Archive for September 8th, 2008

08.09.2008 von Heiko Werning
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Invasion der Recherchefehler bei SPIEGEL-online

von Heiko Werning

Einmal mehr versucht SPIEGEL-online sich am Thema Reptilien & Co., und einmal mehr geht es gründlich schief. Diesmal dokumentiert Nicole Serocka ihre Ahnungslosigkeit zum Thema sowie ihren Unwillen, daran durch Recherche etwas zu ändern.

Schon im Teaser geht es in die Vollen: 200.000 Würgeschlangen sollen in Deutschlands Haushalten leben. Das klingt schön schaurig. Nun ist eine Würgeschlange allerdings jede Schlange, die ihre Beute durch Umschlingen tötet (ein Klick auf den angegebenen SPIEGEL-Wissen-Link „Würgeschlange“ hätte gereicht, um das herauszufinden). Dazu gehören also auch allerniedlichste kleine Nattern, die die übergroße Mehrheit der privat gehaltenen Schlangen stellen. Und die werden nirgends gemeldet, wir wissen also schlicht nicht, wie viele „Würgeschlangen“ in deutschen Haushalten leben. Die Schätzung der zitierten „Aktion Tier“ entbehrt jeder Grundlage.

Dann folgt das dramatische Einstiegsszenario in das Thema „Reptilienboom“ und „Invasion der Echsen“ mit der These: „Immer öfter tauchen sie [also die Gift- und Würgeschlangen] auch außerhalb ihrer Heime auf.“ Geschildert wird der Fall einer – tja: Ringelnatter. Die ist nicht nur harmlos, wie die Autorin einräumt, die ist vor allem kein Exot. Die lebt hier ganz regulär. Würde es sich dabei tatsächlich um „ein zunehmendes Phänomen in deutschen Städten“ handeln, wäre das ein schöner Erfolg für den Naturschutz. Und hätte sich die Szene auch nur näherungsweise so abgespielt, wie die Autorin schreibt, wäre sie zudem noch eine bemerkenswerte neue wissenschaftliche Erkenntnis: „Als Julia Ott an einem der sonnigeren Tage dieses Sommers über ihre Hofeinfahrt im fränkischen Rottenstein geht, bekommt sie einen ziemlichen Schrecken: Nur wenige Meter von ihr entfernt liegt eine 120 Zentimeter lange, zusammengerollte Schlange. Während Ott abrupt stehen bleibt, richtet sich das schwarz-gelbe Reptil plötzlich s-förmig auf und fixiert die junge Frau. Die Drohgebärde erinnert Ott an eine gefährliche Kobra.“ Genau so reagieren Ringelnattern gerade nicht auf Bedrohung. Die kriechen entweder ganz fix davon, oder sie stellen sich tot, lassen die Zunge raushängen und quetschen zur Not noch einen Tropfen Blut aus dem Maul, damit es auch wirklich echt aussieht. Die Szene im fränkischen Rottenstein dürfte mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit schlicht frei erfunden sein.

Vollends daneben greift die Autorin dann ausgerechnet … weiter lesen

08.09.2008 von Heiko Werning
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… und kaum, dass ich einmal nicht müde bin, ist der Sommer schon wieder vorbei

von Heiko Werning

Und zum Glück auch die Sommerinterviews im Fernsehen, ein hochgradig bizarres Sommerlochphänomen, dem ich mich in einem Kommentar gewidmet habe: Wenn die Kuhglocken tosen, drüben, in der jungle world.