrannt. In seiner wutschnaubenden Suada gegen alle, die es wagen, die „Achse des Blöden Guten” zu kritisieren, ist ihm vor lauter Um-sich-beißen offenbar einiges durcheinander geraten. Warum er ausgerechnet meinen Beitrag zu den Verschwörungstheorien der Wetterfrösche von der Achse in seine Reihe der Islamophobiekritikerkritik stellt, bleibt sein Geheimnis, dass er damit aber ausgerechnet ebendiese Achsenschreiber und vor allem Henryk M. Broder (der ja doch nur das Gewäsch von seinem Geschäftspartner Maxeiner nachplappert) nun ausgerechnet per Dekret zu „Aufklärern“ verklärt, ist für jemand, von dem man annehmen sollte, sich zumindest näherungsweise mit dem Bedeutungsgehalt solcher Begriffe auszukennen, geradezu bizarr. Von nichts ist Broders kenntnisfreie Klima-Stänkerei weiter weg als von auch nur einem Zipfel Aufklärung.
Denn Aufklärung bedeutet ja nun gerade, althergebrachte Vorstellungen und Ideologien durch das Rationale, durch nachvollziehbare, überprüfbare wissenschaftliche Erkenntnisse – nun ja: eben aufzuklären.
Wenn Broder sich aber vorbehaltlos auf die Seite der Klimaskeptiker schlägt, betreibt er das exakte Gegenteil: Er ist – in Sachen Klima – ein Anti-Aufklärer, ein Mystifizierer, jemand von der Klarheit dessen, der bei Vollmond Krötenschleim mit Kräutern mörsert, jemand, der einer irren Weltverschwörungstheorie das Wort redet – immer sitzen ja irgendwo an den Schalthebeln der Macht sinistre Eliten, die ihren Profit daraus ziehen, das gemeine Volk auszusaugen.
Wäre es nur ein akademischer Streit, könnte man darüber hinwegsehen, angesichts der drohenden globalen Folgen aber – und selbst, wenn diese auch nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit einträten –, ist es leider eine gemeingefährliche Wahnvorstellung. Das ist halt das Problem, wenn man, wie Thierry Chervel, ein Leben nur im feuilletonistischen Elfenbeinturm denkt und verbringt und von der dinglichen, Naturgesetzen gehorchenden, echten Welt da draußen noch nie etwas mitbekommen hat.
Und nebenbei: Inwieweit die exzessive Islamkritik von Broder & Co. noch als Aufklärung durchgehen kann, scheint mir doch auch äußerst fragwürdig. Aufklärung jedenfalls, die immer nur blindwütig in eine Richtung schlägt, geht am Kern des Begriffs völlig vorbei; denn so schafft man nur neue vorurteilsbehaftete Ideologien. So suspekt mir jede Religion an sich auch ist, so mittelalterlich und menschenverachtend der Islam oftmals daherkommt, so durchgeknallt und gefährlich seine fanatischen Anhänger auch sind und so peinlich das Lavieren vieler Politiker und Journalisten im Umgang mit ihm – so lange man sich im Tunnelblick nur darin verbeißt und damit hunderte Millionen Menschen, die den ganzen Klimbim allahseidank nur so am Rande schadlos mitglauben, wie das ja auch bei erfreulich vielen Mitgliedern anderer Religionsclubs mit ihrem ganz spezifischen Aberglauben der Fall ist, so lange ist das keine Aufklärung, sondern eben Hetze.
Im Vergleich zur „Achse des Guten“ jedenfalls wäre selbst die „Sendung mit der Maus“ mit dem Begriff „fundamentalistische Aufklärung“ treffender charakterisiert.

19.01.2010

Paradigmenwechsel bei der FDP

von jhein

Häufig steht ja in Zeitungen eh nur der Quatsch von gestern oder irgendwas, das man so oder ähnlich längst schon vermutet hatte. Umso erfreulicher, dass die Zeitungen heute mit einem echten Knaller aufwarten können: “Guido Westerwelle: FDP nicht käuflich - Im Zusammenhang mit der Millionenspende blablabla …”
Liebe Zeitungen, dafür vielen Dank! Aber müsste die Schlagzeile nicht korrekterweise lauten: “Guido Westerwelle: FDP nicht mehr käuflich”? Denn offensichtlich hat sich doch da was geändert bei der FDP.
[Jakob Hein]