Schöne Ostern: Katholiken essen Schildkröten auf
von Heiko WerningFolgenden kleinen Ostergruß des Zoologen und Herpetologen Christian Neumann stelle ich doch gerne ein:
Ostern steht vor der Tür. Für mich haben die kommenden Feiertage aber einen wahrhaft üblen Beigeschmack. Deshalb ein paar kurze Zeilen:
Von Donnerstag bis Montag werden weltweit wieder Millionen von Schildkröten sterben, z. T. überaus qualvoll. Die Übeltäter sind in diesem Falle nicht die Chinesen (die bekanntlich sehr gerne Schildkröten verzehren), nein, es sind die Katholiken, insbesondere im tropischen Amerika.

Südamerikanische Flussschildkröte (Podocnemis expansa) Foto: H. Werning
Da die Armut der Kolonisten in Südamerika immer sehr groß war und man in der Karwoche bekanntlich kein Fleisch essen darf, habendie damaligen Kirchenvertreter kurzerhand alle im Wasser lebenden Tierarten als Fische deklariert. So kennen und lieben wir die katholische Kirche: Was nicht passt, wird passend gemacht. In diesem Sinne gelten sowohl Schildkröten, Krokodile als auch Wasserschweine bei den Katholiken Lateinamerikas als Fische. Ein zoologischer SuperGAU! Das stellt die zoologische Systematik doch ganz schön auf den Kopf.
Über die Kreationisten in den USA wird ja immer geschimpft, da sie die Evolutionstheorie ablehnen. Aber DIE können wenigstens noch einen Fisch von einem Reptil unterscheiden. Da haben die ehrwürdigen Pastoren und Kardinäle der Kolonialzeit wohl beim Abendmahl zu tief in die Weinflasche geschaut …
Verwunderlich nur, dass diese Tradition 500 n. Kolumbus immer noch zelebriert wird. Man hat wohl Geschmack an den possierlichen Tierchen gefunden. Noch verwunderlicher, dass die Kirche kein Machtwort spricht, da viele Schildkrötenarten insbesondere durch den Osterkult vor dem Aussterben stehen, u. a. die Arrau-Schildkröte (Podocnemis expansa) – die größte Süßwasserschildkröte Südamerikas.
Schlimmer noch trift es die Köhler- und Waldschildkröten (Geochelone carbonaria und G. denticulata). Die werden, gleich einem Hummer, lebend in kochendes Wasser geworfen. Mancherorts wird danach die Schildkröten-Pastete direkt aus dem Panzer gelöffelt. Beliebt auch das Wasserschildkröten-Kartoffelsüppchen. Vor einigen Jahren war ich mal bei den Fischern am Orinoco zum Essen geladen. Völlig unbedarft löffelte ich genüsslich mein vermeintliches Kartoffelsüppchen. Beim wiederholten Umrühren – den Zentrifugalkräften sei Dank – zogen plötzlich (blubb blubb) zwei verkochte Schildkrötenschädel ihre Kreise am Tellerrand. Na, guten Appetit!
Man sagt ja so schön: “Andere Länder – andere Sitten.” Schön und gut, aber das rechtfertigt weder die Entnahme der Tiere aus der Natur noch den unkontrollierten Massenkonsum zur Osterzeit bis an den Rande der Ausrottung. Wie Ihr ja wisst, betreiben wir einige Schildkröten-Arterhaltungszuchten. Da freut man sich über jedes Schildkrötenbaby, dass es aus dem Ei schafft. Aber so viele wie jedes Jahr von Homo sapiens gefressen werden, können wir mit unseren Zuchten gar nicht nachliefern.
Dabei wäre die Lösung so einfach: Der Papst müsste nur sagen: Keine Schildkröten mehr zu Ostern. Damit wäre nämlich nicht die Schildkröte, sondern das Problem gegessen – “Urbi et Orbi”
In diesem Sinne: Euch allen schildkröten(fleisch)freie und damit FROHE OSTERN!!!
Euer Christian Neumann
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Schade, daß niemand die Katholiken als *verzehrbar* deklariert. Dann wären bald sogar MEHRERE Probleme auf einmal gelöst
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Der Sinn des Fastens in der Karwoche besteht darin kein Fleisch zu essen. Wenn in Südamerika einige Leute sich dann eine Schildkrötenspezialität auf den Teller hauen, können sie auch gleich Fleisch essen, denn sie haben das Fastenprinzip genausowenig verstanden wie die, die in Deutschland Fischspezialitäten in der Fastenzeit essen.
Das Problem sind also nicht die Christen sondern die, die Christlichkeit heucheln und damit genauso widerlich sind wie einzelne Personen die hier zum Kannibalismus aufrufen.
Frohe Ostern!