Eva Herman – Nachschlag

BamS-Titelseite (Ausschnitt), 3.9.2006
Schon lange haben Experten davor gewarnt, dass ein neuer, verheerender Terror-Anschlag vor der Tür steht, mit einer Waffe, so furchtbar, dass sie alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen könnte, und dass man gerade zum fünften Jahrestages des 11. Septembers mit dem Schlimmsten rechnen müsse, und wir haben gedacht: Ach was, das ist doch alles nur Panikmache, es kann immer und überall etwas passieren, die wollen doch nur Ihre Überwachungsstaatfantasien durchsetzen. Wir haben die Bedrohung einfach nicht ernst genug genommen, und jetzt ist es passiert, niemand ist eingeschritten, keiner hat es verhindert, nun ist es zu spät:

Eva Hermans neues Buch „Das Eva-Prinzip“ erscheint in dieser Woche. Ich hatte mich zu der Dame ja schon hier geäußert, und inzwischen sind dazu einige Diskussionsbeiträge eingetrudelt, die zu lesen sich durchaus lohnt. Was man von dem Buch schon mal ganz sicher nicht sagen kann.

Der schweizerische Pendo-Verlag, der diese schmutzige Bombe zusammengebaut hat, kündigt seine Forderungen in seinem Bekennerschreiben wie folgt an: „Eva Herman plädiert für eine Rückkehr zur traditionellen Wahrnehmung der Geschlechter, um die Familie und damit die ganze Gesellschaft vor dem Aussterben zu bewahren. Zurück in die Steinzeit? Nur auf den ersten Blick. Auf der Suche nach Bestätigung haben sich die Frauen in eine männliche Rolle drängen lassen, angriffslustig, aggressiv, zu Teilen selbstherrlich, und nun haben sie auch den letzten Schritt vollzogen: Sie wollen nicht mehr gebären. Deshalb ist es das zentrale Anliegen des Buches, Frauen ihre Weiblichkeit neu entdecken zu lassen. Was bleibt, was gibt meinem Leben Halt und Sinn? Ein mutiges, überzeugendes Buch, das das Leben jeder Frau verändern wird – und vielleicht auch das Leben einiger Männer.“

Eva Herman selbst äußert sich dazu gestern doppelseitig in einem Interview mit der Bild am Sonntag, die sich die Chance auf die entsprechende Schlagzeile natürlich nicht nehmen ließ.

Im Interview erfährt man interessante Dinge, z. B.: „Der Feminismus hat uns eingeredet, dass eine Frau alles erreichen kann, was sie will: Kinder und Karriere. Das ist ein Trugschluss.“ „Manchen Frauen bleibt unbewusst, dass sie sich zunehmend von ihrer Weiblichkeit und einer ihrer größten Aufgaben entfernt haben: Kinder, Familie und ein harmonisches Heim zu haben.“ Eine der größten Aufgaben einer Frau ist es, ein „harmonisches Heim“ zu haben? Na ja. „Ich bin davon überzeugt, dass sich Frauen wie Männer auf ihre zugedachten Rollen besinnen müssen.“ Lustig in dem Zusammenhang, dass Frau Herman derzeit in ihrer vierten Ehe lebt. Und zwar – ausgerechnet – mit einem Hotelier, einem Berufsstand also, von dem man doch hofft, er möge sich ein wenig damit auskennen, wie man es heimelig macht. Wenn das mal gut geht, denn als selbst die BamS-Leute etwas konsterniert nachfragten: „Der einzig wahre Platz einer Frau ist also der zu Hause?“, antwortet Frau Herman: „Ja, denn eine Frau ist viel eher in der Lage, das Haus heimelig zu machen, schöne Kerzen platzieren, Blumen aufzustellen und Apfelkuchen zu backen.“ Das hätten die Kollegen von der Titanic sich auch nicht besser ausdenken können, wie man natürlich überhaupt den Eindruck hat, dass das alles sehr, sehr kalkuliert ist, aber das nur am Rande. Jedenfalls dürfte die Grundlagenforschung da noch einiges zu tun bekommen, wenn sie jetzt eine genetische Prädisposition fürs Kerzenaufstellen und Apfelkuchen backen finden muss. Und wie ist es eigentlich mit Erdbeerkuchen? Und Pfannkuchen? Alles Mutterkuchen? Und wie geht es eigentlich den Männern dabei? „Männer leiden darunter, wenn sie zu immer mehr Aufgaben gedrängt werden, zu denen sie keine Lust und auch keine besondere Veranlagung haben.“ Im Gegensatz zu Frauen, die ja bekanntlich erst so richtig aufblühen, wenn man sie zu Aufgaben zwingt, zu denen sie eigentlich keine Lust haben. Das meint vermutlich auch der Leser, der Verständnis dafür zeigt, dass „immer mehr deutsche Männer sich ihre Ehefrauen aus Osteuropa holen. Und das wird vermutlich auch Frau Herman verstehen, die sagt: „Männer haben nur in seltenen Fällen freiwillig Hausarbeiten übernommen oder Kinder aufgezogen. Aufgrund ihrer Veranlagung sind sie dafür auch nicht unbedingt vorgesehen.“ Wieder die ominöse „Veranlagung“. Das kommt eben dabei rum, wenn Leute, die dem intellektuell nicht gewachsen sind, mit biologischem Sechzehntelwissen in Berührung kommen. Bei aller Liebe zu den Genen – Hausarbeiten dürften darauf kaum programmiert sein. Das beirrt Frau Herman aber nicht, denn sie weiß auch, was passiert, wenn frau Männer zur Hausarbeit zwingt: „Dann verunsichert man die Männer, sie fühlen sich nicht ernst genommen – das kann zu psychischen Problemen führen. Es gibt in Deutschland übrigens nur fünf bis sieben Prozent Hausmänner. Und in 98 % dieser Fälle gehen die Ehen kaputt.“ Wo auch immer diese Zahlen herkommen – Frau Herman alleine bringt es ja immerhin, siehe oben, auch schon auf 75 % gescheiterter Ehen, und das, obwohl ihre Männer nicht zu Hausarbeiten gezwungen wurden, und wenn ihr jetziger Typ nicht völlig bekloppt ist, wird sie bald bei 100 % sein. Vermutlich wird sie sich dann mit Folgendem trösten: „Wir Frauen müssen endlich kapieren, dass Männer höchst eigenständige Wesen sind und wir sie uns nicht anders backen können.“ Und das trotz der natürlichen Back-Veranlagung. Ein Jammer.

Sollen Frauen wegen all dem nun ganz auf Beruf und Karriere verzichten? Keineswegs, da ist die Eva ganz progressiv, nur sollten halt vorher Kinder produziert werden: Im Alter „zwischen 20 und 30 Jahren“ sollten Frauen gebären, „also viel früher, als es heute meist passiert. Zeit für die Karriere ist immer noch, wenn die Kinder aus dem Haus sind.“ Klar. Da es ja auch mehrere Kinder sein sollen – „Ich würde mir einen Mann suchen, ihn arbeiten lassen und mich um unsere fünf Kinder kümmern“ – dürfen wir also getrost davon ausgehen, dass bei zeitigem Start die Produktion mit, sagen wir, im günstigsten Fall 28 Jahren beendet ist, und wenn die Brut dann mit 20 auch wirklich vor die Tür gesetzt wird, dann ist Mama 48 und kann in aller Ruhe mit ihrer Karriereplanung beginnen. Als Putzfrau z. B. stehen einem da sicher noch viele Möglichkeiten offen.

Schön, dass Frau Herman das alles selbst präzise auf einen Punkt bringt. Die BamS-Kreaturen fragen: „Sie werfen den Frauen vor, viel zu männlich geworden zu sein. Sagen Sie mal ein Beispiel.“ Frau Herman antwortet: „Das drückt sich nicht nur im Job, sondern in ganz alltäglichen Verhaltensweisen aus. Wir reden unseren Männern doch schon rein, wenn sie uns mal überraschen wollen. Bestes Beispiel: Der Mann lädt die Frau in ein Restaurant ein. Die sagt: Ist ja ganz schön, aber warum gehen wir nicht in ein anderes Restaurant? Klar, dass der Mann da enttäuscht ist.“ Allerdings. Das beste Beispiel überhaupt. Und was folgt daraus? „Warum müssen wir immer alles mitbestimmen?“ Um dann zu fordern: „Ich finde, wir Frauen sollten öfter einfach mal den Mund halten.“ Und in diesem einen Punkt, dieses eine einzige Mal und in diesem einen einzigen Fall, sei Eva Herman dann doch ausdrücklich Recht gegeben.

Kommentare (4)

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

  1. Pingback: Sitzt der Putzfimmel auf dem X-Chromosom? #AufAugenhöhe | Rush-Hour des LebensRush-Hour des Lebens

  2. Pingback: Lesebühnenautor (ich) entdeckt bestürzende Allianzen « Schnipselfriedhof

  3. Als nächstes legt E. H. dann wohl den TV-(Arbeits-)-Künstlernamen ab (eigentlich Herrmann) und nimmt – als treusorgende Mutter, Ehe- und Hausfrau, Handtaschen- und Schuhkäuferin – den Namen ihres derzeitigen Gatten an: Bischoff, Eva Bischoff. Bekommt Eva B. bei der Adoption entsprechender Mengen Kinder (für die erforderliche Anzahl eigener wird es evtl. etwas eng – hätte sie bloß früher angefangen) auch wirklich das EMMA-Mutterkreuz? Und wer sagt ihr das alles?

  4. Frauen sollten öfter mal dieses methaphysische Dingens LIEBE und alles was damit liberal marktschreierisch wandelt überdenken und sich aufs Greifbare besinnen.
    Wie wäre es denn mal mit einem kategorischen Imperativ, wie- Ich wärme dich.