25.05.2012 von Heiko Werning
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Ich bin dick, Ihr seid doof

von Heiko Werning

I. Vorgeschichte

Als der taz-Redakteur anruft und fragt, ob ich nicht anlässlich des Anti-Diät-Tages gegen die Diskriminierung von Dicken, von dessen Existenz ich auf diese Weise also auch noch erfahren muss, einen Kommentar schreiben möchte, muss ich zunächst auflachen.  Klar, da muss natürlich der Dicke ran. Max Goldt fällt mir ein, der sich einst darüber ereiferte, dass er von der „Titanic“-Redaktion gefragt worden sei, einen Artikel über das damals gerade in Mode gekommene öffentliche Outing von sich diesbezüglich bedeckt haltenden Schwulen zu schreiben. Warum er bloß immer irgendwie für schwule Themen gefragt werde und warum seine Bücher in Buchhandlungen so oft bei Schwuler Literatur stünden, nur weil er schwul sei, fragte er in dem Text, indem er letztlich dann doch über das Outing schrieb.

Andererseits muss ich daran denken, dass ich einst einen Text schrieb, in dem ich das vorherrschende Schlankheitsideal satirisch behandelte. Ich dichtete zu diesem Zweck das Kinderbuch… weiter lesen

03.05.2012 von Jakob Hein
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Aus der Welt der Mode VI

von Jakob Hein

Auf unsere Äußerungen zum Thema Mode erhalten wir hier immer Hunderte Zuschriften. “Vielen Dank für Eure tollen Tipps”, beginnt die typische Rückmeldung, “aber ich hätte da mal eine direkte Frage:” Häufiges Thema ist, wie man erkennen kann, ob einem ein bestimmtes Kleidungsstück aus der Reklame gut stehen würde oder nicht.

Hier mal eine Faustregel: Wenn es bei einem Fotomodell auf einem arrangierten und hinterher noch ausgiebig nachbearbeiteten Foto doof aussieht – dann glaub’ nicht, dass es bei Dir gut aussehen könnte. Jetzt mal ehrlich C&A: Was soll die Aktion? Das irgendwie zu knappe Unterteil und das irgendwie unentschlossen die Brüste plattmachende und zu den Seiten auseinanderdriftende Oberteil und die direkt aus dem Handarbeitsladen von Frau Krause gekauften Ohrringe (“Sie können das tragen, Frau Möhringer!”) vor allem aber dieser Bauchbinder! Was soll der uns sagen? “Noch zehn Zentimeter länger und dann frisst mich die Hexe.” Oder: “Für mich reicht es gerade… weiter lesen

02.05.2012 von Jakob Hein
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Meint denn das Pferd, das frei in der Steppe grast, es sei peitschenlos?

von Jakob Hein

Alles mal etwas ruhiger angehen: Benzos als Lebensmittel

 Der 2. Mai ist der traditionelle Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen. Dabei geht es gegen den Zwang zur Lohnarbeit, für die flächendeckende Einführung von Robotern, kein Schweiß für Geld und „Wir haben Zeit“. Doch vielleicht müssen sich gerade an diesem Tag die kämpfenden Massen auf der Straße fragen lassen, ob ausgerechnet die Bezeichnung „arbeitslos“ für sie zutreffend ist. So umstritten der Begriff von der Arbeit an sich ist, so viel klarer ist doch der von der Arbeitslosigkeit definiert. Wir können es vergleichen mit der Intelligenz. Jeder Mensch hat ein bestimmtes Profil geistiger Stärken und Schwächen. Der eine kann gut rechnen, der andere kennt sich mit Leguanen aus, der nächste ist geschickt im Handwerken. Mit dem Leguanwissen bekommt man keinen Nagel in die Wand, aberweiter lesen

01.05.2012 von Jakob Hein
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Nachrichten vom Niedergang der politischen Karikatur XXIV – Eine Sprechblase sucht ihre Bedeutung

von Jakob Hein

Nun ist es ja schwer, eine Meinung zu den Piraten zu haben, insbesondere da die Piraten viele Meinungen aber keinen Standpunkt zu haben scheinen. In Interviews hat man oft den Eindruck, dass die Herren die Antwort lieber kurz noch googeln würden. Sie haben sich aber fest vorgenommen, eine eigene Meinung zu haben, spätestens wenn sie in einer Koalition z.B. auf Bundesebene in Regierungsverantwortung kommen sollten. Das lobt man sich doch! Für viele Wähler sicher eine Riesenerleichterung, dass am Ende ihrer Stimme doch noch Politik herauskommen könnte und fast noch besser als die gute alte FDP.

Vieles gäbe es zu kritisieren oder zumindest kritisch anklingen zu lassen. Aber man kann sich auf den Zeichner Oliver Schopf eigentlich blind verlassen, dass er sowas zu keinem Thema macht. Hier wieder exemplarisch zu den Piraten: Ein Schiff – aha, ein Laptop – jaja und die Vögel (nur für Eingeweihte: Twitter) – soso. Aber dann… weiter lesen

01.05.2012 von Jakob Hein
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Auf dem Klo mit Konfuzius

von Jakob Hein

Früher rockten die Klosprüche irgendwie mehr

Morgen wird der traditionelle Kampf- und Feiertag der Arbeitslosen begangen. An diesem Tag wird nicht nur gegen den Zwang zur Lohnarbeit sondern auch gegen sinnlose Produkte demonstriert, weil diese mit verantwortlich sind für eine Spirale des Wahnsinns. Anstatt ein ordentliches Produkt herzustellen, das man stetig leicht verbessert und dann von Robotern gefertigt zu einem guten Preis verkaufen kann, werden immer wieder von Scheinbeschäftigten Scheininnovationen entwickelt und auf den Markt geworfen, um Menschen dazu zu bewegen, diese zu kaufen.

Eine besonders unangenehme Innovation in dieser Hinsicht ist das umweltfreundliche Toilettenpapier der Firma Zewa. Wir kauften es, da es das einzige mit einem blauen Engel zertifizierte Klopapier an diesem Tag war und der Darm nicht warten kann, bis Rossmann wieder Ware bekommt. Zum Lohn haben sich nun Rollen auf dem Papierhalter eingenistet, die auf jedem Einzelblatt einen Spruch zum Thema Umweltschutz haben. “Ihre… weiter lesen

28.04.2012 von Heiko Werning
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Walpurgisnacht Wedding

von Heiko Werning

Erstaunt stehe ich vor einem dieser großen grauen Kästen, die überall herumstehen und in denen irgendwas mit Strom oder Telefon drin ist. Auf diesem Kasten hier, mitten auf dem Mittelstreifen der Seestraße, mitten im Wedding, prangt ein neues Plakat: In zeitloser Optik steht eine weiße Faust auf schwarzem Grund, in roter Schrift steht daneben: „Nimm was dir zusteht!“ Ach, mir wird ganz warm ums Herz. Lange nicht mehr gesehen, und dann auch noch außerhalb der Baiz: Echte Autonomen-Folklore. Was dem Bayern Oktoberzelt und Lederhose und dem Rheinländer der Rosenmontag, sind dem Berliner bekanntlich seine putzigen Antikapitalisten samt zugehörigem Karnevalszug, der hier traditionell am Mai-Feiertag abgehalten wird. Man muss die Feste eben feiern, wie sie fallen. Und im fortgeschrittenen Frühjahr ist es auf jeden Fall erheblich wärmer als beim doch oft ungemütlich kaltem Karneval, da haben die Autonomen doch einen Sinn fürs Praktische bewiesen.

Was mich allerdings irritiert, ist die Ortsangabe… weiter lesen

27.04.2012 von Jakob Hein
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Das alles passt doch zum Muttertag wie die Panzerfaust aufs Auge

von Jakob Hein

Gelingt es, solche Blagen zukünftig aus unseren Kindergärten rauszuhalten?

Na gut, ich geb es  zu: Jetzt bin ich verwirrt. Bisher war ich immer davon ausgegangen, die Herdprämie (Spitzname “Das Betreuungsgeld”) würde dazu dienen, Mütter und Kinder aus sozial schwachen Familien aus den Kitas rauszuhalten. Das war für mich verständlich: Die halten ihre ungekämmten, verlausten, bildungs- und verhaltensschwachen Gören aus den Kindergärten raus, damit die Kita-Plätze nicht fehlen für die Anwälte, Ärzte und “Irgendwas mit Medien”. Zum Dank bekommen sie irgendein an den Bierpreis gekoppeltes Almosen, dass dann der Kindsvater nach eigenem Gutdünken anlegen darf. Weil damit auch noch die Mütter aus der Arbeitslosenstatistik herausgehalten werden und die für die Schönung der letzteren so wichtigen Plätze im Niedrigstlohnbereich für andere sozial Schwache frei lassen, schloss sich der Kreis in vollendeter Formschönheit. Am besten war dabei der Vorschlag von CDU-CSU-”Supervolker”-Kauder, zusätzlich dazu die Rentenleistungen zu erhöhen für Eltern von vor… weiter lesen

23.04.2012 von Jakob Hein
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Schafft ein, zwei, viele Urheberrechte ab!

von Jakob Hein

Es ist natürlich überfällig die Urheberrechtsdebatte zu führen, denn in unserer Welt können die freigelassenen Fische digitaler Kunstwerke ins Meer der vernetzten Daten nicht mehr einfach mit dem löchrigen Kescher analoger Gesetze eingefangen werden. Andererseits gibt es zahlreiche Fischzüchter, die den Wunsch verspüren, für ihre Fischproduktion bezahlt zu werden. Nach langem, reiflichen Überlegen eines riesigen Schwarms aufgeregt zwitschernder Vögel konnte herausgefunden werden, wer Schuld ist an diesem Dilemma: Die Verwerter. Bei den Verwertern handelt es sich um eine globale Weltverschwörung schlechter Menschen, die Künstler nur als Minen betrachten, aus denen sie das Gold für ihre riesigen Prachtvillen mit beheizten Swimmingpools schürfen. Die Künstler sind irgendwann nur noch leere, erschöpfte Hüllen ihrer selbst, die das Geld bei den Kunstfreunden einsammeln, aber nichts davon abbekommen, weil es automatisch in die Taschen der Verwerter fließt. Die Verwerter rauchen Zigarren und lachen hämisch, wenn sie sich auf ausschweifenden Partys in ihren Geldspeichern treffen. Diesenweiter lesen

21.04.2012 von Jakob Hein
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Tatort: Es ist böse

von Jakob Hein

Typisch Tatort: Endstation Morden

Man muss wirklich kein Tatort-Fan sein, um sich auf den neuen Fall der Frankfurter Ermittler zu freuen. Joachim Król als Kommissar Frank Steier war schon immer Garant guter bis sehr guter schauspielerischer Leistungen, aber natürlich ist es Nina Kunzendorf, die mit ihrer Darstellung der Kommissarin Conny Mey alles überstrahlt. Diese Figur ist wirklich ein Glücksfall, denn hier ist der ernsthafte Versuch unternommen worden, eine wahrlich postfeministische Frau darzustellen, mit der Betonung auf dem „feministisch“ und nicht auf dem „post“. Conny Mey ist ein paar Tage älter als 25 und sieht fantastisch aus. Sie lebt allein und ist doch nicht einsam. Sie trägt Cowboystiefel, enge Jeans und riesige Ohrringe, und zwar nur, weil ihr das selbst gefällt. Sie hat ein Sexualleben, in dem sie weder Hure noch Heimchen ist. Was für eine großartige Idee, Nina Kunzendorf mit dieser Rolle zu betrauen, die vorher auf sensible,… weiter lesen

20.04.2012 von Jakob Hein
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von Jakob Hein

SZ v. 20.04.12

Otto Rehagels Jahre in Griechenland haben ihm gut getan, denn offensichtlich hat er neben etlichen Hektolitern Retsina auch noch einiges an griechischer Philosophie mitbekommen. Er vermag es, Fragen zu stellen, deren Beantwortung seine Schüler klüger machen, als es ihm durch das Erteilen von Antworten jemals hätte gelingen können. Klar, der Georgier Kobiashvili liegt mit seiner ersten, einen roten Karte als Verteidiger weit unter dem Bundesliga-Durchschnitt und bei einem Fünftel von Rekordhalter Jens Nowotny.

Aber was heißt das alles im Zusammenhang mit dem “Zweiten Weltkrieg”? Wurden damals mehr rote Karten verteilt oder weniger? Gibt es überhaupt erst Karten seit dem “Zweiten Weltkrieg”, als Symbol des Entsetzens der Engländer über den Krieg, die rote Karte zu zeigen, um nicht den Krieg erwähnen zu müssen? Woher hat Rehhagel seine Statistik? Ist es gefühltes Wissen? Ist es Altersmilde, die aus ihm spricht? Wenn das die Dinge… weiter lesen