Archive for September 23rd, 2008

23.09.2008 von Heiko Werning
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Jürgen Witte über das Finanzdebakel und David Foster Wallace

von Heiko Werning

Das ist ja das Schöne an Lesebühnen. Zwar kann so ein Abend jederzeit auch komplett absaufen, so wie die Reformbühne Heim & Welt am Sonntag vor einer Woche, und eine Woche später kann sie zu Höhenflügen ansetzen, so wie die Reformbühne Heim & Welt am vergangenen Sonntag. Dort las Jürgen Witte, Wirtschaftstheoretiker aus Leidenschaft, folgenden klugen Text vor, den er mir für den Reptilienfonds zur Verfügung gestellt hat:

Wie sang schon Bob Dylan? He was anly a hobo, but one more is gone

© Jürgen Witte 2008

Ich lobe nicht oft, und wenn, dann fällt mein Lob meist so aus, dass es viele Leute als solches gar nicht erkennen. Höchstes Lob für einen Schriftsteller, zum Beispiel, das klingt dann aus meinem Munde etwa so: »Wenn ich von dem ein neues Buch sehe, das ich noch nicht habe, dann kauf ich das.« Das ist schon ein Extra-Spitzen-Super-Lob.

Die Liste derer, auf die dieser Ausspruch zutrifft, ist in meinem Kopf nicht sonderlich lang und letzte Woche ist sie leider schon wieder um einen Kopf kürzer geworden. David Foster Wallace hat sich aufgehängt. Mehr weiß ich nicht. Dieser Buchkritiker des NDR, der grinsende Depp, der sich gerne mal ein lustiges Hütchen aufsetzt, damit wir besser auf das besprochene Buch eingestimmt werden, der hat dazu nicht mehr gesagt. Aufgehängt hat er sich, der David Foster Wallace, und wir sollen doch alle sein 1000seitiges Buch „Infinite Jest“ lesen. Gibt’s aber nicht auf Deutsch. Sagte er verschmitzt dazu.

Dass alle diese die Bücher-nicht-gelesen-habenden Blitzkritiker immer meinen, das dickste Buch eines Autors müsse, weil es doch massenhaft Schweiß und Druckerschwärze gekostet hat, auch sein Bestes sein? Ich weiß es nicht. Denn um die etwas weniger als 1000 Seiten von „Infinite Jest“ habe ich mich bisher gedrückt. Aber alles Andere habe ich von David Foster Wallace gelesen, und es hat sich jedesmal gelohnt.

Kann sein, dass der Mann auf der anderen Seite des Atlantiks sich exakt zu der Zeit aufgehängt hat, als ich eines seiner Essays von 2005 las. Ein faktenreicher Bericht über Billig-Radio-Stationen, die auf Mittelwelle senden, hauptsächlich ging es um die dort täglich tobenden reaktionären Radioplauderer. Bei mir war’s, als ich es las, nach Mitternacht und in den USA also mitten am Tag. Hängt man sich eigentlich eher morgens oder abends auf? Gibt es es dazu Untersuchungen, womöglich eine verlässliche Statistik? Vielleicht tat er es gerade in dem Moment, als ich leise kicherte, weil er in seinem Text von vor drei Jahren gerade rhetorisch gefragt hatte, warum es wohl soviele Werbung im Radio für Hypothekenkredite geben muss? Was denn das für eine neue Mode sei? Den Leuten Geld wie Sauerbier oder Waschmittel anzudienen? Ich lag auf meinem Sofa und dachte, David Foster Wallace, seit einigen Wochen wirst du dir auch das Phänomen endlich erklären können.

David Foster Wallace wird also keinen klugen Bericht über den Zusam­menbruch der Banken dieser Welt mehr verfassen. Ob er das alles hätte wirklich erklären können? Der sogenannte „freie Markt“ begeht seit ei­ner Woche endlich seinen längst angekündigten Selbstmord, und Geor­ge W. Bush will den Siechenden ums Verrecken nicht sterben lassen. Koste es was es wolle. 700.000.000.000 (eine 7 mit 11 Nullen hinten dran) soll es ganz exakt kosten. Und, so wie es aussieht, dürfen in nächster Zeit alle Steuerzahler dieser Welt ihr kleines Scherflein dazu beitragen.

Seit Freitagmorgen gibt es nun eine neue Regel auf dem „freien Markt“. Es darf ungehindert weiter spekuliert werden, aber nur noch auf stei­gende Kurse. … weiter lesen

23.09.2008 von Heiko Werning
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Hamburger Morgenpost entdeckt weltexklusiv Gift-Anakondas!

von Heiko Werning

Dümmer geht immer – Stephanie Lamprecht ist offenbar wild entschlossen, das zumindest für sich selbst eindrucksvoll unter Beweis zu stellen. Schon gestern hat sie für die Hamburger Morgenpost ihre Ahnungslosigkeit unter Beweis gestellt und offenbar Gefallen daran gefunden. „Exoten Irrsinn! Die können Sie alle kaufen!“ heißt (natürlich mit original fehlendem Bindestrich) ihre Suada. Die Dame war offenbar erstmals in ihrem Leben in einem Zoogeschäft, das nicht nur Hundefutter anbietet, und hat dort die merkwürdigsten Kreaturen angetroffen. Beispielsweise Chamäleons aus Südamerika (die es dort gar nicht gibt). Oder die „gigantische und hochgiftige Grüne Anakonda aus dem Amazonas“. Dabei könnte sie heute doch vermutlich jeder zweite Fünfjährige darüber aufklären, dass Anakondas gar nicht giftig sind. So eine Falschaussage wäre ja sogar der Bild-Zeitung zu doof. Da macht es auch fast schon nichts mehr, dass sie von eben dieser Grünen Anakonda auch gleich noch behauptet, sie könne „unkontrolliert in Hamburger Terrarien landen“,… weiter lesen