taz logo klein
logo taz.de logo tazblogs

Beiträge von November 2008

28.11.2008

Karibik-Tagebuch (3): co-quí

von Heiko Werning

Montag, 3.11.2008

Nach der ersten Nacht in San Juan wissen wir auch, warum der coqui das Nationaltier Puerto Ricos ist: Er ist wirklich allgegenwärtig. Man sieht ihn zwar nicht, aber man hört ihn, an jeder Ecke, in jedem Busch, an jedem Springbrunnen, überall ertönt in der tropischen Nacht sein eher an Vögel erinnerndes co-qui! co-qui!

OK, wenn man sich anstrengt, sind sie natürlich doch nach einer Weile zu sehen:

26.11.2008

Karibik-Tagebuch (2): Endlich mal ein ordentliches Nationaltier!

von Heiko Werning

Es sagt ja schon viel aus über das viel zu kalte Land, aus dem ich stamme, dass es über einen „Bundesadler“ verfügt. Groß soll es sein, imposant, ausspähend, ehrfurchtgebietend, all so was eben, das Nationaltier. Nichts gegen Adler persönlich, aber eine Nation, die sich so einen Greif als Wappen- und Symboltier aussucht (und es dann aber unverzüglich mehr oder weniger ausrottet), der sollte man ruhig sehr misstrauisch begegnen. Puerto Rico hat ein anderes Nationaltier. Einen Frosch. Und zwar ausgerechnet einen kleinen, unscheinbaren, braunen Frosch, den man so gut wie nie zu Gesicht bekommt. „coquí“ wird das sympathische Tierchen genannt, und es entstammt der Gattung Eleutherodactylus. Kaum ein Mensch auf der Welt beachtet überhaupt die Existenz von Eleutherodactylus, obwohl es sich um die artenreichste Wirbeltiergattung überhaupt handelt, aber die Puerto-Ricaner, die machen den coquí zu ihrem Nationalfrosch. Und zwar richtig. Es gibt coquí-Flaggen, coquí-Aufkleber, coquí-Stofftiere, coquí-Tassen, CDs mit coquí-Gepfeife und Bücher mit coquí-Geschichten. Eine besonders Schöne geht so:

Warum die coquís überall auf Puerto Rico anzutreffen sind

Im Urwald von Puerto Rico lebte einst ein unauffälliger, kleiner, brauner Frosch. Der war sehr allein und fühlte sich einsam. Da kam ihm die Idee, nach Artgenossen zu suchen. Da er aber so klein und unauffällig war, konnte er kaum über das Laub auf dem Boden gucken und andere Frösche erspähen, und so rief er, so laut er konnte. Das war erstaunlich laut, und es klang ein bisschen wie das Pfeifen eines Vogels. Andere kleine braune Frösche, die auch einsam waren, hörten ihn, freuten sich, dass sie nicht mehr allein waren, und antworteten, so laut sie konnten. Von da an hörte man überall im Wald in jeder Nacht ihre Rufe: „co-quí!“, „co-quí!“

Im Urwald lebten aber auch Papageien. Und anders als die Frösche, waren diese am Tag wach und schliefen in der Nacht. „Was ist denn das für ein Lärm“, ärgerten sich die Papageien, „und was sind das für komische Vögel, die mitten in der Nacht pfeifen? So was macht doch kein ordentlicher Vogel!“ Und weil sie immer entnervter wurden, begannen sie, nach den Störenfrieden zu suchen und schrien in der Nacht: „Seid endlich still, ihr Schreihälse!“ Da erschraken die kleinen Frösche und flüchteten aus dem Wald in ein benachbartes Bauernhaus. Dort fühlten sie sich schnell sehr wohl und riefen wieder in jeder Nacht. Da sie aber sehr laut waren, hörten die Papageien sie immer noch, störten sich an dem Lärm und begannen erneut, die merkwürdigen Vögel zu suchen. Wieder erschraken die Frösche, und rasch beschlossen sie, lieber in ein Dorf umzuziehen. Doch auch aus dem Dorf drangen ihre nächtlichen Rufe bis in den Wald, wo sie den Papageien den Schlaf raubten und diese erzürnten. Da hüpften die Frösche in die große Stadt. In der war es ohnehin so laut, dass ihre Rufe niemand störten, nicht einmal die Papageien. Die saßen nun nachts im Urwald und konnten immer noch nicht schlafen. Denn sie fühlten sich plötzlich einsam und verlassen. Ihnen fehlte etwas. Ihnen fehlten die gewohnten Rufe: „co-quí!“, „co-quí“. Da begannen die Papageien erneut, nach den seltsamen Vögeln zu suchen, um sie zu bitten, zurück zu ihnen in den Wald zu kommen. Sie flogen über die ganze Insel und riefen: „Bitte, kommt zurück!“ Die Frösche hörten das und berieten sich. Einigen gefiel es so gut in der Stadt, dass sie unbedingt dort bleiben wollten. Andere sehnten sich zurück nach dem Dorf oder dem Bauernhof. Und wieder andere freuten sich, endlich wieder in den Urwald gehen zu können. Die Papageien staunten nicht schlecht, als sie sahen, wie eine ganze Reihe Frösche zu ihnen in den Wald hüpfte: „Ihr seid ja gar keine Vögel! Kein Wunder, dass ihr nachts ruft und nicht am Tage, so wie wir! Entschuldigt, wenn wir euch erschreckt haben!“ Und die Frösche verziehen den Papageien, und seither erklingt ihr lautes Pfeifen überall auf Puerto Rico, in den Urwäldern, auf dem Land, in den Dörfern und in der großen Stadt.

26.11.2008

Karibik-Tagebuch (1): Mit Richard Wagner (FAS) und Oxazepam (B I) nach Puerto Rico

von Heiko Werning

Sonntag, 2.11.2008

Ich Idiot. Jahrelang plage ich mich mit meiner Flugangst rum, dabei reichen doch ein paar Tabletten, und alles ist gar nicht mehr so schrecklich. Der Flug nach San Juan, Puerto Rico, nicht, und die Lektüre der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung auch nicht. „Lauter Blogwarte“ sieht Richard Wagner, für ihn sind Blogger Flöhe im Pelz des Hundes, Journalisten, bei denen es zu einer Anstellung nicht gereicht hat. Lustig. Der hält es offenbar wirklich für ein Privileg, fest bei der FAS zu sein. Und nichts deutet darauf hin, dass seine Polemik satirisch gemeint sein könnte. Wenn sie doch wenigstens ein Fitzelchen Humor aufwiese! Dann wäre ich ja durchaus einverstanden, ich halte ja ohnehin nahezu jeden für einen Vollhonk, natürlich auch praktisch alle Blogger, also nur immer schön druff. Aber die Verbissenheit des Textes lässt nur das Bild eines Schreiberlings entstehen, dem der Arsch ordentlich auf Grundeis geht. Das Rassisten-Blog „Politically Incorrect“ als Beleg gegen das Blogwesen im Allgemeinen anzuführen ist so intelligent, wie die Existenz der „National-Zeitung“ zum Beweis für die Untauglichkeit von Zeitungen zu erklären. Und putzig, ausgerechnet von einem Zeitungsjournalisten beklagt zu hören, die Blog-Inhalte seien von „keiner Instanz geprüft“. Wenn man von einem Thema ein bisschen mehr versteht, lernt man ja rasch, die Prüf-Instanzen der Qualitätsmedien einzuschätzen. Und ich nehme mal nicht an, dass dieses großflächige Versagen nur Reptilien betrifft. Aber was soll’s. Gepriesen sei Oxazepam!

26.11.2008

Karibik-Tagebuch (0)

von Heiko Werning

Wie oben ja schon angedeutet, war ich die letzten Wochen in der Karibik unterwegs. Streng dienstlich natürlich, auf der Suche nach diversen Reptilien und Amphibien, und um ein Schutzprojekt für eine der seltensten Echsen der Welt zu besuchen, den Anegada-Wirtelschwanzleguan.

Diesmal habe ich mir erst gar nicht vorgenommen, von dort zu bloggen. Bei diesen Reisen sind die Tage ohnehin so voll, dass man zu nichts kommt, die Zeit ist einfach zu schade, sie in irgendwelchen Internet-Cafés zu verplempern. Und ein Tagebuch kann man ja auch immer noch schreiben. Ist doch sowieso alles virtuell. Nachdem das aber beim letzten Mal mit Argentinien schon (vorerst, wird vielleicht noch nachgeholt) nicht geklappt hat, weil der Alltag alles so schnell verschluckt, hier also ganz frisch, den Jetlag nutzend.

26.11.2008

Terrorsänger Marc-Uwe Kling

von Heiko Werning

Na ja, war ja nicht zu erwarten, dass in den Wochen meiner Abwesenheit kollektive Besinnung auf Vernunft Einzug gehalten hat, aber worüber ich bei erster Sichtung der Lage im Schnipselfriedhof stolpere, lässt mich doch arg kopfschütteln bzw. heftig zurück auf meine Karibikinseln wünschen. Aber immerhin: Endlich hat es mal einer aus der Lesebühnenszene wirklich zu was gebracht! Glückwunsch, Marc-Uwe!

Ach, und Euch, Christian Schertz (RA), Martin Lindner (FDP), Fritz Felgentreu (SPD), Frank Henkel (CDU), Peter Raue (Idiot), sowie natürlich der ganzen B.Z.-Meute sei gesagt: Einer muss vielleicht der Erste sein, aber danach kommt Ihr bestimmt auch noch an die Reihe. Nur nicht vordrängeln!

P.S.: Noch treffender formuliert es Uli Hannemann.

26.11.2008

Verdammt – Heizung an!

von Heiko Werning

Jaja, Luxusprobleme. Na und? So ist das, wenn man nach einigen Wochen Leguansuche in der Karibik in die ungeheizte Wohnung zurückkommt: kalt. Viel zu kalt. Nicht mal richtig tippen kann ich mit diesen klammen Fingern, und das trotz 2 Pullovern und doppelt Socken und seit Stunden voll aufgedrehten Heizungen. Ich glaube, ich leg mich gleich erst mal in ein Terrarium, zum Aufheizen. Alles Weitere dann, wenn ich wieder Betriebstemperatur erreicht habe.