Noch mehr Globalisierungspresseschau

von Heiko Werning

Überraschung beim Tagesspiegel: eine kluge, ausführliche Analyse von Dagmar Dehmer zum Wahn von SPIEGEL und anderen “Klima-Skeptikern”:

“Der Klimawandel ist eine Nummer zu groß für unseren Kopf. Deshalb wollen wir in regelmäßigen Abständen hören, dass das Problem gar nicht so groß ist – und es schon nicht so schlimm kommen wird. Die abenteuerlichen Thesen der Klimaskeptiker auf einem Titelblatt dienen der seelischen Entlastung. (…)

Es ist kein Wunder, dass nach der Veröffentlichung der drei Berichte des Weltklimarats (IPCC) nun wieder die Stunde der „Skeptiker“ – oder genauer gesagt: der Leugner – schlägt. (…) Der IPCC ist ein Wissenschaftlergremium, das vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) und der Welt-Meteorologie-Organisation (WMO) gemeinsam gebildet wurde. (…) Fazit: Es gibt keinen vernünftigen Zweifel mehr daran, dass die gegenwärtige globale Erwärmung auf menschliches Handeln zurückzuführen ist. Die Folgen werden ungerechterweise gerade da am verheerendsten sein, wo das Problem nicht verursacht wurde, nämlich in den Entwicklungsländern. (…)

Dieser Konsens allerdings langweilt auch die Medien. Wenn sich alle einig sind, muss es doch irgendwo eine Gegenposition geben. Und dann muss eben ein Magazintitel so zurechtgebogen werden, dass die „Klimagewinner“ im Mittelpunkt stehen oder mit hahnebüchenen Argumenten die „Klimalüge“ gegeißelt werden kann. Das hat neben der Provokation den Vorteil, dass man es den Gutmenschen vom „linken Mainstream“ mal wieder zeigen kann.”

Und in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung eine wunderbare Abrechnung von Harald Staun mit den geschmacklosen Afrika-Ausgaben von “Bild” und “Vanity Fair” unter dem Titel “Der Hochglanz der Armut” (nicht kostenfrei online):

“Geldorf gelang es nicht nur, die Komplexität des Themas noch weiter zu reduzieren, er trommelte auch eine “einmalige Koalition” aus Künstlern, Unternehmern, Politikern und Sportlern zusammen, die von der deutschen Regierung forderte: “Machen Sie endlich Schluss mit dem Elend!” Außer Marie-Luise Marjan fehlte kaum ein prominenter Armutsgegner auf der Liste, und dennoch erhöhte es eher die Ratlosigkeit, dass auch Angela Merkel und George W. Bush so deutliche Töne gegen die deutsche Regierung anschlugen. Aber wer weiß: Vielleicht half die Aktion ja tatsächlich, ein paar Leute zu überzeugen, die Armut bisher für eine gute Sache hielten. (…)

Der Zaun um Heiligendamm ist der heimliche Star des Gipfels, man weiß alles über ihn. Das ZDF-Kulturmagazin “Aspekte” porträtierte ihn in seiner Reihe “1000 Meisterwerke”, und vermutlich hat er bald ein eigenes Blog. Offiziell ist es seine Aufgabe, die Politiker und das Volk, die Demonstranten und die Mächtigen zu trennen – in Wahrheit muss er die Welt erst einmal in diese beiden Gruppen einteilen. (…)

“Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann wurde übrigens (…) am Freitag auf “Vanity Fair Online” gefragt, was er an seinem freien Tag getan hat. Er antwortete: “Auch etwas Gutes. Ich habe ein paar Stockwerke unter dem Produktionsraum ein lebensgroßes Polyesterpferd für eine Charity-Aktion bemalt.” Das ist für Diekmann eine vergleichsweise vernünftige Beschäftigung. Aber so wahnsinnig das auch klingt: Man kann nur hoffen, dass all die Hobby-Journalisten bald wieder Musik machen. Es ist das kleinere Übel.”

Wobei in dem Zusammenhang auch noch auf die Würdigung der Afrika-”Bild”-Ausgabe durch Reinhard Mohr auf SPIEGEL-online hingewiesen sei, denn angesichts des grassierenden Irrsinns heißt es dann ja doch: zusammenrücken.

“Wir dagegen denken, dass man diese Ausgabe der “Bild”-Zeitung aufheben sollte zum Beweis dafür, wie rasch moralische Beweggründe sich in einen wohlfeilen Moralismus verwandeln können, der in verlogenem Kitsch und objektivem Zynismus endet.”

[Nachtrag 14.06 Uhr: Herrjeh, und jetzt spinnt er schon wieder rum, der Herr Mohr. War wohl nur ein kurzer Anfall von Klarheit.]


Ein Kommentar zu "Noch mehr Globalisierungspresseschau"

  1. Pingback: Reptilienfonds » Blog Archive » Ein Herz für Afrika

Kommentar Schreiben

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*


*