Mein Kollege Falko Hennig von der “Reformbühne Heim & Welt” hat einen wunderbaren Text über seinen Besuch beim ältesten Schüler der Welt in Kenia geschrieben, den er vor einigen Wochen schon sonntagabends bei uns (mit vielen schönen Dias) vorgestellt hat. Dafür verlinke ich auch gern mal freundlich auf SPIEGEL-online.
Archive for September, 2008
„Wie alt ist er denn?“
Die ältere Dame schaut mit diesem typisch verzückten Blick der spontanen kindbedingten Vollverblödung auf meinen Sohn. Ich ahne, was jetzt kommt. Ich antworte schicksalsergeben:
„Gute zwei Jahre.“
„Oh.“
Der verzückte Blick weicht einem Ausdruck tiefer Betroffenheit. Ein bisschen so, als hätte ich ihr mitgeteilt, der Kleine habe Krebs und wird es wohl nicht mehr lange machen.
„Aber dann müsste er doch schon längst sprechen?“, kommt es wie erwartet.
Müsste er aber nicht. Er muss mit 18 wählen können, das muss er. Und den Weg dahin, den werden wir uns schon irgendwie einteilen.
Ich meine: Er kann durchaus ein paar Worte. Er kann „heiß“ sagen und „Leguan“, „Gurke“ und „Gaucho“ und „Krokodil“. Das waren, neben Mama und Papa, in genau dieser Reihenfolge seine ersten fünf Wörter, und ich finde, das ist eine schöne Auswahl. Seit unserer Patagonienreise kann er… weiter lesen
Wenn ich sie sehe, die Jungs, wie sie fassungslos und entsetzt auf ihre steil nach unten zeigenden Kurven blicken in ihren Börsen und Finanzzentren und es gar nicht glauben mögen, was da passiert, dann fühle ich mich manchmal versucht, ihn zu sagen, diesen Satz, den ich nie sagen wollte: “Geht halt lieber arbeiten!”
Einmal mehr versucht SPIEGEL-online sich am Thema Reptilien & Co., und einmal mehr geht es gründlich schief. Diesmal dokumentiert Nicole Serocka ihre Ahnungslosigkeit zum Thema sowie ihren Unwillen, daran durch Recherche etwas zu ändern.
Schon im Teaser geht es in die Vollen: 200.000 Würgeschlangen sollen in Deutschlands Haushalten leben. Das klingt schön schaurig. Nun ist eine Würgeschlange allerdings jede Schlange, die ihre Beute durch Umschlingen tötet (ein Klick auf den angegebenen SPIEGEL-Wissen-Link „Würgeschlange“ hätte gereicht, um das herauszufinden). Dazu gehören also auch allerniedlichste kleine Nattern, die die übergroße Mehrheit der privat gehaltenen Schlangen stellen. Und die werden nirgends gemeldet, wir wissen also schlicht nicht, wie viele „Würgeschlangen“ in deutschen Haushalten leben. Die Schätzung der zitierten „Aktion Tier“ entbehrt jeder Grundlage.
Dann folgt das dramatische Einstiegsszenario in das Thema „Reptilienboom“ und „Invasion der Echsen“ mit der These: „Immer öfter tauchen sie [also die Gift- und Würgeschlangen] auch außerhalb ihrer Heime auf.“ Geschildert wird der Fall einer – tja: Ringelnatter. Die ist nicht nur harmlos, wie die Autorin einräumt, die ist vor allem kein Exot. Die lebt hier ganz regulär. Würde es sich dabei tatsächlich um „ein zunehmendes Phänomen in deutschen Städten“ handeln, wäre das ein schöner Erfolg für den Naturschutz. Und hätte sich die Szene auch nur näherungsweise so abgespielt, wie die Autorin schreibt, wäre sie zudem noch eine bemerkenswerte neue wissenschaftliche Erkenntnis: „Als Julia Ott an einem der sonnigeren Tage dieses Sommers über ihre Hofeinfahrt im fränkischen Rottenstein geht, bekommt sie einen ziemlichen Schrecken: Nur wenige Meter von ihr entfernt liegt eine 120 Zentimeter lange, zusammengerollte Schlange. Während Ott abrupt stehen bleibt, richtet sich das schwarz-gelbe Reptil plötzlich s-förmig auf und fixiert die junge Frau. Die Drohgebärde erinnert Ott an eine gefährliche Kobra.“ Genau so reagieren Ringelnattern gerade nicht auf Bedrohung. Die kriechen entweder ganz fix davon, oder sie stellen sich tot, lassen die Zunge raushängen und quetschen zur Not noch einen Tropfen Blut aus dem Maul, damit es auch wirklich echt aussieht. Die Szene im fränkischen Rottenstein dürfte mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit schlicht frei erfunden sein.
Vollends daneben greift die Autorin dann ausgerechnet … weiter lesen
Und zum Glück auch die Sommerinterviews im Fernsehen, ein hochgradig bizarres Sommerlochphänomen, dem ich mich in einem Kommentar gewidmet habe: Wenn die Kuhglocken tosen, drüben, in der jungle world.