30.03.2007 von Heiko Werning

Als Charles Darwin 1840 auf der südwestchilenischen Insel Chiloe ankam, war er ziemlich gar: Die Umsegelung von Kap Hoorn galt damals als eine der gefährlichsten Passagen der gesamten Schifffahrt, und auch die Beagle wurde ordentlich durchgeschüttelt und schaffte es erst im zweiten Anlauf. Die südchilenische Pazifikküste dann ist über endlose Streckenabschnitte unbesiedelt, nur kalte Regenwälder, Eisfelder, Fjorde. Und Chiloe bot den Forschungsreisenden zwar erstmals seit Wochen wieder menschliche Zivilisation, aber das Wetter ist in dieser Region Chiles permanent regnerisch und kühl, entsprechend ist einfach alles durchnässt, klamm, kalt, unangenehm. Genau hier stieß Darwin auf kleine, außergewöhnliche Fröschchen, die in großer Zahl über den Waldboden huppelten.
Seltsam sahen sie aus, die nur etwa daumennagelgroßen Tiere. Überall am Körper hatten sie kleine Verwachsungen, Nöppel auf der glitschigen Haut, kantige Hautsäume und einen spitzen Schnauzenfortsatz, der wie eine kleine Nase aussah.




Die Tiere waren knallig grün oder braun oder beides… weiter lesen
25.03.2007 von Heiko Werning
Am morgigen Montag wird Wolf Biermann die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin aus der Hand des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit entgegennehmen. Schon jetzt kann man sagen, dass diese Verrichtung einer der Glanzpunkte der Stadtgeschichte sein wird. Sind solche symbolischen Akte sonst ja vor Langeweile vollständig unerträglich, wird morgen in geradezu perfekter Weise ein kurzer Moment der Wahrheit und Klarheit im drögen Zeremoniengrau aufblitzen.
Biermanns größte Fähigkeit ist Krach. Dabei sind jetzt gar nicht die Lieder gemeint – zu denen mag man stehen, wie man will, ich finde sie uninteressant bis peinlich –, sondern seine Gesamtperson. Wäre Biermann ein Auto, dann wäre die Tankanzeige seine Trefferzahl beim Ego-Googeln. Bei 0 ist Sense, dann geht nix mehr. Und deshalb sorgt Biermann immer schön für Treibstoff. Wolf Biermann ist ein Auto. Der Mann existiert nur in der Reflexion der Medien, und deswegen macht er den lieben langen Tag Krawall, wo immer es geht, ob… weiter lesen
25.03.2007 von Heiko Werning
So, runter mit Walser. Jetzt mal richtige Literatur: Der Salbader Nr. 37 ist nun im Netz.
Schön wie immer.
16.03.2007 von Heiko Werning
Eine der widerlichsten Stellen der jüngeren deutschen Literaturgeschichte ist fraglos die Passage in Martin Walsers Machwerk “Tod eines Kritikers”, in der das “literarische Quartett” in einer wirren Zukunftsvision diffamiert wird. Zwei Mal schon habe ich sie vorgetragen, im Rahmen der Veranstaltungen “Der Aal im Nationalsozialismus” bzw. “Juden raus – Aale rein” von Dietmar Bartz und mir, als Beleg dafür, wie der Aal als antisemitisches Klischee missbraucht wird. Bei Walser in aller Deutlichkeit; er zeichnet Marcel Reich-Ranicki als jüdischen Aal, dass es nur so glipscht. Literarisch unter aller Sau, inhaltlich indiskutabel, und hätte Walser einen Funken Ehre am Leib, würde er sich zu seinem nun anstehenden 80. Geburtstag allein dafür in ein tiefes Kellerloch verkriechen und vor Scham weinen.
Macht er aber nicht, stattdessen hat er sinnloses, selbstverliebtes Zeug aus seinen Tagebüchern zusammengeschmiert, und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat´s veröffentlicht (als Teil der Wiedergutmachungen für Frank Schirrmachers Antisemitismus-Vorwurf, der die “Kritiker”-Debatte… weiter lesen
13.03.2007 von Heiko Werning
Und nochmals gefährliche Tiere: In Berlin gibt es bereits seit zehn Jahren eine Regelung zur Haltung gefährlicher Tiere. Ein Fall hat kürzlich hier Aufmerksamkeit erregt. Ein Terrarianer pflegt Giftschlangen in der Wohnung eines Mietshauses in Pankow, mit allen erforderlichen Genehmigungen und Voraussetzungen (dazu gehört: Nachweis der eigenen Zuverlässigkeit via polizeilichem Führungszeugnis; Nachweis von Sachkunde beim Amtsveterinär; entsprechend gesicherte und geeignete Anlagen; Serum wird vorrätig gehalten).
Die Nachbarn aber bekamen Wind davon und rotteten sich zusammen: Da der zuständige Amtsveterinär … weiter lesen
12.03.2007 von Heiko Werning
Seit über einem Jahrzehnt wird die Terraristik in Europa immer beliebter. Schlangen, Vogelspinnen und Leguane in Wohnungen sind längst kein seltener Anblick mehr, und dank der rasant gewachsenen Kenntnisse und technischen Möglichkeiten bereitet die Haltung der meisten „gängigen“ Arten heute auch keinerlei Probleme mehr.
Dennoch haben viele Menschen natürlich mit derlei Getier nichts am Hut, und entsprechend misstrauisch beäugen sie das Geschehen. Dies umso mehr bei Arten, gegen die in weiten Teilen der Bevölkerung ebenso hartnäckige wie ärgerliche Vorurteile herrschen, siehe eben Schlangen und Spinnen.
Andererseits ist nicht zu leugnen, dass es unter diesen Tieren auch Vertreter gibt, mit denen wirklich nicht gut Kirschen essen ist. Giftschlangen sind real gefährlich, manche Spinne (allerdings eben nicht die „gefährlich“ aussehenden Vogelspinnen) ebenfalls, und in Ausnahmefällen kann auch eine sehr große Riesenschlange für Ungemach sorgen. Das hat in einigen Bundesländern dazu geführt, dass die Haltung von potenziell gefährlichen Tieren reglementiert wurde. Bayern, Berlin,… weiter lesen
11.03.2007 von Heiko Werning
Da schreibt Jochen Reinecke mal eben so *den* Frühjahrshit über das Bloggen.
[Und ich melde schon mal meinen Anspruch an, dass er ihn bei seinem Gastauftritt bei den Brauseboys am 19. April dort live zu Gehör bringt. Ich will mit scha-la-la-len. Oder rufe an geeigneten Stellen als Backgroundchor immer mal ein "Don Don Don" dazwischen.]
10.03.2007 von Heiko Werning
Falls jemand, der hier mitliest, den Artikel in der taz von gestern nicht mitbekommen hat: hier ist eine aktuelle Zusammenfassung zum weltweiten Amphibiensterben (Amphibian Decline).
Und als Bonus zwei der tollen Nasenfrösche (Rhinoderma darwinii, Fotos: Mirco Solé & Philipp Ulmer) in Farbe:

