Ein gutes halbes Jahr ist es her, dass die Ankündigung des Berliner Stadtmagazinkonglomerats Zittytip030usw in schönster Monopolistenmanier verkündete, von nun an Geld dafür zu verlangen, wenn man in einen der Terminkalender in irgendeiner Programmzeitschrift dieser Stadt aufgenommen werden möchte. Was für ein Clou! Man spart all die Redakteurs- bzw. Praktikantenstellen, die bislang die Veranstaltungshinweise in Form gebracht haben, indem man das zentral über eine Firma – nämlich die Cine Marketing GmbH – erledigen lässt, kassiert dann auch noch die Kulturveranstalter ab, damit ihre Veranstaltungen überhaupt angekündigt werden (“Wenn Sie bei uns nicht zahlen wollen, dann lassen Sie Ihre Hinweise doch woanders veröffentlichen, haha!”) und verkauft das Ganze dann wiederum an die Kunden, die “und natürlich das ganze Programm für zwei Wochen” oder wie das in der Werbung immer heißt haben wollen.
Das war – trotz der geballten Medienmacht dahinter – sogar der Berliner Kulturszene eine Nummer zu dreist, es gab allerlei Protest, und plötzlich sollte so alles nicht gemeint gewesen sein (schön in den Kommentaren hier im Reptilienfonds nachzuverfolgen). Für alle, die ihre Termine in eine Internet-Maske eingeben, sollte auch weiterhin die Aufnahme in den Terminkalender umsonst sein. Von der Internet-Maske fehlte damals jede Spur, dann war es ein halbes Jahr still um die Angelegenheit. Die meisten beschickten ganz normal weiter die Redaktionen mit ihren Veranstaltungshinweisen wie bislang auch und wurden berücksichtigt oder nicht wie bislang auch.
Nun ist es aber wohl so weit. Die Eingabe-Internetmaske ist online, ein 12-seitiges Benutzerhandbuch klärt über die notwendigsten Handgriffe auf – na ja, aber besonders kompliziert zu bedienen ist das Ding nicht. Wer allerdings mehr als ein paar Veranstaltungen hier und da einzugeben hätte, der dürfte schon ordentlich fluchen bzw. einen Praktikanten damit beauftragen (oder bezahlt eben doch die Cine Marketing dafür, das zu übernehmen).
Man kann sich einfach bei einer E-Mail-Adresse bei der Cine Marketing anmelden, angeben, für welche Orte man Veranstaltungen eingeben möchte – und bekommt umgehend die Freischaltung dafür. Ohne jede Prüfung der Person, also ob es diesen Veranstalter überhaupt gibt oder er ob er was mit den Orten, für die er sich meldet, zu tun hat. Und dann kann also der Freigeschaltete direkt in der Datenbank herumsausen und löschen und ergänzen, was er möchte. Die Redaktion der Cine Marketing bearbeitet die Einträge zwar, und danach sind sie für weitere Bearbeitungen gesperrt, aber Uhrzeit und Datum kann man als gemeldeter Veranstalter auch danach noch ändern. Und man kann natürlich bestehende Einträge, die noch nicht redaktionell gesperrt sind, nach Belieben ändern, also z. B. löschen und gegen was anderes ersetzen.
Mit anderen Worten: Jeder kann sich für Veranstaltungsorte seiner Wahl anmelden und auf diese Weise dem Programm, nun ja, sagen wir: einige interessante Wendungen geben.
(Natürlich konnte man auch früher einfach gefälschte Programme an die Redaktionen schicken. Aber: Ich nehme an, die Chance, dass diese bemerkt worden wären, wäre erheblich größer gewesen, wenn der Redakteur über zwei Meldungen für denselben Ort zur selben Zeit gestolpert wäre.)
Fassen wir also zusammen: Nach wie vor findet Zittytip es offenkundig ganz normal, dass die Leute, von denen es lebt und denen es seine Existenzberechtigung verdankt, dafür bezahlen, dass sie in den Terminkalender aufgenommen werden, wegen dem Zittytip überhaupt gekauft wird. Und wenn sie schon nicht bezahlen, dann sollen sie wenigstens die Arbeit für Zittytip erledigen, damit Zittytip dann diese Fremdarbeit gegen Geld verkauft. … weiter lesen