Wolf Biermann zur Berliner Ehrenbürgerwürde

von Heiko Werning

Am morgigen Montag wird Wolf Biermann die Ehrenbürgerwürde der Stadt Berlin aus der Hand des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit entgegennehmen. Schon jetzt kann man sagen, dass diese Verrichtung einer der Glanzpunkte der Stadtgeschichte sein wird. Sind solche symbolischen Akte sonst ja vor Langeweile vollständig unerträglich, wird morgen in geradezu perfekter Weise ein kurzer Moment der Wahrheit und Klarheit im drögen Zeremoniengrau aufblitzen.

Biermanns größte Fähigkeit ist Krach. Dabei sind jetzt gar nicht die Lieder gemeint – zu denen mag man stehen, wie man will, ich finde sie uninteressant bis peinlich –, sondern seine Gesamtperson. Wäre Biermann ein Auto, dann wäre die Tankanzeige seine Trefferzahl beim Ego-Googeln. Bei 0 ist Sense, dann geht nix mehr. Und deshalb sorgt Biermann immer schön für Treibstoff. Wolf Biermann ist ein Auto. Der Mann existiert nur in der Reflexion der Medien, und deswegen macht er den lieben langen Tag Krawall, wo immer es geht, ob er Dylan-Texte in Biermannsch übersetzt und dabei „mit dem Original ungefähr so pfleglich umgegangen ist wie ein Rudel Hyänen mit einem Einhornkadaver“ (Gerhard Henschel) oder ob er sich zur politischen Weltlage äußert – immer lässt er das ganze Universum nur um seine Person kreisen und immer hat er den Volume-Regler unerbittlich am Maximal-Anschlag.

Und genau deswegen, nur, auschließlich, exklusiv deswegen, ist er der ideale, der bestmögliche Ehrenbürger dieser Stadt, in der Gepöbel, Gekrähe und Gewinde ohne jeden Sinn und Verstand nun einmal die Primärtugenden Nummer eins, eins und eins sind. Und ebenso wie der Berliner einen nicht unerheblichen Teil seines grundlosen Selbstbewusstseins aus der Tatsache zieht, dass alle anderen ihn furchtbar finden, so missinterpretiert auch Biermann das allgemeine Genervtsein von seiner Person als Qualitätsmerkmal. Und deshalb lässt er sich also die Ehrenbürgerwürde auf Vorschlag von Leuten (CDU/Grüne/FDP), von denen er sicher weiß, dass sie ihn mehrheitlich nicht leiden können, überreichen, und zwar dann von Leuten, die offen dagegen opponiert haben und die er selbst gerade mal eben in neuerlicher Krawallflatulenz als „verbrecherisch“ bezeichnet hat.

Nun kann man viel einwenden gegen die rot-rote Regierung in Berlin, aus unterschiedlichsten Perspektiven und Gründen. Aber verbrecherisch? Eine immerhin demokratisch gewählte, ja sogar per Wiederwahl bestätigte Regierung? Putzig, dass Biermann, der auch wegen seiner Oppositionshaltung zur DDR-Führung geehrt wird, ein Demokratieverständnis an den Tag legt, das vollständig deckungsgleich mit dem der ehemaligen DDR-Führung ist.

Man muss sich das Szenario einfach nur kurz vor Augen führen und dann genießerisch mit der Zunge schnalzen: Wowereit ehrt jemand, der ihn tags zuvor noch als Verbrecher geschmäht hat, während Biermann die Würde aus der Hand von jemand entgegennimmt, den er selbst für „verbrecherisch“ hält und der offen gegen die Verleihung an seine Person war.

Wie schön, dass ausgerechnet das Wort „Ehre“ in dieser Bürgerschaft steckt. Hätte einer der beiden Beteiligten auch nur Spurenelemente davon am Leib, würde sich der eine nicht derart demütigen lassen, jemand eine Würde auszusprechen, der ihn und seine politische Arbeit beleidigt und fundamental diffamiert, während der andere es sich kaum gefallen lassen dürfte, eine Ehrung aus der Hand eines Verbrechers empfangen zu müssen.

Den einen Aspekt hat Biermann selbst durchaus erkannt. So äußerte er: „Dass der Wowereit mir die Ehrenbürgerwürde verleiht – das gönne ich ihm!“ Bleibt aber anzufügen: Dass der Biermann sich von jemand wie Wowereit die Ehrenbürgerwürde verleihen lässt – das wiederum gönne ich ihm.

Und dass Berlin solche ehrlosen Ehrenbürger und Bürgermeister hat – das hat schon alles seine Richtigkeit. Eine gute Wahl also. Man soll ja auch mal loben, wenn etwas richtig gemacht wird.


4 Kommentare zu "Wolf Biermann zur Berliner Ehrenbürgerwürde"

  1. UND AUCH DU SCHNÖSEL-vergleiche die kommentare von artalk – dazu – AUCH DU SÜßER SCHNÖSEL hast VERGESSEN,
    DIE UHR ZEIT
    DA
    REINZUSETZEN!!!
    fünf.
    setzen bitte.
    :]
    eine “freundin von URAHNE!”

  2. Pingback: LokBlog » Heiko Werning über Biermann

  3. http://artalk.de/gespraechsprotokolle.txt
    SCHIß?!
    HASTE GELÖSCHT DAS VON GESTERN!!!
    [siehe auch die presse von nächste woche da stehtet jenau drin...]

  4. Hä? Ich habe überhaupt nichts gelöscht, nicht von der Seite jedenfalls. Das ca. halbe Dutzend Kommentare mit jeweils einem x-fach aufgeführten Link, der zu einem Screenshot führte, der ebenso wenig mit diesem Beitrag zu tun hat wie der jetzt einkommentierte Link, den ich aus dokumentarischen Gründen mal stehen lasse, habe ich als Spam betrachtet.

Kommentar Schreiben

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*


*